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title: "HFV tin* Spielrecht Hamburg; Vorreiterrolle vor DFB seit 2021"
sdDatePublished: "2026-07-29T06:04:00Z"
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HFV tin* Spielrecht Hamburg; Vorreiterrolle vor DFB seit 2021

HFV-Themenwoche: "Wir müssen zeigen, dass wir für Vielfalt stehen!" - Hamburger Fußball-Verband e.V.

HFV-Themenwoche: "Wir müssen zeigen, dass wir für Vielfalt stehen!"

Interview mit Steffen Fischer, Beauftragter des HFV für sexuelle Vielfalt und geschlechtliche Identität

Vor fünf Jahren führte der Hamburger Fußball-Verband (HFV) als einer der ersten Landesverbände in Deutschland das tin* Spielrecht ein und ermöglichte damit einen wichtigen Schritt für mehr Teilhabe und Selbstbestimmung im Fußball. Menschen in Transition sowie Personen mit diversem oder offenem Geschlechtseintrag können seitdem den Spielbereich wählen, in dem sie sich wohlfühlen.

Über dieses besondere Jubiläum, die Bedeutung des tin* Spielrecht s und die Herausforderungen rund um sexuelle Vielfalt und geschlechtliche Identität im Fußball haben wir mit Steffen Fischer gesprochen. Er ist Beauftragter des HFV für sexuelle Vielfalt und geschlechtliche Identität sowie Vertrauensperson für TIN*-Personen.

Während unseres Themenschwerpunkts „Soziale und gesellschaftliche Verantwortung“ und im Rahmen der diesjährigen Hamburger Pride Week stellen wir diese Woche verschiedene Bereiche des HFV vor, die weit über das Geschehen auf dem Fußballplatz hinausgehen. Dazu gehört neben Integration, sexueller Vielfalt und Gewaltprävention auch der Bereich Fair Play. Über den digitalen Bildschirm hinaus geht dabei die Out-of-Home-Plakatkampagne „Alle im Spiel – für Vielfalt & Respekt auf und neben dem Platz“, die aktuell an rund 250 Standorten in und um Hamburg zu sehen ist. Zudem setzt der HFV mit der Pride-Flagge an der Geschäftsstelle sowie der Teilnahme am Christopher Street Day am 1. August ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Respekt und gesellschaftlichen Zusammenhalt im Fußball.

Fünf Jahre TIN* Spielrecht im HFV

HFV: Wir feiern in diesem Sommer fünf Jahre tin* Spielrecht im HFV. Was bedeutet das?

Steffen Fischer: Ich freue mich sehr darüber, dass wir seit fünf Jahren die Möglichkeit haben, Menschen, die sich in einem Geschlechtsangleichungsprozess befinden, zu ermöglichen, in dem Geschlechtsbereich zu spielen, in dem sie sich in ihrer aktuellen Situation am wohlsten fühlen. Das heißt, Personen, die beispielsweise in einem weiblichen Körper geboren sind und sich männlich identifizieren, können unabhängig davon, ob der Personenstand bereits angepasst ist, bei den Männern oder bei den Frauen spielen. Das geschieht immer in Abstimmung mit mir als Vertrauensperson, um möglichen Missbrauch auszuschließen.

Das ist eine unglaubliche Flexibilität, die wir Menschen in einer häufig sehr schwierigen Lebenssituation geben können. Gleichzeitig sorgt sie für Stabilität, weil die Personen in ihrem Verein und ihrem Team bleiben oder sich, wenn sie das möchten, auch in einem neuen Bereich ausprobieren können.

HFV: Was macht dieses Jubiläum besonders?

Steffen Fischer: Seit 2021 sind wir in der Lage, genau das den Menschen zu ermöglichen. Damit waren wir ein Jahr vor dem DFB. Noch ein Jahr früher waren die Kolleginnen und Kollegen aus Berlin, aber das haben wir ziemlich schnell aufgeholt. Aktuell haben wir tatsächlich auch einige Personen, die das Spielrecht nutzen und in ihren Vereinen sehr glücklich sind.

HFV: Zum tin* Spielrecht gehört noch ein weiterer wichtiger Aspekt.

Steffen Fischer: Ja, das tin* Spielrecht hat noch einen zweiten Teil. Dieser bezieht sich auf Personen, die im Personenstand „divers“ oder „keine Angabe“ eingetragen haben. Der Fußball ist, wie eigentlich fast alle Sportarten, binär strukturiert: männlich und weiblich. Wir geben auch diesen Personen die Möglichkeit, sich den Spielbereich auszusuchen. Die Fälle sind seltener als bei Personen in Transition, aber dennoch ist diese Möglichkeit für die betroffenen Menschen total wichtig.

HFV: Du hast direkten Kontakt zu den Menschen, die dieses Spielrecht nutzen. Welche Bedeutung hat das für sie?

Steffen Fischer: Da ist es wichtig, zunächst mit einem Vorurteil aufzuräumen. Es gibt immer wieder die Behauptung, Personen würden ihren Personenstand ändern, um beispielsweise als männlich geborene Person im Frauenbereich spielen zu können. Das ist aus meiner Sicht eine vollkommen falsche Wahrnehmung. Personen, die ihr Geschlecht angleichen, verändern ihr gesamtes Leben. Sie müssen sich in ihrer Familie, im Freundeskreis, in der Schule, am Arbeitsplatz und in vielen anderen Bereichen ihres Lebens outen. Sie müssen überall erklären, dass die Person, die bislang als männlich oder weiblich wahrgenommen wurde, nun anders lebt. Der Fußball ist dabei nur ein kleiner Teil. Hier können wir unterstützen und Stabilität schaffen. Aber niemand verändert seinen Personenstand wegen des Fußballs.

