Ärztinnen und Ärzte führen den Fachkräftemangel-Index 2026 in der Zentralschweiz an; Größter Mangel in Elektroberufen und Gesundheitssektor

Fachkräftemangel-Index 2026: In Elektroberufen und im Gesundheitssektor ist der Fachkräftemangel am grössten | IHZ

Fachkräftemangel-Index 2026: In Elektroberufen und im Gesundheitssektor ist der Fachkräftemangel am grössten

Ärztinnen und Elektroinstallateure führen den Zentralschweizer Fachkräftemangel-Index auch im Jahr 2026 an. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich hat die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ die Rekrutierungsschwierigkeiten in 100 verschiedenen Berufen verglichen. Obwohl die Beschäftigung nur zurückhaltend wächst und in der Industrie 500 Stellen verloren gegangen sind, wird der Fachkräftemangel auch in Zukunft ein Thema sein.

Die Rangliste der Berufe mit dem höchsten Fachkräftemangel wird zum dritten Mal in Folge von den gleichen beiden Berufsgruppen angeführt. Auf dem ersten Platz liegen Ärztinnen und Ärzte. Den zweiten Platz besetzen Elektroinstallateurinnen und -mechaniker. Mit einem Sprung vom fünften auf den dritten Rang sind Installateure und Mechanikerinnen für Elektronik und Telekommunikationstechnik wieder auf dem Podest zu finden. Zu dieser Berufsgruppe zählen beispielsweise Elektronikerinnen und Elektronik-Servicetechniker sowie Installateure im Informatikbereich.

Unter den Berufen mit ausgeprägtem Fachkräftemangel befinden sich auffällig viele weitere Berufe im Elektrobereich. Telekommunikations- und Rundfunktechniker besetzen beispielsweise den achten Rang. Material- und ingenieurtechnische Fachkräfte, zu denen auch Elektrotechnikerinnen gehören, liegen auf Platz 10 und damit nur knapp vor den Ingenieurinnen in den Bereichen Elektrotechnik, Elektronik und Telekommunikationstechnik auf Rang 14.

In den vordersten Rängen ebenfalls stark vertreten ist der Gesundheitsbereich. Neben Ärztinnen und Ärzten auf dem ersten Platz befinden sich akademische und nichtakademische Krankenpflege- und Geburtshilfefachkräfte auf den Plätzen 5 und 6. Auf den Plätzen 17 bis 20 folgen weitere Assistenz- und Fachberufe in der Human- und Tiermedizin.

Obwohl die Maschinen- und Metallindustrie mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen hat, befinden sich Maschinenmechanikerinnen und -schlosser sowie Metallarbeiterinnen seit der erstmaligen Analyse des Fachkräftemangel-Index Zentralschweiz unter den zehn am stärksten betroffenen Berufen. In der diesjährigen Erhebung liegen sie auf Platz 6 und 7.

Der geringste Mangel besteht bei Verkaufskräften in Handelsgeschäften (Rang 79), allgemeinen Bürokräften (Rang 82), Geschäftsführern und Vorständen (Rang 91) sowie Hilfsarbeiterinnen bei der Herstellung von Waren (Rang 99). In diesen Berufen ist es verhältnismässig schwieriger, eine Stelle zu finden. Bei den Hilfsarbeitern beträgt die durchschnittliche Stellensuchdauer über sieben Monate. Eine Bedienerin von Maschinen zur Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln (Rang 31) ist demgegenüber durchschnittlich lediglich drei Monate arbeitslos.

Für Präzisionshandwerkerinnen und Kunsthandwerker könnte sich ein Umzug in die Zentralschweiz lohnen

Den grössten Unterschied zwischen der gesamtschweizerischen und der Zentralschweizer Rangliste weist die Gruppe der präzisions- und kunsthandwerklichen Berufe auf. Zu ihr gehören Uhrmacherinnen, Mikromechaniker sowie Schmuckwarenhersteller und Edelmetallbearbeiterinnen. Schweizweit liegt die Berufsgruppe auf dem 85. Rang. Das bedeutet, dass es eher schwierig ist, einen Job zu finden. In der Zentralschweiz belegt sie den 13. Rang. Durchschnittlich traf in den letzten drei Jahren eine bei der Arbeitslosenkasse registrierte Person auf drei offene Stelleninserate. Ein Umzug in die Zentralschweiz würde sich für diese Personen also nicht nur wegen der schönen Landschaft lohnen. Auch für Installateurinnen und Mechaniker für Elektronik und Telekommunikationstechnik (Rang 3 gegenüber 23) und für Telekommunikations- und Rundfunktechniker (Rang 8 gegenüber 52) könnte er sich auszahlen.

Auf der anderen Seite haben insbesondere sonstige Verkaufskräfte in der Zentralschweiz eher schwierige Karten. Während die Berufsgruppe im schweizweiten Durchschnitt auf dem 60. Rang liegt, belegt sie regional den 84. Rang. Ähnliches gilt für Mathematikerinnen und Statistiker (Rang 49 gegenüber 70) sowie für Technikerinnen für den Betrieb von ICT und die Anwenderbetreuung (Rang 34 gegenüber 64).

