FVA und Regierungspräsidium Stuttgart fördern Wald-Wiesenvögelchen in Baden-Württemberg, Nattheim; 200 Exemplare rund um Nattheim gezählt
PRESSEMITTEILUNG
Lichtblicke für das Wald- Wiesenvögelchen Trendwende im Schmetterlingsvorkommen dank guter Zusammenarbeit 29. Juli 2026
Es geht bergauf mit den Zahlen: Auflichtungs- maßnahmen unter fachlicher Beratung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) und des Regie- rungspräsidiums Stuttgart (RPS) tragen dazu bei, das in Baden-Württemberg vom Ausster- ben bedrohte Wald-Wiesenvögelchen zu stär- ken. „Die kleinen, isolierten Schmetterlingspopulationen im Schönbuch und auf der Ostalb befanden sich in kritischem Zustand“, erklärt Nora Dalüge aus der Ab- teilung Waldnaturschutz der FVA. Sie betreut gemein- sam mit Dr. Matthias Dolek, vom RPS im Rahmen des Artenschutzprogramms beauftragt, Maßnahmen zur Förderung dieser seltenen Art. „Die diesjährigen Er- gebnisse lassen hoffen, dass wir die Art mithilfe ge- eigneter Auflichtungen vor dem Aussterben bewah- ren können.“ Besonnte Flächen und bessere Konditionen im Dagersheimer Wald In den vergangenen drei Jahren haben die Stadt Böb- lingen, die dortige Untere Forstbehörde sowie der Landschaftserhaltungsverband Böblingen mit verein- ten Kräften gezielte Maßnahmen für das Wald-Wie- senvögelchen umgesetzt: Mehrere Auflichtungen im Dagersheimer Wald sorgen nun für besonnte, grasige Strukturen innerhalb des Waldes. Neu angebrachte Grabensperren halten Feuchtigkeit länger in den Flä- chen zurück. Die aktuellen Entwicklungen lassen die beiden Schmetterlingskundler hoffen: „Seit über zehn Jahren geht es mit den Zahlen zum ersten Mal wieder etwas bergauf statt bergab, das ist ein großartiger Er- folg“, sagt Dolek. Historische Waldnutzungsform auf der Ostalb: Der Mittelwald bringt Artenvielfalt Auch rund um Nattheim auf der Ostalb haben die Maßnahmen Früchte getragen – nachdem vor Beginn der Auflichtungen nur noch einzelne Wald-Wiesenvö- gelchen nachgewiesen werden konnten, nimmt der Bestand dank dieser Artenschutzmaßnahmen im Wald wieder zu. Dafür setzt der Landesforstbetrieb ForstBW seit 2019 gezielte Auflichtungsmaßnahmen um und hat hier sogar die historische Waldnutzungs- form Mittelwald wieder aufleben lassen. Dabei för- dern locker stehende Einzelbäume und regelmäßig zurückgeschnittenes Gehölz besonnte Waldstruktu- ren. Sie bieten vielen gefährdeten Arten, darunter auch dem Wald-Wiesenvögelchen, einen geeigneten Lebensraum. Artenschutz bleibt Teamarbeit Über den gesamten Zeitraum dieser Maßnahmen wurden die Faltervorkommen dabei von der FVA und dem Regierungspräsidium Stuttgart genau beobach- tet. „Der intensive Einsatz aller Beteiligten zahlt sich
Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) ist als Forschungseinrichtung der Landesforstverwaltung (LFV) dem Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirt- schaft und Heimat Baden-Württemberg (MLR) zugeord- net. Sie forscht über den Wald und die Waldnutzung in Baden-Württemberg und übernimmt eine Vielzahl von Aufgaben: Neben Forschung und Monitoring ist der Wis- senstransfer ein Kern ihrer Arbeit. Die FVA hat ihren Hauptsitz in Freiburg und wird von Prof. Dr. Ulrich Schraml geleitet. Sie wollen über unsere Waldforschung auf dem Laufenden bleiben!? Abonnieren Sie unseren Newsletter! Kontakt Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg Pressestelle / Katja Wetz Wonnhaldestraße 4 · 79100 Freiburg Tel. (07 61) 40 18 – 371 Presse.FVA-BW@forst.bwl.de · www.fva-bw.de aus“, heben Dr. Matthias Dolek und Nora Dalüge her- vor. Sie konnten Ende Mai diesen Jahres 200 Exemp- lare des Wald-Wiesenvögelchens rund um Nattheim zählen. „Das ist ein fantastisches Ergebnis für eine Art, die europaweit gefährdet und bei uns in Baden- Württemberg sogar vom Aussterben bedroht ist! Ko- operationen wie diese ermöglichen es uns, nachhal- tige Erfolge im Bereich Artenschutz und Artenförde- rung zu beobachten“, betonen die Schmetterlings- kundlerin und der der Schmetterlingskundler. Und nicht nur das Wald-Wiesenvögelchen profitiert: Auch viele weitere hoch bedrohte Arten wie Platterbsen- Widderchen, Silberfleck-Perlmuttfalter und Schlüssel- blumen-Würfelfalter sind im Wald auf den besonnten Flächen zu finden. Die Arbeiten tragen zur Umsetzung der Waldnatur- schutzkonzeption 2030 im Rahmen der vom Ministe- rium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Hei- mat (MLR) ins Leben gerufenen Waldstrategie Baden- Württemberg bei. Gleichzeitig sind sie Teil der Um- setzung des Artenschutzprogramms (ASP) Baden- Württemberg im Regierungsbezirk Stuttgart. Hintergrund: Die Waldnaturschutzkonzeption 2030 Ziel der Waldnaturschutzkonzeption 2030 ist es, die biologische Vielfalt der Wälder im Land gezielt zu fördern und die Widerstandsfähigkeit der Wälder zu stärken. Zudem verbindet sie naturschutzfachliche und rechtliche Rahmenbedingungen miteinander, um Konflikte zwischen Naturschutz, Erholung und Holz- nutzung zu entschärfen.
Weitere Informationen → Mehr zum Wald-Wiesenvögelchen auf der FVA-Website → Insektenmonitoring der FVA → Umsetzung des Artenschutzprogramms in den Regierungspräsidien Baden-Württem- berg → FVA-Abteilung Waldnaturschutz → Weitere Informationen zum Artenschutzpro- gramm (ASP)