---
title: "Zitterpappel Genetik erforscht in Bayern; keine Hybride in beprobten Beständen"
sdDatePublished: "2026-07-30T13:18:00Z"
source: "https://lwf.bayern.de/mam/cms04/service/dateien/06_genetik_und_vermehrungsgut_barbara_fussi.pdf"
topics:
  - name: "genetics"
    identifier: "medtop:20000721"
  - name: "forestry and timber"
    identifier: "medtop:20000214"
  - name: "forests"
    identifier: "medtop:20000433"
locations:
  - "Bavaria"
---


Zitterpappel Genetik erforscht in Bayern; keine Hybride in beprobten Beständen

Zitterpappel – Genetik und
Vermehrungsgut
B. Fussi, J. Eckel, M. Šeho
W!R erforschen baumHERKUNFT
und empfehlen waldZUKUNFT!

Warum ist die Genetik wichtig?

Vielfältige Genvarianten erhöhen die
Anpassungsfähigkeit

Zitterpappel (Populus tremula) – eine weit verbreitete
Baumart

Zitterpappel (Populus tremula) –
beprobte Bestände
Karte: Y.-D. Hoffmann
Bepropte Zitterpappel in Unterneukirchen, Foto: M. Šeho
EZR-Reg. nr.
091 900 01 002 2

Artunterscheidung
Zitterpappel
Graupappel
Silberpappel
X
Foto: B. Fussi
Foto: B. Fussi

Artunterscheidung anhand genetischer Marker
o Fünf Bestände der Zitterpappel in Bayern (1 = Unterneukirchen, 2 = Salzweg, 3 =
Eslarn, 4 = Zapfendorf, 5 = Langenaltheim)
o Referenzpopulationen für Zitterpappel (Nr. 6) und Silberpappel (Nr. 7)
o Keine Hybride in den beprobten Beständen
o Hybrid-Potential: Natürliche Hybride P. × canescens (Zitter- × Silberpappel) treten in
Flussniederungen auf

Klonale Strukturen
Bestand
Klon-Vorkommen
Anzahl betroffener Genotypen
Unterneukirchen
3 Genotypen, je 2 Rameten
34 einzelne Genotypen (statt 37)
Zapfendorf
7 Genotypen, 2-4 Rameten
32 einzelne Genotypen (statt 44)
Langenaltheim
8 Genotypen, 2-3 Rameten
36 einzelne Genotypen (statt 47)
Salzweg & Eslarn
Keine Klone gefunden
–
Bestand bei Zapfendorf. Foto: Jonas Eckel, AWG
In Klongruppen nur von einzelnen Bäumen Saatgut ernten

Grundlegende genetische Merkmale
Merkmal
Wert
Beschreibung
Allelzahl pro Bestand
(Na)
4,9 – 5,8
Höchster Wert in Eslarn
Effektive Allelzahl (Ne)
2,9 – 3,2
Anpassungspotential der nächsten
Generation hoch und
Flaschenhalseffekte niedrig
Erwartete Heterozygotie
(He)
0,70 – 0,75
vergleichbar mit anderen
europäischen Beständen
Private Allele
15 insgesamt
häufig in Salzweg & Eslarn
Viele Varianten innerhalb der Bestände, geringe
Differenzierung zwischen Beständen
Foto: B. Fussi

Fallbeispiel Eslarn
o
23 ha große, zugelassene Zitterpappel-
Saatguterntebestand
o
Hohe Qualität und Wüchsigkeit
o
mehrschichtiger Fichten-Zitterpappel-
Mischbestand mit t.w. nennenswerten
Beimischungen von Lärche, Waldkiefer,
Schwarzerle und Birke
o
5 private Allele → lokaler genetischer
Mehrwert, Nutzung dieser Allele für
standortangepasste Pflanzungen
o
Empfehlung: Kanditat für Generhaltung
und sollte als Saatgutquelle verstärkt
genutzt werden
Fotos: J. Eckel

