Anleger in New York reagieren auf Fed-Zinsentscheidung am Aktienmarkt mit Verlusten; Zinserhöhung im September möglich

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Marktkommentar 30. Juli 2026

Aktien International

Täglicher Marktkommentar aus dem BEKB-Handelsraum

Übersicht Übersee Schluss Veränderung (in %) Volumen (Mrd.) Dow Jones Industrial 51'594

  • 2.2 S&P 500 7'316
  • 1.5 NYSE: 1.40 Nasdaq Composite 24'443
  • 1.7 Nasdaq: 8.40 Nikkei 225 61'806
  • 0.6 Hang Seng 25'700
  • 0.4 Shanghai Composite 3'800
  • 0.8

Europa Vortag Trading Range Weitere Kurse DAX 25'460 25'290 – 25'550 USD/CHF 0.8155 EUR/CHF 0.9340 EuroStoxx 50 6'249 6'160 – 6'340 Gold 4'035 USD/Unze Stoxx 50 5'412 5'350 – 5'440 NY WTI-Rohöl-Future 84.80 USD

New York Anleger haben gestern Mittwoch die Aussagen der US- Notenbank zum Zinsentscheid am Aktienmarkt mit deutlichen Verlusten quittiert. Zuerst belasteten wieder anziehende Ölpreise wegen neuer iranischer Attacken. Die Notenbank Fed beliess dann ihren Leitzins erwar- tungsgemäss unverändert, sorgte aber im Nachgang für Schwankungen. Letztlich rutschten die Indizes alle- samt deutlich in die Verlustzone ab. Mit Respekt begeg- neten die Anleger auch den nach Börsenschluss veröf- fentlichten Resultaten der Tech-Schwergewichte Micro- soft und Meta. Belastend wirkten die Begleitaussagen

www.bekb.ch | Marktkommentar | 30. Juli 2026 2 der Fed. Marktbeobachter hoben vor allem hervor, dass die Zinsentscheidung nicht einstimmig fiel. 3 Gegen- stimmen zeigen, dass eine Zinserhöhung innerhalb der Fed offensichtlich kontrovers diskutiert wurde. Damit bleibe eine Zinserhöhung im September im Bereich des Möglichen (siehe dazu auch Marktnachrichten). Im Technologiebereich ging die jüngste Talfahrt weiter. Ein kurzer Versuch des Aufbäumens scheiterte im Han- delsverlauf. Die Nervosität der Anleger trieb die Aktien von KI-Profiteuren am Ende wieder klar in die Verlust- zone. Allen voran galt dies für die seit einiger Zeit schon abgestraften Chipwerte, wie der Kurs von Micron mit einem zehnprozentigen Abschlag zeigt. Auch der Kurs von Nvidia büsste 3,6 % ein. Zur Sektorschwäche tru- gen mit NXP Semiconductor und dem Chipausrüster KLA auch die Zahlen zweier Branchenunternehmen bei. Die Abneigung für Aktien mit KI-Bezug hatte auch ihre Auswirkungen auf Caterpillar. Die jüngste Talfahrt bei dem Baumaschinenhersteller ging wegen Sorgen um das Geschäft mit Stromaggregaten für Rechenzentren um fast sieben Prozent weiter. Gestreut wurden dies von einem Kommentar des Analysehauses Baird. Der Ana- lyst verwies auf grösser werdende Einschränkungen bei deren Bau auf Landes- und Kommunalebene. Die Ölpreise zogen wieder stark an, weil neue iranische Attacken die jüngste Hoffnung auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch zunichtemachen. US-Präsident Donald Trump kündigte Vergeltung an. Dies hievte zwar die Kurse der grossen US-Ölkonzerne wie Chevron und ExxonMobil mit mehr als zwei Prozent ins Plus. Flug- gesellschaften hingegen litten darunter. Im Standardwerte-Bereich brachten einige Zahlenvorla- gen dem Gesamtmarkt keine Entlastung. Papiere des Kreditkartenanbieters Visa entwickelten sich mit einem Anstieg um 0,6 % immerhin besser als der Gesamt- markt. Die Titel von Procter & Gamble verloren nach enttäuschenden Zahlen und einem verhaltenen Ausblick zwei Prozent. Ford setzte seinen Höhenflug mit einem Anstieg um 2,1 % fort. Der Autobauer hob zur Zahlen- vorlage seine Jahresgewinnprognose an. Ein Plus von 12 % verzeichnete GE Healthcare. Laut dem RBC- Analysten Kendall Au sinken bei dem Gesundheitstech- nik-Hersteller mit einem sauberen zweiten Quartal die Risiken für das zweite Halbjahr.

