Martin Horn gewinnt OB-Wahl in Freiburg 2026; absolute Mehrheit im ersten Wahlgang

OB-WAHL 2026 Ergebnisse und Analysen

Inhaltsverzeichnis Kurz gefasst … 3

  1. Ergebnisse in Freiburg 4 Politische Rahmenbedingungen 4 Wahlberechtigte und Wahlbeteiligung 4 Kandidat*innen 5
  2. Freiburger Stadtbezirke 6 Wahlbeteiligung 6 Kandidat*innen 8
  3. Wahlorganisation 14 Gesetzliche Fristen 14 Wahlbezirke 14 Wahl im Wahllokal 15 Briefwahlbeantragung 15 Wahlhelfende 16
  4. Historie der OB-Wahlen 17

3 Kurz gefasst … Die OB-Wahl) 2026 brachte ein eindeutiges Ergebnis. Der Amtsinhaber Martin Horn, der 2018 überra- schend in zwei Wahlgängen gegen den damaligen Amtsinhaber Dr. Dieter Salomon gewonnen hatte, konnte dieses Mal bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der Stimmen erringen, sodass keine Stichwahl erforderlich wurde. Dass OB-Wahlen Persönlichkeitswahlen sind wurde einmal mehr deutlich: Die Herausforderin Monika Stein, wie bereits 2018 die einzige Frau im Bewer- ber*innenfeld, wurde zwar von der Hälfte des Ge- meinderats unterstützt, errang aber nur ein Viertel der Stimmen. Der Wahlsieger Horn hatte dagegen nur ein Fünftel des Gemeinderats im Rücken. Der positive Trend bei der Wahlbeteiligung setzte sich auch bei der OB-Wahl fort. Im Vergleich der ba- den-württembergischen Großstädte liegt die Freibur- ger OB-Wahlbeteiligung aktuell sogar an der Spitze. Der Wahlsieger erreichte in allen Stadtbezirken mehr als 40 % Stimmenanteil. Seine besten Ergebnisse mit jeweils deutlich über 60 % wurden in den Ortschaften am Tuniberg, in Lehen und Hochdorf vermeldet. Horns Herausforderin Monika Stein konnte dagegen nur in den Stadtbezirken Vauban und Altstadt-Ring die meisten Stimmen einfahren. Insbesondere in den Tuniberg-Gemeinden fielen ihre Ergebnisse gering aus. Aus organisatorischer Sicht lief alles reibungslos, ob- wohl die Vorbereitung der OB-Wahl in die heiße Phase der Landtagswahl fiel und bei der Briefwahl und der Zahl der Unterstützungsunterschriften für die Kandidierenden neue OB-Wahl-Rekorde erreicht wurden.

