Landwirtschaftsbetriebe in Niedersachsen Liquidität sichern durch vorausschauende Vermarktung und Risikomanagement; Preise tief, Erlöse decken Kosten teils nicht.

Zahlungsfähigkeit sichern durch vorausschauende Vermarktung und Risikomanagement : Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Bedeutung der Liquidität im landwirtschaftlichen Betrieb

Liquiditätsengpässe kündigen sich – ähnlich wie gesundheitliche Symptome – frühzeitig an. Für Ackerbau- wie Veredlungsbetriebe gilt gleichermaßen: Warnsignale müssen rechtzeitig erkannt und geeignete Maßnahmen eingeleitet werden. Voraussetzung hierfür sind eine zeitnahe Buchführung und die laufende Kontrolle zentraler Liquiditätskennzahlen.

Liquidität Sauenhaltung Ruth Beverborg Das übergeordnete Ziel eines landwirtschaftlichen Unternehmens ist die Erwirtschaftung von Gewinnen. Noch wichtiger ist jedoch die dauerhafte Zahlungsfähigkeit. Die kaufmännische Grundregel „Liquidität geht vor Rentabilität“ gilt in allen Betriebszweigen unverändert.

Liquidität beschreibt die Fähigkeit eines Betriebs, alle fälligen Zahlungsverpflichtungen jederzeit vollständig und fristgerecht erfüllen zu können. Maßgeblich hierfür sind die Sichtguthaben auf den Girokonten sowie die verfügbaren Zahlungsmittel.

Eine Liquiditätsplanung prognostiziert die zukünftigen Zahlungsmittelbestände über einen definierten Zeitraum. Sie ist besonders wichtig, wenn größere Ausgaben anstehen wie - Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz, Futter, Tierzukauf, Tierarzt - , die Ernte bzw. Mastleistung erst später vermarktet wird, Marktpreise stark schwanken oder kurzfristige Verbindlichkeiten bedient werden müssen.

Da die steuerliche Buchführung zahlreiche zahlungsunwirksame Positionen enthält, eignet sie sich nicht zur direkten Beurteilung der Zahlungsfähigkeit. Sie liefert jedoch wertvolle Daten für eine monatsgenaue Liquiditätsplanung.

Zusätzliche Risiken in der Ferkelerzeugung und Schweinemast

Während Ackerbaubetriebe vor allem mit Preisvolatilitäten und hohen Betriebsmittelkosten konfrontiert sind, verschärft sich die Situation in der Veredlung aktuell dramatisch:

Die Erzeugerpreise für Ferkel und Schlachtschweine haben im Jahr 2026 inflationsbereinigt einen historischen Tiefstand der letzten zehn Jahre erreicht. Die Erlöse decken teilweise nicht einmal die variablen Kosten.

Futterkosten stagnieren trotz fallender Erzeugerpreise

Hohe Fixkosten durch Stallneu- bzw. Umbauten und Finanzierung

Verschärfte Anforderungen an Tierwohl und Dokumentation

Geringe Liquiditätsreserven nach mehreren schwachen Jahren

Die Kombination aus niedrigen Erlösen und unverändert hohen Kosten führt zu akuten Liquiditätsengpässen. Viele Betriebe nutzen ihre Betriebsmittellinien vollständig aus, Kontokorrentzinsen steigen, und die Zahlungsfähigkeit ist gefährdet.

Der Investitionsdruck steigt in Jahren mit guten Ernteerlösen deutlich an. Hohe Preise verleiten zu Anschaffungen, die in den Folgejahren erhebliche Liquidität binden. Gleichzeitig bleiben die Betriebsmittelkosten – insbesondere für Dünger, Pflanzenschutz und Diesel – auf hohem Niveau. Wird die Vermarktung durch Einlagerung verzögert, entstehen zusätzliche Lager- und Finanzierungskosten, die unter den aktuellen Konditionen des Jahres 2026 häufig nicht durch spätere Preisaufschläge gedeckt werden.

Verkauf von Teilmengen trotz niedriger Preise, um Zahlungsfähigkeit zu sichern

Nutzung von Preisabsicherungsinstrumenten, sofern verfügbar

Prüfung von Tilgungsaussetzungen und Umschuldungen

Gegenmaßnahmen für Ackerbau- und Veredlungsbetriebe

Frühzeitige Teilverkäufe zur Liquiditätssicherung prüfen, auch wenn dieses in der Veredlung schwieriger sein dürfte.

In der Veredlung: Mastdauer optimieren, Übergewichte vermeiden.

Keine betriebsnotwendigen Maschinen oder Stalleinrichtungen verkaufen.

Kurzfristige Verbindlichkeiten in langfristige Darlehen umschulden.

Auffangdarlehen für fällige Tilgungen nutzen.

Eine Liquiditätsplanung sollte mindestens drei Monate, idealerweise bis zu 12 Monate umfassen. Entscheidend ist:

monatlicher Vergleich zwischen Planung und tatsächlichem Kontostand,

sofortige Anpassung der Vermarktungs- oder Finanzierungsstrategie.

Liquiditätsrisiken sind vermeidbar – sie entstehen häufig durch fehlende Planung oder durch Vermarktungsentscheidungen ohne klare Preis- und Kostenperspektive. Für Ackerbau- wie Veredlungsbetriebe ist 2026 besonders wichtig:

Vermeidung unnötiger Kosten (Lager, Futter, Finanzierung),

Finanzierung offener Rechnungen ohne teure kurzfristige Kredite,

Eine vorausschauende Liquiditätsplanung ermöglicht es, Engpässe frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern – gerade in einem Jahr, in dem die Schweinepreise historische Tiefstände erreicht haben und die Liquidität vieler Veredlungsbetriebe massiv unter Druck steht.

Zahlungsfähigkeit sichern durch vorausschauende Vermarktung und Risikomanagement

Unternehmensanalyse AgriCon, Betriebsplanung AgriPlan, Agrarinformatik

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