---
title: "Deutschland wird von Hormus-Krise getroffen im Persischen Golf; Preise steigen, Lieferketten unter Druck"
sdDatePublished: "2026-07-31T06:05:00Z"
source: "https://www.dihk.de/de/dossiers/energie-und-rohstoffe-warum-die-hormus-krise-auch-deutschland-trifft-184856"
topics:
  - name: "energy market"
    identifier: "medtop:20000387"
  - name: "natural gas"
    identifier: "medtop:20000263"
  - name: "non-ferrous metal"
    identifier: "medtop:20000321"
  - name: "waterway and maritime transport"
    identifier: "medtop:20000343"
  - name: "electricity"
    identifier: "medtop:20000260"
  - name: "logistics"
    identifier: "medtop:20001170"
  - name: "semiconductor and electronic component"
    identifier: "medtop:20000230"
  - name: "chemicals"
    identifier: "medtop:20000217"
  - name: "plastic"
    identifier: "medtop:20000224"
locations:
  - "United Arab Emirates"
  - "Mozambique"
  - "China"
  - "Indonesia"
  - "Algeria"
  - "Netherlands"
  - "United States"
  - "Kazakhstan"
  - "Libya"
  - "Qatar"
  - "Norway"
  - "Saudi Arabia"
  - "Germany"
---


Deutschland wird von Hormus-Krise getroffen im Persischen Golf; Preise steigen, Lieferketten unter Druck

Energie und Rohstoffe: Warum die Hormus-Krise auch Deutschland trifft

Energie und Rohstoffe: Warum die Hormus-Krise auch Deutschland trifft

Die Folgen der Krise im Persischen Golf reichen weit über die Region hinaus. Zwar ist die Energieversorgung Deutschlands kurzfristig gesichert. Doch steigende Energiepreise, Risiken für die Gasversorgung sowie drohende Engpässe bei wichtigen Rohstoffen wie Helium, Aluminium oder Kunststoffen erhöhen den Druck auf die deutsche Wirtschaft und ihre Lieferketten.

Deutschland ist bei Öl und Gas heute deutlich breiter aufgestellt als noch vor wenigen Jahren. Dennoch bleibt die deutsche Wirtschaft anfällig für geopolitische Krisen im Persischen Golf. Die Auswirkungen zeigen sich vor allem über steigende Weltmarktpreise, höhere Stromkosten und unterbrochene Lieferketten. Besonders betroffen sind energieintensive Industrien sowie Unternehmen, die auf kritische Rohstoffe und chemische Vorprodukte aus der Golfregion angewiesen sind. Bereits jetzt steigen die Preise, während sich die Risiken für Produktion und Versorgung mit wichtigen Materialien erhöhen.

Kurzfristig sind in Deutschland keine physischen Versorgungsengpässe zu erwarten, da Deutschland Öl und Gas (inklusive LNG) vorwiegend aus USA, Norwegen, den Niederlanden, Libyen sowie Kasachstan bezieht. Lediglich 6,1 Prozent der deutschen Rohöl-Importe 2025 stammen aus dem Nahen Osten, LNG bezieht Deutschland aus der Region direkt überhaupt nicht. Die wichtigsten Effekte entstehen vielmehr über Preissteigerungen auf den globalen Energie- und Rohstoffmärkten und mögliche Umlenkungseffekte. Die Märkte sind sehr volatil. Unternehmen blicken insbesondere mit Sorge auf die Zeit nach Auslaufen bestehender Lieferverträge, das ist häufig im Herbst der Fall.

In Deutschland decken Öl und Gas rund 40 Prozent des industriellen Energieverbrauchs, insbesondere für Prozesswärme. Steigende Energiepreise wirken direkt auf die Produktionskosten der Industrie.

Indirekte Auswirkung auf die Strompreise

Da in der Stromproduktion Gaskraftwerke in der Regel preissetzend sind, führen steigende Gaspreise zu Erhöhungen der Großhandelsstrompreise.

