Gleichstellungsministerin veröffentlicht das Landesprogramm LAP Queer in Sachsen-Anhalt; breites Maßnahmenpaket gegen Diskriminierung angekündigt

Microsoft Word - 260603_LAP Queer in Sachsen-Anhalt

LANDESPROGRAMM QUEER IN SACHSEN-ANHALT


Seite 2 LAP Queer in Sachsen-Anhalt Juni 2026 Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort der Gleichstellungsministerin ………………………………………………………………………………….. 4
  2. Einführung …………………………………………………………………………………………………………………………. 5
  3. Überblick über die Maßnahmen …………………………………………………………………………………………… 8
  4. Schwerpunkte und Maßnahmen …………………………………………………………………………………………. 10 Bildung und Aufklärung ……………………………………………………………………………………………………… 10
  5. Zugänge zu queerfeministischer Bildung erleichtern ………………………………………………………. 12
  6. Queere Fachtagung „Kinder- und Jugendhilfe & Schule verqueeren“ ……………………………….. 14
  7. Vielfalt fördern: Bildung für Akzeptanz und Respekt in der formalen Bildung ……………………. 15
  8. Maßnahmen zur Unterstützung von Regenbogenfamilien ………………………………………………. 16
  9. Empowerment queerer Jugendlicher durch informelle Bildung ……………………………………….. 19 Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt gegen LSBTIQ* ………………………………………………… 21
  10. Verbesserung von Wirksamkeit und Ausstattung der Ansprechperson LSBTTI …………………… 23
  11. Professioneller Opferschutz und Bekämpfung vorurteilsmotivierter Straf- und Gewalttaten durch Polizei …………………………………………………………………………………………………………………. 24
  12. Sicherheit und Akzeptanz für LSBTIQ*-Personen im Justizvollzug …………………………………….. 26
  13. Zivilgesellschaftliches Monitoring zu Diskriminierung und Gewalt gegen LSBTIQ* ……………… 28
  14. Dunkelfeldstudie zu queerfeindlicher Diskriminierung und Gewalt in Sachsen-Anhalt ……… 30
  15. Forschung und Lehre zur romantisch-geschlechtlich-sexuellen Vielfalt sowie die Schaffung diskriminierungssensibler Orte an Hochschulen und Universitäten ……………………………………… 32
  16. Stärkung des intersektionalen Gewaltschutzes durch Einbindung queerer Perspektiven ….. 34
  17. Förderung einer queeren Vielfaltskultur in der Verwaltung …………………………………………… 36 Gesundheit und Pflege ………………………………………………………………………………………………………. 38
  18. Queere Kompetenz im Gesundheitswesen durch Fortbildung und ein Versorgungsnetzwerk für trans*, inter* und nichtbinäre Personen in Sachsen-Anhalt …………………………………………… 39
  19. Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit HIV im Alltag, im Alter und in der Pflege …………………………………………………………………………………………………………………………… 42
  20. Queersensible Pflege und Betreuung im ländlichen Raum …………………………………………….. 44 Gleichstellung in der Arbeitswelt ………………………………………………………………………………………… 46
  21. Umfassende Sensibilisierung, Vernetzung, Fortbildung und Öffentlichkeitsarbeit zu LSBTIQ* und Stärkung der Akzeptanz im öffentlichen Dienst …………………………………………………………… 48
  22. Sensibilisierungsangebot für Mitarbeitende der Jobcenter und Arbeitsagenturen in Sachsen- Anhalt sowie spezielle Beratungs- und Unterstützungsprogramme für trans*, inter* und nichtbinäre Personen …………………………………………………………………………………………………….. 49 Übergreifende Themen ……………………………………………………………………………………………………… 50
  23. Studie über die Lebensrealität queerer Menschen, insbesondere trans*, inter* und nichtbinäre Personen …………………………………………………………………………………………………….. 51
  24. Stärkung eines diskriminierungsfreien und queersensiblen Umgangs mit Kindern und Jugendlichen …………………………………………………………………………………………………………………. 52
  25. Sicherstellung bedarfsgerechter Leistungen und Beratung der Kinder und Jugendhilfe für queerer junge Volljährige mit Fluchterfahrung ………………………………………………………………….. 54

Seite 3 LAP Queer in Sachsen-Anhalt Juni 2026 22. Digitale Beratung für geschlechtliche Vielfalt mit besonderen Bedarfen und qualifizierter Peer-Beratung ………………………………………………………………………………………………………………. 56 23. Sicherheitskonzepte für queere Veranstaltungen und Organisationen……………………………. 58 24. Verstetigung der Landeskoordinierungsstellen LSBTIQ* ……………………………………………….. 60 5. Abkürzungen…………………………………………………………………………………………………………………. 62

Anmerkung zur geschlechterinklusiven Schreibweise Das Landesprogramm „Queer in Sachsen-Anhalt“ zielt darauf ab, die Selbstbestimmung und Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt zu stärken. Dieses Anliegen spiegelt sich auch in der sprachlichen Gestaltung dieses Dokuments wider. Um sowohl den Anforderungen etablierter Rechtschreibstandards als auch dem Anliegen eines möglichst geschlechtergerechten und inklusiven Sprachgebrauchs gerecht zu werden, wird im Text überwiegend auf neutrale, geschlechtsübergreifende Formulierungen zurückgegriffen. Die Begriffe trans*, inter* und LSBTIQ* werden mit Gendersternchen verwendet. Bei diesen handelt es sich um etablierte Selbstbezeichnungen, die im öffentlichen wie fachlichen Diskurs breite Anerkennung gefunden haben. Bei direkten Zitaten, Projekttiteln Eigennamen sowie der Wiedergabe externer Bezeichnungen wird die gewählte Schreibweise, einschließlich der Verwendung von Sonderzeichen wie dem Asterisk übernommen.


