UNAIDS warnt vor Millionen neuen Infektionen und Todesfällen in Rio de Janeiro; 3 Millionen Infektionen, 1,3 Millionen Todesfälle bis 2030.
AIDS 2026 UPDATE: „Jahrzehnte des Fortschritts stehen auf dem Spiel“ | Deutsche Aidshilfe
An dieser Stelle veröffentlichen wir täglich Updates von der 26. Internationalen AIDS-Konferenz in Rio de Janeiro.
+++ 28.7., 21:30 Uhr +++
„Jahrzehnte des Fortschritts stehen auf dem Spiel“
UNAIDS warnt in seinem neuen Bericht vor Millionen neuen Infektionen und Todesfällen durch Rückschritte bei den globalen Maßnahmen gegen HIV. Und betont: Nicht die Wissenschaft muss das Problem lösen, die Regierungen der Welt müssen es tun.
Mehr als 3 Millionen HIV-Infektionen und 1,3 Millionen Todesfälle werden laut UNAIDS die Folge der globalen Mittekürzungen bis zum Jahr 2030 sein. Sie wären laut einem neuen UNAIDS-Bericht vermeidbar, wenn die Welt sich weiter an die gesetzten Ziele und den dazu gehörigen Plan halten würde.
UNAIDS-Direktorin Winnie Byanyima stellte diese Zahlen am Montag bei der Eröffnungspressekonferenz der 26. Internationalen Aids-Konferenz vor. Die HIV
Aids-Organisation der Vereinten Nationen reagiert mit ihrem Bericht zur Welt-Aids-Konferenz auf die aktuelle Krise der globalen Maßnahmen gegen Aids.
Noch nie so tief gefallen
Kongress-Präsidentin Beatriz Grinsztejn setzte den Grundton der Pressekonferenz, der insgesamt deutlich schärfer war als die Pressemitteilung von UNAIDS: „Noch nie ist die Finanzierung so tief gefallen, und viele Menschen bezahlen bereits den Preis.“
Dabei geht es geht nicht nur um Geld. Winnie Byanyima brachte auf den Punkt, wie sich die Situation gerade auf mehreren Ebenen gleichzeitig verschärft:
„Dieser Bericht erzählt zwei Geschichten: Die erste handelt von außerordentlichem wissenschaftlichem Fortschritt. Die zweite Geschichte ist eine Warnung: Finanzielle Kürzungen, wachsende Ungleichheit, Angriffe auf Menschenrechte und immer weiter eingeschränkte Handlungsspielräume der Zivilgesellschaft – all dies zusammen gefährdet Jahrzehnte des Fortschritts.“
Anders formuliert: Das UNAIDS-Ziel, „Aids als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit bis 2030 zu beenden“, rückt gerade in weite Ferne. Stattdessen ist nun laut Bericht ein „Wiederaufflammen der Epidemie“ wahrscheinlich.
Die nackten Zahlen des UNAIDS-Berichtes: 1,2 Millionen Menschen haben sich im Jahr 2025 weltweit mit HIV infiziert. 570.000 Menschen starben an Aids oder damit verbundenen Erkrankungen. Etwa ein Viertel der weltweit 41 Millionen Menschen mit HIV haben noch immer keinen Zugang zur HIV-Therapie. Fast die Hälfte der HIV-positiven Kinder bleibt unbehandelt.
All das ist tragisch genug, denn Aids ist längt vermeidbar, und HIV-Therapien verhindern auch die Übertragung des Virus. Die Welt hat jedoch enorme Fortschritte gemacht; die Zahlen sind in den letzten 30 Jahren stark gesunken. Diese Entwicklung wird sich nun angesichts der Einbrüche bei den globalen Maßnahmen gegen HIV nicht fortsetzen.
Um weitere Fortschritte zu ermöglichen, so betont UNAIDS, müsste „globale Solidarität wieder hergestellt und Ungleichheit angegangen werden“.
Denn in einigen Regionen und Ländern steigen die Infektionen ohnehin schon, so zum Beispiel in Osteuropa und Zentralasien und in Lateinamerika.
Der Erfolg hängt von globalen Mitteln ab
Zudem sind zahlreiche Länder bei ihren Maßnahmen gegen HIV noch immer in hohem Maße abhängig von den Mitteln globaler Programme – viele ärmere Ländern Afrikas zu mehr als 90 Prozent.
Bereits 2025 sind diese Mittel um fast ein Viertel zurückgegangen. Und die Kürzungen gehen weiter. Sie betreffen auch wirtschaftlich stärkere Länder.
Die müssten künftig durchaus mehr selbst bezahlen, erklärte der stellvertretende südafrikanische Gesundheitsminister, Mathume Joseph Phaahla bei der Pressekonferenz. Aber Ausfälle in dieser Größenordnung könne kein Land „über Nacht ausgleichen“.
Was also ist zu tun? Die führenden Köpfe auf dem Podium der Welt-Aids-Konferenz appellieren dringend an politische Entscheidungsträger in aller Welt.Aber auch Pharmafirmen wie Gilead wollen sie in die Pflicht nehmen. Deren hohe Preise für Medikamente schlössen die meisten Menschen von hoch wirksamen Medikamenten wie der Depotspritze Lenacapavir aus.
„Innovation ohne Zugang ist keine Innovation, sondern Ungerechtigkeit“, wiederholt Byanyima an diesem ersten Konferenztag immer wieder.
Byanyima betont, dass es nun ausschließlich um politischen Willen ginge: Die Wissenschaft habe ihren Job gemacht, es seien alle nötigen Mittel vorhanden. „Die Frage ist nicht mehr, ob wir Aids beenden können. Die Frage ist, ob wir uns entscheiden, Aids zu beenden.“
„Wir glauben, dass wir es gemeinsam können“, fügt Mathume Joseph Phaahla hinzu, in dessen Land Südafrika so viele Menschen mit HIV leben wie in keinem anderen. „Und wir bitten Sie, auf den letzten Meilen an unserer Seite zu bleiben.
UNAIDS berichtet am Abend zu Folgen der weltweiten Kürzungen
Deutsche Aidshilfe vor Ort: geänderte Kontaktinformationen
Nach einem Tag mit Vorkonferenzen wird heute in Rio de Janeiro die Welt-Aids-Konferenz eröffnet.
Um 19 Uhr deutscher Zeit wird bei der Eröffnungspressekonferenz UNAIDS einen neuen Bericht über die globale Situation vorstellen. Zentrales Thema sind die Schäden, die aktuell durch Kürzungen entstehen.
Dieses Thema wird die ganze Konferenz beherrschen: Die globalen Maßnahmen gegen HIV stehen auf der Kippe. Der Grund sind Rückschritte auf drei Ebenen gleichzeitig: Finanzielle Kürzungen, politische Entsolidarisierung und Rückbau von Strukturen.
Millionen neue HIV-Infektionen und Todesfälle könnten die Folge sein. Dabei wollten die Vereinten Nationen Aids bis 2030 beenden.
Die 26. Welt-Aids-Konferenz wird also die Stunde der Wahrheit. Mehr Informationen in unserer Pressemitteilung von Freitag, dem 24.7.2026 .
Für die Deutsche Aidshilfe beobachtet und kommentiert Pressesprecher Holger Wicht die Konferenz vor Ort . Er ist steht für Interviews und Hintergrundgespräche bereit.
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