Deutsche Unternehmen erhöhen Bürokratiekosten von 5% auf 7% des Jahresumsatzes in Deutschland; Produktivität sinkt durch Regulierungsaufwand.

Bürokratielasten im deutschen Unternehmenssektor: Ursachen und Wirkungen | Publikationen der Bundesbank

DE Monatsbericht – Juli 2026 EN Monthly Report – July 2026

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Bürokratielasten im deutschen Unternehmenssektor: Ursachen und Wirkungen

1 Regulierung mit wichtigen Funktionen, aber auch Bürokratieaufwand

2 Bürokratie erheblicher Kostenfaktor für Unternehmen

3 Bereiche mit gestiegenem Erfüllungsaufwand

4 Regulierungsbelastung im internationalen Vergleich

5 Potenziale im Zusammenspiel mit anderen Reformbereichen

Exkurs: Der empirische Zusammenhang zwischen Bürokratiekosten und anderen Standortfaktoren

6 Wirkung gestiegener Bürokratie auf Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität der Unternehmen

Exkurs: Der empirische Zusammenhang zwischen Bürokratiekosten und Produktivität deutscher Unternehmen

Zahlreiche Erhebungen zeigen, dass Bürokratie die Unternehmen in Deutschland in den letzten Jahren mehr und mehr belastete. Weniger bekannt ist jedoch, was dahintersteckt, wie hoch die Belastungen sind und wie sie sich auf die Unternehmen auswirken. Eine Umfrage in der Bundesbank-Unternehmensstudie ( BOP‑F ) liefert hierzu neue Erkenntnisse.

Die Umfrage beziffert den Kostenanstieg durch regulatorische Vorgaben (Bürokratiekosten) für deutsche Unternehmen in den letzten Jahren. Im Durchschnitt erhöhten sich die Bürokratiekosten zwischen 2022 und 2024 von rund 5 % auf ungefähr 7 % des Jahresumsatzes. Ökonometrischen Schätzungen zufolge bremste der gestiegene Regulierungsaufwand die Produktivitätsentwicklung im Unternehmenssektor spürbar. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Bürokratie vor allem bei kleineren Unternehmen einen Teil der Arbeitskapazität bindet und dadurch umsatzwirksame Tätigkeiten verdrängt.

Die Umfrage ermittelt neben den bezifferbaren Bürokratiekosten auch qualitativ die Bürokratielasten in einzelnen Bereichen. Die größten und am stärksten gestiegenen Lasten meldeten die Unternehmen bei i) der Steuer- und Finanzberichterstattung, ii) den Datenschutz- und Privatsphärenvorschriften, iii) dem Arbeitsrecht und der Beschäftigungsregulierung sowie iv) dem Umweltrecht. Dabei stiegen die Bürokratiekosten in allen Branchen deutlich. In der Finanzindustrie stieg der Anteil der Bürokratiekosten am Umsatz von hohem Niveau aus weiter stark. Auch im Verarbeitenden Gewerbe wuchs er kräftig.

Dieser breit gefächerte Anstieg könnte damit zusammenhängen, dass einige neue Vorschriften recht tief in grundlegende betriebliche Abläufe eingreifen. Zwar könnten einige dieser Vorgaben vor allem vorübergehende Umstellungskosten verursachen. Internationale Erhebungen zeigen jedoch, dass bürokratische Vorschriften in Deutschland im europäischen Vergleich besonders viele Unternehmen belasten. Dazu könnte beitragen, dass Unternehmen und Verwaltung in Deutschland bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich hinterherhinken. Dies macht es aufwendiger, neue regulatorische Vorgaben umzusetzen. Darüber hinaus legt die Analyse nahe, dass die in Deutschland besonders ausgeprägten strukturellen Herausforderungen – wie der Fachkräftemangel oder der gestiegene Wettbewerbsdruck – die Belastungswirkung regulatorischer Vorgaben zusätzlich verstärkten. Mit Blick auf die laufenden Reformanstrengungen der Bundesregierung könnten sich daher Synergien daraus ergeben, dass zusätzlich zum Bürokratieabbau die Digitalisierung Fortschritte macht und Strukturreformen laufen. Sie könnten nicht nur jeweils direkt das Wirtschaftswachstum stärken, sondern auch die Belastungswirkung, die von der bestehenden Regulierung ausgeht, verringern.

