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title: "Markus Theunert präsentiert Patriarchale Männlichkeitsnormen in der Schweiz; 75% bejahen: LGBTQIA+ sollten aufhören, Wirbel zu machen"
sdDatePublished: "2026-07-31T04:10:00Z"
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Markus Theunert präsentiert Patriarchale Männlichkeitsnormen in der Schweiz; 75% bejahen: LGBTQIA+ sollten aufhören, Wirbel zu machen

Präsentation Markus Theunert

Patriarchale Männlichkeitsnormen:
Grundlagen, Daten, Kontext
Markus Theunert
Fachlicher Leiter
Co-Geschäftsführer männer.ch

Gewalt ist manchmal
notwendig.
48% der jungen
Männer in der
Schweiz bejahen
diese Aussage.
Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.

Dem Mann als Familien-
vater müssen Frau und
Kinder gehorchen.
25% der jungen
Männer in der
Schweiz bejahen
diese Aussage.
Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität
Zürich.

Richtige Männer werden
immer mehr an den Rand der
Gesellschaft gedrängt.
50% der jungen
Männer in der
Schweiz bejahen
diese Aussage.
Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.

Sexuelle Minderheiten
(LGBTQIA+) sollen aufhören,
so einen Wirbel um ihre
Sexualität zu machen.
75% der jungen
Männer in der
Schweiz bejahen
diese Aussage.
Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich.

https://www.jacobscenter.uzh.ch/dam/jcr:ea186cf6-13b4-4e98-
87f8-5f6d9bbcc2e7/Maennlichkeit_im_Wandel-Studienbericht.pdf

Ein Schulterblick
1. Gender Basics
2. Patriarchale Männlichkeitsnormen: die Theorie
3. Der Faktor M: die Empirie
4. Männlichkeit und Gewalt: ein Herkunftsproblem?
5. Fazit

Gender Basics

Männlichkeit
Die sozialen und kulturellen Normen, denen ein Mann genügen muss, um als «männlich» zu gelten
Mannsein
Der konkrete Lebensentwurf einzelner Männer
Männliches Selbstverhältnis
die Beziehung zwischen dem einzelnen Mann und den gesellschaftlichen Männlichkeitsanforderungen

Mannsein ist kein Zustand, sondern ein
Prozess: Männlichkeit wird erlernt,
hergestellt und fortlaufend reproduziert.
Männer können wählen, wie sie ihr
männliches Selbstverhältnis gestalten.
Aber sie sind gezwungen, sich in der einen
oder anderen Weise zu Männlichkeits-
anforderungen zu verhalten.

Patriarchale Männlichkeitsnormen:
der Faktor M in der Theorie

Der Faktor M
2023 erarbeitet, 2024 veröffentlicht
(im Rahmen des nationalen Aktionsplans
gegen Radikalisierung und gewalttätigen
Extremismus).
Identifikation von fünf zentralen
Dimensionen männlichkeits-
ideologischer Radikalisierung.
Download: https://www.maenner.ch/fachstellen/gewaltpraevention/faktor-m/

Fünf Dimensionen
Essentialismus Geschlecht = gegeben
Hypermaskulinität Männlichkeit = dominant
Misogynie Frauen = Heilige oder Huren
Bruderschaft Männer = die Jury
Autoritarismus nach oben buckeln, nach unten treten

Männlichkeitsideologien
Kernüberzeugungen:
•
Eine «natürliche» Geschlechterordnung, die nur zwei Geschlechter
kennt: Männer und Frauen.
• Männlichkeit und Weiblichkeit entfalten sich entlang eines Bauplans:
Männer finden im Kampf und Frauen im Kümmern ihre Bestimmung.
• Männer sind Frauen von Natur aus überlegen. Deshalb dürfen und
müssen Männer sie kontrollieren, dominieren und disziplinieren.
Frauen schulden ihnen Zuwendung, Bewunderung und Verfügbarkeit.
• Diese «Naturgesetze» gelten ewig – und müssen notfalls mit Gewalt
verteidigt werden.

