Alte Münze Photovoltaikanlage installiert München; 13.860 Solarbiberziegel liefern Strom
PRESSEMITTEILUNG
München, 29. Juli 2026
Die Alte Münze: Ein Münchner Urgestein passt sich an Zentral gelegen ist dieses Baudenkmal, das Jubiläum feiert, doch vielen unbekannt. Mit bald fünf Jahrhunderten auf dem Buckel blickt es auf eine ereignisreiche Historie zurück
Der von außen betrachtet unscheinbare, schlammgrüne Gebäudekomplex befindet sich in prominen- ter Lage in der Münchner Innenstadt. Eingebettet in eine schillernde Nachbarschaft zwischen Oper und Omega, Hofbräuhaus und Hermès liegt die mächtige Vierflügelanlage im so genannten Hofgra- ben. Die bezeichnende Giebelinschrift „MONETA REGIA MDCCCIX“ [Königliche Münze 1809] erzählt nur ein Kapitel der wechselvollen Geschichte dieses einzigartigen Baudenkmals, das sich eines der ältesten Profanbauten Münchens nennen darf. In den Jahren 1809 bis 1986 beherbergte es die Staat- liche Münzanstalt. Münzen für das Königreich Bayern, das Deutsche Kaiserreich von 1871, das Deut- sche Reich, die Bundesrepublik sowie für ausländische Staaten wurden dort geprägt.
Als Kunst- und Wunderkammer ließ Herzog Albrecht V., umtriebiger Bauherr und Kunstsammler, das Gebäude in den Jahren 1563 bis 1567 errichten. Dabei spielten nicht nur Repräsentationszwecke, sondern auch der Gedanke einer umfassenden Dokumentation von Materialien und Artefakten aus den Bereichen Wissenschaft, Kunst und Natur eine Rolle. Man kann die heutige Alte Münze als das älteste „Museum“ Bayerns sehen, das Münchens Tradition als Museumsstadt begründete. Im Erdge- schoss war der Marstall untergebracht. Noch heute zeugt die so genannte Säulenhalle, einer der zwei erhaltenen historischen Innenräume, von der einstigen Bestimmung als Unterstand für die bis zu 200 herzoglichen Pferde. Es ist davon auszugehen, dass der Augsburger Stadtwerkmeister Bernhard Zwit- zel das Gebäude entwarf, wobei er sich am italienischen Renaissancestil orientierte, den er frei ab- wandelte: Der Innenhof ist unregelmäßig konzipiert, die in ungleichen Spannweiten angeordneten
Arkadenbögen in gedrückter Form fallen auf. Die Säulen sind in besonders stämmi- gen Proportionen angelegt, besetzt von eigenwillig ausgeführten Kapitellen. Von 1807 bis 1809 gestaltete Andreas Gärtner, Vater des berühmten Architekten Fried- rich von Gärtner, das Gebäude um, reduzierte die Renaissanceausstattung und ver- passte den Außenfronten den schlichten Klassizismus-Stil der Max-Joseph-Zeit. Im Zweiten Weltkrieg wurden nahezu 70 Prozent des Gebäudes zerstört. Die Arkaden und der Südteil blieben jedoch größ- tenteils unbeschadet. In den 1950er Jahren erfolgte der Wiederaufbau des Gebäudes.
„Der Arkadenhof der Alten Münze gilt als ein herausragendes Beispiel der süddeutschen Renais- sance. Für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege war es vor genau 40 Jahren ein unglaubli- ches Glück, nicht, wie ursprünglich geplant, in einem Neubau untergebracht zu werden, sondern in diesem geschichtsträchtigen Baudenkmal im Herzen der Münchner Altstadt eine Heimat zu finden“ sagt Mathias Pfeil, Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD).
Vor 40 Jahren, am 31. Juli 1986, wurde die Alte Münze in ihre heutige Nutzung überführt: Der dama- lige Finanzminister Max Streibl übergab das Gebäude in einem feierlichen Akt an das Bayerische Lan- desamt für Denkmalpflege, das damit seine über die Stadt verstreuten Abteilungen unter einem Dach zusammenführen konnte: Seither arbeiten hier Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archäologie, Archive, Labore und Werkstätten Hand in Hand – und seitdem ist der Innenhof für die Öffentlichkeit zugäng- lich (Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 7:30 bis 16 Uhr, freitags bis 14 Uhr). 1995 wurde die letzte Gesamtinstandsetzung abgeschlossen, die Fassaden des Innenhofes nach der durch Befunduntersuchungen festgestellten Farbfassung der Erbauungszeit restauriert. 2026 wurden schließlich die Weichen für die Zukunft gestellt: Auf dem Dach der Alten Münze entstand eine denk- malgerechte Photo- voltaikanlage: 13.860 Solarbiberziegel, in einem außergewöhn- lichen Ornament- muster arrangiert, liefern nun Sonnen- strom für eines der ältesten Gebäude Münchens und die darin arbeitenden Denkmalpflegerin- nen und Denkmal- pfleger.
PRESSEKONTAKT Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege | Hofgraben 4 | 80539 München Miriam Windsheimer | Telefon: 089/2114-274 | E-Mail: presse@blfd.bayern.de
BILDMATERIAL Zur Berichterstattung steht Ihnen Bildmaterial zum Download unter www.blfd.bayern.de/blfd/presse zur Verfügung. Bei einer anderweitigen Nutzung bitten wir Sie, selbstständig die Fragen des Urheber- und Nutzungsrechts zu klären. Abb. 1: Innenhof und PV-Anlage der Alten Münze, Foto: Denise Lonis, BLfD; Abb. 2: Innenhof der Alten Münze mit Kriegsschäden, 1945, Foto: BLfD; Abb. 3: Blick auf die Dachflächen der Alten Münze während der Installation der PV-Anlage, im Hintergrund die Staats- oper, Foto: Nicolaj Koraus.
Abb. 4: Historische Fotografie: Münzproduktionsstätte in der sog. Säulenhalle, Foto: Bildarchiv BLfD, Repro nach Landbauamt München Abb. 5: Historische Fotografie: Münzproduktion in der Alten Münze, Foto: Bildarchiv BLfD, Repro nach Landbauamt München
Abb. 6: In der Alten Münze geprägt: Ludwig I., 1825, Foto: Staatliche Münzsammlung, Alescha Birkenholz Abb. 7: In der Alten Münze geprägt: Olympiade 1972, Gold- medaille: Foto: Staatliche Münzsammlung, Sergio Castelli
Abb. 8: Historische Fotografie. Wiederaufbau Alte Münze, um 1945, Foto: Bildarchiv BLfD
Abb. 9: Historische Fotografie. Wiederaufbau Alte Münze, 1950. Foto: Bildarchiv BLfD, Repro nach Landbauamt München
Abb. 10: Historische Fotografie. Wiederaufbau. Zimmerer auf dem neu errichteten Dachstuhl der Alten Münze, 1950. Foto: Bildarchiv BLfD, Repro nach Landbauamt München
Abb. 11: Installation der Photovoltaikanlage auf dem Dach der Alten Münze 2026, Foto: Nicolaj Koraus
Abb. 12: Alte Münze, Baustelle Photovoltaikanlage, technische Beratung, 2026, Foto: Mathias Pfeil, BLfD
Abb. 13: Alte Münze, Baustelle Photovoltaikanlage 2026, Foto: Mathias Pfeil, BLfD