Die Umfrage ermöglicht keine Rückschlüsse, inwieweit die Regulierung, die hinter den erfassten Bürokratielasten steht, angemessen ist. Insgesamt zeigt sie jedoch, dass der Bürokratieabbau Unternehmen deutlich entlasten könnte. Die Politik hat diesen Handlungsbedarf erkannt und ist mit den angestoßenen Modernisierungsvorhaben auf dem richtigen Weg. Nun geht es darum, dass die Maßnahmen zügig und umfassend umgesetzt werden.

Regulatorische Vorgaben erfüllen wichtige gesellschaftliche Funktionen. Sie begrenzen Marktversagen und schützen etwa Umwelt, Gesundheit und Verbraucherinteressen. Zudem unterstützen sie zentrale Transformationsprozesse, wie den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft. Auch Erfahrungen aus der Finanzkrise zeigen, dass unzureichende Regulierung erhebliche Risiken bergen kann. Gleichzeitig können Vorschriften die wirtschaftliche Aktivität über Gebühr hemmen, etwa wenn die Regelungsdichte sehr hoch ist, d ie Erfüllung unnötig aufwendig ist oder Vorschriften schlecht aufeinander abgestimmt sind. Dabei lässt sich nicht eindeutig bestimmen, ab wann Regulierung in eine übermäßige Belastung übergeht. Entscheidend ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen gesellschaftlichem Nutzen und möglichst geringer Belastung für Unternehmen , private Haushalte und öffentliche Verwaltung .

Die bürokratischen Belastungen von Unternehmen in Deutschland sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Umfragen verschiedener Institutionen belegen diese Entwicklung. Repräsentative Erhebungen der Bundesbank zeigen, dass seit 2022 immer mehr Unternehmen Bürokratie als drängendes Problem benennen. Zuletzt gaben dies knapp 70 % an, während es 2022 noch 45 % gewesen waren. Damit stellen die staatlichen Vorschriften inzwischen mehr Unternehmen vor Probleme als der Fachkräftemangel oder die hohen Produktions- und Arbeitskosten. Die Europäische Investitionsbank erhebt regelmäßig Investitionshemmnisse bei Unternehmen. Seit 2022 zeigen die Ergebnisse, dass regulatorische Vorgaben Investitionen in Deutschland zunehmend bremsen. Daten des Normenkontrollrats stützen diesen Befund. Sie zeigen, dass der Erfüllungsaufwand seit 2022 insbesondere für die Wirtschaft deutlich gestiegen ist. 1

Studien legen erhebliche gesamtwirtschaftliche Kosten aufgrund von staatlichen Vorschriften in Deutschland nahe. 2 Laut Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2025) beliefen sich die durch Informationspflichten verursachten Kosten in Deutschland 2024 auf 193 Mrd €. Eine IAB ‑Studie berichtet, dass zwischen 2022 und 2025 jeder zehnte Betrieb zusätzliches Personal eingestellt hatte, um gesetzliche Vorgaben und Dokumentationspflichten zu erfüllen. 3 Unternehmen im KfW - Mittelstandspanel berichten zudem, dass ihre Beschäftigten im Durchschnitt 7 % ihrer Arbeitszeit mit bürokratischen Prozessen verbringen, die durch staatliche Vorschriften ausgelöst werden. 4

Die vorliegende Analyse untersucht das Ausmaß und die Ursachen steigender regulatorischer Belastungen sowie die Auswirkungen auf Unternehmen. Dazu wurden rund 7 000 Unternehmen im dritten Quartal 2025 im Rahmen der Bundesbank-Unternehmensstudie ( BOP‑F ) befragt. 5 Die Antworten geben Hinweise darauf, in welchen Bereichen sich die bürokratischen Belastungen besonders erhöhten und welche Unternehmen besonders betroffen sind. Damit eröffnen sie einen detaillierteren Blick auf die Ursprünge und Verteilung der bürokratischen Lasten. Zudem liefern sie Informationen zu den mit den zusätzlichen Belastungen verbundenen Kostensteigerungen. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Ursachen und das Ausmaß der gestiegenen Bürokratiekosten ziehen.

Die hier genutzte Erhebung erfasst den Erfüllungsaufwand, der durch die Befolgung von staatlichen Vorschriften für Unternehmen entsteht. 6 Dazu zählen Dokumentations-, Aufbewahrungs- und Informationspflichten sowie Melde- und Nachweispflichten gegenüber Behörden. Auch die Auslegung und Anwendung von Gesetzen sowie Antrags-, Planungs- und Genehmigungsverfahren werden einbezogen. Unmittelbare Kosten durch staatliche Vorschriften , etwa durch Mindestlohnregelungen oder die CO₂-Bepreisung, bleiben unberücksichtigt. Der Aufwand umfasst d i e erforderlichen Personal-, Sach- und Dienstleistungskosten. Zudem werden Investitionen berücksichtigt, die neue Vorgaben erfordern . Im Folgenden werden die Begriffe Erfüllungsaufwand und Bürokratiekosten weitgehend synonym verwendet.

