Markus Theunert präsentiert Patriarchale Männlichkeitsnormen in der Schweiz; 75% bejahen: LGBTQIA+ sollten aufhören, Wirbel zu machen
Präsentation Markus Theunert
Patriarchale Männlichkeitsnormen: Grundlagen, Daten, Kontext Markus Theunert Fachlicher Leiter Co-Geschäftsführer männer.ch
Gewalt ist manchmal notwendig. 48% der jungen Männer in der Schweiz bejahen diese Aussage. Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.
Dem Mann als Familien- vater müssen Frau und Kinder gehorchen. 25% der jungen Männer in der Schweiz bejahen diese Aussage. Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.
Richtige Männer werden immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt. 50% der jungen Männer in der Schweiz bejahen diese Aussage. Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.
Sexuelle Minderheiten (LGBTQIA+) sollen aufhören, so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen. 75% der jungen Männer in der Schweiz bejahen diese Aussage. Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.
https://www.jacobscenter.uzh.ch/dam/jcr:ea186cf6-13b4-4e98- 87f8-5f6d9bbcc2e7/Maennlichkeit_im_Wandel-Studienbericht.pdf
Ein Schulterblick
- Gender Basics
- Patriarchale Männlichkeitsnormen: die Theorie
- Der Faktor M: die Empirie
- Männlichkeit und Gewalt: ein Herkunftsproblem?
- Fazit
Gender Basics
Männlichkeit Die sozialen und kulturellen Normen, denen ein Mann genügen muss, um als «männlich» zu gelten Mannsein Der konkrete Lebensentwurf einzelner Männer Männliches Selbstverhältnis die Beziehung zwischen dem einzelnen Mann und den gesellschaftlichen Männlichkeitsanforderungen
Mannsein ist kein Zustand, sondern ein Prozess: Männlichkeit wird erlernt, hergestellt und fortlaufend reproduziert. Männer können wählen, wie sie ihr männliches Selbstverhältnis gestalten. Aber sie sind gezwungen, sich in der einen oder anderen Weise zu Männlichkeits- anforderungen zu verhalten.
Patriarchale Männlichkeitsnormen: der Faktor M in der Theorie
Der Faktor M 2023 erarbeitet, 2024 veröffentlicht (im Rahmen des nationalen Aktionsplans gegen Radikalisierung und gewalttätigen Extremismus). Identifikation von fünf zentralen Dimensionen männlichkeits- ideologischer Radikalisierung. Download: https://www.maenner.ch/fachstellen/gewaltpraevention/faktor-m/
Fünf Dimensionen Essentialismus Geschlecht = gegeben Hypermaskulinität Männlichkeit = dominant Misogynie Frauen = Heilige oder Huren Bruderschaft Männer = die Jury Autoritarismus nach oben buckeln, nach unten treten
Männlichkeitsideologien Kernüberzeugungen: • Eine «natürliche» Geschlechterordnung, die nur zwei Geschlechter kennt: Männer und Frauen. • Männlichkeit und Weiblichkeit entfalten sich entlang eines Bauplans: Männer finden im Kampf und Frauen im Kümmern ihre Bestimmung. • Männer sind Frauen von Natur aus überlegen. Deshalb dürfen und müssen Männer sie kontrollieren, dominieren und disziplinieren. Frauen schulden ihnen Zuwendung, Bewunderung und Verfügbarkeit. • Diese «Naturgesetze» gelten ewig – und müssen notfalls mit Gewalt verteidigt werden.