Asien An den asiatischen Aktienmärkten überwiegen heute Donnerstag die Abgaben. Im südkoreanischen Seoul zeigt sich der Markt nach dem Absturz der vergangenen zwei Tage extrem volatil. Wenig Anklang in Asien findet das bestätigte Leitzins- niveau der US-Notenbank. Das uneinheitliche Abstim- mungsergebnis im Offenmarktausschuss und die vor- sichtigen Kommentare des Vorsitzenden Kevin Warsh lassen Anleger über den Zeitpunkt künftiger geldpoliti- scher Schritte im Unklaren. Gleichwohl reduzierten die Märkte ihre Erwartungen an eine baldige Zinserhöhung. Auch die Geschäftsausweise von Meta Platforms und Microsoft liefern wenig Orientierung. In Südkorea bleibt die Verunsicherung nach dem jüngs- ten Absturz hoch, der Kospi pendelt zwischen Ab- und Aufschlägen und zeigt sich aktuell 1,1 % tiefer - trotz starker Geschäftszahlen von Samsung Electronics. Deren Kurs steigt nach zunächst deutlich höheren Auf- schlägen nun um 1 %. Der Technologieriese meldete einen deutlichen Gewinnanstieg im zweiten Quartal. Die zuletzt abverkauften SK Hynix fallen um weitere 4,4 %. Die Geschäftszahlen von Samsung vermögen Anle- ger nicht davon überzeugen, dass die rekordhohen KI- Investitionen der Technologiekonzerne tatsächlich zu höheren Gewinnen führen würden. Dies hatte die ent- täuschende Marktreaktionen auf die Geschäftszahlen von SK Hynix gestern Mittwoch deutlich gemacht. Selbst Rekordgewinne beruhigten die Gemüter nicht. Meta warnte, dass KI-Investitionen weiterhin zu hohen Investi- tionsausgaben führen würden. Der japanische Nikkei-225 in Tokio steigt um 0,6 % und zeigt sich ebenfalls äusserst volatil. Gewinne bei Elekt- ronikwerten gleichen dabei Verluste von Finanztiteln aus. In China zeigen sich die Märkte uneinheitlich. Der Shanghai-Composite gibt 0,8 % nach, der HSI in Hong- kong fällt um 0,4 %.

Europa Die US-Notenbank hat gestern zwar den Leitzins un- verändert gelassen, zugleich aber darauf hingewiesen, dass sie die Preisentwicklung weiterhin kritisch be- obachten wird und in den gestiegenen Energiepreisen Inflationsrisken sieht. Auch das Abstimmungsverhältnis von 9 zu 3 gegen eine Zinserhöhung lässt aufhorchen. Damit ist das Thema einer restriktiveren geldpoliti- schen Gangart der Fed in den kommenden Monaten nicht vom Tisch. Zudem gab es Quartalszahlen von Meta und Microsoft, die nicht unterschiedlicher hätten ausfallen können. Der heutige Handelstag hat es in sich. Neben der Leit- zinsentscheidung der Bank of England stehen zahl- reiche makroökonomische Daten auf der Agenda. Die Investoren erwarten das Wirtschaftswachstum in der Eurozone, die deutschen Verbraucherpreise und die

www.bekb.ch | Marktkommentar | 30. Juli 2026 3 Arbeitsmarktdaten aus den USA. Zudem werden der PCE-Kerndeflator und das US-BIP veröffentlicht. Abge- rundet wird das Zahlenkonvolut durch Quartalszahlen von Apple und Amazon nach Handelsschluss in New York.

Marktnachrichten

US-Konjunktur: US-Notenbank belässt Leitzins un- verändert Kein Zinsschritt im Juli. Die US-Notenbank Federal Re- serve belässt den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 %. Doch die Notenbank ist tief gespalten. Drei FOMC-Mitglieder stimmten für eine sofortige Zinser- höhung. Damit belässt die Fed den Leitzins das fünfte Mal in Folge unverändert. Trotz des anhaltenden Inflations- drucks und der Spekulationen an den Terminmärkten verzichtet die Notenbank vorerst auf eine erneute Straf- fung. In der anschliessenden Pressekonferenz verdeut- lichte Fed-Chef Kevin Warsh den neuen Kurs der US- Notenbank. Warsh betonte, dass die Fed den Märkten wieder mehr Raum zur eigenen Preisfindung geben wolle und sich bewusst bei der Vorauskommunikation (“Forward Guidance”) zurückhalte. Die Märkte würden nun wieder unmittelbarer auf wirtschaftliche Ereignis- se reagieren, was eine positive Entwicklung sei. Gleich- zeitig stellte der Notenbankchef klar, dass die Fed beim Thema Teuerung keine Kompromisse eingehe: “Es gibt kein weiches Inflationsziel.” Die Notenbank beobachte derzeit eine spürbare Straffung der nominellen und realen Zinsen am Markt. Sollte der Preisdruck jedoch nicht wie gewünscht nachlassen, bleibe die Zinsoption fest auf dem Tisch. Warsh unterstrich: “Wir werden nicht zögern zu handeln.”

