Carl Lewis übernimmt als offizieller Botschafter des LA28 Volunteer Program in Los Angeles; 60.000 Freiwillige prägen LA28
Olympische Legende Carl Lewis über Volunteering bei LA28: „Es wird immer etwas Besonderes sein, denn es geht um die Menschen“
Olympische Legende Carl Lewis über Volunteering bei LA28: „Es wird immer etwas Besonderes sein, denn es geht um die Menschen“
Als offizieller Botschafter des LA28 Volunteer Program spricht die Legende der Spiele von 1984, Carl Lewis, über die emotionale Rückkehr der an den Ort, an dem er Olympia-Geschichte schrieb, sowie über die unverzichtbare Arbeit der Volunteers die dies erst möglich machen.
44 Jahre nachdem die Olympischen Spiele in Los Angeles sein Leben verändert haben, kehrt Carl Lewis für LA28 mit einer ganz anderen Mission zurück.
Er war 23 Jahre alt, als er während der Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles zum Superstar aufstieg und vier Goldmedaillen gewann: über 100 Meter, 200 Meter, im Weitsprung und mit der 4x100-Meter-Staffel .
Im Laufe seiner Karriere gewann er insgesamt neun Goldmedaillen bei vier Olympischen Spielen und ging so als einer der größten Olympioniken aller Zeiten in die Geschichte ein.
Nun, da sich Los Angeles darauf vorbereitet, die Spiele erneut auszurichten, kehrt Lewis zurück – nicht als Athlet, sondern als offizieller Botschafter des LA28 Volunteer Program .
„ Es ist ein zweiter Traum, der in Erfüllung geht , denn ich hätte nie gedacht, dass ich noch einmal hierher zurückkehren würde“, sagte Lewis am Mittwoch (23. Juli) vor einem Live-Publikum beim „World Broadcaster Meeting“ von LA28.
„Der Gedanke, dass die Olympischen Spiele noch zu meinen Lebzeiten hierher zurückkehren, ist wirklich unglaublich. Als ich hörte, dass eine Rückkehr geplant war, sagte ich mir: ‚Na, da muss ich mich wohl fit halten, damit ich auch gut aussehe!‘“
Diesmal wird er mitten im Geschehen sein. Für ihn ist es eine bewegende Rolle, die wunderbare Erinnerungen wachruft.
Carl Lewis | LA 1984, Seoul 1988 & Atlanta 1996 | Take the Mic
Die US-Legende kommentiert seine Goldmedaillen in LA 1984, in Seoul 1988 und in Atlanta 1996.
Inmitten aller Hektik, die vier Goldmedaillen und Wettkämpfe alle zwei Tage mit sich bringen, sind Lewis einige Gesten der Freundlichkeit vonseiten der Volunteers bei 1984er Spielen besonders in Erinnerung geblieben.
„LA wird unglaublich werden“, fuhr er fort. „Es wird immer etwas Besonderes sein, denn es geht um die Menschen. Man hat 15.000 Athleten und 60.000 Freiwillige.
Es geht um die Menschen, die sich engagieren – noch mehr als nur um die Athleten. Die Athleten bilden gewissermaßen das i-Tüpfelchen.“
Da die Anmeldung für das Volunteer Programm nun geöffnet ist , wird Lewis ein Team leiten, das die Veranstaltung zum Leben erweckt. „Ich habe so viele Menschen getroffen, denen ich Mut machen möchte, denn (Volunteers) sind ein Teil der Spiele. Ohne sie können die Spiele nicht stattfinden“, sagte er.
Carl Lewis über LA 1984 Volunteers: " Kein Tag verging, ohne dass jemand sagte…"
Lewis weiß, dass sich in Los Angeles alles um Unterhaltung dreht. Als Gastgeberstadt steht der Ort für Spektakel.
Doch Lewis hat auch die kleinen, dramatischen Momente hinter den Kulissen erlebt. Und in solchen Augenblicken sind die Volunteers der Spiele diejenigen, die den Athleten am nächsten stehen.
“Ich trat in der Qualifikation an; wir mussten uns in unsere Wettkampfkleidung werfen – Tights, Shorts und alles, was dazugehörte“, erzählt Lewis lächelnd. „Ich war schon fast am Start, als ich merkte, dass ich meine Shorts gar nicht anhatte.“
„Ich suchte mir die schnellsten freiwilligen Helfer aus, damit sie zurücklaufen konnten. Es war 1984, es gab keine Handys, wir saßen alle fest. Es war also eine ganze Kette von Leuten im Einsatz! Informationen wurden von Person zu Person weitergegeben, jemand rannte los, und kurz vor meinem Rennen hatte ich meine Shorts dann doch noch. Sie leisten viel mehr, als die Leute denken. Sie haben mir sogar beim Anziehen geholfen!“
American athlete Carl Lewis, wearing a blue-and-white Kappa tracksuit as he gives the peace symbol trackside at the 1984 Summer Olympics, at the Los Angeles Memorial Coliseum in the Exposition Park neighbourhood of Los Angeles, California, August 1984. Lewis won gold in the men’s 100m, men’s 200m, men’s 4x100m relay, and men’s long jump events at the Games. (Photo by Bongarts
Selbst als Lewis 15 Jahre später nach Los Angeles zurückkehrte, waren das Vermächtnis und die Erinnerung an die Spiele in der Stadt noch lebendig.