Entschärfung in der Biowissenschaft und auf Montage

Die grösste Ranglistenverschiebung gegenüber der letztjährigen Analyse zeigt sich bei der Berufsgruppe Schiffsführer, Flugzeugführer und verwandte Berufe. Dazu gehören technische Schiffsoffiziere und Schiffslotsen sowie Flugzeugpilotinnen, Flugverkehrslotsen und Flugsicherungstechnikerinnen. Während die Berufsgruppe im Jahr 2025 mit dem 81. Rang zu den Berufen mit dem tiefsten Fachkräftemangel gehörte, liegt sie neu knapp in der vorderen Hälfte. Auch bei Berufen in der Nahrungsmittelverarbeitung sowie bei Autorinnen und Journalisten ist mit einer Rangveränderung von elf Plätzen eine relative Akzentuierung des Fachkräftemangels zu beobachten. Mit den Rängen 40 und 54 bleibt der Mangel im Vergleich zu anderen Berufsgruppen aber nach wie vor gering.

Bei Biowissenschaftlerinnen und bei den Montageberufen hat der Fachkräftemangel hingegen abgenommen. Biowissenschaftler befinden sich mit dem 57. Rang neu in der zweiten Ranglistenhälfte, nach dem 42. Rang im Vorjahr. Montageberufe lagen im Jahr 2024 noch auf dem 6. Rang und im Jahr 2025 auf dem 11. Rang. In der aktuellen Analyse liegt die Berufsgruppe auf Rang 23 und verliert somit zwölf Plätze.

Die Zentralschweiz hat letztes Jahr 2500 Industriejobs verloren

Die weltweiten Unsicherheiten und die damit einhergehende Investitionsschwäche belasten die Auftragsbücher der Zentralschweizer Industrieunternehmen seit Mitte 2022. Diese Herausforderungen wirken sich auch auf die Beschäftigung aus. In den Jahren 2024 und 2025 wies lediglich ein Quartal ein positives Wachstum der Industriestellen aus. Im Jahresverlauf 2025 gingen der Zentralschweizer Industrie rund 500 Jobs verloren. Dank eines wachsenden Dienstleistungs- und Staatssektors resultierte im gleichen Zeitraum ein Beschäftigungswachstum von rund 1000 Stellen. Das Jahr 2026 startete auch in der Industrie mit einer positiven Entwicklung. Gegenüber dem Vorjahr konnte die Beschäftigung wieder um 1,1 Prozent erhöht werden.

Diese Entwicklung ist auch in der Arbeitslosenstatistik zu beobachten. Zwischen Juli und September 2023 lag die Arbeitslosenquote in der Zentralschweiz bei 1,1 Prozent. Im Kanton Obwalden betrug sie lediglich 0,5 Prozent. Es herrschte damals faktisch Vollbeschäftigung. Danach verfolgte die Quote drei Jahre lang einen steigenden Trend. Zum Jahresbeginn 2026 lag sie bei 2,2 Prozent und damit am höchsten Punkt seit 2021. Dennoch war sie einen Prozentpunkt tiefer als der Schweizer Durchschnitt. Seither ist die Arbeitslosenquote wieder rückläufig. Im Juni erreichte der Luzerner und Zentralschweizer Wert 2 Prozent. Im Kanton Uri lag die Quote wieder unter einem Prozent.

Die schwierige Beschäftigungsentwicklung in der Industrie und die steigende Arbeitslosenquote bedeuten aber nicht, dass der Fachkräftemangel überwunden ist. Zwar hat er sich aufgrund der konjunkturellen Entwicklung etwas entschärft. Der Trend für die nächsten Jahre ist aber klar. Es werden viele geburtenstarke Jahrgänge pensioniert. Damit scheiden mehr Personen aus dem Arbeitsmarkt aus, als eintreten. Die Rekrutierung wird für die Unternehmen entsprechend anspruchsvoller.

Die Unternehmen sind gefordert, ihren Arbeitskräftebedarf zu decken. Sie müssen weiterhin in Aus- und Weiterbildung investieren. Auffällig ist zudem, dass es sich bei vielen Berufen in den vordersten Rängen um geschlechterspezifisch geprägte Berufsbilder handelt. Wer die Attraktivität für das jeweils andere Geschlecht erhöht, kann sein Arbeitskräftepotenzial verdoppeln.

Ebenso wichtig ist die Produktivität. Prozesse müssen laufend verbessert werden, damit mit weniger Input mehr hergestellt werden kann. Bei der Anschaffung einer neuen Maschine ist die Frage, wie viele Personen sie bedienen müssen, wichtiger als der Preis.

Eine Rolle spielt schliesslich der Staat. Erstens konkurriert er mit privatwirtschaftlichen Unternehmen um Arbeitskräfte. Zweitens binden administrative Hürden wichtige personelle Ressourcen. Die Politik leistet folglich einen Beitrag, wenn der Staat nicht weiter wächst und Bürokratie abgebaut wird.

Yves Spühler | Leiter Wirtschaftspolitik und Ökonomie

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