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title: "Bündnis gegen Rechts Wendland-Altmark organisiert Vernetzungstreffen in Altmark und Wendland; AfD könnte Landesregierung stellen."
sdDatePublished: "2026-07-29T10:05:00Z"
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Bündnis gegen Rechts Wendland-Altmark organisiert Vernetzungstreffen in Altmark und Wendland; AfD könnte Landesregierung stellen.

Von Haustürgesprächen bis Karawane: Vor Wahlen gibt es kein Sommerloch - Amadeu Antonio Stiftung

Von Haustürgesprächen bis Karawane: Vor Wahlen gibt es kein Sommerloch

Während die AfD vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt an Einfluss gewinnt, organisieren sich Engagierte in der Altmark und im Wendland mit einem klaren Ziel: demokratische Räume verteidigen. Auf Dorfplätzen, bei Haustürgesprächen und mit einer geplanten Karawane stärken sie Demokratie im ländlichen Raum.

Eine graue Katze liegt im Schatten eines Kirschbaums in einem Hofgarten in einem kleinen Dorf bei Salzwedel. Etwa zwanzig Menschen sind an diesem Abend Ende Juni zu einem Vernetzungstreffen des Bündnisses gegen Rechts Wendland

Altmark zusammengekommen. Sie wohnen in Lüchow, Wustrow, Salzwedel, Kaulitz, Halle, Jameln oder Beetzendorf.

Manche engagieren sich seit Jahrzehnten gegen Rechtsextremismus, andere sind zum ersten Mal dabei. Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt im September kämpfen sie gemeinsam für den Erhalt der Demokratie in einem Bundesland, das bundesweit den höchsten Altersdurchschnitt und seit der Wende etwa ein Drittel seiner Einwohner*innen verloren hat. Ab Herbst könnte die AfD hier die Landesregierung stellen.

Das Treffen startet mit einer kurzen Vorstellungsrunde und einem Impuls zu den demokratiefeindlichen Inhalten des Regierungsprogramms des AfD-Landesverbandes. Die Engagierten wissen: Wird es umgesetzt, geht es nicht nur um Deutschlandflaggen vor Schulen und die Förderung von Brauchtum, Heimat und Nationalgefühl. Die Partei plant, demokratische Institutionen auszuhöhlen, Bürgerwehren einzuführen und das Waffenrecht zu liberalisieren . Die Rechte von Migrant*innen, Geflüchteten und queeren Menschen würden eingeschränkt, Rassismus würde Regierungsprogramm. Für Gleichstellungs-, Integrations- und Demokratiearbeit würden flächendeckend Fördermittel gekürzt. Rechte Gewalt könnte noch weiter zunehmen. Die Verhältnisse drohen zu kippen.

Die Anwesenden tauschen sich bei Kirschen, Kuchen und Quiche über den Organisationsstand von Veranstaltungen, Demokratiefesten und Diskussionsformaten aus, die noch vor den Wahlen in der Altmark stattfinden. Es geht darum, wer wo noch Unterstützung braucht und wer mit anpacken kann. Die Amadeu Antonio Stiftung stellt für die Deckung von Sachkosten, Raummieten und Verpflegung für Vernetzungstreffen und Diskussionsformate des Bündnisses eine finanzielle Förderung zur Verfügung.

Seit 2013 über rechtsextreme Strukturen aufklären

Das Bündnis gegen Rechts Wendland

Altmark wurde 2013 gegründet. „Es gab eine Veranstaltung im Kulturverein Platenlaase im Wendland, die von einer rechtsextremen Rockergruppe gestört wurde“, erzählt Joel vom Bündnis. „Das war der Auslöser, durch den sich Menschen zusammengeschlossen haben, um gegen Rechtsextremismus aktiv zu werden.“

Ähnlich wie heute tauschten sie sich über rechtsextreme Aktivitäten in der Region aus, planten Veranstaltungen und Bannerkampagnen und berieten Betroffene. Joel kam 2015 dazu. Mit der Zeit wurde aus einer Arbeitsgruppe ein großes zivilgesellschaftliches Netzwerk, in dem verschiedene Initiativen aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zusammenarbeiten. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, etwa wenn das Bündnis Aufrufe unterzeichnet oder Stellungnahmen veröffentlicht.

Die meisten Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Andere haben hauptamtliche Stellen in Vereinen oder Bereichen inne, die es ihnen möglich machen, im Rahmen ihrer bezahlten Arbeit einige organisatorische Aufgaben zur Unterstützung des Bündnisses zu übernehmen. Ohne diese Infrastruktur, sagt Joel, würde vieles nicht passieren. So gibt es eine Webseite mit wichtigen Infos, einen regelmäßigen Newsletter, buchbare Trainings für die Engagierten und professionell moderierte Vernetzungstreffen, bei denen alle zu Wort kommen.

