Grazia Pergoletti sucht Festivalauftritte in Bern; mehr Festivalauftritte geplant
31.07.2026 / 13h55 - BKa N°14 – Pergolettis bewegter Festivalsommer
Die Theatermacherin Grazia Pergoletti prägt seit den 1990er-Jahren die Bühnen der Hauptstadt. Gemeinsam mit Meret Matter und Ruth Schwegler gründete sie den legendären Club 111 im Tojo Theater, später war sie Ensemble-Mitglied des Stadttheaters Bern. Im Schlachthaus brachte sie 2024 mit «Schwarzenbach – Le Dolce Vite» ihr Leben als Gastarbeiterkind auf die Bühne. Für die BKa hält sie Ausschau nach Theater, das sie selbst erleben will.
Festival, Festival, Festival! Meinen diesjährigen Festivalmoment hatte ich, als ich unlängst an einem Anlass für Kids versuchte, eine Geschichte in zwei Sprachen über das Geschrei der komplett entfesselten Kinderbande hinweg zu brüllen. Meine famose Kollegin bekam die Kleinen überraschend schnell in den Griff und auch ich hatte zum Glück irgendwann den Dreh raus. Als Freie Theaterproduktion bist du ja erst richtig ernst zu nehmen, wenn du zu den einschlägigen Festivals eingeladen wirst. Ich habe auch einige abgeklappert, wie etwa das grausam renommierte Impulse-Festival. Mit einem grandiosen Stück, dessen Bühnenbild so schwer war, dass ich beim Aufbau weinen musste. Oder das Theaterspektakel in Zürich, wo es derart gewindet hat, dass ich während dem Spielen im Augenwinkel die Regisseurin sah, wie sie Teilen des fortgewehten Bühnenbilds hinterherrennt. Beides ist schon eine Weile her. Das mit den Glamour-Festivals kommt dann wieder, wenn ich so richtig alt bin. «So dermassen alt, dass alle ganz beeindruckt sind, dass ich trotz meines hohen Alters immer noch auf einer Bühne stehe», wie Autorin Julia Hänni im Stück «Frau verschwindet» schreibt.
1 – Das Gute daran, dass ich nicht an Festivals auftrete, ist, dass ich Festivals besuchen kann! Wie zum Beispiel das «Buskers Bern» (Diverse Orte, untere Altstadt. Do., 6., bis Sa., 8.8., ab 18 Uhr) . Dort werde ich mir das «Cabaret der Todsünden» des Théâtre Jaleo ansehen, eine kleine Show der Schattenseiten. Oder Moritz Praxmarers «The Story of Larry» , ein minimalistisches Teebeutel-Theaterstück, das vom flugunfähigsten Piloten handelt, der trotzdem abhebt.
2 – Die Produktion «Blaui Socke» (Sa., 15.8., 20 Uhr und So., 16.8., 17 Uhr) folgt dem Wirken Frau Dr. Caroline Farners, der ersten Frau, die sich ihren Doktortitel nicht erheiraten musste. Zu sehen ist sie am Festival der Satelliten der Jungen Bühne Bern (Brückenpfeiler Bern. Do., 13., bis So., 23.8.) . Wie auch das Stück «In Schleim» , das mit dem nachvollziehbaren Slogan «Dryness is our greatest Enemy» beworben wird (Mo., 17., und Di., 18.8., 20 Uhr) .
3 – Neben den ganzen Festivals finden zurzeit auch beliebte Freilichtaufführungen von engagierten Laientruppen statt. Ambitioniert klingt die Produktion «Nordwind» von theaterwelten. Unter der Regie von Annemarie Stähli-Richard, die auch das Stück geschrieben hat, erzählt das rund 40-köpfige Ensemble die Geschichte von Finja, einer ehemaligen Gefängnis-Insassin, die in einem Fischerdorf, bevölkert von lauter skurrilen Figuren, ein neues Daheim findet (Schnittweier oberhalb Steffisburg. Aufführungen bis 29. August) .
4 – Zum Schluss noch ein Ausflugstipp: Hoffentlich nicht vom Sturm weggetragen wird heuer das «Teenage Songbook of Love and Sex» (Seebühne. Do., 13., bis Sa., 15.8., 21 Uhr) von Ásrún Magnúsdóttir & Alexander Roberts, welches am Theaterspektakel Zürich zu sehen ist. In einem zweiwöchigen Workshop haben junge Zürcher*innen die Songs mit der Crew aus Island erarbeitet und präsentieren diese nun gemeinsam auf der Seebühne. Ein witziger, mutiger Blick aufs Erwachsenwerden – roh, zart und überraschend vertraut, so die Ankündigung.
“Nordwind”, ein Freilichttheater im Schnittweier Steffisburg