OB-Wahl 2026 4

  1. Ergebnisse in Freiburg Politische Rahmenbedingungen Die OB-Wahl fand nur sieben Wochen nach der baden-württembergischen Landtagswahl statt. Diese war durch ein Kopf- an Kopf-Rennen der beiden Regierungsparteien geprägt, bei dem Bündnis 90/DIE GRÜNEN mit ihrem Spitzenkandi- daten Cem Özdemir trotz leichter Verluste einen knappen Vorsprung vor der CDU bewahren konnte. Klare Verlierer der Wahl waren die SPD und die FDP, während die AfD ihr Ergebnis ver- doppeln konnte. Der Krieg der USA und Israel gegen den Iran, die Ablehnung einer deutschen Beteiligung an die- sem, hohe Energie-, insbesondere Ölpreise sowie neue Perspektiven in der EU nach der Abwahl von Viktor Orbán bei der Parlamentswahl in Ungarn bestimmten die politische Großwetterlage. In Deutschland insgesamt spiegelte sich in der Zeit vor der OB-Wahl die hohe Unzufriedenheit mit der Bundesregierung in geringen Zustimmungswerten für Union und SPD wider. In den repräsentativen Umfragen der Forschungsgruppe Wahlen, von FORSA, YouGov und INSA wies die AfD den höchsten Wert aller Parteien auf. Der Freiburger OB-Wahlkampf beschäftigte sich derweil fast ausschließlich mit lokalpolitischen Themen. Wie die im Auftrag der Badischen Zei- tung durchgeführte repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IM Field zeigte, lag Martin Horn in allen abgefragten Kategorien deut- lich vor seinen Konkurrentinnen („ist mir sympa- thisch“, „bringt die Stadt wirtschaftlich voran“, „findet Mittel gegen Wohnungsknappheit“, „sorgt für solide Finanzen“). Nur bei „bringt die Stadt ökologisch voran“ hat es Monika Stein geschafft, zumindest bis auf einen Prozentpunkt an den Amtsinhaber heranzukommen. Somit gab es kei- nerlei Hinweise auf eine Wechselstimmung. Wahlberechtigte und Wahlbeteiligung Wahlberechtigt waren alle Freiburgerinnen über 16 Jahren, welche die Staatsangehörigkeit eines der 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union hatten und seit mindestens drei Monaten in Frei- burg lebten. Dies waren 173.011 Personen – so viele wie nie zuvor in der weiterhin wachsenden Stadt >Abb.1. Abb.1 Wahlberechtigte bei den OB-Wahlen seit 1956 Im Vergleich der neun baden-württembergischen Großstädte ist der Freiburger Beteiligungswert ak- tuell der höchste. Nur in Heidelberg konnte im Ers- ten Wahlgang ebenfalls die 50%-Marke über- sprungen werden >Tab.1. Abb.2 Wahlbeteiligung bei den OB-Wahlen seit 1956

Ergebnisse in Freiburg 5 Tab.1 Die jeweils letzten OB-Wahlen in den Großstäd- ten Baden-Württembergs Großstadt Jahr Kandidat* innen Wahl- beteili- gung Gewählt Anzahl % Name Stuttgart 2020 9 / 6 49,0 / 44,6 Dr. Frank Nopper Mannheim 2023 8 / 3 32,2 / 30,9 Christian Specht Karlsruhe 2020 6 41,4 Dr. Frank Mentrup Freiburg 2026 9 56,1 Martin Horn Heidelberg 2022 8 / 3 51,3 / 44,1 Prof. Dr. Eckart Würzner Pforzheim 2025 2 23,5 Peter Boch Heilbronn 2022 3 30,5 Harry Mergel Ulm 2023 5 / 2 40,1 / 38,3 Martin Ansbacher Reutlingen 2019 5 / 4 39,5 / 40,2 Thomas Keck Kandidatinnen Zur OB-Wahl wurden vom Gemeindewahlaus- schuss neun Kandidatinnen zugelassen, das war die zweithöchste Zahl in der Freiburger OB-Wahl- Geschichte >Tab.2. Der parteilose Amtsinhaber Martin Horn wurde von der SPD, der FDP, BFF und JF unterstützt, dies entsprach etwa einem Fünftel des Gemeinderats. An seinem klaren Wahlerfolg ist aber deutlich ab- lesbar, dass die OB-Wahlen in erster Linie eine Persönlichkeitswahl sind, bei denen der Amtsinha- ber im Normalfall mit einem Bonus ins Rennen ging. Nach Emilie Meyer (1982), Maria Viethen (1990), Ursula Knöpfle (1998), Gudrun Heute-Bluhm (2002) trat mit Monika Stein die fünfte Frau in der Freiburger OB-Wahlgeschichte zur Wahl an. Nachdem sie bereits 2018 mit von der Partie war, ist sie damit auch die erste Frau, die zum zweiten Mal kandidierte. Unterstützt wurde sie von den GRÜNEN, der Linken Liste, der GAF, UFF, Volt, Ur- banes Freiburg und Teilhabe und Inklusion, welche zusammen die Hälfte der Gemeinderats-Sitze auf sich vereinigten. Da es erkennbar keine Wechsel- stimmung in der Stadt gab, konnte sie diesen Vor- teil gegenüber Horn aber nicht für einen Wahler- folg nutzen >Tab.3. Achim Wiehle war der Kandidat der CDU, welche rund 12 % der Gemeinderatssitze innehatten. Sein Ergebnis lag nicht weit von dieser Prozentmarke entfernt >Tab.3. Alle anderen Kandidatinnen blieben klar unter der 5 %-Marke. Insbesondere der AfD-Bewerber Karl Schwarz konnte den Aufschwung seiner Par- tei nicht nutzen. Als Direktkandidat bei der Land- tagswahl im Wahlkreis Freiburg II war er nur we- nige Wochen zuvor noch auf knapp 10 % gekom- men >Tab.3. Tab.2 Kandidatinnen und Ergebnisse bei den OB- Wahlen seit 1956 Jahr Kandidat *innen

