Gemeinden Sion und Nendaz verwandeln ARA Aproz in Spielplatz, Aproz, Wallis; öffentlicher Freiraum ohne neues Bauland
Vom Klärbecken zum Kinderparadies: Die Umnutzung der ARA Aproz – Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute
Vom Klärbecken zum Kinderparadies: Die Umnutzung der ARA Aproz
Mitten im Walliser Dorf Aproz wurde aus einem stillgelegten Klärbecken ein aussergewöhnlicher Spiel- und Begegnungsraum. Statt die ehemalige Abwasserreinigungsanlage (ARA) zurückzubauen, entschieden sich die Projektverantwortlichen für eine kreative Umnutzung des bestehenden Bauwerks. Das Projekt zeigt eindrücklich, wie bestehende Infrastruktur mit wenigen baulichen Eingriffen, konsequenter Materialwiederverwendung und hoher gestalterischer Qualität zu einem attraktiven öffentlichen Ort werden kann. Gleichzeitig ist die Anlage ein gelungenes Beispiel dafür, wie Kreislaufwirtschaft, Baukultur und nachhaltige Raumplanung miteinander verbunden werden können.
Die ARA Aproz wurde in Mitte der 1960er-Jahren als kommunale Abwasserreinigungsanlage erstellt. Mit der Zentralisierung der Abwasserreinigung auf leistungsfähigere regionale Anlagen wurde sie 1994 ausser Betrieb genommen und an die ARA Bieudron angeschlossen. Aproz entwickelte sich als Ortsteil der Gemeinde Nendaz stetig weiter. Mit dem Wachstum des Wohnquartiers entstand ein Bedarf nach attraktiven öffentlichen Freiräumen für Familien und Kinder. Weil das Klärbecken mitten im Siedlungsgebiet liegt, bot es ideale Voraussetzungen für eine neue Nutzung: Anstatt die massive Betonkonstruktion abzubrechen, entschieden sich die Gemeinden Sion und Nendaz gemeinsam mit den Planenden bewusst für eine Umnutzung des Bestands – ein Entscheid, der sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich überzeugte.
Gründe für die gewählte Kategorie
Bei der Umnutzung der ARA STEP zu einem Kinderspielplatz wurde der Standort vor allem deshalb als Kinderspielplatz gewählt, weil die Gemeinden (Sion
Nendaz für Aproz) in Zeiten von Siedlungswachstum zusätzlichen öffentlichen Raum brauchten, und das ehemalige Klärbecken sich durch seine zentrumsnahe Lage und die große, unbebaute Fläche dafür anbot. Statt das Bauwerk abzubrechen, nutzte man das vorhandene Volumen als Grundlage der Umgestaltung – damit blieb der Rest der Parzelle für spätere Projekte frei.
Die Entscheidung war zudem technisch und konzeptionell stimmig: Nach Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Standort nicht belastet ist; anschließend wurde das Becken so umgebaut, dass Spielmöglichkeiten „aus dem Bestand heraus“ entstehen konnten (u. a. durch Öffnungen
Eingriffe in Beton und Wiederverwendung von Bauteilen).
Die ARA Aproz wurde 1994 ausser Betrieb genommen und in eine Pumpstation umgebaut. Das ehemalige Klärbecken der ARA bildet heute das Herzstück eines aussergewöhnlichen Spielplatzes. Bestehende Strukturen und Materialien wurden kreativ wiederverwendet. Die bestehende Betonstruktur blieb weitgehend erhalten und wurde mit gezielten Eingriffen an ihre neue Nutzung angepasst. Eine grosszügige Öffnung in der Beckenwand schafft den Zugang; der dabei entfernte Beton wurde direkt vor Ort zu Treppenstufen, Sitzgelegenheiten und weiteren Gestaltungselementen verarbeitet. Klettergriffe an den Betonwänden, eine Rutschbahn durch die ehemalige Beckenwand, Wasserspiele, Weidenbepflanzungen sowie farblich markierte Eingriffe machen die frühere Funktion des Bauwerks weiterhin erlebbar. Die Transformation verbindet Architektur, Landschaft und Spiel auf innovative Weise und zeigt exemplarisch, wie bestehende Infrastruktur mit minimalem Materialeinsatz zu einem attraktiven öffentlichen Raum werden kann.
Öffentlich zugängliche Informationen zum eigentlichen Baubewilligungsverfahren sind nur begrenzt öffentlich verfügbar. Bekannt ist, dass die Gemeinden Sion und Nendaz als Bauherrschaft auftraten und vorgängig eine umfassende Machbarkeits- sowie Bauwerksanalyse durchführen liessen. Ein wesentlicher Bestandteil war die statische Überprüfung der bestehenden Betonkonstruktion, um deren langfristige Sicherheit für die neue Nutzung gewährleisten zu können.
