BSI veröffentlicht Entwurf zur Evaluierung von Injektionsangriffen bei der Fernidentifikation in Deutschland; Öffentliche Kommentare bis 30. September 2026.
BSI - Presse - Injektionsangriffe auf Video-Ident erkennen: Evaluierungsleitfaden zur Kommentierung
Injektionsangriffe auf Video-Ident erkennen: Evaluierungsleitfaden zur Kommentierung
Injektionsangriffe sind eine zentrale Bedrohung für die videobasierte Fernidentifizierung. Zwar sollen die Systeme manipulierte Daten erkennen, eine genaue Prüfmethodik dieser Fähigkeit lag bislang jedoch nicht vor. Diese Lücke soll der Leitfaden zur Evaluierung der Erkennung von Injektionsangriffen bei der Fernidentifikation schließen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ( BSI ) lädt Prüfstellen, Hersteller, Betreiber, Forschende und weitere Interessierte ein, die Entwurfsfassung bis zum 30. September 2026 zu kommentieren.
Die Identitätsprüfung aus der Ferne wird immer beliebter. Sie gilt als bequeme Alternative zu Vor-Ort-Terminen bei Behörden und anderen Diensteanbietern. Beispiele sind etwa die Registrierung für Bankkonten, SIM -Karten, Gesundheits- ID oder ELSTER . Neben der Online -Ausweisfunktion ( eID ) mit PIN können sich Nutzerinnen und Nutzer zunehmend auch über einen Videokanal ausweisen. Dabei zeigen sie Ausweisdokument und Gesicht in die Kamera. Ob ein System vorab aufgenommene Videos oder Deepfakes von echten Live-Bildern unterscheiden kann, ist entscheidend für seine Vertrauenswürdigkeit.
Injection Attack Detection - systematisch geprüft
Die Technische Richtlinie BSI TR -03147 fordert, dass Systeme zur Identitätsprüfung von natürlichen Personen Injektionsversuche erkennen. Sie legt in ihrer aktuellen Form jedoch noch nicht konkret fest, wie eine Prüfstelle diese Fähigkeit in Umfang und Tiefe bewerten soll. Gleiches gilt für die Technische Spezifikation ETSI TS 119 461 . Die Technische Spezifikation CEN
TS 18099 wiederum enthält zwar ein Prüfschema. In ihrer aktuellen Fassung bietet sie jedoch keine Grundlage, welche die Breite öffentlich bekannter Angriffsvektoren abbildet. Sie stellt ebenso nicht sicher, dass Bedrohungen mit hohem Angriffspotenzial umfassend geprüft werden, wenn die Anwendung ein hohes Vertrauensniveau erfordert. Bewertungen nach diesen Vorgaben sind daher bislang nur eingeschränkt aussagekräftig und hängen stark von der jeweiligen Prüfstelle ab.
Mit dem vorgelegten Entwurf geht das BSI diese Problematik an. Das Dokument definiert eine Prüfmethodik samt einem Katalog bekannter Angriffsmethoden und -werkzeuge. Dieser Katalog dient als Mindestumfang jeder Prüfung. Das Vorgehen ist an die BSI TR -03166 zur biometrischen Leistungsfähigkeit und Präsentationsangriffserkennung angelehnt: Die Prüfstelle erhält in einer Vorevaluierungsphase bestimmte Möglichkeiten, etwa Zugriff auf ein Testsystem, um eine methodische Schwachstellenanalyse durchführen zu können. Ziel ist es, künftig zertifizierbare Sicherheitsaussagen für Fernidentifizierungssysteme auf Basis standardisierter und wiederholbarer Prüfungen zu ermöglichen.
Der Entwurf liegt in englischer Sprache vor, damit sich auch internationale Beteiligte einbringen können. So können auch die Ergebnisse leichter in die internationale Standardisierung einfließen. Das betrifft etwa die Weiterentwicklungen der CEN
TS 18099 und die entstehende ISO
IEC 25456. Kommentierte Dokumente können per E-Mail an: referat-d11@bsi.bund.de gesendet werden.
BSI TR-03147 Vertrauensniveaubewertung von Verfahren zur Identitätsprüfung natürlicher Personen
Download Evaluation Guidance Injection Attacks - Draft (PDF)