Die aktuellen hohen Preise laufen einer (markt-)wirtschaftlichen Befüllung zuwider: Sie können zu allgemein höheren Gas-

oder eine staatliche Intervention notwendig machen. Laut dem Verband der Gasspeicherbetreiber (INES) drohen die aktuellen Marktbedingungen die Wiederbefüllung der Speicher in ausreichendem Maß zu verhindern. Bei einem sehr kalten Winter könnte die Versorgungssicherheit unter Druck gerade und das Gas ausgehen. Industrieunternehmen müssten dann abgeschaltet werden.

Die Region am Persischen Golf ist auch ein zentraler Lieferant für zahlreiche kritische Rohstoffe und Zwischenprodukte. Die faktische Sperrung der Straße von Hormus für den Seeverkehr seit dem 2. März gefährdet die entsprechenden globalen Lieferketten erheblich, sodass neue Preisspitzen und Engpässe für die Weltwirtschaft drohen. Deutsche Unternehmen stellt dies vor erhebliche Herausforderungen und schafft neue Unsicherheiten.

2025 produzierten die Staaten am Persischen Golf nahezu 7 Millionen Tonnen Primäraluminium, rund 9 Prozent der globalen Produktion. 2025 bezog die EU rund 18 Prozent ihrer Primäraluminium-Importe aus dem Golf. Viele europäische Betriebe spüren bereits steigende Aluminiumpreise – ausgelöst durch Verzögerungen im Transport und die angekündigte kontrollierte Drosselung der Aluminiumproduktion in der Region. Zudem sorgen die Energieunsicherheiten zu weiteren Verknappungen in den Verarbeitungskapazitäten. So sind wichtige Aluminiumwerke in Mozambique, welche vorrangig nach Europa exportieren, ebenfalls stark betroffen.

Katar exportiert rund 40 Prozent des weltweit produzierten Heliums. Die EU zählt – neben China und Südostasien – zu den wichtigsten Absatzmärkten und importiert knapp 40 Prozent ihres Heliums aus Katar. Helium ist ein besonders für die Halbleiterindustrie, die Kryotechnik (Tieftemperaturtechnik) und die Luftfahrt essenzieller Rohstoff und wird aus Erdgas gewonnen. Seine Produktion muss zurückgefahren werden, weil die LNG-Förderung in Katar unterbrochen ist. Trotz bestehender Recyclingstrukturen müsste die EU im Falle eines länger anhaltenden Konflikts zusätzliche Bezugsquellen erschließen. Der Eigenanteil an der europäischen Heliumversorgung liegt lediglich bei etwa 8 Prozent. Mögliche Alternativen wie Algerien, China oder die USA müssten erst neue Kapazitäten aufbauen.

Die Golfstaaten sind ein zentraler Anbieter von vielen Basisgrundstoffen für die Kunststoffherstellung, wie Ethylen oder weiteren Polymeren. Diese werden zur Weiterverarbeitung nach Asien gesendet, welche über 50 Prozent der weltweiten Kunststoffe produziert. Gleichzeitig ist Asien ein Nettoexporteur von Kunststoffen. So berichten erste deutsche Unternehmen von Knappheiten besonders bei Kunstoffen und chemischen Vorprodukten.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu den größten Schwefelproduzenten weltweit. Etwa jede vierte Tonne Schwefel stammt aus der Region. Mittelfristig drohen deshalb weitere Störungen in der weltweiten Batterieproduktion. Denn Schwefel wird nicht nur für Düngemittel und damit zur Sicherung der Welternährung benötigt, sondern spielt auch eine wichtige Rolle bei der Veredelung von Nickel und Batterierohstoffen. Besonders Indonesien – verantwortlich für fast zwei Drittel der weltweiten Nickelproduktion – ist mit rund 75 Prozent stark von Schwefelimporten aus der Golfregion abhängig.

Nahost: Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft

Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Nahen Osten