Forschende beobachten chemische Veränderungen Atom für Atom am European XFEL mittels zeitaufgelöster Röntgen-Photoelektronenspektroskopie; Fluor-Atom markiert Schwingungsrelaxation eindeutig.

Forschende beobachten chemische Veränderungen Atom für Atom - Studie liefert Ansatz für die Echtzeit-Beobachtung elektronischer Dynamiken und Molekülschwingungen

Forschende beobachten chemische Veränderungen Atom für Atom

Studie liefert Ansatz für die Echtzeit-Beobachtung elektronischer Dynamiken und Molekülschwingungen

Forschende haben beobachtet, wie ein Molekül nach der Absorption von Licht Energie umverteilt, und konnten dabei die Rollen einzelner Atome in diesem Prozess unterscheiden. Mithilfe von Röntgenblitzen des European XFEL zeigten sie, dass verschiedene Atome desselben Moleküls völlig unterschiedliche Aspekte des Prozesses widerspiegeln können. Die Studie liefert eindeutige Belege dafür, dass die Anregung durch Licht die Empfindlichkeit eines Atoms für die Bewegung benachbarter Atome erhöhen kann. Die neue Methode zur Verfolgung ultraschneller chemischer Reaktionen auf atomarer Ebene und in Echtzeit kann zum Verständnis der Lichtempfindlichkeit von DNA, Energieflüssen in lichtabsorbierenden Materialien und anderer grundlegender, durch Licht angeregter Prozesse beitragen.

Das Team untersuchte 3-Fluorpyridin, ein kleines ringförmiges Molekül. Wenn das Molekül Licht zum Beispiel aus einem kurzen Puls eines UV-Lasers absorbiert, wird es in einen elektronisch angeregten Zustand versetzt und verformt sich schnell aus seiner ursprünglichen planaren Form heraus. Es durchläuft dann einen sogenannten konischen Kreuzungspunkt: einen kurzlebigen, aber entscheidenden Zustand, bei dem die Bewegungen der Elektronen und der Atomkerne stark gekoppelt sind. Nach diesem Punkt kehrt das Molekül in den Grundzustand zurück. In diesem Moment wird elektronische Energie in Schwingungen umgewandelt. Die Forschenden fanden heraus, dass diese Umwandlung an verschiedenen atomaren Stellen eindeutige Spuren hinterlässt: Das Fluoratom dient als eindeutiger Marker für die Schwingungsrelaxation, während das Stickstoffatom, das direkter an der Anregung beteiligt ist, eine miteinander verflochtene Reaktion aus Elektronenumverteilung und struktureller Bewegung widerspiegelt. „Wir können nun erkennen, dass nicht jede Atomposition in den Signalen, die wir aus unseren Röntgenimpulsen erfassen, dieselbe Geschichte erzählt“, sagt Antonio Picón vom Instituto de Ciencia de Materiales de Madrid Consejo Superior de Investigaciones Científicas (ICMM-CSIC), Mitautor der Studie. „Einige Atome zeigen an, wohin die Ladung wandert, während andere offenbaren, wie das gesamte Molekül schwingt.“

Um diesen Prozess zu beobachten, nutzte das Team zeitaufgelöste Röntgen- Photoelektronenspektroskopie (tr-XPS) an der Experimentierstation Small Quantum Systems (SQS) am European XFEL. Ein ultravioletter Laserpuls regte die Moleküle zunächst an. Anschließend - mit einer präzise eingestellten Verzögerung - ionisierte ein Puls im Bereich des weichen Röntgenlichts die Moleküle, indem er gebundene Elektronen aus tiefen Schichten entweder von den Stickstoff- oder den Fluoratomen entfernte. Durch die Messung der Energie dieser emittierten Elektronen bei vielen verschiedenen zeitlichen Verzögerungen rekonstruierten die Wissenschaftler, wie sich die lokale chemische Umgebung im Laufe von nur wenigen Pikosekunden (Billionstelsekunden) entwickelte. Zur Interpretation der Daten entwickelte das Team fortschrittliche Simulationen und Modelle.

