Charly studiert Master of Education in Erfurt; Referendariat beginnt Herbst 2026
Studieren mit Kind? – „Es ist kein Problem, wenn man keins draus macht.“
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Studieren mit Kind? – „Es ist kein Problem, wenn man keins draus macht.“
Sechs Uhr morgens. Zwei Kinder werden geweckt, Frühstück wird vorbereitet, Taschen werden gepackt. Während andere Studierende vielleicht gerade erst aufstehen, hat Charly bereits einen wichtigen Teil ihres Tages geschafft: Ihre zwei Kinder hat sie in die Kitas gebracht. Kurz darauf steigt sie in die Bahn, um von Gotha nach Erfurt an die Uni zu fahren. Charly studiert in ihrem letzten Semester Master of Education Grundschule Deutsch, Mathe und im Nebenfach Ethik. Neben dem Lernen, dem Schreiben von Abschlussarbeiten, den Schulpraktika und ihren Kindern findet sie auch noch Zeit für ein Ehrenamt und stellt schon einmal die Weichen für die nächsten beruflichen Schritte. Wie Charly ihr Studium mit zwei Kindern gemeistert hat, lest ihr in diesem Blogbeitrag.
Stress? Natürlich gibt es den. Aber wenn Charly von ihrem Studienalltag erzählt, geht es erstaunlich selten um Hindernisse und Probleme. Viel häufiger spricht sie über Lösungen. Auf die Frage, was sie angehenden oder bereits immatrikulierten Studierenden raten würde, wenn diese erfahren, dass sie ein Kind erwarten, oder bereits Kinder haben, antwortet sie besonnen: „Ich glaube, die Ersthelferin in mir würde immer sagen: ‚Ruhe bewahren, keine Panik.‘“ Das Gespräch mit ihr macht deutlich, dass diese zwei kurzen Sätze auch ihre eigene Haltung sehr gut zusammenfassen. Nach ihrem Bachelor-Abschluss in Primarpädagogik und Religionswissenschaft wartet Charly aktuell auf ihr Master-Zeugnis. Im Herbst 2026 beginnt für sie das Referendariat – der nächste Schritt auf ihrem Weg, Lehrerin zu werden.
Eine Entscheidung, die alles verändert hat Dass Charly einmal Lehrerin werden würde, war ursprünglich nicht geplant. Nach ihrer Ausbildung zur Tourismuskauffrau für Privat- und Geschäftsreisen arbeitete sie im Tourismus und in Fitnessstudios, machte zusätzlich eine Ausbildung zur Fitnesstrainerin und engagierte sich in der Jugendarbeit. Erst die Geburt ihres ersten Kindes brachte sie dazu, neu über ihre berufliche Zukunft nachzudenken. Der Wunsch nach einem Studium entstand bei Charly aus zwei Gründen: Sie wollte sich einerseits beruflich weiterentwickeln und gleichzeitig einen Weg einschlagen, der langfristig besser zu ihrem Leben mit Kind passte: „Ich war an einem Punkt, an dem ich mir dachte: Du kannst nicht Montag bis Sonntag, also im Wochenenddienst, arbeiten. Das Wochenende brauchst du frei – oder der Partner braucht frei. Irgendwer muss ja da sein, weil da jetzt ein Kind ist.“ Das Lehramtsstudium erschien ihr zunächst als gute Möglichkeit, Beruf und Familie langfristig besser miteinander zu vereinbaren: „Im besten Fall hast du hinterher einen Beruf, bei dem du Montag bis Freitag arbeitest, die Nachmittage flexibler gestalten kannst, die Wochenenden frei hast und die Ferien zum Teil zur Verfügung stehen. Das erschien mir erst einmal sehr praktisch.“
Aus der pragmatischen Entscheidung wurde schnell mehr. Während ihres Bachelor-Studiums merkte Charly, dass ihre bisherigen Erfahrungen aus der Jugendarbeit und ihrer Trainerinnentätigkeit in Sportvereinen und dem eigenen Familienalltag ihr einen besonderen Zugang zur Pädagogik ermöglichen. Mit elf Monaten an die Uni Als Charly ihr Studium begann, war ihre Tochter gerade einmal elf Monate alt. Zur Einführungswoche kam sie noch mit an die Universität, kurz darauf startete die Betreuung in der Kinderkrippe. Schon nach dem ersten Semester reifte der Wunsch nach einem zweiten Kind, denn das erste sollte nicht als Einzelkind aufwachsen. Die Planung dafür ging Charly typisch strukturiert an. „Mein damaliger Partner und ich haben uns hingesetzt und überlegt, wann der perfekte Zeitpunkt wäre, damit die Geburt mein Studium nicht komplett auseinanderreißt. Wenn das Kind in den Semesterferien käme, wäre das gut. Und so haben wir dann zurückgerechnet.“ Dass der Plan dann tatsächlich aufging, war natürlich auch Glück. Aber für Charly war die entscheidende Frage nie, ob Studium und Familie zusammenpassen können:
Für mich hat sich nie die Frage gestellt, ob das funktioniert. Ich habe einfach beschlossen: Wir machen das jetzt.“
Flexibilität statt perfekter Plan Natürlich lief nicht alles immer nach Plan: Schwangerschaft, ein Beschäftigungsverbot aus gesundheitlichen Gründen, Prüfungen, Praktika und Kinderbetreuung mussten immer wieder neu organisiert werden. Während ihrer zweiten Schwangerschaft konnte Charly zeitweise von zu Hause aus studieren. Sie sprach rechtzeitig mit den Lehrenden und hatte Lösungsvorschläge. So konnte sie auch mal Prüfungen verschieben und alternative Prüfungsleistungen erbringen, wie z. B. Hausarbeiten statt eines Referats. Charly weist zugleich auf die Beratungs- und Unterstützungsangebote der Universität Erfurt für studierende Eltern hin. Dass es diese an ihrer Uni gibt, dafür ist sie dankbar.