Wer hat das letzte Wort? in heterosexuellen Partnerschaften aus der Perspektive der Frau Scambor, Elli; Bergmann, Nadja; Bacher-Posch, Oliver; Danzer, Lisa; Nikolatti, Ronja; Pretterhofer, Nicolas; Sauseng, Jayda; Suppan, Veronika (2025). Mit Geschlechtergerechtigkeit zu Gewaltprävention. Gender Equality and Quality of Life Study Austria, 171 https://vmg-steiermark.at/de/forschung/projekt/geq-gender-equality-and-quality-life https://vmg-steiermark.at/sites/default/files/2025-09/bericht_geq_at_01092025-3.pdf Gewalterfahrungen (in %) Er Ich Gemeinsam Mal so, mal so 44,6% 10,8% 7,6% 20,0%
Die Empirie bestätigt Es gibt klare Zusammenhänge zwischen Männlichkeitsideologie, Gewaltakzeptanz und Gewaltanwendung Krivoshchekov, Vladislav; Gulevich, Olga; Blagov, Ilia (2023a). Traditional masculinity and male violence against women: A meta-analytic examination. Psychology of Men and Masculinities, 24(4), 346-364. https://doi.org/10.1037/men0000426
Die Empirie bestätigt Eine stark ausgeprägte Männlichkeitsideologie korreliert mit • hoher Aggressivität • geringer emotionaler Kompetenz • häufiger Unterdrückung des emotionalen Selbstausdrucks • geringer Selbstfürsorge • einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, häusliche Gewalt auszuüben Logoz, Flora; Eggenberger, Lukas; Komlenac, Nikola; Schneeberger, Michèle; Ehlert, Ulrike; Walther, Andreas (2022). How does Traditional Masculinity Ideology and Emotional Competence relate to Aggression and Physical Domestic Violence in Cisgender Men? In: Frontiers in Psychology, 14.
androzentrische Anspruchshaltung
Der Faktor M: die Empirie
Quelle: Ribeaud et al. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Universität Zürich Fischer, Jannick M.K. & Farren, Diego (2023). Männliche Opfernarrative und rechtsextreme Einstellungen bei jungen Menschen: Validierung und Anwendung eines Instrumentes zur Erfassung maskulistischer Bedrohungsgefühle. Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform, Mai 2023, 1-16 Maskulistische Bedrohung
Der Faktor M Empirie • Gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen • Maskulistische Bedrohung • Anti-Egalitarismus • Sexismus • Misogynie • Homophobie • Queerfeindlichkeit = Facetten desselben Einstellungsbündels Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.
Der Faktor M Empirie «Der Faktor M ist ein kompakter und aussagekräftiger Indikator dafür, wie stark Menschen einer binär-hierarchischen Geschlechterordnung anhängen, • in der Männlichkeit als naturgegebene Bestimmung und Überlegenheit konstruiert wird; • Geschlecht eindeutig, binär und unveränderbar ist; • Männlichkeit als bedroht und verteidigungswürdig erlebt wird; • Dominanz, Gewalt und Abgrenzung als legitim gelten.» «Der Faktor M erweist sich dabei unter anderem als aussagekräftiger Prädiktor von Gewalt in Erziehung und Partnerschaft.» Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.
Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.
Männlichkeit und Gewalt: ein Herkunftsproblem?
Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.
Also doch…!? Herkunftseffekte unter der Lupe
Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.
Bildungs-, Status- und Perspektiveneffekte überlagern den Zusammenhang zwischen Faktor M und Herkunft. • Je höher Bildung, Status und Einkommen, desto tiefer Faktor M. • Mit höherer Bildung sinkt er in allen Herkunftsgruppen. • Aber: Auch wenn man das Bildungsniveau statistisch kontrolliert, bleiben die Herkunftsunterschiede bestehen. • Bildungs- und Herkunftseffekte addieren sich. Herkunftseffekte unter der Lupe (1) Bildungseffekte Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.
Herkunftseffekte unter der Lupe (2) Methodische Effekte Selektionseffekte: Wer migriert und wer bleibt, ist keine Zufallsstichprobe. Es können über- proportional Personen mit bestimmten Wertorientierungen einwandern – nicht weil diese für das Herkunftsland insgesamt typisch wären, sondern weil Migrationsbewegungen eher für bestimmte Gruppen zugänglich und/oder notwendig sind. Effekte sozialer Erwünschtheit: Westlich geprägte Männer sind mit den Geschlechterdebatten der letzten Jahre eher vertraut. Sie wissen, welche Antworten sozial «erwünscht» sind – und antworten möglicherweise vorsichtiger. Messeffekte: Was heisst und meint «Herkunft»? Ist das Geburtsland des Vaters das passende Kriterium? Welche Einflüsse bleiben dadurch unsichtbar? Wie unterscheiden wir zwischen Herkunft und Sozialisation? Stichprobeneffeke: Unterschiedliche Stichprobengrössen können zu statistischen Verzerrungen führen.
Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich. 169 Personen 94 127 114 443 2328 636
Alterseffekte überlagern und/oder beeinflussen Herkunftseffekte. • Je nach Herkunftsregion unterscheidet sich das Faktor M-Muster unter jüngeren oder älteren Männern deutlich. • Das verlangt nach differenzierten Analysen. Herkunftseffekte unter der Lupe (3) Alterseffekte
Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich. 168 Personen 85 1454 898 1296
Sozialisationskontexte in den Herkunftsregionen und in lokalen Diasporen • Etablierung und Festigung patriarchaler Männlichkeiten als Teil dynamischer gesellschaftlicher Prozesse verstehen – kein statischer Kulturbegriff! • Beispielsweise: Neopatrimoniale Strukturen, in denen informelle Loyalitäten und Netzwerke die Funktionen zusammengebrochener staatlicher Institutionen übernehmen • Typischerweise stark geschlechtlich codiert: Männer müssen als Beschützer, Versorger und «starke» Autoritätsfiguren fungieren • Kriegs- und Nachkriegszeit besonders geprägt von gewaltförmiger Männlichkeit, Militarisierung und Re-Traditionalisierung der Geschlechterverhältnisse In dieser Perspektive sind die vergleichsweise tiefen Faktor M-Werte in westlichen Ländern kein Beleg für besonders egalitäre nationale Traditionen oder Kulturen, sondern primär stabilen rechtsstaatlichen Institutionen zu verdanken. Herkunftseffekte unter der Lupe (3) Sozialisationskontexte
Geschlechternormen im Aufnahmeland • Die Schweiz und andere westliche Gesellschaften haben seit dem Ende der 1960er-Jahre tiefgreifende Transformationen ihrer Geschlechterregimes durchlaufen • Der kontinuierlich wachsende Anteil von Frauen in (höherer) Bildung und Arbeitsmarkt, die Liberalisierung von Familienrecht und Sexualnormen, die zunehmende wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen sowie die Problematisierung dominant-gewaltförmiger Männlichkeiten haben zu einer normativen Transition geführt, in der egalitäre Normen – zumindest rhetorisch – zunehmend selbstverständlich vorausgesetzt werden Männer, die in Kontexten sozialisiert wurden, die diese Transformation nicht oder weniger durchlaufen haben, treffen in der Schweiz auf Geschlechternormen, die sich fundamental unterscheiden. Gleichzeitig vermitteln wir in der Integration diese Geschlechter- und Männlichkeitsnormen nicht (systematisch). Herkunftseffekte unter der Lupe (4) Sozialisationseffekte
Reaktive Identitätsbildung • Fokus auf Erfahrungen in der Aufnahmegesellschaft • Männer mit (sichtbaren) Migrationshintergründen sind stärker Ausgrenzung und Diskriminierung auf dem Bildungs-, Arbeits- und Beziehungsmarkt ausgesetzt • Reaktive Identitätsbildung als Antwort auf erlebte Marginalisierung führt zu verstärkter Betonung restriktiv-dominanter Männlichkeitsnormen – nicht als «Kulturerbe», sondern im Dienst von Sicherheit, Schutz und Selbstwert Dies würde erklären, warum junge Männer besonders hohe Faktor M-Werte aufweisen, die «anders» heissen, aussehen, sprechen und/oder leben. Sie werden von der Mehrheitsgesellschaft als «Andere» wahrgenommen. Dieses «Othering» führt zu Ausgrenzungs-, Abwertungs- und Diskriminierungserfahrungen. Unterschwellig oder offen rassistische Diskurse konstruieren den «fremden Mann» als Bedrohung. «Übertriebene» Männlichkeit» ist ein Umgang damit. Herkunftseffekte unter der Lup