Andrea Ploß erklärt: Ferien ohne Perfektionsstress in Ingolstadt; 80 Prozent reichen oft

Bistum Eichstätt: Ferien ohne Perfektionsstress: Warum weniger Erwartungen oft mehr Urlaub bedeuten

Ferien ohne Perfektionsstress: Warum weniger Erwartungen oft mehr Urlaub bedeuten

Endlich Ferien! In vielen Familien wächst die Vorfreude auf erholsame Tage. Jetzt soll vieles anders werden als im Alltag. Denn da ist das Familienleben meist eng getaktet: Arbeit, Schule, Haushalt, Hobbys – oft bleibt kaum Zeit, gemeinsam durchzuatmen. Kein Wunder also, dass viele die Ferien herbeisehnen. „Ich vergleiche das ein bisschen mit Weihnachten“, sagt Andrea Ploß, Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung Ingolstadt. Auch dort gebe es oft die Vorstellung, dass alles harmonisch verlaufen müsse. „Bei den Sommerferien ist es ähnlich: Jetzt soll der perfekte Urlaub gelingen.“ Doch wenn alle plötzlich viel Zeit miteinander verbringen, bleiben unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse nicht aus.

Mehr Zeit bedeutet auch mehr Reibung

Während der eine am liebsten ans Meer fahren möchte, zieht es die andere in die Berge. Die Kinder wünschen sich Action, die Eltern sehnen sich vielleicht einfach nach Ruhe. Solche unterschiedlichen Vorstellungen sind völlig normal – sie bergen aber auch Konfliktpotenzial. Ploß rät deshalb, Erwartungen möglichst früh offen anzusprechen. Wer vorher gemeinsam überlegt, was jedem wichtig ist, findet leichter Kompromisse. Und manchmal müsse eben auch nicht alles gemeinsam stattfinden. „Man darf auch gerne einmal Zeit für sich verbringen“, sagt sie.

Die Chance liegt im Miteinander

Trotz aller möglichen Reibung sieht die Diplompsychologin vor allem die positiven Seiten der Ferien. Wenn Leistungsdruck und Terminkalender Pause machen, entstehen Freiräume. Dann können Familien wieder miteinander ins Gespräch kommen, Neues ausprobieren oder einfach Erinnerungen schaffen, die noch lange bleiben. Dafür müsse es gar nicht die große Fernreise sein. Ein gemeinsamer Ausflug an den Badesee, eine Bootsfahrt oder der Besuch bei den Großeltern könnten genauso wertvoll sein.

Und was, wenn die Stimmung dann doch kippt? Streit lässt sich auch im Urlaub nicht immer vermeiden. Entscheidend sei dann, nicht sofort weiter Öl ins Feuer zu gießen. Andrea Ploß empfiehlt, zunächst etwas Abstand zu gewinnen und erst einmal durchzuatmen. Danach könne ein ruhiges Gespräch helfen – ohne Vorwürfe und ohne alte Konflikte wieder hervorzuholen. Wichtig sei, bei dem zu bleiben, was gerade passiert ist, und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Vor allem aber rät sie dazu, die eigenen Ansprüche etwas herunterzuschrauben. „Es muss nicht immer perfekt sein. 80 Prozent reichen manchmal auch.“

Hilfe, wenn Konflikte immer wiederkehren

Wenn Familien merken, dass im Urlaub oder auch im Alltag immer wieder dieselben Konflikte auftauchen und sie allein keinen Ausweg finden, kann professionelle Unterstützung hilfreich sein. Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung in der Diözese begleitet Paare, Familien und Einzelpersonen bei belastenden Situationen und entwickelt gemeinsam mit ihnen neue Lösungswege.

Vielleicht ist genau das der schönste Ferientipp: Nicht jedem perfekten Urlaub hinterherjagen – sondern die gemeinsame Zeit so nehmen, wie sie kommt. Denn oft entstehen die schönsten Erinnerungen gerade dann, wenn nicht alles nach Plan läuft.

Bild von Dave Gerber auf Pixabay