Beurteilungsgremium empfiehlt Rosenkranz und Joana de la Fontaine für Militärkaserne Zürich Kunstprojekt; Empfehlung: Rosenkranz & de la Fontaine

Kunst und Bau Militärkaserne Zürich

Akosua Viktoria Adu-Sanyah Kang Sunkoo Miriam Laura Leonardi und Gabriele Garavaglia Esther Mathis Michael Meier und Christoph Franz Pamela Rosenkranz und Joana de la Fontaine Gesamtinstandsetzung und Umbau Studienauftrag Kunst und Bau Bericht des Beurteilungsgremiums Militärkaserne Zürich Kanton Zürich Baudirektion Hochbauamt

3 Militärkaserne Zürich Gesamtinstandsetzung und Umbau Studienauftrag Kunst und Bau Bericht des Beurteilungsgremiums Ausgangslage 4 Verfahren 7 Beurteilung und Empfehlung 8

Pamela Rosenkranz und Joana de la Fontaine «Palimpsest Castle. Schreib so oft du kannst» 12 Akosua Viktoria Adu-Sanyah «Load. Fotografische Fenster und skulpturale Bedingungen der Entwicklung» 14 Michael Meier und Christoph Franz «Paloma» 16 Miriam Laura Leonardi und Gabriele Garavaglia «BiZE.zip, MiKa.unzipped» 18 Kang Sunkoo «Bed Piece» 20 Esther Mathis «Fluss sein» 22

Genehmigung 24

«Soldatenkantine» (Visualisierung ARGE Spillmann Echsle / Takt) 4 5 Auftraggeber und Gegenstand des Studien­ auftrags Im Auftrag des Kantons Zürich wird die Militärka­ serne Zürich umfassend instandgesetzt. Die Nutzer­ schaft besteht aus der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene (KME) sowie der Kantonalen Schu­ le für Berufsbildung (EB). Die Bauherrschaft ist der Kanton Zürich. Die Federführung und Projektleitung liegen beim Hochbauamt Kanton Zürich (HBA). Die General­planung erfolgt durch die ARGE spillmann echsle / Takt. Im Rahmen dieses Bauprojekts führte das Hochbauamt Kanton Zürich für die Evaluation eines Kunst-und-Bau-Werkes einen Studienauftrag im selektiven Verfahren durch. Die Kantonale Maturitätsschule für Erwach­ sene Die Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene wurde 1970 gegründet. Es war die erste und bis heute einzige öffentliche Mittelschule für den zwei­ ten Bildungsweg im Kanton Zürich. Das bedeutet, dass bereits in der Berufswelt engagierte Erwachse­ ne einen eidgenössisch anerkannten Maturitätsaus­ weis erwerben können und damit direkten Zugang zu den Hochschulen erhalten. Die Gründung der Schule war eine Reaktion auf die Bildungsreformen in den 1960er-Jahren, als ein Hochschulzugang für erwachsene Berufsleute gefordert wurde. Dies war eine wichtige Forderung für die Chancengleichheit. Das Motto «Bildung für alle» als Errungenschaft aus der 1968er Bewegung prägt denn auch die Haltung und Atmosphäre an der Schule. Seit 2005 ist die KME in der ehemaligen Kantonsschule Riesbach angesiedelt und bildet dort zusammen mit der Kan­ tonalen Schule für Berufsbildung EB Zürich das Bil­ dungszentrum für Erwachsene. Ausgangslage Das Hochbauamt Kanton Zürich veranstaltete einen Studienauftrag im selektiven Verfahren für die künstlerische Ausgestaltung des Bildungszentrums für Erwachsene (BiZE) in der Militärkaserne in Zürich (MiKa). In einem Präqualifikationsverfahren wählte das Be­ urteilungsgremium aus 60 Eingaben sechs Kunstschaffende bzw. Teams zur Erarbeitung eines Projektes für eine künstlerische Inter­ vention aus. Das Beurteilungsgremium empfahl nach einer persön­ lichen Präsentation der Projekte durch die Kunstschaffenden dem Projektausschuss das Projekt von Pamela Rosenkranz und Joana de la Fontaine zur Realisierung. Ansicht Stadtseite (Visualisierung ARGE Spillmann Echsle / Takt) Ansicht Parkseite (Visualisierung ARGE Spillmann Echsle / Takt) Die Kantonale Schule für Berufsbildung EB Zürich 1973 gründete die Stadt Zürich mit der Berufsschule IV die erste öffentliche Institution, die sich exklusiv für die allgemeine und berufliche Weiterbildung ein­ setzt. Die EB Zürich konnte immer wieder mit Pio­ nierleistungen in der Berufs- und Weiterbildung auf­ warten. Als Mitte der 1980er Jahre vermehrt Frauen den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess suchten, unterstützte sie die EB mit gezielten Weiterbildungs­ möglichkeiten. Anfang 1990er Jahre erwies sich die berufliche Weiterbildung als Schlüsselfaktor bei der Bewältigung der Beschäftigungskrise. Stellensu­ chende profitierten vom umfassenden Kursange­ bot. Später dazu kamen das Kompetenzzentrum für Deutsch als Zweitsprache und Aktivitäten zur Förde­ rung von Schlüsselkompetenzen. Gesamtinstandsetzung und Umbau Militärka­ serne Die Militärkaserne, erbaut 1873–1876, wird bau­ technisch instandgesetzt und neuen Nutzungen zuge-führt. Im Erdgeschoss sind attraktive, öffent­ lichkeitsorientierte Nutzungen vorgesehen, welche die Sihlpromenade mit dem zentralen Freiraum des Areals, der Kasernenwiese, verbinden. In den Ober­ geschossen der ehemaligen Militärkaserne wird das Bildungszentrum für Erwachsene (BiZE) Platz finden. Die Militärkaserne ist ein zentraler Bestandteil des Kasernenareals, das zu den bedeutendsten Bau­ komplexen des Historismus in der Schweiz zählt. Die Bauten wurden 1981 in das Inventar der über­ kommunalen Schutzobjekte aufgenommen. Zudem misst das Gutachten der Eidgenössischen Kom­ mission für Denkmalpflege dem Gesamtkomplex der Zürcher Kasernenanlage nationale Bedeutung zu. 1987, mit der Verlegung der Armee aus der Mi­ litärkaserne in die Anlage Reppischtal, wurde das Gebäude zuerst mit unterschiedlichen temporären Nutzungen aktiviert, später durch die Kantonspolizei genutzt. Mit der Übersiedlung der Kantonspolizei in das neue Polizei- und Justizzentrum Zürich im Jahr 2022 ergab sich die besondere Chance, die Militär­ kaserne im Zusammenspiel mit der Gesamtanlage einer neuen Nutzung zuzuführen und der Öffentlich­ keit zugänglich zu machen.