Wer hat das letzte Wort?
in heterosexuellen Partnerschaften aus der Perspektive der Frau
Scambor, Elli; Bergmann, Nadja; Bacher-Posch, Oliver; Danzer, Lisa; Nikolatti, Ronja; Pretterhofer, Nicolas; Sauseng, Jayda; Suppan, Veronika (2025).
Mit Geschlechtergerechtigkeit zu Gewaltprävention. Gender Equality and Quality of Life Study Austria, 171
https://vmg-steiermark.at/de/forschung/projekt/geq-gender-equality-and-quality-life
https://vmg-steiermark.at/sites/default/ﬁles/2025-09/bericht_geq_at_01092025-3.pdf
Gewalterfahrungen (in %)
Er
Ich
Gemeinsam
Mal so, mal so
44,6%
10,8%
7,6%
20,0%

Die Empirie bestätigt
Es gibt klare Zusammenhänge zwischen Männlichkeitsideologie,
Gewaltakzeptanz und Gewaltanwendung
Krivoshchekov, Vladislav; Gulevich, Olga; Blagov, Ilia (2023a). Traditional masculinity and male violence against women: A meta-analytic examination.
Psychology of Men and Masculinities, 24(4), 346-364. https://doi.org/10.1037/men0000426

Die Empirie bestätigt
Eine stark ausgeprägte Männlichkeitsideologie korreliert mit
•
hoher Aggressivität
•
geringer emotionaler Kompetenz
•
häufiger Unterdrückung des emotionalen Selbstausdrucks
•
geringer Selbstfürsorge
•
einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, häusliche Gewalt auszuüben
Logoz, Flora; Eggenberger, Lukas; Komlenac, Nikola; Schneeberger, Michèle; Ehlert, Ulrike; Walther, Andreas (2022). How does Traditional Masculinity
Ideology and Emotional Competence relate to Aggression and Physical Domestic Violence in Cisgender Men? In: Frontiers in Psychology, 14.

androzentrische
Anspruchshaltung

Der Faktor M:
die Empirie

Quelle: Ribeaud et al. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Universität Zürich
Fischer, Jannick M.K. & Farren, Diego (2023). Männliche Opfernarrative und rechtsextreme Einstellungen bei jungen Menschen: Validierung und
Anwendung eines Instrumentes zur Erfassung maskulistischer Bedrohungsgefühle. Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform, Mai 2023, 1-16
Maskulistische Bedrohung

Der Faktor M Empirie
•
Gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen
•
Maskulistische Bedrohung
•
Anti-Egalitarismus
•
Sexismus
•
Misogynie
•
Homophobie
•
Queerfeindlichkeit
= Facetten desselben Einstellungsbündels
Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth
Development, Universität Zürich.

Der Faktor M Empirie
«Der Faktor M ist ein kompakter und aussagekräftiger Indikator dafür, wie stark Menschen
einer binär-hierarchischen Geschlechterordnung anhängen,
•
in der Männlichkeit als naturgegebene Bestimmung und Überlegenheit konstruiert wird;
•
Geschlecht eindeutig, binär und unveränderbar ist;
•
Männlichkeit als bedroht und verteidigungswürdig erlebt wird;
•
Dominanz, Gewalt und Abgrenzung als legitim gelten.»
«Der Faktor M erweist sich dabei unter anderem als aussagekräftiger Prädiktor von
Gewalt in Erziehung und Partnerschaft.»
Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität
Zürich.

Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development,
Universität Zürich.

Männlichkeit und Gewalt:
ein Herkunftsproblem?

Ribeaud, D., Buzzi, A. &
Theunert, M. (2026).
Männlichkeit im Wandel.
Zürich: Jacobs Center for
Productive Youth
Development, Universität
Zürich.

Also doch…!?
Herkunftseffekte unter der Lupe

Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth
Development, Universität Zürich.

Bildungs-, Status- und Perspektiveneffekte überlagern den
Zusammenhang zwischen Faktor M und Herkunft.
• Je höher Bildung, Status und Einkommen, desto tiefer Faktor M.
• Mit höherer Bildung sinkt er in allen Herkunftsgruppen.
• Aber: Auch wenn man das Bildungsniveau statistisch kontrolliert,
bleiben die Herkunftsunterschiede bestehen.
• Bildungs- und Herkunftseffekte addieren sich.
Herkunftseffekte unter der Lupe (1)
Bildungseffekte
Ribeaud, D., Buzzi, A. & Theunert, M. (2026). Männlichkeit im Wandel. Zürich: Jacobs Center for Productive Youth Development,
Universität Zürich.

Herkunftseffekte unter der Lupe (2)
Methodische Effekte
Selektionseffekte: Wer migriert und wer bleibt, ist keine Zufallsstichprobe. Es können über-
proportional Personen mit bestimmten Wertorientierungen einwandern – nicht weil diese für das
Herkunftsland insgesamt typisch wären, sondern weil Migrationsbewegungen eher für bestimmte
Gruppen zugänglich und/oder notwendig sind.
Effekte sozialer Erwünschtheit: Westlich geprägte Männer sind mit den Geschlechterdebatten der
letzten Jahre eher vertraut. Sie wissen, welche Antworten sozial «erwünscht» sind – und antworten
möglicherweise vorsichtiger.
Messeffekte: Was heisst und meint «Herkunft»? Ist das Geburtsland des Vaters das passende
Kriterium? Welche Einflüsse bleiben dadurch unsichtbar? Wie unterscheiden wir zwischen Herkunft
und Sozialisation?
Stichprobeneffeke: Unterschiedliche Stichprobengrössen können zu statistischen Verzerrungen
führen.