Das Bündnis verbindet das niedersächsische Wendland mit der Altmark in Sachsen-Anhalt – zwei ländliche Landkreise mit ähnlicher Bevölkerungsdichte, demografischer Struktur und mit ähnlichen Herausforderungen, die dennoch lange Zeit kaum Berührung hatten. „Die innerdeutsche Grenze hat sich noch bis vor ein paar Jahren zum Beispiel im Lokaljournalismus abgebildet“, erzählt Joel rückblickend. „Selbst Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung berichtete die Elbe-Jeetzel-Zeitung ausschließlich über das Wendland und in der Volksstimme kamen nur Salzwedel oder der Altmarkkreis vor.“ Die unmittelbare Nachbarregion blieb oft unerwähnt. Erst in der letzten Zeit hat sich das geändert, auch weil Journalist*innen eingestellt wurden, die in dem einen Bundesland wohnen und in dem anderen arbeiten.

In der Kultur zivilgesellschaftlichen Engagements zeigen sich durchaus Unterschiede: Das Wendland gilt als lebendige und erfahrene Protestregion – viele Menschen engagieren sich seit Jahrzehnten in der Anti-Atom-Bewegung, in Umweltinitiativen und alternativen Projekten. Die Altmark dagegen ist durch ostdeutsche Transformationsprozesse, niedrigere Durchschnittseinkommen und kleinere demokratische Initiativen geprägt, die oft auf weniger gesamtgesellschaftliche Akzeptanz treffen. „Viele Leute aus dem Wendland haben die Altmark nicht auf dem Schirm und umgekehrt ist das auch so“, beschreibt Joel. Das Bündnis trifft sich deshalb an wechselnden Orten in beiden Landkreisen, um die Mitglieder miteinander in Kontakt zu bringen und ein Gefühl für die „jeweils andere Seite“ und die Initiativen dort entstehen zu lassen.

Karawane für Vielfalt und Toleranz

Während des Vernetzungstreffens Ende Juni kommen langjährige Organisierungserfahrungen, Kreativität, neue Ideen für niedrigschwellige Aktionsformen und Sensibilität für unterschiedliche Lebensrealitäten zusammen. Offensichtlich sind es die vielfältigen Perspektiven und die enge Zusammenarbeit, die die Stärken des Bündnisses ausmachen. Die Liste geplanter Aktivitäten ist lang. Einige der vertretenen organisierten Gruppen verteilen regelmäßig Informationsmaterial, das über die Ziele rechtsextremer Parteien und ein mögliches Verbotsverfahren gegen die AfD aufklärt. Andere führen Haustürgespräche, um mit Nachbar*innen zu kommunalpolitischen Themen und die Landtagswahlen in den Austausch zu kommen.

Vom 21. bis zum 29. August ist eine Mutmach-Mitmach-Karawane durch die Altmark geplant. Die Tour führt mit Fahrrädern, Treckern und anderen Fahrzeugen von Arendsee nach Seehausen, Osterburg, Stendal, Bismark, Kalbe, Gardelegen, Klötze und Dähre bis nach Salzwedel. An jedem Ort finden Veranstaltungen statt – Marktfeste, Konzerten oder Theater stehen auf dem Programm. Die Tour steht für Vielfalt, Toleranz und eine solidarische Altmark und soll Demokrat*innen ermutigen, aktiv zu bleiben. Noch fehlen Helfer*innen für Verpflegung, Logistik und Veranstaltungsorganisation. Der Motivation tut das aber keinen Abbruch.

Ein Diskussionspunkt sind außerdem die zahlreichen Bürgerdialoge und Dorfveranstaltungen, die die AfD vor den Wahlen auch in kleinen Orten in der Altmark veranstaltet. Die demokratischen Parteien sind im Vergleich kaum sichtbar und setzen den publikumsträchtigen Formaten, bei denen die Rechtsextremen mit Bier und Bratwurst punkten, kaum etwas entgegen. Umso mehr sieht sich die demokratische Zivilgesellschaft selbst gefordert, demokratische Alternativveranstaltungen zu organisieren. Eine Gruppe aus dem Wendland bietet denen, die diese Formate umsetzen, Kommunikationstrainings an – nicht um Rechtsextreme zu überzeugen, sondern um mit Unentschiedenen und Zweifelnden leichter ins Gespräch zu kommen.

Am Tag vor den Landtagswahlen wird eine Menschenkette in Salzwedel daran erinnern, dass ein gutes Zusammenleben nur gelingt, wenn Hass und Hetze keine Chance haben.