Die Forschungsarbeit bestätigt die Fähigkeit der ultrakurzen, hochintensiven Röntgenpulse des European XFEL, die schnellsten gekoppelten Bewegungen in Materie zu entwirren. Über dieses spezielle Molekül hinaus lässt sich der Ansatz allgemein anwenden, um zu analysieren, wie Licht strukturelle Veränderungen auslöst, mit dem Potenzial, immer komplexere Systeme zu untersuchen – von funktionellen organischen Molekülen bis hin zu biomolekularen Bausteinen und Energiematerialien. „Genau dafür wurde der European XFEL gebaut: um chemische Veränderungen dort zu beobachten, wo sie beginnen – an bestimmten atomaren Stellen und auf ihrer natürlichen Zeitskala“, sagt Daniel Rivas, ehemaliger Instrumentenwissenschaftler, jetzt Gastwissenschaftler bei SQS und Mitautor der Studie. „Durch die Kombination von Sensitivität für mehrere Atom-Positionen mit einer Auflösung im Bereich von Femtosekunden öffnen wir ein neues Fenster zu den mikroskopischen Mechanismen, die der Photochemie zugrunde liegen.“

Ana Martínez Gutiérrez, Oliver Alexander, Pablo Estévez Alonso, et al.; “Photoinduced Enhancement of Chemical Shift Sensitivity to Local Vibrations”; Journal of the American Chemical Society, 2026-7-10

Forscher rücken molekulare Filme der Photokatalyse in greifbare Nähe

Neu visualisierter Prozess könnte zu einer besseren (effektiveren?) solaren Energiegewinnung führen

Weitere News aus dem Ressort Wissenschaft

Energiewende: Erst elektrifizieren – und für den Rest Methanol statt Wasserstoff

Mit 3D-druckbarem Material lassen sich der Körper heilen, bessere Roboter bauen und wichtige Mineralien zurückgewinnen

Ein Netzwerk aus Milliarden winziger Wassertröpfchen kann innerhalb weniger Minuten große, gewebeähnliche Materialien bilden und eröffnet damit neue Möglichkeiten in einer Vielzahl von Bereichen

Biosensor weist Nanokunststoffe im Wasser innerhalb weniger Minuten nach

Peptidbasierter Biosensor ermöglicht den direkten Nachweis von Polystyrol-Nanopartikeln

Das tragbare Pflaster vibriert, wenn es Gefahren in der Umgebung erkennt

In gefangenen Ionen entdeckte langlebige metastabile Zustände eröffnen neue Möglichkeiten für Quantencomputer und Atomuhren

Sind Gasturbinen bereit für die Wasserstoffwirtschaft?

Ein internationales Forschungsteam zeigt, wie sich Wasserstoff bei erhöhten Temperaturen auf Superlegierungen auf Nickelbasis auswirkt

Komplexe Simulationen: Neue Erkenntnisse zum Protonentransport in Wasser

Forschungsteam simuliert Bewegungen eines wässrigen Protons in allen quantenmechanischen Details

KAIST entwickelt eine hochpräzise Prüftechnologie zur Verhinderung von Bränden in Batterien von Elektrofahrzeugen

Aufklärung des mikroskopischen Lithium-Ionen-Transports in Festkörperelektrolyten für Batterien der nächsten Generation

Neue Probenumgebung erlaubt Einblick in thermokatalytische Prozesse

„Diese Entwicklung ist ein bedeutender Meilenstein, insbesondere für weiche Röntgenstrahlung…"

Molekulare Katalysatoren könnten dazu beitragen, das Potenzial von Lithium-Schwefel-Batterien voll auszuschöpfen

Wie Katalysatoren an Batterieoberflächen oder in Elektrolyten die Schwefelumwandlung beschleunigen und als Leitfaden für die Entwicklung von Energiespeichern der nächsten Generation dienen können

Gängiger Kunststoffzusatz macht dehnbare OLED-Displays heller und elastischer

Forschungsergebnisse zeigen, dass ein alltäglicher Weichmacher die Effizienz und Dehnbarkeit von lichtemittierenden Polymerfolien steigern kann

KAIST entwickelt eine molekulare Plattform zur selektiven Steuerung von Sauerstoffreaktionswegen

Wissenschaftspreis der Stadt Ulm für Professorin Birgit Esser

Klaus-Grohe-Preis 2026 erstmals an zwei Forscher

Edward Tate und Nicolas Winssinger teilen sich die mit 75.000 Euro dotierte Auszeichnung für medizinische Chemie

Neue Rohstoffbasis für die Chemieindustrie

Studie analysiert Forschungsbedarf auf dem Weg zur defossilisierten Grundstoffchemie

Die Natur als Vorbild für nachhaltige Wasserstoffspeicher

Bioinspirierte LOHC-Systeme: RWTH Aachen und HI ERN entwickeln neues Konzept

Neue Lösungen für das PFAS-Problem

Forschungsteam entwickelt Methoden zum Abbau von Ewigkeitschemikalien

Dünger aus der Nachbarschaft – wo sich lokale Ammoniakfabriken lohnen

Holen Sie sich die Chemie-Branche in Ihren Posteingang

Mit dem Absenden des Formulars willigen Sie ein, dass Ihnen die LUMITOS AG den oder die oben ausgewählten Newsletter per E-Mail zusendet. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Die Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch die LUMITOS AG erfolgt auf Basis unserer Datenschutzerklärung . LUMITOS darf Sie zum Zwecke der Werbung oder der Markt- und Meinungsforschung per E-Mail kontaktieren. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit ohne Angabe von Gründen gegenüber der LUMITOS AG, Ernst-Augustin-Str. 2, 12489 Berlin oder per E-Mail unter widerruf@lumitos.com mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Zudem ist in jeder E-Mail ein Link zur Abbestellung des entsprechenden Newsletters enthalten.