Meta: Facebook-Konzern mit Enttäuschung Der Facebook-Konzern Meta hat die Wall Street mit seinem Ausblick auf das laufende Quartal enttäuscht. Die Aktie verlor gestern Mittwoch im nachbörslichen US- Handel in einer ersten Reaktion mehr als sechs Pro- zent. Meta stellte für das laufende Vierteljahr einen Umsatz zwischen 61 und 64 Milliarden Dollar in Aussicht, wäh- rend Analysten im Schnitt mit rund 63 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Bei der Prognose für die Investitio- nen in KI-Infrastruktur hob Meta diesmal nur das untere Ende der Spanne von 125 auf 130 Milliarden Dollar an. Die erwartete Obergrenze bei den Kapitalinvestitionen blieb bei 145 Milliarden Dollar. 2025 gab der Konzern dafür gut 72 Milliarden Dollar aus. Meta-Chef Mark Zuckerberg hat grosse Ambitionen, Rivalen wie den ChatGPT-Entwickler OpenAI sowie Google und Elon Musks KI-Firma xAI bei Künstlicher Intelligenz zu überflügeln. Dafür ist er bereit, viele Milli- arden auszugeben - selbst mit dem Risiko, zu viele Re- chenzentren-Kapazitäten aufzubauen. Einige Experten und Anleger zweifeln unterdessen an, ob das Geld wie- der zurückverdient werden kann. Das Geld für den KI- Ausbau liefert nach wie vor das boomende Werbege- schäft des Facebook-Konzerns. Im vergangenen Quar- tal steigerte Meta den Umsatz im Jahresvergleich um 28 % auf 60,8 Milliarden Dollar. Unter dem Strich gab es einen Gewinn von 15,85 Milliarden Dollar - das waren 14 % weniger als ein Jahr zuvor. Auf mindestens eine Meta-App griffen zuletzt 3,6 Milli- arden Nutzer zu. Drei Monate zuvor waren es 3,56 Mil- liarden gewesen. Zum Konzern gehören auch der Chat- dienst WhatsApp, die Foto- und Video-Plattform Insta- gram sowie Threads, eine Alternative zu Musks Twitter- Nachfolger X.

Microsoft: Besser als ewartet Microsoft hat im vergangenen Geschäftsjahr 2026/27 dank einer hohen Nachfrage nach Produkten rund um Künstliche Intelligenz (KI) und Cloud-Dienste Umsatz und Gewinn kräftig gesteigert. Im vierten Quartal beschleunigte sich das Wachstum mit der Cloud-Plattform Azure - das währungsbereinigte Umsatzplus betrug 43 %. Das ist mehr, als Experten erwartet hatten, und zudem der höchste Quartalszu- wachs seit 2022. Dies kam an der Börse gut an. Die Aktie, die im bisherigen Jahresverlauf fast ein Fünftel verloren hat, legte nachbörslich um drei Prozent zu. In den zwölf Monaten bis Ende Juni sei der Erlös im Ver- gleich zum Vorjahr um 18 % auf 332 Milliarden Dollar (290 Mrd. Euro) nach oben geklettert, teilte das Unter- nehmen in Redmond mit. Operativ verdiente der Konzern 155 Milliarden Dollar und damit gut ein Fünftel mehr. Unter dem Strich zog der Gewinn um fast ein Drittel auf knapp 134 Milliarden Dollar an. Dies ist einer der höchsten Gewinne, die ein Unternehmen jemals in einem Geschäftsjahr erzielt hat. Experten rechnen aber bei anderen Technologiewerten wie Alphabet oder Nvidia mit noch höheren Ergebnis- sen auf Jahresbasis. Wegen des anhaltenden KI-Booms gehen Analysten davon aus, dass bei den grossen Technologiewerten sowohl die Erlöse als auch die Gewinne kräftig anziehen.

www.bekb.ch | Marktkommentar | 30. Juli 2026 4 So erwarten die von Bloomberg befragten Experten bei Microsoft im Geschäftsjahr 2028/29 (30. Juni 2029) einen Umsatz von fast 550 Milliarden Dollar sowie einen Überschuss von rund 200 Milliarden Dollar.

Starbucks: Gute Entwicklung trotz Umsatzrückgang Starbucks hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 eine deutliche Verbesserung seiner operativen Entwicklung erzielt. Während die Umsätze leicht rück- läufig waren, konnte der Konzern bei vergleichbaren Filialumsätzen, Profitabilität und Ergebnis pro Aktie deutlich zulegen. Gleichzeitig hob das Unternehmen seine Jahresprognose an. Die globalen vergleichbaren Filialumsätze stiegen im dritten Quartal um 7,9 %. Treiber waren sowohl eine höhere Kundenfrequenz (+ 4,2 %) als auch ein gestie- gener durchschnittlicher Bon (+ 3,5 %). In Nordamerika lag das Wachstum mit 8,1 % noch etwas höher, wäh- rend die internationalen Märkte ein Plus von 5,7 % verzeichneten. Insgesa