Friedrich-Schiller-Universität Jena Forscher untersuchen Zusammenhang dunkler Triade und Beziehungsqualität in Paaren; Narzissmus am stärksten regulierbar durch Beziehung

Romantische Partnerschaft als Therapie | Uni Jena

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Studie untersucht den Zusammenhang zwischen »dunklen« Persönlichkeitsmerkmalen und Beziehungsqualität

Zwei ausgestreckte Hände von zwei verschiedenen Personen bewegen sich aufeinander zu.

Meldung vom: 28. Juli 2026, 14:00 Uhr | Verfasser

Die gemeinhin als sozial unerwünscht betrachteten Persönlichkeitseigenschaften Machiavellismus, Psychopathie und Narzissmus prägen nicht nur eine romantische Beziehung – die Qualität der Beziehung kann auch die Persönlichkeitseigenschaften der jeweiligen Partnerinnen und Partner beeinflussen und sie im besten Fall sogar abmildern. Das fanden Psychologinnen und Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena in einer neuen Studie heraus. Für ihre Untersuchungen werteten sie die Daten von rund 1900 Paaren aus. Über ihre Forschungsergebnisse informieren die Jenaer Forschenden im »Journal of Personality and Social Psychology«.

Unter der dunklen Triade fassen Psychologinnen und Psychologen Eigenschaften zusammen, die gemeinhin als sozial wenig erwünscht wahrgenommen werden: Machiavellismus – der Hang zum Manipulieren und Ausnutzen anderer Personen –, Psychopathie – Rücksichtslosigkeit und wenig ausgeprägte Empathie – sowie Narzissmus – der Hang zur Selbstüberhöhung. »Jeder von uns trägt diese Persönlichkeitseigenschaften in unterschiedlichen Ausprägungen in sich. In der Regel nehmen sie keine pathologischen Dimensionen an«, erklärt Anna Braig.

Die Psychologin der Universität Jena hat untersucht, wie sich diese Eigenschaften auf romantische Partnerschaften im jungen Erwachsenenalter auswirken – und umgekehrt. Dafür wertete sie die Daten von 1925 Paaren mit einem Durchschnittsalter von rund 36 Jahren aus, die dreimal in einem zeitlichen Abstand von jeweils zwei Jahren befragt wurden. Auf diese Weise lässt sich auch der Einfluss von Veränderungen innerhalb der Beziehung abbilden. Die Informationen stammen aus dem deutschen Beziehungs- und Familienpanel »pairfam«. Ihr Ergebnis: »Persönlichkeit und Beziehung entwickeln sich nicht unabhängig voneinander. Vielmehr beeinflussen sie sich wechselseitig«, sagt Anna Braig.

Sozial unerwünschte Eigenschaften führen zu geringer Beziehungszufriedenheit

Für ihre Studie hat sie die Auswirkungen dieser antagonistischen und selbstzentrierten Eigenschaften auf zentrale Aspekte einer Beziehung genauer unter die Lupe genommen: »Eine starke Ausprägung dieser Merkmale führt zu einer geringeren Beziehungszufriedenheit und stellt die Langlebigkeit der Beziehung infrage«, erklärt die Jenaer Psychologin. »Außerdem sind die sogenannte Reziprozitätsorientierung, also die Erwartung von Gegenleistungen, sowie der Hang zur verbalen Aggression größer.« All das spricht nicht für eine gute Beziehung.

Gleichzeitig allerdings zeigten die Forschungsergebnisse einen überraschenden Einfluss der Beziehung auf die Ausprägung sozial unerwünschter Eigenschaften. »Je positiver diese Aspekte einer Beziehung bewertet werden, desto mehr nehmen die Eigenschaften der dunklen Triade ab«, erklärt Anna Braig. »Partnerschaftliche Erfahrungen werden also getrieben durch die Abnahme der dunklen Eigenschaften, wodurch sich wiederum eine Beziehung positiver gestalten lässt.« Insbesondere der Narzissmus habe den größten Einfluss auf eine Beziehung, ließe sich durch sie aber seinerseits am besten regulieren.

»Wir wissen, dass mit zunehmendem Alter die Ausprägungen dieser sozial unerwünschten Eigenschaften in der Regel nachlassen«, sagt Prof. Dr. Franz Neyer von der Universität Jena, der ebenfalls am Forschungsprojekt beteiligt war. »Mit der Studie zeigen wir, dass romantische Beziehungen dabei eine wichtige Rolle spielen können – insbesondere in Bezug auf die Ausprägung solcher als ›dunkel‹ umschriebenen Merkmale. Man kann an einer Beziehung wachsen und sich damit sozial erwünschter entwickeln. Partnerschaft stellt hierbei schon eine Art Therapie dar.«

Die Daten für die Untersuchung stammen aus der repräsentativen Langzeitstudie »pairfam«, in deren Rahmen von 2008 bis 2022 jährlich rund 12.000 Personen, deren Partnerinnen und Partner sowie deren Familienmitglieder befragt wurden, um über einen längeren Zeitraum Informationen zur Lebens- und Beziehungszufriedenheit der Probandinnen und Probanden zu erlangen. Während die Erhebung der Daten abgeschlossen ist, werden diese weiterhin in zahlreichen Studien ausgewertet.

Braig, A., Johnson, M. D., Mund, M., & Neyer, F. J. (2026). Evolving together: Dynamic transactions of antagonistic and self-centered traits with couple relationships. Journal of Personality and Social Psychology. Advance online publication. DOI: 10.1037

Franz J. Neyer, Univ.-Prof. Dr.

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Professur Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik

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