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title: "Anke Fedrowitz entscheidet, dass der Fuchs im Museumsquartier Osnabrück seine Erfolgsgeschichte über Sprachförderung erzählt; Erfolgsgeschichte erreicht breite Öffentlichkeit."
sdDatePublished: "2026-07-29T11:22:00Z"
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Anke Fedrowitz entscheidet, dass der Fuchs im Museumsquartier Osnabrück seine Erfolgsgeschichte über Sprachförderung erzählt; Erfolgsgeschichte erreicht breite Öffentlichkeit.

Museumsquartier Osnabrück – 54. „Ich heiße Fuchs– und wie heißt du?“

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54. „Ich heiße Fuchs– und wie heißt du?“

I n Einwanderungsgesellschaften, wie generell bei kulturübergreifenden menschlichen Begegnungen, ist Sprache seit jeher das zentrale Medium zur gemeinsamen Verständigung. Der Spracherwerb ist unabdingbar, um zwischen allen Beteiligten eine klare Verständigung zu gewährleisten und damit gesellschaftliches Miteinander formen und organisieren zu können.

Eine fremde Sprache zu erlernen, ist allerdings eine Herausforderung. Insbesondere dann, wenn andere Faktoren eine Rolle spielen. Ein Kind hadert vielleicht mit der Entscheidung der Eltern auszuwandern. Es musste seine Freund:innen zurücklassen, sein vertrautes Umfeld, vielleicht enge Verwandte oder das geliebt Haustier. Und nun soll es sich auf eine neue Umgebung, neue Schulkamerad:innen und eine neue Sprache einlassen? Da kann es hilfreich sein, wenn man aus unerwarteter Richtung tatkräftige Unterstützung bekommt.

Von einer solchen – vermeintlich unscheinbaren – Unterstützung erzählt die Geschichte dieser Handpuppe in der Gestalt eines Fuchses. Der „Fuchs“ hat seit den 1980er Jahren Kinder von Immigrant:innen, die nach Osnabrück kamen, um hier zu leben und zu arbeiten, beim Spracherwerb begleitet. ‚Geboren‘ wurde der Fuchs in Prag in der damaligen Tschechoslowakei – ausgerechnet 1968, im Jahr des „Prager Frühlings“, als sich die tschechoslowakische Gesellschaft vergeblich von den Fesseln der realsozialistischen Umklammerung zu lösen versuchte; aber das ist eine andere Geschichte.

1968 wurde auch Tom, der Sohn der Osnabrücker Lehrerin Anke Fedrowitz (* 1940), geboren. Von seinem Patenonkel erhielt Tom anlässlich seiner Geburt den Fuchs als Geschenk aus der CSSR mitgebracht.

Anke Fedrowitz unterrichtete in Osnabrück Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Im Laufe ihrer Arbeit mit den Kindern der zugewanderten Menschen stieß sie an Grenzen. Den Kindern fiel das Erlernen des Deutschen aus unterschiedlichen Gründen häufig nicht leicht. Anke suchte daher nach Wegen, um der Lernsituation ein spielerisches Element zu verleihen. Dabei dachte sie an die Handpuppen ihres Sohnes. Sie würden die Sprachübungen lebendiger und kindgemäßer machen. Den Lernenden halfen die Puppen auch, etwaige Hemmungen zu überwinden. Statt direkt auf die Lehrerin oder andere Personen reagieren zu müssen, bildeten sie eine sanfte ‚Brücke‘, über die das Kind leichter gehen konnte, um sich der neuen, ihm eigentlich fremden Sprache behutsam zu nähern. So wurde das Lernen zum Spiel.

Bei den Kindern war der Fuchs unter den Handpuppen besonders beliebt. Er hatte im Schrank des Klassenzimmers „einen festen Schlafplatz – unter einer von einer türkischen Großmutter gehäkelten Decke in einem goldenen Schuhkarton, gestiftet vom Schuhgeschäft Molitor in Schinkel.“

Ihre sprachpädagogische Methode veröffentlichte Anke Fedrowitz 1982 in der Fachzeitschrift „Ausländerkinder in Schule und Kindergarten“ (Jahrgang 3, 1982, Heft 2 von Juni 1982, S. 12f. = A 5876 b). Dort schreibt sie: „Meine seit Oktober 1981 an der Orientierungsstufe Innenstadt Osnabrück eingerichtete Vorbereitungsklasse besteht aus einem jugoslawischen Mädchen, zwei portugiesischen und neun türkischen Kindern –11 bis 13 Jahre alt, zwischen 9 Monaten und 3 Wochen in der Bundesrepublik. Die Idee, Handpuppen im Unterricht einzusetzen, ist nicht neu – jeder, der mit Kindern zu tun hat, weiß um die Anziehungskraft dieser Spielgefährten. – Von zu Hause hatte ich Handpuppen mitgebracht, und die Schüler waren vor allem von dem Fuchs mit seinem weichen, knallroten Fell begeistert. Er wurde zu einem festen Bestandteil unseres Unterrichts.“

Mit dem weichen roten Gefährten konnten die Kinder ungehindert Gespräche entwickeln: „Eine Handpuppe,“ schreibt Anke Fedrowitz weiter, „eignet sich gut für Dialoge: der Fuchs fragt nach dem Namen, dem Heimatland, der Wohnung, dem Alter, der Familie und Begriffen der Umwelt. Er will auch wissen, wie es einem geht, was man gestern gemacht hat, und was man alles kann (schwimmen, radfahren usw.) Je nach Sprechvermögen fragt das Kind, das den Fuchs hat, seinen Gesprächspartner aus. Die Länge und das Ende des Dialogs bestimmt das Kind, das den Fuchs hat, selbst – je nach Sprechvermögen und Spaß“. Die Handpuppe „lockert notwendige Übungen auf, gibt die Möglichkeit zu freier Gestaltung (man kann ja auch den Fuchs mal ausfragen!), fördert das Sprechen und den Kontakt untereinander. Es macht deutlich, warum es wichtig ist, Deutsch zu lernen und Gelerntes anzuwenden“.

Nachdem der Fuchs so vielen Kindern beim Sprachenlernen geholfen hat, entschied Anke Fedrowitz im März 2026, dass er fortan im Museum über seine Erfolgsgeschichte berichten soll, damit möglichst viele Menschen davon erfahren. Wenn Anke heute ehemaligen Schüler:innen begegnet, erinnern sich diese noch immer gerne an den roten Fuchs mit dem weichen Fell. Er hat viel dazu beigetragen, dass Deutschsprechen für sie heute eine Selbstverständlichkeit geworden ist.

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