Ein Netzwerk, das trägt Charly organisiert ihren Studienalltag und den Alltag ihrer Kinder weitgehend selbst und wirkt dabei voller Tatendrang, eines macht sie jedoch schnell deutlich: Allein hätte sie das nicht geschafft. Im Lauf ihres Studiums hat sie sich ein tragfähiges Netzwerk aufgebaut, aus anderen Studierenden mit Kindern, aber genauso aus Kommiliton*innen ohne Kinder oder ohne familiäre Verpflichtungen. Dieses Netzwerk aus Mitstudierenden half ihr im Studienalltag – durch Mitschriften, organisatorische Unterstützung und den Austausch mit Menschen in ähnlichen Situationen. „Es ist ein Geben und Nehmen“, beschreibt Charly diese Erfahrung.
Besonders wichtig wurde dieses Netzwerk immer dann, wenn Studium und Familienalltag zeitlich kaum miteinander vereinbar schienen. Pflichtpraktika, die für Charly bereits um sieben Uhr an der Grundschule begannen, und auch Vorlesungen am Abend stellten sie regelmäßig vor organisatorische Herausforderungen. Während des Praxissemesters klingelte der Wecker für die Kinder bereits um sechs Uhr, 20 Minuten später verließen Mutter und Kinder das Haus. Damals besuchten beide Kinder unterschiedliche Einrichtungen – eines die Krippe, das andere den Kindergarten. „Das war schon sportlich morgens“, erinnert sich Charly. Dennoch hat sie die Erfahrung gemacht, dass viele Schwierigkeiten lösbar sind – wenn man sie offen anspricht.
Ich gehe auf die Dozierenden zu und sage: ‚Es klappt bei mir nicht – wie können wir es lösen? Ich bin offen für verschiedene Lösungswege, aber das sind meine Grenzen.‘“
Gerade diese Offenheit sei an der Universität häufig auf Verständnis gestoßen. Statt Steine in den Weg gelegt zu bekommen, habe sie erlebt, dass gemeinsam nach Lösungen gesucht wurde. Rückblickend sagt sie deshalb: „Eigentlich wurde immer versucht, möglich zu machen, dass ich mein Studium so umsetzen kann, wie es für mich passt.“ Dabei profitierte sie auch von der Flexibilität des Studiums. Während andere ihr Studium bewusst strecken, konnte Charly in manchen Phasen sogar schneller vorankommen – etwa während ihrer Elternzeit, als sie ihre Bachelor-Arbeit schrieb. Weil viele Lehrveranstaltungen digital verfügbar waren und lange Fahrzeiten zwischen Gotha und Erfurt entfielen, gewann sie wertvolle Zeit für das Lernen zu Hause. Gleichzeitig betont sie, dass auch der umgekehrte Weg möglich gewesen wäre: Wer langsamer studieren möchte oder eine Pause braucht, bekommt diese Möglichkeit ebenfalls.
Organisation als Schlüssel Organisation und Pragmatismus waren und sind für Charly wichtige Voraussetzungen. Perfektion, sagt sie, helfe im Studienalltag dagegen selten. Gerade im Lehramtsstudium komme es häufig darauf an, flexibel zu bleiben und zu improvisieren, statt jede Unterrichtsstunde bis ins kleinste Detail planen zu wollen.
