Gebäudewirtschaft der Stadt Köln erklärt Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf Baupreise im Wirtschaftsplan 2026; Materialpreissteigerungen teils über 100%
Beantwortung
Dezernat, Dienststelle VI/26
Vorlagen-Nummer 30.07.2026
1775/2025/4 Beantwortung einer mündlichen Anfrage aus einer früheren Sitzung öffentlicher Teil Gremium Datum Betriebsausschuss Gebäudewirtschaft 29.09.2026
Beantwortung einer Anfrage aus der Sitzung vom 23.06.2026 betreffend der im Wirtschaftsplan 2026 der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln erwähnten Planungsunsicherheiten durch Baupreissteigerungen In der Sitzung des Betriebsausschusses Gebäudewirtschaft vom 23. Juni 2026 fragte SB Ach- telik zu den Planungsprozessen nach, welche konkreten Auswirkungen der Ukraine-Krieg auf welche Baustoffpreise habe. Zudem bat er um eine Skizze des Prozesses, wie eine Risikoanalyse für Baustoffe angelegt ist und welche Quellen hierfür verwendet werden. Es reiche eine kurze Darstellung, wie die Aufbereitung von Baustoffpreisen aussehe.
Antwort der Verwaltung
Zu der Anfrage bezüglich der im Wirtschaftsplan 2026 (unter Punkt V. der Erläuterungen) auf- geführten Planungsunsicherheiten nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung:
Die Gebäudewirtschaft ist bestrebt, die Wirtschaftsplanung nach bestem Wissen und Gewis- sen sowie auf Basis der aktuellen verfügbaren Daten vorzunehmen. Dennoch verbleiben sys- temimmanente Planungsunsicherheiten, die sich unter anderem aus unvorhersehbaren ge- samtwirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen ergeben. Während in den vergange- nen Wirtschaftsplänen insbesondere auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie erläuternd hingewiesen wurde, wird die aktuelle Preisentwicklung im Bausektor von veränderten globalen Faktoren beeinflusst.
Zum Zeitpunkt der Aufstellung des Wirtschaftsplans stellt insbesondere der anhaltende Ukra- ine Konflikt einen wesentlichen Einflussfaktor dar. Dieser darf jedoch nicht isoliert betrachtet werden, sondern ist Teil eines komplexen Geflechts diverser Ursachen, die sich überlagern und in Summe zu erheblichen Preissteigerungen in der Baubranche führen.
Die Einschätzung, dass vom Ukraine-Konflikt ein wesentlicher Einfluss ausgeht, deckt sich mit den Analysen übergeordneter Fachgremien. So führt beispielsweise der Fachdienst Wissen- schaftliche Dienste des Deutschen Bundestages in seiner Untersuchung zur Baukostensteige- rung in Deutschland und Österreich aus:
„Die Lieferkettenkrise und der Krieg in der Ukraine haben zu […] Preisschocks geführt. Ge- stiegene Energiepreise, Produktionsengpässe und Störungen der Logistik haben sich in vielen Bereichen der Bauwirtschaft unmittelbar in höheren Preisen niedergeschlagen. […] Seit Be- ginn der Energiekrise und insbesondere durch die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine sind die Preise vieler Materialien teils drastisch gestiegen. An der Spitze haben sich Erzeuger- preisindizes für einige Materialien mehr als verdoppelt.“
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Die daraus resultierenden Preissprünge erschweren eine punktgenaue Kalkulation von Bau- projekten erheblich. Die Gebäudewirtschaft versucht diesem Risiko unter anderem durch eine projektscharfe Betrachtung unvorhergesehener Projektentwicklungen (Risikobetrachtung) in der Kostenkalkulation zu begegnen. Die zehn Risikokategorien wurden mit der Vorlage 0117/2023 mitgeteilt:
Des Weiteren erfolgt die Planung der Bauinvestitionen im Rahmen der Wirtschaftsplanung in einem zweistufigen Verfahren. Im ersten Planungsschritt nehmen die zuständigen Kolleg*in- nen in der Baufachabteilungen eine projektkonkrete Prognose der jährlichen Mittelabflüsse so- wie der Projektgesamtkosten vor. Im zweiten Schritt werden die ermittelten Kosten auf Unter- nehmensebene plausibilisiert, um möglichst belastbare Zahlen zu ermitteln. Hierzu werden verschiedene Kennzahlen und Erfahrungswerte genutzt und Abhängigkeiten zu Realisierungs- varianten und Umsatzzahlen je technischem Mitarbeitenden hergestellt. Im Ergebnis mündet diese Vorgehensweise in einen pauschalen, projektübergreifenden Abschlag.
Gez. Haack