Möglicher Plusbaum der
Zitterpappel in Eslarn
Foto: J. Eckel
o
Aufbau von Samenplantagen
o
Hohe Qualität (z. B. Stammformen)
o
Genetisch vielfältige und qualitativ
hochwertige Individuen in einer
Anpflanzung für die spätere
Saatgutproduktion
o
Hohe Anzahl an Plusbäumen in der
Plantage (80-100) führt zu genetisch
vielfältigem Vermehrungsgut

Möglicher Plusbaum der
Zitterpappel in Eslarn
Foto: J. Eckel
o
Aufbau von Samenplantagen
o
Hohe Qualität (z. B. Stammformen)
o
Genetisch vielfältige und qualitativ
hochwertige Individuen in einer
Anpflanzung für die spätere
Saatgutproduktion
o
Hohe Anzahl an Plusbäumen in der
Plantage (80-100) führt zu genetisch
vielfältigem Vermehrungsgut
9,2
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
BW_Birkensohl
BW_Lerchenberg
BW_Obergriesbach
BY_Hersching
BY_Iphofen
BY_Neumarkt
BW_01_0503
BW_02_0513
BW_03_0521
BW_04_0035
BW_05_0042
BW_06_0001
BW_07_0050
BW_08_0052
BW_09_0018
BW_10_0013
BW_11_030
BY_1_0063
BY_1_K20L
BY_2_047
BY_3_0044
BY_3_024
BY_4_0033
BY_4_0119
BY_5_0120
BY_5_0029
BY_6_1043
BY_6_1044
BY_6_1046
BY_7_1012
BY_7_N4
BY_8_n1
BY_8_n2
BY_8_1009
Plusbäume
Plantage Neudeorf
Genetische Vielfalt Bsp. Elsbeere
Ar
Mittlere Ar
Baier et al. AFZ-DerWald 20/2017

Fallbeispiel Zapfendorf
Foto: J. Eckel
o
Bestand 9 ha, reine
Laubholz-Mischung,
Zitterpappel führend
o
Klonale Strukturen (32 statt
44 Genotypen) → reduziert
genetische Vielfalt
o
Empfehlung: Saatgut aus
nicht-klonalen Bereichen
ernten
o
Ergänzend: vegetative
Vermehrung von
ausgewählten Klonen für
gleichbleibende Qualität in
Samenplantagen

Züchtung und lokale
Anpassung
o
Züchtung in Europa

ab den 1930er Jahren
o
Kreuzung von Populus tremula

mit der amerikanischen Zitterpappel

(Populus tremuloides)
o
FASTWOOD-Projekte ab 2009: erzeugte Hybridsorten mit 1,5- bis mehr als 2-fache
Leistung in der Biomasseproduktion und deutliche Höhenunterschiede im Vergleich
zu den reinen Europäischen Aspen (Schneck und Liesebach 2015)
o
Die HuVs der Bayerischen Forstverwaltung enthalten eine Auswahl für Bayern
empfohlener Zitterpappel- und Zitterpappel-Hybrid-Sorten
(https://www.awg.bayern.de/319397/index.php)
Bild
Schneck V, Liesebach M (2015) Potenziale von Aspe im Kurzumtrieb. In: Mirko Liesebach (ed) (2015) FastWOOD II:
Züchtung schnell- wachsender Baumarten für die Produktion nachwachsender Rohstoffe im Kurzumtrieb –
Erkenntnisse aus 6 Jahren FastWOOD. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 210 p, Thünen Rep 26

Züchtung und
lokale Anpassung
o
Genetische Differenzierung

bei quantitativen

Merkmalen hoch
o
z.B. Knospenaufbruch,

Wachstumsperiode und

Kälteresistenz
o
d.h. natürliche Selektion

und lokale Anpassung finden statt
o
Nördliche Populationen weisen kürzere Wachstumsperioden und höhere
Frosttoleranz auf als südliche Populationen
o
Nutzung der frosttoleranteren Herkünfte für Vorwald in Frostlagen
https://de.dreamstime.com