Die Ergebnisse lassen keine Aussage darüber zu, ob die erfassten Bürokratielasten auf eine übermäßige Regulierung zurückzuführen sind. Die Befragung erfasst den mit staatlichen Vorgaben verbundenen Aufwand. Aussagen über deren gesellschaftlichen Nutzen oder Notwendigkeit lassen sich daraus nicht ableiten.

Da sich Bürokratiekosten nur schwer messen lassen, können Unternehmensumfragen wertvolle Erkenntnisse liefern. Sie ermöglichen einen direkten Einblick in die von den Unternehmen getragenen Kosten . In der BOP‑F - Umfrage wurden die Unternehmen gebeten, die durch staatliche Vorgaben verursachten Kosten für 2022 und 2024 als Anteil ihres jeweiligen Jahresumsatzes anzugeben. Die quantitativen Angaben unterliegen jedoch gewissen Unsicherheiten. Sie können beispielsweise durch vereinfachte Schätzungen, unterschiedliche Begriffsauffassungen oder subjektive Einschätzungen verzerrt werden. So können beispielsweise aktuelle Ereignisse oder eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit die Wahrnehmung einzelner Belastungen beeinflussen .

Die Bürokratiekosten in Relation zum Jahresumsatz der Unternehmen erhöhten sich im Durchschnitt seit 2022 erheblich. Während 2022 die Bürokratiekosten im Mittel rund 5 % des Umsatzes ausmachten, waren es 2024 ungefähr 7 %. Dies entspricht einem Anstieg von fast 5 0 %.

Bei kleinen Unternehmen sind die Bürokratiekosten relativ zum Umsatz besonders hoch. 7 Zwar sind kleinere Unternehmen von manchen Vorschriften ausgenommen oder unterliegen vereinfachten Regelungen. 8 Doch wenn sie angesprochen sind, verursachen die für sie geltenden staatlichen Vorschriften oft vergleichsweise hohe Kosten. Eine Ursache dürfte sein, dass der Aufwand, den die Erfüllung und Dokumentation von Vorschriften verursachen, häufig nicht von der Unternehmensgröße abhängt. Kleinere Unternehmen sind dann überproportional von solchen Fixkosten betroffen. 9 In den niedrigeren Umsatzklassen steht also bereits ein moderater fixer Erfüllungsaufwand in einem recht ungünstigen Verhältnis zum Umsatz.

Die Bürokratiekosten sind im Verhältnis zum Umsatz in den letzten Jahren in allen Unternehmensgrößenklassen gestiegen. Bei kleinen Unternehmen nahm die Quote im Durchschnitt um etwas weniger als die Hälfte zu und damit ähnlich stark wie im Durchschnitt aller Unternehmen. Bei mittleren Unternehmen war der Anstieg überdurchschnittlich, während er b ei g roß en U nternehmen geringer ausfiel .

In allen Branchen sind die Bürokratiekosten deutlich gestiegen. 10 Besonders deutliche Anstiege verzeichnete die Finanzindustrie. Sie bleibt damit der Sektor mit den höchsten Bürokratiekosten im Verhältnis zum Umsatz. Dies dürfte unter anderem mit den umfangreichen Berichtspflichten von Finanzu nternehmen zusammenhängen, die in den letzten Jahren erneut angepasst wurden. Im Verarbeitenden Gewerbe blieb en die Bürokratiekosten im Verhältnis zum Umsatz zwar vergleichsweise gering. Allerdings erhöhte sich dort diese Quote in den letzten Jahren um mehr als die Hälfte. Damit fiel das Wachstum stärker aus als in den anderen Sektoren. Da Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes besonders stark im internationalen Wettbewerb stehen, könnte dies die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft belastet haben. 11

Der deutliche und breit angelegte Anstieg der Bürokratiekosten über Branchen und Größenklassen könnte damit zusammenhängen, dass einige neue Vorschriften recht tief in grundsätzliche betriebliche Abläufe eingreifen. Dadurch könnten auch einige wenige zusätzliche Vorschriften hohe Umsetzungskosten verursachen. Dies könnten Vorgaben zu digitalen Prozessen ( zum Beispiel Aufwand bei der Einführung elektronischer Rechnungsstellung für die Umsatzsteuer), zur IT ‑Sicherheit ( zum Beispiel NIS2 ‑Richtlinie 12 oder DORA 13 ) sow