Wieder einmal waren es Freiwillige, die den Stolz und die Geschichte am Leben erhielten. „Ich habe etwa zehn Jahre lang im Westen der Stadt gelebt“, erzählt er. „Kein Tag verging, ohne dass jemand sagte: ‚Ich war bei den Olympischen Spielen‘, ‚Ich habe mich bei den Olympischen Spielen freiwillig engagiert‘ oder ‚Ich habe mein Haus während der Olympischen Spiele vermietet‘. Wann immer ich unterwegs war, sprach mich irgendwer darüber.
Es ist, als würden sie sich bewusst dazu entschließen: ‚Ich möchte Teil dieses Erlebnisses sein.‘ Es ist etwas, das man nie vergisst.“
Als neu ernannter Botschafter für das Volunteer Program von LA28 lässt sich Lewis weiterhin von der menschlichen Komponente der Spiele inspirieren.
Sein Olympia-Teamkollege von 1992, Mike Marsh , war bereits als Freiwilliger bei den Spielen in Los Angeles im Einsatz gewesen – jenen Spielen, bei denen Lewis acht Jahre zuvor das Olympische Feuer entzündet hatte.
Ein weiterer Freiwilliger von 1984 war Paul Madwin; er arbeitete damals an der Seite von Menschen, die sich bereits bei den Spielen von 1932 in Los Angeles engagiert hatten. Madwin wird 90 Jahre alt sein, wenn die Olympischen Spiele erneut nach Los Angeles kommen. Er hat bereits angekündigt, sich wieder als Volunteer zu melden.
Eine Verbindung durch die Geschichte hindurch. „Diese Geschichte hat ihn erreicht, und nun trägt er sie hundert Jahre später an die junge Generation weiter“, sagt Lewis. „Er ist 88 Jahre alt, und dass er sich erneut engagieren will – das finde ich einfach inspirierend.
Das sind Geschichten, die man für immer bei sich trägt.“
American athlete Carl Lewis waves the Stars and Stripes after being awarded a gold medal at the Los Angeles Memorial Coliseum during the Olympic Games, Los Angeles, August 1984. Lewis won four gold medals at the 1984 games. (Photo by Tony Duffy
Carl Lewis über seine Trainer-Erfolge bei Paris 2024: „Die ersten Olympischen Spiele sind dein ganzes Leben; ab dem Moment deiner Geburt.
Lewis nahm als Athlet an vier Olympischen Spielen teil, und war bei sechs weiteren Ausgaben in anderer Rolle dabei.
Heute ist er Leichtathletiktrainer an der University of Houston; bei den Spielen von Paris 2024 erlebte er, wie zwei seiner Athleten ihre ersten olympischen Medaillen gewannen. Der britische Sprinter Louie Hinchliffe holte Bronze in der 4x100-Meter-Staffel, während Shaun Maswanganyi im südafrikanischen Team Silber gewann.
„Ich rannte durch das Stadion zur Mixed Zone und sagte dem Sicherheitspersonal, sie sollten mich in Ruhe lassen“, erinnert sich Lewis. „Ich hörte nur: ‚Da dürfen Sie nicht hinunter‘, aber ich lief einfach an ihnen vorbei.
Ich war so aufgeregt, weil ich selbst schon in dieser Situation war. Und wenn man dann sieht, wie hart diese jungen Leute gearbeitet haben – man ist einfach so stolz auf sie; es sind großartige Athleten.
Man sagt oft, Olympia finde nur alle vier Jahre statt, aber nein: Die ersten Olympischen Spiele sind das Ergebnis eines ganzen Lebens. Es beginnt in der Minute, in der man geboren wird , ohne dass man ahnt, dass einen etwas auf genau diesen Moment vorbereitet.“
Für die Spiele 2028 in Los Angeles (LA28) wird Lewis auch als Trainer zurückkehren.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal als Trainer arbeiten würde“, sagt er. „Als ich meine Karriere beendete, war ich auch wirklich bereit dafür. Ich dachte, ich würde einfach nur ich selbst sein – für den Rest meines Lebens.
Aber bei den Spielen in L.A. werde ich Athleten dabei haben, genau wie mein Trainer damals. Und ich werde die Chance haben, stolz auf sie zu sein, so wie mein Trainer es war.
Es wird sehr emotional für mich werden; meine Eltern sind inzwischen verstorben, aber ich weiß noch genau, wo sie damals gesessen haben.
Ich habe den Weg vom kleinen Jungen, der mit wunderbaren Eltern und seiner Familie herumtobte, bis hin zum Olympiasieger zurückgelegt. Und jetzt kann ich selbst Elternteil und Trainer sein.
Ich kann das alles noch einmal durch sie erleben. Es ist einfach eine großartige Erfahrung.
Aber meine Geschichte ist nur eine von Hunderten oder Tausenden – ob es nun um Familien, Eltern, Freunde, Trainer oder Mentoren geht. Diese Geschichten gehen immer weiter. Genau das machen die Olympischen Spiele aus.“