Wissen teilen und neue Formate ausprobieren

Für das Bündnis geht es um den Erhalt öffentlicher demokratischer Räume. Hierzu werden erfolgreiche Formate gesammelt und kompakt für diejenigen zusammengestellt, die sich engagieren wollen und Ideen suchen. Alle sind sich einig, dass es vor allem Gesprächsmöglichkeiten braucht, die dauerhaft dafür sorgen, demokratische Debattenkulturen zu pflegen und Leute in den direkten Kontakt zu bringen – auch um Vereinzelung und Frustration zu bekämpfen. Wie das im öffentlichen Raum auch über die Wahlen hinaus gelingen kann, darüber wird angeregt diskutiert.

Weil die Gruppen immer häufiger auch Angebote von Demokrat*innen aus Großstädten und westdeutschen Bundesländern bekommen, die Formate und Aktivitäten in der Altmark nicht nur durch Geld, sondern durch Präsenz unterstützen möchten, arbeiten einige auch dafür an Konzepten: Wie lassen sich Menschen „von außerhalb“ sinnvoll mit kleinen Initiativen in Kontakt bringen? Wie gelingt eine gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe, auch dann, wenn sich die Lebensrealitäten und Erfahrungen unterscheiden? Welche logistischen Herausforderungen bringen solche Besuche mit sich, etwa wenn es an Übernachtungskapazitäten im ländlichen Raum fehlt und einige Orte nur zu bestimmten Zeiten per Bus erreichbar sind? Welche Aufgaben können unterstützende Gruppen auch ohne Ortskenntnis übernehmen und welche Herausforderungen für die Sicherheit müssen bedacht werden? Personen aus dem Bündnis sammeln hierzu ihre Erfahrungen und erstellen einen Leitfaden, der solche Kooperationen erleichtern soll.

Längst haben die Mitglieder des Bündnisses auch die Zeit nach den Wahlen im Blick. Sie wollen sich auf die möglichen politischen Veränderungen vorbereiten und trotz des Drucks handlungsfähig bleiben. In Workshops sollen mögliche Szenarien durchgespielt und Resilienzen gestärkt werden. Gemeinsam und solidarisch lassen sich psychische Belastungen auffangen und Strategien zum Umgang mit persönlichen Bedrohungssituationen, Verleumdungen und Diffamierungen entwickeln, obwohl die Ressourcen für die beteiligten Vereine und Gruppen schrumpfen könnten. Das Know-How hat das Bündnis über die Jahre erworben: „Sicherheitsmaßnahmen spielen eine große Rolle“, sagt Joel. „Seit den Anfängen schulen wir uns dazu gegenseitig. Wir haben eine Alarmstruktur für akute Angriffsfälle und wir achten vor allem darauf, dass die Daten der Mitglieder gut geschützt sind.“ Eine Person schlägt während des Treffens vor, Schulungen für Ersthelfer*innen anzubieten und erntet viel Zustimmung. Ein älterer, erfahrener Aktivist sagt: „Der Kampf gegen Rechtsextremismus und Faschismus wird immer wichtig bleiben. Er wird sich aber verändern. Unter einer rechtsextremen Regierung wird dieser Kampf anders aussehen als in einer Demokratie.“

Für das Bündnis gegen Rechts Wendland

Altmark ist Vernetzung kein Selbstzweck. Ziel ist es, solidarische Beziehungen und Strukturen aufzubauen und dabei alle zivilgesellschaftlichen Akteur*innen mitzunehmen, die das Selbstverständnis teilen, trotz unterschiedlicher Erfahrungen und Ideen. Dass dabei auch Grenzen in den Köpfen fallen, ist beabsichtigt. Begegnungen, demokratischer Austausch und die vielen Ideen und Formate für die Arbeit gegen rechtsextreme Normalisierung im Kleinen sind wesentliche Voraussetzungen, um demokratisches Engagement in beiden ländlichen Landkreisen dauerhaft zu erhalten. Zum Schluss sagt ein Bündnismitglied: „Dass sich so viele Gruppen gegen Rechtsextremismus engagieren, gibt mir Mut und Kraft, dass wir durch die Zeiten kommen, die vor uns liegen.“ Eine andere Person bringt auf den Punkt, worauf es in den kommenden Monaten ankommen wird: „Es ist gut, dass es so viele kleine dezentrale Dinge gibt, die tatsächlich umgesetzt werden.“

Ein Trikot, eine Haltung: Tennis Borussia und Amadeu Antonio Stiftung vertiefen Partnerschaft

Die Oberliga-Mannschaft von Tennis Borussia trägt das Logo der Amadeu Antonio Stiftung auf ihren Trikot, kostenlos und aus Überzeugung. Das Engagement ist Ausdruck gemeinsamer Werte und eines klaren Bekenntnisses: Auf dem Platz und abseits davon stehen Verein und Stiftung Seite an Seite gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Homofeindlichkeit und Antisemitismus.

„Das stimmt so nicht!“: Ein Buch als Argumentationshilfe gegen Falsc