6 7 Stimmberechtigte Mitglieder des Beurteilungsgremiums Adriano Tettamanti Baudirektion, Hochbauamt, Baubereich C, Abteilungsleiter (Vorsitz) Sabian Baumann Direktion der Justiz und des Innern, Fachgruppe Bildende Kunst Myriam Bernauer Bildungsdirektion, Generalsekretariat, Projektleiterin Immobilien Ann Demeester Kunsthaus Zürich, Direktorin Martin Klee Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene, Rektor Matthias Krebs Krebs und Herde Landschaftsarchitekten, Landschaftsarchitekt Caroline Morand Baudirektion, Hochbauamt, Projektdienste, Fachstelle Kunstsammlung, Leiterin Annette Spillmann Spillmann Echsle Architekten AG, Architektin Beratende Mitglieder des Beurteilungsgremiums André Barthel Baudirektion, Archäologie und Denkmalpflege, Bauberater Markus Dreher Spillmann Echsle Architekten AG, Planungsleiter Mara-Luisa Müller Hochbauamt, Fachstelle Kunstsammlung, Projektleiterin Kunst und Bau Sigrun Rohde Grün Stadt Zürich, Fachbereich Freiraumplanung, Projektleiterin Magnus Zwyssig Baudirektion, Hochbauamt, Baubereich C, Gesamtprojektleiter Koordination des Verfahrens Caroline Morand Baudirektion, Hochbauamt, Projektdienste, Fachstelle Kunstsammlung, Leiterin Vorprüfung André Barthel Baudirektion, Archäologie und Denkmalpflege, Bauberater Michael Hanak Externer Fachexperte Kunst Caroline Morand Baudirektion, Hochbauamt, Projektdienste, Fachstelle Kunstsammlung, Leiterin Magnus Zwyssig Baudirektion, Hochbauamt, Baubereich C, Gesamtprojektleiter Teilnehmende Akosua Viktoria Adu-Sanyah, Zürich; Kang Sunkoo, Basel; Miriam Laura Leonardi & Gabriele Garavaglia, Zürich; Esther Mathis, Zürich; Michael Meier & Christoph Franz, Zürich; Pamela Rosenkranz & Joana de la Fontaine, Zürich Budget und Entschädigung Für das frist- und programmgerechte Einreichen eines beurteilungsfähigen Beitrags wurde eine Ent­ schädigung von 5000 Franken inkl. MWST ausbezahlt. Insgesamt stehen für die Realisierung des Kunst­ und-Bau-Projekts 445 000 Franken inkl. MWST zur Verfügung. Mit der Projektentschädigung und der Realisierungssumme müssen sämtliche Aufwendungen, insbesondere Honorar, Realisierungskosten, Reisespesen, allfälliger Aufenthalt in der Schweiz, Aufträge an Dritte usw. abgedeckt werden. Beurteilungskriterien Das Beurteilungsgremium begutachtete die eingereichten Projekte nach den folgenden Kriterien. Die untenstehende Reihenfolge der Kriterien enthält keine Gewichtung. Das Beurteilungsgremium nahm unter Abwägung aller Kriterien eine Gesamtwertung vor. – ästhetischer Ausdruck – Sinnfälligkeit für den jeweiligen Ort – Integration in die architektonische Gesamtanlage – Einhaltung der Kosten-, Qualitäts- und Terminvorgaben Die Kunstwerke sollten eine eigenständige und starke Bildsprache sprechen, die jedoch mit den spezi­ fischen Eigenschaften der Nutzung korrespondiert. Verfahren Kuratorisches Konzept Kunst und Kaserne: Militär-Monument- Bildung-Utopie Kunst und Bau umfasst in diesem Fall künstlerische Interventionen an, in oder bei einem Denkmal. Bei der Militärkaserne in Zürich handelt es sich um ein seit 1876 bestehendes Baudenkmal von nationaler Bedeutung, das unter Denkmalschutz steht und ak­ tuell für eine Nutzung als Schule umgebaut wird. Die