Saatgut
o
Ernte von Ende April bis Anfang Mai, kurz vor Aufplatzen der
Kätzchen
o
Ernte von geschlossenen weiblichen Blüten - Äste
abschneiden, 5-10 Tage Nachreife im Wasser
o
Sammeln per Hand, Staubsauger oder Leiter – je nach
Zugänglichkeit
o
Tausendkorngewicht 0,2 – 0,4 g → 2,5 – 5 Mio. Samen / kg
(Vergleich Eiche: 3-4 kg für 1000 Samen)
o
Keimrate 60 – 80 % → ca. 1 – 1,5 Mio. Sämlinge / kg
o
Kurzzeitlagerung: trocken und kühl (2-3 Tage)
o
Langzeitlagerung: Trocknung auf < 8 % Wassergehalt,
Entfernung der Samenwolle, luftdicht verpacken, bei 18 –
20 °C → 2-5 Jahre
Fotos: B. Fussi

o Generativ (Saatgut)
➢Aussaat im Freiland, durchgehend
feucht halten, Schattierung nötig
➢Keimung bereits nach 1-2 Tagen,
Sämlinge 20-50 cm im ersten Jahr
o Vegetativ (Stecklinge, Wurzelbrut,
In-Vitro)
➢Stecklinge benötigen
Wuchsstoff-Behandlung für höhere
Anwuchsraten
➢Wurzelbrut (Rameten) bildet große
Klonflächen (bis 55 m Radius)
Vermehrungsmethoden
Foto: B. Fussi

o Genetische Kontrolle – Vor Zulassung von Saatgutbeständen Artprüfung und
Klon-Analyse durchführen
o Bestandsauswahl – Priorität für nicht-klonale, genetisch vielfältige Bestände (z. B.
Salzweg, Eslarn), um Flaschenhalseffekte zu vermeiden.
o Klon-Sammlungen – Dokumentation und Erhalt von Klonen mit besonderen
Eigenschaften (z. B. hohe Wuchskraft).
o Anzucht: Feuchte Bedingungen & Schattierung in der Keimphase, ggf. Schutz vor
Pilz-/Schädlingsbefall
o Einsatz: Eignung als Vorwald aufgrund von raschem Jugendwachstum und
Frosthärte, Wiederbewaldung nach Stürmen/Bränden
o Provenienz-Tests – Nutzung des Anpassungspotentials für z. B. Frosttoleranz-Tests
für nördliche vs. südliche Herkunft
Praktische Konsequenzen für die Forstpraxis

Zusammenfassung
o
Hohe genetische Vielfalt innerhalb aller bayerischen Bestände, aber geringe
Differenzierung.
o
Genetische Vielfalt ist in Bayern weitgehend homogen, aber private Allele
bieten lokale Chancen
o
Private Allele bieten lokale Anpassungspotenzial – wichtig für
Provenienz- und Zuchtprogramme.
o
Klonale Strukturen reduzieren die effektive Allelzahl; Bestände ohne Klone
sind bevorzugt für Saatgut.
o
Adaptive Differenzierung ist stark ausgeprägt – Heritabilität von Phänotypen
ermöglicht gezielte Selektion.
o
Optimale Saatguternte, Lagerung und Anzucht sichern qualitatives
Vermehrungsgut für die Forstwirtschaft

Ausblick & Forschungsschwerpunkte
o
Weiterführende Provenienz-Tests entlang von Höhen-/Klimagradienten
o
Integration von Klimamodellen in Provenienz-Versuche, um zukünftige
Standort-Eignung zu prognostizieren.
o
Erweiterte Genom-Sequenzierung (z. B. GWAS) zur Identifikation von
Genen für Klima-Resilienz.
o
Langzeit-Klon-Sammlungen für besonders wertvolle Genotypen (z. B.
hohe Frosttoleranz).
o
Integration von genomischer Selektion zur Beschleunigung von
Züchtungsvorhaben
o
Lagerversuche, um die Lagerdauer von Saatgut zu verlängern

W
!
R
l
e
g
e
n
d
e
n
S
A
M
E
N
f
ü
r
d
i
e
Z
U
K
U
N
F
T
!
Dank an Labormitarbeiterinnen in SG1:
Alexandra Schillinger
Susan Fuchs
Susanne Nowak