Material gewinnt Wasser aus der Luft – und kühlt effizienter als heutige Systeme

Szenarien für eine neue „Eisenzeit“: Eisen ergänzt Wasserstoff als Energieträger

Studie zeigt Potenzial von Eisenpulver für Langzeitenergiespeicherung, Energietransport und die Nutzung bestehender Kraftwerksinfrastruktur im Energiesystem der Zukunft

Industriepilot bestätigt: Oxyle zerstört C3-PFAS zu mehr als 99,9 Prozent – Leistungsgrundlage für Full-Scale-System

Oxyle hat seine PFAS-Zerstörungslösung erfolgreich direkt bei einem Industriekunden vor Ort validiert und damit die Praxistauglichkeit der Technologie für den großtechnischen Einsatz belegt

BASF verkauft Coatings-Sparte an Carlyle für 7,7 Milliarden Euro

Eine 40-Prozent-Beteiligung am neuen Unternehmen Surventis behält der Konzern

Effizienter Weg zur klimaneutralen Kraftstoffproduktion

INERATEC und Zeopore treiben Hydrocracking-Technologie der nächsten Generation für CO₂-neutrale Kraftstoffe und Chemikalien voran

Forschungserfolg auf dem Weg zum neuem Reserve-Antibiotikum

Chemikern ist erstmals die Synthese des hochwirksamen Naturstoffs Neosorangicin A gelungen

Zwei Spezialchemieunternehmen bündeln ihre Kräfte

Solstice Advanced Materials übernimmt Element Solutions für 14,5 Milliarden Dollar

Fusion statt Kohle und Stahl: Proxima Fusion könnte das Fundament für ein neues Wirtschaftswunder legen

Europas Fusions-Champion wird erwachsen: Proxima Fusion sichert sich 411 Millionen Euro für Alpha, seinen Nettoenergie-Demonstrator

Effiziente Erzeugung von solarem Wasserstoff durch direkte Kopplung von Vierfachsolarzellen und Elektrolysezellen

Fraunhofer ISE sucht Investoren für Ausgründung

Westfalen verlagert Wachstum nach Europa

Wasserstoff: Frankreich zeigt, wie es gehen kann

Weitere News von unseren anderen Portalen

Sind Zuckerersatzstoffe schädlich für die Darmgesundheit und den Stoffwechsel?

Studie untersucht die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die auf einen Zusammenhang zwischen kalorienfreien Süßstoffen und der Blutzuckerkontrolle hindeuten

KI entwirft den idealen Burger – in Sachen Geschmack, Gesundheit und Umwelt

In einem Blinddegustationstest schlug der von KI entwickelte Burger einen beliebten Fast-Food-Burger.

​​​​​​​ABB Robotics und Roche bringen Physical AI in klinische Labore

Zusammenarbeit ebnet den Weg für eine neue Generation digital vernetzter Labore mit intelligenter Robotik und effizienteren Arbeitsabläufen

Hundenasen und KI liefern neue Hinweise auf Long COVID

Was Hunde erschnüffeln, kann Massenspektrometrie sichtbar machen

Länderübergreifender Ausbruch von Infektionen mit Salmonella Stanley im Zusammenhang mit aromatisierten Nudelprodukten

Rückrufe laufen: Salmonellen in aromatisierten Nudeln betreffen vor allem Kinder

Mehr als 150 Jahre nach Virchows Zellularpathologie könnte die Histologie erneut vor einem grundlegenden Wandel stehen

Zufallsentdeckung: Photosynthese ist mit nur einem Photosystem möglich

Eine LMU-Arbeitsgruppe um den Molekularbiologen Dario Leister bringt grundlegendes Lehrbuchwissen ins Wanken

Fake News auf dem Teller: Universität Bayreuth erforscht Ernährungs-Desinformation in sozialen Medien

Im Projekt FOOD-FRAMES untersuchen zehn Institutionen aus sieben Ländern, wie eine bessere Informationsumgebung entstehen kann

Akkordeon-Physik läutet eine neue Ära für die Lab-on-a-Chip-Technologie ein

Gerät bildet die Wellenformen des Blutflusses nach und eröffnet neue Möglichkeiten für die Erforschung von Gefäßerkrankungen und die Arzneimittelentwicklung

Krebszellen zum Sterben zwingen und dabei das Immunsystem aktivieren

3D-Minitu