Transformation der Kaserne in ein Bildungszentrum mit öffentlicher Sockelnutzung bildet den Anlass zu einer künstlerischen Intervention. Angesichts der ho­ hen städtebaulichen, architektonischen, geschicht­ lichen und politischen Bedeutung der Militärkaserne ist bei einer wie auch immer gearteten künstlerischen Invention eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Geschichte des Baus und seiner Nutzung angezeigt. Zudem kann sie die Aneignung durch die Schule und die Öffentlichkeit unterstützen. Kunst und Bau bietet die Gelegenheit, die verschiedenen inhärenten The­ men zur Diskussion zu stellen und den historischen Bedeutungsebenen eine gegenwärtige Haltung ent­ gegenzusetzen. Denkmalpflegerisches Monument Bei der Militärkaserne handelt es sich um ein mo­ numentales Bauwerk, dessen axialsymmetrischer Aufbau das ganze Kasernenareal und die weitere Umgebung prägt. Die imposante Wirkung und der Wehrcharakter des historistischen Bauwerks basie­ ren mitunter auf der burgenhaften Rahmung und Be­ krönung des Mittelrisalits mit dem mittigen Tor, wo über den Zinnen zwei steinerne Löwen mit dem Zür­ cher Wappen die staatliche Macht repräsentierten (derzeit in Konservierung/Restaurierung). Was sagt uns das ikonografische Bauprogramm des monu­ mentalen Gebäudes heute und was lässt sich des­ sen Wirkung entgegensetzen? Militärische Repräsentation Der Ursprung und die langjährige Nutzung durch das Militär ist dem Kasernengebäude eingeschrie­ ben. Als monumentales Bauwerk, das Teil der um­ fassenden Kasernenanlage mit Zeughäusern und Stallungen ist, repräsentiert die Kaserne die militäri­ sche Kraft und Macht des Kantons Zürich. Dies regt zur Reflexion an, welche Rolle das ehemals die mili­ tärische Macht repräsentierende Gebäude oder ge­ nerell das Militär gegenwärtig spielt, und in Zukunft spielen könnte, zumal Kriege und die geopolitische Lage unsere Sicherheitsvorstellungen immer wieder beeinflussen. Kurz: Was bedeuten uns militärische Symbole, Macht und Sicherheit heute? Anregung zu Utopien Seit dem Wegzug des Militärs und der Umnutzung der Kaserne war das Kasernenareal wiederholt Ge­ genstand von Planungen und Ideenwettbewerben. Während der Jahre der Zwischennutzung wurde immer wieder über das Zukunftspotential des teil­ weise unzugänglichen Areals sinniert und diskutiert. Für das umfangreiche Areal mit der grossen ehe­ maligen Exerzierwiese wurden im Lauf der Zeit zahl­ reiche Ideen, oft auch utopischer Art, ausgeheckt und vorgebracht. Besonders die grosse «Leerstel­ le» mitten in der Stadt regte gleichsam zu Visionen und Utopien an. – Welche Möglichkeiten eröffnen die Gebäude und das Areal heute? Was wäre auch denkbar, vorstellbar, wünschbar? Ort der Bildung Nach der Gesamtinstandsetzung des denkmalge­ schützten Gebäudekomplexes dient die ehemalige Militärkaserne als Bildungszentrum für Erwachse­ ne. Die Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene (KME) und die Kantonale Schule für Berufsbildung (EB) mit ihrer eigenen, auf die 1968er-Bewegung zurückgehenden Geschichte, zeichnen sich durch eine zutiefst demokratische und inkludierende Phi­ lo­sophie aus. Ein neuer, aus dem Mittelrisalit wach­ sender Dachaufbau tritt parkseitig in Erscheinung