ARA Rohrbach/Huttwil: vom Infrastrukturstandort zum Gewerbeareal; Drei Grundstücke entwickelt
ARA Rohrbach/Huttwil: vom Infrastrukturstandort zum Gewerbeareal – Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute
Huttwil: vom Infrastrukturstandort zum Gewerbeareal
Bereits während der Stilllegung der ARA Rohrbach
Huttwil wurden konkrete Käufer in die Planung einbezogen. Nach dem Rückbau entstand auf dem ehemaligen Kläranlagengelände ein Gewerbestandort mit neuer Überbauung, während einzelne wasserwirtschaftliche Infrastrukturen bis heute weiterbetrieben werden.
Bildquellen: swisstopo (Bild 1, Bild 3), ZALA AG (Bild 2, Bild 4)
Mit der Inbetriebnahme der regionalen ARA Eymatte, welche die vier alten Kläranlagen im gesamten Langetental ersetzte, verlor die ARA Rohrbach
Huttwil ihre ursprüngliche Funktion. Die Abwasserreinigung wurde fortan zentral in Aarwangen durchgeführt, wodurch die bestehende Anlage stillgelegt werden konnte. Wie an den übrigen Standorten stellte sich damit die Frage nach der zukünftigen Nutzung des Areals. Im Gegensatz zu Aarwangen oder Lotzwil standen in Rohrbach jedoch sehr früh konkrete wirtschaftliche Nutzungsinteressen im Vordergrund. Bereits während der Planungsphase signalisierten benachbarte Unternehmen Interesse an Teilen des Geländes. Dadurch entwickelte sich das Projekt rasch von einem reinen Rückbauprojekt zu einer eigentlichen Standortentwicklung.
Gründe für die gewählte Kategorie
Im Unterschied zu den übrigen ehemaligen ARA-Standorten war die spätere Nutzung in Rohrbach bereits früh konkret. An den Projektbesprechungen nahmen neben Vertretern des ARA-Verbandes und kantonaler und kommunaler Fachstellen auch potenzielle Käufer aus dem angrenzenden Gewerbegebiet teil. Diskutiert wurden Grundstücksgrenzen, Erschliessungen, Zufahrten und zukünftige Nutzungen.
Die Lage des Areals unmittelbar neben bestehenden Gewerbebetrieben bot gute Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Nachnutzung. Zudem war die Fläche bereits erschlossen und verkehrstechnisch gut angebunden. Die Projektverantwortlichen erkannten deshalb früh die Chance, das freiwerdende ARA-Gelände in das bestehende Gewerbegebiet zu integrieren.
Da weder eine Renaturierungspflicht bestand noch Naturschutzprojekte verfolgt wurden, entsprach die Entwicklung eines Gewerbestandorts sowohl den örtlichen Interessen als auch den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Standorts.
Bereits in den frühen Projektphasen war vorgesehen, verschiedene Bauwerke dauerhaft zu erhalten. Dazu gehörten: • das Betriebsgebäude mit Trafostation, • die Tierkadaversammelstelle, • das Notschlachthaus, • das unterirdische Regenbecken, • der Entlastungskanal, • das Rechengebäude.
Die eigentlichen Kläranlagenbestandteile – Sandfang, Vorklärung, Biologiebecken, Nachklärung, Faultürme und weitere technische Einrichtungen – sollten hingegen rückgebaut werden. Während der Ausführung änderte sich die Planung jedoch nochmals. Nach weiteren Abklärungen entschied man sich, auch das Betriebsgebäude zurückzubauen. Lediglich die Trafostation blieb bestehen. Für diesen Schritt musste Ende 2005 eine zusätzliche Baubewilligung eingeholt werden. Anschliessend wurde das Gebäude teilweise abgebrochen und die Trafostation baulich angepasst. Die Baustellenrapporte dokumentieren die umfangreichen Rückbauarbeiten. Neben den Betonbauwerken mussten grosse Mengen Restschlamm entsorgt, Maschinen demontiert und technische Anlagen entfernt werden. Gleichzeitig wurden die Voraussetzungen für die spätere gewerbliche Nutzung geschaffen. Heute befinden sich auf dem ehemaligen ARA-Areal drei Grundstücke, wobei sich zwei im Eigentum von lokalen Aktiengesellschaften befinden und ein drittes einem Schlachthaus gehört. Diese Grundstücke liegen innerhalb der Arbeitszone und sind unter anderem mit einer grossen Gewerbehalle überbaut. Damit wurde die bereits in den frühen Planungsphasen angestrebte gewerbliche Entwicklung vollständig umgesetzt.
Das Bewilligungsverfahren war komplexer als bei den übrigen Standorten. Ein wichtiger Diskussionspunkt war zunächst die Frage, ob gewisse Betonplatten und unterirdische Bauwerksteile im Boden verbleiben sollen oder nicht. Gemeinde und ARA-Verband äusserten Bedenken hinsichtlich möglicher späterer Altlastenprobleme.
Nach zusätzlichen Abklärungen bestätigte das Amt für Gewässerschutz und Abfallwirtschaft, dass das Grundstück nicht als belasteter Standort registriert war und wegen belassener Betonplatten im Baugrund neu auch nicht als solcher registriert würde. Dadurch konnten die Bewilligungen schrittweise bereinigt und erteilt werden.