  1. Platz
  2. Platz Anzahl Name % % 1956 7 Dr. Brandel 67,6 28,4 1962 (1) 1962 (2) 3 3 Dr. Keidel Dr. Keidel 50,4 65,0 49,2 34,9 1970 4 Dr. Keidel 78,1 20,8 1982 (1) 1982 (2) 14 6 Dr. von Ungern-Sternberg Dr. Böhme 48,9 50,1 44,1 49,4 1990 4 Dr. Böhme 53,3 24,3 1998 4 Dr. Böhme 50,2 24,0 2002 (1) 2002 (2) 4 3 Dr. Salomon Dr. Salomon 36,7 64,4 32,4 34,4 2010 3 Dr. Salomon 50,5 29,2 2018 (1) 2018 (2) 6 4 Horn Horn 34,7 44,2 31,3 30,7 2026 9 Horn 52,9 29,6

OB-Wahl 2026 6 Über die „Freie Zeile“ wurden dieses Mal 53 Stim- men abgegeben. Mit 14 die meisten hat der ehe- malige Trainer des SC Freiburg, Christian Streich, bekommen. Bereits bei der OB-Wahl 2018 lag er mit 35 „Freie-Zeilen-Stimmen“ vorn. Abb. 3 Vorstellung der Kandidatinnen im Amtsblatt vom 11. April 2026 Tab.3 Ergebnis der OB-Wahl 2026 Anzahl % Wahlberechtigte 173.011 x Wählerinnen / Wahlbeteiligung 97.085 56,1 ungültige Stimmabgaben 150 0,2 gültige Stimmabgaben 96.935 99,8 Horn, Martin 51.310 52,9 Stein, Monika 28.736 29,6 Wiehle, Achim 10.153 10,5 Mihajlović, Dejan 2.435 2,5 Schwarz, Karl 2.162 2,2 Braune, Florian 1.304 1,3 Probst, Claudio 396 0,4 Borgmann, Martin 314 0,3 Kölker, Wim 72 0,1 Sonstige (Freie Zeile) 53 0,1 2. Freiburger Stadtbezirke Wahlbeteiligung Mit 56,1 % lag die Wahlbeteiligung deutlich höher als bei den beiden Wahlgängen der OB-Wahl 2018. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen in den Stadtbezirken wider. Die Wahlbeteiligung zwischen den einzelnen Stadtbezirken unterscheidet sich einmal mehr er- heblich. Spitzenreiter ist Vauban – hier nahmen 71,3 % der Wahlberechtigten an der Wahl teil. Dicht dahinter liegen die Ober- und die Mittel- wiehre, wo ebenfalls fast 70 % der Wahlberech- tigten ihre Stimme abgaben. Am anderen Ende der Skala liegen Weingarten und Landwasser. Hier lag die Wahlbeteiligung bis zu 20 %-Punkte unter der gesamtstädtischen Wahlbeteiligung >Karte 1.

Freiburger Stadtbezirke 7 Karte 1: Wahlbeteiligung in den Stadtbezirken bei der OB-Wahl 2026 Karte 2: Veränderung der Wahlbeteiligung gegenüber dem 1. Wahlgang der OB-Wahl 2018 in den Stadtbezirken bei der OB-Wahl 2026