Diese Einstellung half ihr besonders im Praxissemester. Statt nur die vorgeschriebenen Unterrichtsstunden zu absolvieren, übernahm sie Krankheitsvertretungen und damit schließlich mehr als 100 Unterrichtsstunden. Dabei gewann sie eine wichtige Erkenntnis:
Ich habe gelernt, nicht jedes Mal zaubern zu wollen. Lieber solider Unterricht, der den Kindern hilft und für mich tragfähig und umsetzbar ist.“
Mit diesem Thema beschäftigte sie sich auch wissenschaftlich. In ihrer Master-Arbeit setzte sie sich mit digitalen Ratgebermedien und Online-Angeboten für Lehrkräfte auseinander – von Unterrichtsportalen bis hin zu fertigen Stundenentwürfen. Die Fülle an Materialien könne inspirieren und den eigenen Unterricht bereichern, sagt sie. Gleichzeitig warnt sie davor, sich von der scheinbar perfekten Welt im Internet unter Druck setzen zu lassen. „Eigentlich wollte ich nur eine kurze Idee – und hinterher habe ich das Gefühl, eine perfekte Stunde machen zu müssen.“ Entscheidend sei deshalb, die Angebote als Ideensammlung zu verstehen: Materialien übernehmen, an die eigene Lerngruppe anpassen und den Mut haben, auch einmal bewusst einfacher zu planen. Denn guter Unterricht müsse nicht perfekt sein, sondern zu den Kindern und zur eigenen Situation passen. Eine Haltung, die sich letztlich nicht nur auf den Unterricht, sondern auf ihr gesamtes Studium übertragen lässt.
Ungeahnter Vorteil: Was Charlys Kinder ihr fürs Studium mitgeben Für viele Studierende sind pädagogische Inhalte zunächst ausschließlich Theorie. Für Charly waren viele Themen Alltag, ein inhaltlicher Vorteil, mit dem die Lehramtsstudierende nicht gerechnet hatte: „Gerade Kindheitspsychologie war im Vergleich für mich viel einfacher. Bei jeder zweiten Aussage dachte ich: Das kenne ich, das ist bei uns auch so. Dadurch musste ich vieles nicht erst auswendig lernen, sondern konnte es wirklich direkt verstehen und nachvollziehen.“
Auch in ihren Schulpraktika habe ihr der tägliche Umgang mit ihren eigenen Kindern geholfen, aber natürlich auch der Umstand, dass sie mit ihrem Engagement in der Jugendarbeit, ihrer vorherigen Ausbildung und ihrer Berufserfahrung oftmals reifer und erwachsener wirkte als andere Studierende ihres Jahrgangs: „Ich habe mich nie als kleine Praktikantin gesehen. Die Kinder haben mich durch mein Auftreten anders wahrgenommen. Und auch in den Gesprächen mit Eltern hat mir das sehr geholfen.“ Ihre eigene Familienerfahrung wurde damit nicht zur zusätzlichen Belastung, sondern zu einer wertvollen Ressource für Charly.
Ihr Rat an andere Studierende mit Kind Wenn Charly heute Studierenden begegnet, die überlegen, ob ein Studium mit Kind möglich ist, möchte sie vor allem Mut machen. „Es ist kein Problem, wenn man keins draus macht.“ Der Satz klingt fast zu einfach, aber auch dahinter steckt eine klare Haltung:
Man muss Eigeninitiative zeigen. Man muss offen auf Menschen zugehen. Man darf nicht erwarten, dass einem alles hinterhergetragen wird. Aber man sollte auch keine Angst haben, Dinge anders zu machen als es ein Musterstudienplan vorsieht.“
Für Charly gibt es ohnehin nicht den einen richtigen Studienverlauf. „Fast niemand studiert heute noch komplett nach Plan. Aber am Ende kommen alle irgendwie ans Ziel“, sagt sie. Entscheidend sei, den eigenen Weg zu finden, auch wenn dieser einmal langsamer, schneller oder kurvenreicher verläuft als ursprünglich gedacht. Vieles lasse sich organisieren, wenn man bereit sei, nach Lösungen zu suchen und Hilfe anzunehmen. Ihr wichtigster Rat lautet deshalb: gelassen bleiben.
Im Herbst beginnt Charly ihr Referendariat. Langfristig kann sie sich gut vorstellen, in Teilzeit als Grundschullehrerin zu arbeiten und parallel weiterhin wissenschaftlich tätig zu sein. Eine Promotion hat sie bereits begonnen – allerdings ganz bewusst ohne den Druck eines festen Zeitplans. „Das ist gerade mein Hobby“, sagt sie lachend. Wenn sich ihre Forschung ein