Flavia Leuenberger Ceppi, Ausstellung der Serie ‘Femicide’ in der Schweizerischen Nationalbibliothek; Zweiter Platz, Aktualität, Swiss Press Photo Award
30.07.2026 / 17h55 - Im Bild N°14 – «Femicide», 2025, Flavia Leuenberger Ceppi
Mein Blick fällt auf einen silbernen Ohrring mit einer hellen und einer kleineren türkisfarbenen Perle. Seit wann er wohl da liegt. Das weisse Porzellan des Beckens ist fleckig rot gefärbt. Vermutlich Blut, eine hartnäckige Flüssigkeit. Von der glatten Oberfläche des Beckens wird es aber schnell weggehen. Es wird nicht haften. Was bleibt, haftet an einem anderen Ort. Welche Gedanken der Person wohl durch den Kopf gingen, als ihr der Ohrring ins Becken fiel? Vermutlich war er in diesem Moment ihre kleinste Sorge.
Das Foto aus der Reihe «Femicide» der Tessinner Fotografin Flavia Leuenberger Ceppi thematisiert Femizide. Ein Begriff, der erstmals in den 70er-Jahren verwendet wurde, um die geschlechtsspezifische Tötung von Frauen zu bezeichnen. Die Tessiner Fotografin will mit ihrer Arbeit zu Femiziden – in den Medien oftmals als «Beziehungsdrama» bezeichnet – den Fokus auf die Opfer statt auf die Täter richten. Mit ihren Bildern, die in der französischsprachigen Tageszeitung «Le Temps» publiziert wurden, belegt die Fotografin den zweiten Platz in der Kategorie «Aktualität» des Swiss Press Photo Award. Die Ausstellung in der Schweizerischen Nationalbibliothek zeigt eine umfangreiche Sammlung der Gewinnerbilder des Schweizer Fotojournalismus aus unterschiedlichen Kategorien.