Seelsorge- und Care-Team am Luzerner Kantonsspital begleitet Patientinnen, Patienten und Angehörige; 24/7 Krisenhilfe, religiös-neutral

Begleitung, wenn das Leben aus dem Gleichgewicht gerät | Luzerner Kantonsspital

Begleitung, wenn das Leben aus dem Gleichgewicht gerät

Begleitung, wenn das Leben aus dem Gleichgewicht gerät

Im Kanton Luzern gehören immer weniger Menschen einer Kirche an. Gleichzeitig bleiben Fragen nach Sinn, Hoffnung, Abschied und Halt für viele Menschen wichtig – besonders in Zeiten von Krankheit und Krise.

Diese Entwicklung zeigt sich auch am Luzerner Kantonsspital. Hier begleitet das Seelsorge- und Care-Team Menschen mit ganz unterschiedlichen religiösen oder weltanschaulichen Hintergründen. Dabei sind die Fragen, mit denen sich die Patientinnen, Patienten und Angehörigen an Susann Schüepp Brunner und ihr Team wenden, oft ähnlich.

Wie verändert sich die seelsorgerische Arbeit in einer Gesellschaft, die vielfältiger wird? Welche Rolle spielen Care-Team-Einsätze im Spitalalltag? Und welche Unterstützung wünschen sich Menschen heute in schwierigen Lebenssituationen?

«Religiöse Fragen können Teil eines Gesprächs sein, müssen es aber nicht.»

Viele Menschen verbinden Spitalseelsorge noch immer mit Religion. Entspricht das dem, was Sie im Alltag erleben?

Teilweise schon. Wir werden viel für Gebete, Segnungen oder die Kommunion angefragt. Gleichzeitig kommen Patientinnen und Patienten aber vermehrt mit Fragen auf uns zu, die weniger mit einer Konfession oder Religion zu tun haben. Ihnen geht es um Ängste, Hoffnungen, schwierige Entscheidungen oder die Frage, was in einer belastenden Situation trägt und Halt gibt.

Interessant ist dabei, dass insbesondere auch jüngere Menschen sehr offen für unser Angebot sind. Viele 20- bis 30-Jährige haben wenig Berührungsängste. Sie schätzen die Möglichkeit, mit jemandem sprechen zu können, der zuhört und einen ganzheitlichen Blick auf ihre Situation einnimmt.

Mit welchen konkreten Anliegen wenden sich Menschen an Sie?

Oft geht es um Entlastungsgespräche. Patientinnen und Patienten möchten Sorgen, Nöte oder Ängste aussprechen. Das erleben wir bei Unfällen, die Menschen unerwartet aus ihrem Alltag reissen, bei schweren Diagnosen und langen Krankheitsverläufen, aber auch oft am Lebensende.

Darüber hinaus suchen Angehörige Unterstützung. Insbesondere auf Intensivstationen, in der palliativen Betreuung oder nach belastenden Ereignissen stehen sie häufig unter grossem Druck. Manchmal hilft es dabei bereits, dass wir weder zur Familie noch zum Freundeskreis gehören. Diese neutrale Rolle ermöglicht uns einen anderen Zugang.

Hintergrund: Religion im Kanton Luzern

Sie bezeichnen sich heute als Seelsorge- und Care-Team. Was bedeutet der Begriff «Care-Team» konkret?

Care bedeutet bei uns nicht Pflege im klassischen Sinn. Vielmehr werden wir als Care-Team insbesondere in Krisen- und Notfallsituationen hinzugezogen. Wir sind rund um die Uhr erreichbar – etwa nach einem schweren Unfall oder bei unerwarteten Todesfällen. Hierfür sind wir unter anderem in psychologischer Nothilfe ausgebildet. Zudem sind wir Teil des Dispositivs besondere Lagen am LUKS und auch für solche Einsätze jederzeit auf Abruf.

Im Zentrum unserer Arbeit steht bei einem Einsatz immer die Frage: Was braucht mein Gegenüber in dieser Situation?

Wie gelingt es, Menschen mit ganz unterschiedlichen religiösen, spirituellen oder weltanschaulichen Hintergründen zu begleiten?

Wir versuchen wahrzunehmen, welche Werte, Überzeugungen oder Ressourcen für die Person wichtig sind. Dafür braucht es vor allem Offenheit und die Bereitschaft, genau hinzuhören.

Ebenso wichtig ist eine gute Selbstreflexion: Wenn ich andere Menschen professionell begleiten möchte, sollte ich meine eigene religiöse oder spirituelle Verortung kennen, ohne sie dabei in den Vordergrund zu stellen.

Wenn jemand religiös beheimatet ist, kann es helfen, diese Ressourcen aufzunehmen. Vieles können wir im Team selbst «abdecken». Darüber hinaus arbeiten wir beispielsweise eng mit dem muslimischen Besuchsdienst zusammen und vermitteln bei Bedarf weitere Kontakte.

Unsere Erfahrung ist, dass die Gemeinsamkeiten meist grösser sind als das Trennende. Menschen wünschen sich vor allem, dass ihre Ängste und Belastungen, aber auch Hoffnungen ernst genommen werden.

Hintergrund: Was sagt die Forschung?

Welche Rolle übernimmt das Seelsorge- und Care-Team innerhalb des Spitals?

Wir sind Teil eines interprofessionellen Behandlungsteams. Wir arbeiten unter anderem mit den Fachpersonen aus Medizin, Pflege, Psychologie und weiteren Berufsgruppen zusammen. Dabei bringen wir mit unseren Fragen nach der spirituell-religiösen Dimension, nach Sinn und Werten eine zusätzliche Perspektive ein, die oft sehr geschätzt wird.

Neben der Begleitung von Patientinnen, Patienten und Angehörigen unterstützen wir aber auch Mitarbeitende, beispielsweise nach belastenden Ereignissen oder schwierigen Behandlungssituationen. Darüber hinaus engagieren wir uns unter anderem im Organspende-Team, im Ethik-Forum sowie in internen Weiterbildungen zu Themen wie Trauer oder interkultureller Kompetenz.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Seelsorge- und Care-Teams?

Ich wünsche mir, dass wir unser offenes Seelsorgeverständnis weiter in die Praxis umsetzen können. Die Vielfalt der Menschen, die wir begleiten, soll sich noch stärker in unserer Arbeit und in unseren Angeboten widerspiegeln.

Ein wichtiges Thema ist die Weiterentwicklung muslimischer Seelsorge beziehungsweise die Zusammenarbeit mit entsprechenden Ansprechpersonen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie wir unsere Arbeit künftig noch stärker im ambulanten Bereich anbieten können.

Was sollten Patientinnen, Patienten und Angehörige über Ihr Angebot wissen?

Dass wir für alle da sind. Unabhängig von religiöser oder weltanschaulicher Zugehörigkeit.

Wir begleiten Menschen bei Sorgen, Ängsten, Nöten und Fragen. Religiöse Fragen können Teil eines Gesprächs sein, müssen es aber nicht. Entscheidend ist, was Menschen in ihrer jeweiligen Situation beschäftigt und was Halt geben kann.

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Dr. theol. Susann Schüepp Brunner