HFV: Was bedeutet dir persönlich die Vorreiterrolle des HFV vor der bundesweiten Regelung?

Steffen Fischer: Ich bin wahnsinnig stolz als Ehrenamtlicher im HFV, dass der Verband diesen Weg sehr früh gegangen ist und früher als auf Bundesebene erkannt hat, dass das gesellschaftlich eine große Relevanz hat. Es geht um Menschen in Situationen, in denen es ihnen oft alles andere als gut geht und viele Probleme gleichzeitig auf sie einprasseln. Ich erlebe auch in meiner Arbeit beim Hamburger Sportbund, wie besonders der Fußball mit diesem Thema umgeht und welche Vorreiterrolle er einnimmt.

HFV: Neben dem tin* Spielrecht: Welche weiteren Themen und Projekte gehören zu deinem Aufgabenbereich?

Steffen Fischer: Das Thema sexuelle Vielfalt und geschlechtliche Identität spielt in vielen Bereichen eine Rolle. Es geht immer wieder darum, gegenüber Ausschüssen zu erläutern, warum bestehende Regelungen sinnvoll sind. Außerdem erreiche ich durchschnittlich etwa zwei Anfragen pro Woche von Menschen, die Rat suchen oder ihre Situation schildern. Oft melden sich Vereine mit Fragen wie: „Wir haben eine trans Person im Team. Sie wird sehr gut akzeptiert, aber bei Themen wie Umkleiden oder Duschen entstehen Unsicherheiten. Wie können wir die Person vollständig integrieren?“ Diese Beratungsrolle ist ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit.

Darüber hinaus führe ich jedes Jahr Schulungen durch. Auch in diesem Herbst wird es wieder eine Veranstaltung geben, bei der ich über das tin* Spielrecht informiere und Vereinen sowie Vereinsvertreterinnen und Vereinsvertretern die Möglichkeit gebe, Fragen zu stellen.

Außerdem vertreten wir den Hamburger Fußball-Verband nach außen: Ich arbeite in der Kommission LGBTQ und Gleichstellung des Hamburger Sportbundes mit. Gleichzeitig sind wir mittlerweile im dritten Jahr in Folge beim Christopher Street Day beziehungsweise Hamburg Pride vertreten, um zu zeigen, dass der Hamburger Fußball und der Hamburger Fußball-Verband deutlich weiter sind, als viele Menschen vielleicht vermuten würden.

HFV: Wie nimmst du die Stimmung rund um das Thema sexuelle Vielfalt und geschlechtliche Identität im Fußball wahr?

Steffen Fischer: Ich möchte das zweigeteilt beantworten. Innerhalb des HFV nehme ich weiterhin großen Rückhalt wahr. Wenn ich mit Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern, Ausschüssen oder den Kolleginnen und Kollegen im Hauptamt spreche, ist großes Vertrauen vorhanden. Mein Rat, meine Sichtweise und meine Meinung werden regelmäßig eingeholt. Gleichzeitig erlebe ich auf den Sportplätzen durchaus einen größeren Druck. Das zeigt sich nicht unbedingt in offiziellen Meldungen. Aber in meiner Wahrnehmung gibt es weiterhin eine Aggressivität. Begriffe wie „Schwuchtel“ oder „Scheißschwuler“ werden leider immer noch ganz selbstverständlich als Beleidigungen verwendet – gegenüber Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern, aber auch gegenüber Mit- und Gegenspielenden.

Deshalb ist weiterhin viel Arbeit zu tun. Wir müssen Präsenz zeigen und deutlich machen: Dafür ist im Hamburger Fußball kein Platz. Vom Verband über die Vereine bis hinein in die Teams und zu den Spielerinnen und Spielern müssen wir zeigen, dass wir für Vielfalt stehen. Das ist oft ein langer Weg, aber ein wichtiger Weg.

HFV: Was wünschst du dir für die Zukunft?

Steffen Fischer: Ich würde mir wünschen, dass meine Rolle und meine Aufgabe noch bekannter werden. Dass mehr Vereine wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Fragen haben oder Unterstützung benötigen. Mein finales Ziel wäre allerdings, dass ich mich irgendwann selbst abschaffen kann. Das würde bedeuten, dass es auf allen Sportplätzen völlig normal ist, dass ein Spieler einen Mann liebt, dass eine Spielerin eine Frau liebt und dass eine trans- oder intergeschlechtliche Person selbstverständlich in dem Team spielt, in dem sie spielen möchte. Das wäre das Ziel. Aber bis dahin ist, glaube ich, noch ein Stück Weg zu gehen.

Vielen Dank für das Interview!

HFV-Themenwoche „Soziale und gesellschaftliche Verantwortung“

Im Rahmen der Themenwoche „Soziale und gesellschaftliche Verantwortung“ stellen wir Bereiche des Verbandes vor, die weit über das Geschehen auf dem Fußballplatz hinausgehen. Fußball ist mehr als Spielbetrieb, Tabellen und Titel. Inklusion, sexuelle Vielfalt, Integration, Gewaltprävention und Fair Play sind ebenso fester Bestandteil der Verbandsarbeit und Entwicklung des Hamburger Fußballs.

Mehr davon? Alle Interviews gibt es im Video auf den HFV-Social-Kanälen auf Instagram und Facebook und am 01.08. sind wir beim Hamburger CSD dabei! Sehen wir uns?

Hamburger Fußball-Verband e. V. (HFV) Wilsonstraße 74 a-b 22045 Hamburg