Ribeaud, D., Buzzi, A. &
Theunert, M. (2026).
Männlichkeit im Wandel.
Zürich: Jacobs Center for
Productive Youth
Development, Universität
Zürich.
169 Personen
94
127
114
443
2328
636

Alterseffekte überlagern und/oder beeinflussen Herkunftseffekte.
•
Je nach Herkunftsregion unterscheidet sich das Faktor M-Muster unter jüngeren
oder älteren Männern deutlich.
•
Das verlangt nach differenzierten Analysen.
Herkunftseffekte unter der Lupe (3)
Alterseffekte

Ribeaud, D., Buzzi, A. &
Theunert, M. (2026).
Männlichkeit im Wandel.
Zürich: Jacobs Center for
Productive Youth
Development, Universität
Zürich.
168 Personen
85
1454
898
1296

Sozialisationskontexte in den Herkunftsregionen und in lokalen Diasporen
•
Etablierung und Festigung patriarchaler Männlichkeiten als Teil dynamischer
gesellschaftlicher Prozesse verstehen – kein statischer Kulturbegriff!
•
Beispielsweise: Neopatrimoniale Strukturen, in denen informelle Loyalitäten und Netzwerke
die Funktionen zusammengebrochener staatlicher Institutionen übernehmen
•
Typischerweise stark geschlechtlich codiert: Männer müssen als Beschützer, Versorger
und «starke» Autoritätsfiguren fungieren
•
Kriegs- und Nachkriegszeit besonders geprägt von gewaltförmiger Männlichkeit,
Militarisierung und Re-Traditionalisierung der Geschlechterverhältnisse
In dieser Perspektive sind die vergleichsweise tiefen Faktor M-Werte in westlichen
Ländern kein Beleg für besonders egalitäre nationale Traditionen oder Kulturen,
sondern primär stabilen rechtsstaatlichen Institutionen zu verdanken.
Herkunftseffekte unter der Lupe (3)
Sozialisationskontexte

Geschlechternormen im Aufnahmeland
•
Die Schweiz und andere westliche Gesellschaften haben seit dem Ende der 1960er-Jahre
tiefgreifende Transformationen ihrer Geschlechterregimes durchlaufen
•
Der kontinuierlich wachsende Anteil von Frauen in (höherer) Bildung und Arbeitsmarkt, die
Liberalisierung von Familienrecht und Sexualnormen, die zunehmende wirtschaftliche
Unabhängigkeit von Frauen sowie die Problematisierung dominant-gewaltförmiger
Männlichkeiten haben zu einer normativen Transition geführt, in der egalitäre Normen –
zumindest rhetorisch – zunehmend selbstverständlich vorausgesetzt werden
Männer, die in Kontexten sozialisiert wurden, die diese Transformation nicht oder
weniger durchlaufen haben, treffen in der Schweiz auf Geschlechternormen, die sich
fundamental unterscheiden. Gleichzeitig vermitteln wir in der Integration diese
Geschlechter- und Männlichkeitsnormen nicht (systematisch).
Herkunftseffekte unter der Lupe (4)
Sozialisationseffekte

Reaktive Identitätsbildung
•
Fokus auf Erfahrungen in der Aufnahmegesellschaft
•
Männer mit (sichtbaren) Migrationshintergründen sind stärker Ausgrenzung und
Diskriminierung auf dem Bildungs-, Arbeits- und Beziehungsmarkt ausgesetzt
•
Reaktive Identitätsbildung als Antwort auf erlebte Marginalisierung führt zu verstärkter
Betonung restriktiv-dominanter Männlichkeitsnormen – nicht als «Kulturerbe», sondern im
Dienst von Sicherheit, Schutz und Selbstwert
Dies würde erklären, warum junge Männer besonders hohe Faktor M-Werte aufweisen,
die «anders» heissen, aussehen, sprechen und/oder leben. Sie werden von der
Mehrheitsgesellschaft als «Andere» wahrgenommen. Dieses «Othering» führt zu
Ausgrenzungs-, Abwertungs- und Diskriminierungserfahrungen. Unterschwellig oder
offen rassistische Diskurse konstruieren den «fremden Mann» als Bedrohung.
«Übertriebene» Männlichkeit» ist ein Umgang damit.
Herkunftseffekte unter der Lup