Wegen dem späteren Entscheid, das Betriebsgebäude entgegen der ursprünglichen Idee trotzdem zurückzubauen, musste das Verfahren später ergänzt werden.
Erfahrungen mit dem gewählten Instrument
Die grössten Herausforderungen lagen weniger beim eigentlichen Rückbau als vielmehr bei den Eigentums- und Haftungsfragen. Diskutiert wurden insbesondere: • Umfang des Rückbaus, • mögliche Altlasten, • Sicherung der verbleibenden Infrastruktur, • spätere Grundstücksaufteilung, • Erschliessung und Zufahrten, • zukünftige Eigentumsverhältnisse.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie eng technische, rechtliche und wirtschaftliche Fragestellungen bei der Umnutzung ehemaliger Infrastrukturanlagen miteinander verbunden sind.
Rohrbach und Langenthal sind zwei wirtschaftsorientierte Nachnutzungen innerhalb der vier Rückbauprojekte der ZALA AG.
Die Planungen konzentrierten sich früh auf Grundstücksaufteilungen, neue Erschliessungen und die spätere Eingliederung des Areals in das angrenzende Gewerbegebiet. Die spätere Überbauung mit einer Gewerbehalle bestätigt den Erfolg dieser Zielsetzung.
Gleichzeitig blieb ein Teil der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur dauerhaft erhalten. In der südlichen Ecke des ehemaligen ARA-Gebiets befindet sich bis heute ein unterirdisches Regenüberlaufbecken (RÜB) im Eigentum der ZALA AG. Dieses ist über eine Entlastungsleitung DN1000 mit der Langete verbunden und erfüllt weiterhin eine wichtige Funktion innerhalb der regionalen Siedlungsentwässerung.
Rohrbach weist unter den vier Standorten die deutlichsten Elemente einer Weiterverwendung bestehender Infrastruktur auf. Einzelne technische Anlagen wurden nicht rückgebaut, sondern in die Nachnutzung integriert beziehungsweise weiterbetrieben. Dadurch konnte ein Teil der vorhandenen Infrastruktur erhalten bleiben. Gleichzeitig erforderte der Rückbau umfangreiche Schadstoff- und Entsorgungsarbeiten. Die Baustellenrapporte dokumentieren unter anderem: • PCB-belastete Fugendichtungen, • Ölrückstände, • Schlammentsorgung, • Asbestzementverkleidungen an den Faultürmen.
Der selektive Rückbau dieser Materialien bildete eine wichtige Voraussetzung für die spätere Nachnutzung.
Zu den grössten Herausforderungen gehörten: • die Diskussion um mögliche Altlasten, • die Frage nach dem Umfang des Rückbaus bzw. die Frage, ob im Boden belassene Betonplatten in Zukunft zu einer Altlast werden könnten, • der später entgegen dem ursprünglichen Plan doch noch beschlossene Teilabbruch des Betriebsgebäudes, • die Anpassung der Trafostation, • die Koordination mehrerer Eigentümer und Nutzer, • Schadstoffsanierungen, • die langfristige Sicherung der verbleibenden Infrastruktur.
Besonders die Trafostation erwies sich als wichtiger Schnittpunkt zwischen alter und neuer Nutzung. Ihre zukünftige Ausgestaltung beschäftigte Gemeinde, Ingenieure und Bauherrschaft über längere Zeit.
Die Entwicklung der ARA Rohrbach
Huttwil zeigt, wie frühzeitige Nachnutzungsüberlegungen den Erfolg eines Rückbauprojekts beeinflussen können. Bereits während der Stilllegung wurden konkrete Käuferinteressen, Grundstücksfragen und zukünftige Nutzungsmöglichkeiten diskutiert. Dadurch entstand eine klare Perspektive für die Zeit nach dem Rückbau.
Heute präsentiert sich das ehemalige ARA-Gelände als Gewerbestandort mit neuer Überbauung. Gleichzeitig blieb ein Teil der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur erhalten und erfüllt weiterhin wichtige Aufgaben innerhalb des regionalen Entwässerungssystems.
Rohrbach verdeutlicht damit, dass der Rückbau einer technischen Anlage nicht zwangsläufig das Ende eines Standorts bedeutet. Vielmehr kann er den Beginn einer neuen wirtschaftlichen Nutzung markieren – ohne die ursprüngliche Infrastruktur vollständig aus dem System verschwinden zu lassen.
Planung und Fertigstellung: 2003 – 2006
Projektkosten der ARA-Umnutzung in CHF: 870000
Einwohnerwert EW des Gebietes: 13000
-in: Gemeindeverband ARA Region Huttwil
Bauherrschaft: ZALA AG, 4912 Aarwangen
Externe Projektleitung: TBF + Partner AG, Bern und Zürich
Beteiligte: TBF + Partner AG , Scheidegger AG, Langenthal (Konzept, Ausschreibung, Bauleitung) , ARGE Rückbau ARA (E. Flückiger AG Rothrist, König Langenthal und Gränicher AG Huttwil, Unternehmer), Holinger AG, Baden (Konzept und Baubegleitung Rückbau PCB), Isotech Bern AG (Rückbau PCB-belastetes Fugenmaterial)
Autorenschaft Projektpräsentation: Adriano Spiccia, Christian Fux