Seite 4 LAP Queer in Sachsen-Anhalt Juni 2026

  1. Vorwort der Gleichstellungsministerin Sachsen-Anhalt hat in den vergangenen Jahren wichtige Schritte unternommen, um die Gleichstellung und Akzeptanz von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität zu stärken– etwa durch landesweite Bildungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen, die Förderung queerer Infrastrukturen sowie die Verankerung entsprechender Themen in Verwaltung und im Bildungsbereich. Mit dem Aktionsprogramm für die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTTI) in Sachsen-Anhalt wurde hierfür eine wichtige Grundlage geschaffen.

Gleichzeitig zeigen Erfahrungen aus Beratung, Praxis und Wissenschaft, dass queere Menschen auch heute noch mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt konfrontiert sind. Daraus ergibt sich ein klarer Auftrag für Politik und Verwaltung, Strukturen weiterzuentwickeln und Angebote gezielt zu stärken.

Mit dem Landesprogramm Queer in Sachsen-Anhalt wird dieser Weg konsequent fortgeführt. Es bündelt die Maßnahmen der Landesregierung, entwickelt bestehende Ansätze weiter und schafft einen ressortübergreifenden Rahmen, um Diskriminierung abzubauen, das Bewusstsein für unterschiedliche Lebensrealitäten zu stärken und eine Kultur des Respekts und der Akzeptanz zu fördern. Ein zentrales Ziel ist es, die Lebenssituation queerer Menschen in Sachsen-Anhalt konkret zu verbessern – durch den Ausbau von Unterstützungs- und Beratungsangeboten, durch Prävention und durch die Stärkung von Teilhabe und Sichtbarkeit.

Das Programm wurde unter Einbeziehung der queeren Community sowie in enger Abstimmung mit den beteiligten Ressorts erarbeitet. Es verbindet die Perspektiven aus Praxis, Verwaltung und Politik und schafft damit eine tragfähige Grundlage für die kommenden Jahre. Mein Dank gilt allen, die an der Erarbeitung des Landesprogramms mitgewirkt haben – insbesondere den engagierten Personen und Initiativen aus Zivilgesellschaft und Praxis sowie den beteiligten Ressorts und der Verwaltung.

Die Initiative queerer Engagierter hat auch den Impuls für die Umbenennung des bisherigen Aktionsprogramms LSBTTI in das Landesprogramm „Queer in Sachsen-Anhalt“ gegeben. Der neue Titel trägt der Weiterentwicklung des Programms Rechnung und steht für einen offenen und zeitgemäßen Ansatz der Gleichstellungspolitik des Landes.

Mit dem Landesprogramm setzt die Landesregierung ein klares Signal: Für ein respektvolles Zusammenleben, gleiche Chancen und eine Gesellschaft, in der Vielfalt selbstverständlich ist und queere Menschen sicher, sichtbar und gleichberechtigt leben können.

Ihre


Seite 5 LAP Queer in Sachsen-Anhalt Juni 2026 2. Einführung

Im Februar 2024 beauftragte die Landesregierung das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung mit der Weiterentwicklung des Aktionsprogramms LSBTTI zu einem eigenständigen Landesprogramm (KV 05321). Grundlage dafür war der Koalitionsvertrag Sachsen-Anhalt 2021-2026, in dem festgelegt wurde:

„Das Aktionsprogramm für die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTTI) entwickeln wir unter Beteiligung von LSBTIQ*-Organisationen als Aktionsprogramm LSBTIQ* weiter und führen es als eigenständiges Landesprogramm fort. Wir sehen das Aktionsprogramm der Landesregierung als zentrale, ressortübergreifende Aufgabe im Land Sachsen-Anhalt für die nachhaltige Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*-, intergeschlechtlichen, nonbinären sowie queeren Menschen (LSBTIQ*) … Dabei werden Interessen- und Fachorganisationen hinzugezogen.“2

Vorangegangen war das im Jahr 2015 initiierte „Aktionsprogramm für die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen und Intersexuellen (LSBTTI) in Sachsen-Anhalt“3. In Zusammenarbeit mit der Landesregierung und der Zivilgesellschaft wurden 69 Maßnahmen in den Bereichen Bildung und Aufklärung, Öffentlicher Dialog, Gewalt und vorurteilsmotivierte Kriminalität sowie gesetzliche Grundlagen umgesetzt. Der Schwerpunkt lag damals auf der gesamtgesellschaftlichen Sensibilisierung.

Im September 2022 wurde der Umsetzungsbericht zum Aktionsprogramm LSBTTI4 vorgelegt. Er belegt, dass in den vergangenen Jahren in zentralen Bereichen - etwa in der Verankerung queerer Themen in der Bildungsarbeit, der Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen und der Sensibilisierung der öffentlichen Verwaltung - Fortschritte erzielt wurden. Gleichzeitig hat sich das gesellschaftliche und politische Umfeld verändert: Neue rechtliche Entwicklungen, eine zunehmende Sichtbarkeit geschlechtlicher und sexueller Vielfalt sowie eine Zunahme von Angriffen auf queere Lebensweisen erfordern ein zeitgemäßes und handlungsfähiges Landesprogramm.

Mit der Novellierung wird sichergestellt, dass die Maßnahmen weiterhin zielgerichtet, wirksam und an den aktuellen Bedarfen queerer Menschen ausgerichtet sind. Das nun novellierte Landesprogramm „Queer in Sachsen-Anhalt“ soll die Lebe