OB-Wahl 2026 8 Kandidatinnen Sowohl auf der Ebene der Stadt- als auch der Wahlbezirke konnten nur der Wahlsieger Martin Horn und die zweitplatzierte Monika Stein relative Mehrheiten erringen >Karte 3. Martin Horn konnte in allen Stadtbezirken mehr als 40 % erreichen. In den Tuniberg-Gemeinden, Lehen und Hochdorf erzielte er seine besten Er- gebnisse. Bis auf Vauban und Altstadt-Ring lag er vor dem Feld der Konkurrentinnen. Von den 199 Wahlbezirken konnte der Wahlsieger 180 für sich entscheiden >Karten 3 und 4. Monika Stein konnte in den GRÜNEN-Hochburgen ihre besten Ergebnisse erzielen. In den Bezirken Altstadt-Ring und Vauban gelang es ihr sogar, den Amtsinhaber hinter sich zu lassen. In Vauban war ihr Vorsprung vor Horn mit 7,6 %-Punkte ein- deutig, im Altstadt-Ring lag sie hingegen nur 1,5 %-Punkte vor dem Wahlsieger. Die Spanne ihrer Ergebnisse war enorm - von 8,9 % in Hochdorf bis 49,5 % in Vauban. In 18 Wahlbezirken lag Monika Stein vorn, in einem Wahlbezirk (421-01 Ober- wiehre) schaffte sie eine Stimmengleichheit >Kar- ten 3 und 5. Achim Wiehle konnte sein bestes Ergebnis mit 21,1% im Stadtbezirk Hochdorf erzielen. Auch in den Ortschaften Lehen/Waltershofen sowie Tien- gen/Munzingen und im Bezirk Mooswald-West er- zielte er überdurchschnittliche Ergebnisse. Am schlechtesten schnitt er im Stühlinger und im Vau- ban ab >Karte 6. Dejan Mihajlovićs Ergebnisse wiesen nur eine re- lativ geringe Streuung auf, er kam jedoch in kei- nem Stadtbezirk über 4 % der Stimmen >Karte 7. Karl Schwarz erreichte in den AfD-Hochburgen Weingarten und Landwasser 8,4 bzw. 5,4 %, in den GRÜNEN-Hochburgen bekam er dagegen nur wenige Stimmen >Karte 8. Florian Braunes beste Stadtbezirke waren Haslach-Haid, Weingarten und Landwasser, je- weils mit weniger als 3 % der Stimmen >Karte 9. Karte 3: Stimmengewinner*innen in den Urnen- und Briefwahlbezirken bei der OB-Wahl 2026

Freiburger Stadtbezirke 9 Karte 4: Stimmenanteile Martin Horn in den Stadtbezirken bei der OB-Wahl 2026 Karte 5: Stimmenanteile Monika Stein in den Stadtbezirken bei der OB-Wahl 2026

OB-Wahl 2026 10 Karte 6: Stimmenanteile Achim Wiehle in den Stadtbezirken bei der OB-Wahl 2026 Karte 7: Stimmenanteile Dejan Mihajlović in den Stadtbezirken bei der OB-Wahl 2026

Freiburger Stadtbezirke 11 Karte 8: Stimmenanteile Karl Schwarz in den Stadtbezirken bei der OB-Wahl 2026 Karte 9: Stimmenanteile Florian Braune in den Stadtbezirken bei der OB-Wahl 2026

OB-Wahl 2026 12 Karte 10: Stimmenanteile Claudio Probst in den Stadtbezirken bei der OB-Wahl 2026 Karte 11: Stimmenanteile Martin Borgmann in den Stadtbezirken bei der OB-Wahl 2026

Freiburger Stadtbezirke 13 Karte 12: Stimmenanteile Wim Kölker in den Stadtbezirken bei der OB-Wahl 2026

OB-Wahl 2026 14 3. Wahlorganisation Kurz nach der Landtagswahl am 8. März 2026 fand die OB-Wahl statt, sodass das Wahlamt be- reits während der Landtagswahl die Wahl vorbe- reiten musste. Die kurz aufeinanderfolgenden Wahlen stellten für das Team des Wahlamts eine besondere Herausforderung dar, die jedoch erfolg- reich gemeistert werden konnte. Gesetzliche Fristen Gemäß § 2 des Kommunalwahlgesetzes (KomWG) Baden-Württemberg bestimmt zu- nächst der Gemeinderat den Wahltag für Gemein- dewahlen, zu denen auch die OB-Wahl zählt. Die- sem