Erfahrungen mit dem gewählten Instrument
Besondere Herausforderungen ergaben sich weniger aus der Umnutzung selbst als vielmehr aus den Anforderungen an die Sicherheit eines öffentlichen Spielplatzes. Das Projekt verlässt bewusst die üblichen Standards klassischer Spielplätze und nutzt stattdessen den vorhandenen Betonbestand als Spiel- und Erlebnisraum. Dadurch waren intensive Abstimmungen mit den zuständigen Behörden erforderlich, um die Anforderungen an Sicherheit, Zugänglichkeit und Gestaltung in Einklang zu bringen. Das Projekt zeigt, dass innovative Lösungen im Bestand einen konstruktiven Dialog zwischen Planung und Bewilligungsbehörden voraussetzen.
Die ehemalige Kläranlage liegt innerhalb eines bestehenden Wohnquartiers in Aproz. Durch die Umnutzung konnte eine bisher ungenutzte Infrastrukturfläche in einen öffentlichen Freiraum umgewandelt werden, ohne zusätzliches Bauland zu beanspruchen. Das Projekt stärkt die Lebensqualität im Quartier, schafft einen Treffpunkt für verschiedene Generationen und leistet gleichzeitig einen Beitrag zur qualitätsvollen Innenentwicklung der Siedlung.
Die Umnutzung ist ein beispielhaftes Projekt der Kreislaufwirtschaft. Die massive Betonkonstruktion blieb nahezu vollständig erhalten und bildet weiterhin das tragende Element der Anlage. Die herausgeschnittenen Betonteile wurden zum Teil an Ort und Stelle wiederverwendet, etwa als Treppenstufen, Sitzbänke oder Geländer. Dadurch konnten Transportwege, Materialverbrauch und CO₂-Emissionen deutlich reduziert werden. Das Projekt zeigt eindrücklich, wie sich die im Bestand gebundene graue Energie erhalten lässt. Im Vergleich zu einem vollständigen Rückbau mit anschliessendem Neubau wurden erhebliche Ressourcen eingespart. Gleichzeitig entstand ein hochwertiger öffentlicher Raum mit minimalem Flächenverbrauch.
Obwohl die ehemalige ARA nicht unter Denkmalschutz stand, besitzt sie als Zeugnis der technischen Infrastrukturgeschichte einen baukulturellen Wert. Die Planung verzichtete bewusst darauf, die frühere Nutzung vollständig zu kaschieren. Sichtbare Betonflächen sowie die charakteristische Geometrie des Klärbeckens machen die Geschichte des Bauwerks weiterhin ablesbar. Eingriffe am Beton sind zudem farblich hervorgehoben, um die an der ursprünglichen Bausubstanz vorgenommenen Einschnitte und Ausfräsungen sichtbar zu machen. Dadurch wird Infrastruktur selbst zum identitätsstiftenden Bestandteil des öffentlichen Raums.
Mehrere Herausforderungen mussten im Verlauf der Planung bewältigt werden:
Umfassende statische Untersuchungen des bestehenden Beckens.
Anpassung der historischen Betonkonstruktion an heutige Sicherheitsanforderungen.
Erfüllung der Spielplatznormen trotz ungewöhnlicher Gestaltung.
Entwicklung einer wirtschaftlichen Alternative zum klassischen Rückbau.
Abstimmung zwischen den beteiligten Gemeinden und Fachplanenden.
Gerade die Kombination aus Bestandserhalt und neuer Nutzung erforderte eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Die Umnutzung der ehemaligen ARA Aproz zeigt eindrücklich, welches Potenzial in stillgelegten Infrastrukturbauten steckt. Bestehende Bauwerke müssen nicht zwangsläufig rückgebaut werden, sondern können mit kreativen Ideen einen völlig neuen gesellschaftlichen Nutzen erhalten. Das Projekt verdeutlicht, dass nachhaltiges Bauen nicht nur im Neubau stattfindet, sondern vor allem im intelligenten Umgang mit dem Bestand. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass solche Projekte sorgfältige Voruntersuchungen, interdisziplinäre Zusammenarbeit und einen offenen Dialog mit den Bewilligungsbehörden benötigen. Aproz kann deshalb als beispielhaftes Vorbild für zahlreiche ähnliche Anlagen in der Schweiz dienen.
Planung und Fertigstellung: 2021 – 2023
Projektkosten der ARA-Umnutzung in CHF: 300’000.-
Einwohnerwert EW des Gebietes: –
-in: Das Areal befindet sich in Aproz (Gemeinde Nendaz, VS).
Bauherrschaft: Gemeinden Nendaz und Sion
Externe Projektleitung: En Dehors Paysagistes SA (Lausanne
Beteiligte: En Dehors Paysagistes SA, Landschaftsarchitektur
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