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title: "Bundesregierung kippt Bonpflicht in Deutschland; nächstes Entlastungspaket kommt Ende des Jahres"
sdDatePublished: "2026-08-02T04:08:00Z"
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Bundesregierung kippt Bonpflicht in Deutschland; nächstes Entlastungspaket kommt Ende des Jahres

DIE WIRTSCHAFTSZEITUNG FÜR DEN MITTELSTAND
*Verlagsangabe | Verkaufte Auflage: 505.009 Exemplare (IVW II/2026)
Schwerpunkt
Im Reformpaket von Union und
SPD stecken einige Verbesse-
rungen, auf die sich das Hand-
werk freuen kann.
Seiten 4/5
Allwissenheit kann nervtötend
sein. Und so erzeugt es eine ge-
wisse Schadenfreude, zu hö-
ren, dass „de KI Meenzer Dia-
lekt ned erkenne ka“. Jeden-
falls haben das jetzt Forscher
der Universität Mainz heraus-
gefunden. KI-Modelle hätten
große Schwierigkeiten, den Di-
alekt korrekt zu verstehen. Gra-
tulation an die rheinland-pfäl-
zische Landeshauptstadt: Der
in jeden Lebensbereich hinein-
mäandernden KI zu trotzen
und ein weißer Fleck auf der
Spracherkennungslandkarte zu
bleiben. Das schafft nicht jeder.
Man möchte sich vor Freude
beim Mainzer Marktfrühstück
vor dem Dom gleich zwei
Schoppen Woischorle reinpfei-
fen. Wenn Sie also Dialekt
sprechen, bewahren Sie sich
diese Kompetenz. Wer weiß,
wofür sie Ihnen noch einmal
nützlich sein kann. Sehen Sie
es als Privileg, einfach mal
nicht verstanden zu werden
und keine belastbare Antwort
zu erhalten. Das gilt übrigens
auch für Spracherkennungsas-
sistenten. Schimpfen wie ein
Rohrspatz oder fluchen wie
ein Kesselflicker wirkt sich mit
diesem Wissen herrlich befrei-
end und positiv auf die men-
tale Gesundheit aus. Sie müs-
sen sich nicht mal die Hand
vor den Mund halten wie ein
Profifußballer. Und selbst
wenn die KI besser verstehen
könnte, eine weitere Eskalati-
onsstufe hätte Dialekt noch im
Köcher: das Nuscheln.
dan
SATIRE
Wie bitte?
Foto: Niklas Blum | Insta: nikiblum
ÜBER
500.000
VERKAUFTE
  EXEMPLARE*
Porzellanvasen
fürs Schloss
In der Manufaktur Golem Kunst
und Baukeramik im brandenburgi-
schen Sieversdorf entstehen
 derzeit rund 40 originalgetreue
Vasenrepliken für die Orangerie
im Potsdamer Park Sanssouci –
ein Unesco-Welterbe. Keramiker
 Michael Marschel (Foto, links) und
sein Kollege Patrick Herbrich
 haben gerade zwei monumentale
Vasen samt filigraner Formteile
aus dem Brennofen geholt. Der
Spezialbetrieb ist ein Beispiel für
die Verbindung von traditioneller
Handwerkskunst mit denkmal-
gerechter Restaurierung. Das Ge-
werk der Keramiker gehört laut
Handwerksordnung zur Anlage B1
– es zählt damit zu den Hand-
werksberufen, die auch ohne Ab-
legung der Meisterprüfung selbst-
ständig ausgeübt werden dürfen.

Foto: picture alliance/dpa/Patrick Pleul
Die Regierung kippt die Bonpflicht
Zum zweiten Mal widmet die Bundesregierung eine Kabinettssitzung ausschließlich dem Bürokratieabbau
VON KARIN BIRK
D
ie Bundesregierung will
bei der Bürokratieentlas-
tung am Ball bleiben.
„Das nächste Entlas-
tungspaket kommt zum Ende des
Jahres“, sagte Bundeskanzler
Friedrich Merz (CDU) bei seiner
Sommerpressekonferenz. „Die
Bundesregierung hat ihren
Rhythmus gefunden, trotz man-
cher Kritik. Wir haben geliefert“,
sagte Merz. Zuvor hatte sich das
Kabinett zum zweiten Mal seit
Start der schwarz-roten Regie-
rung ausschließlich dem Thema
Bürokratieabbau gewidmet.
Nach den Worten des zuständi-
gen Bundesministers für Digitali-
sierung und Staatsmodernisie-
rung, Karsten Wildberger (CDU),
gewinnt die Bundesregierung
beim Bürokratieabbau an Tempo.
Wildberger verwies auf das „Ein-
fachMachen-Portal“ seines Mi-
nisteriums, bei dem rund 25.700
Vorschläge zur Bürokratieentlas-
tung eingegangen seien.
Für ZDH-Generalsekretär Hol-
ger Schwannecke gehen die An-
strengungen nicht weit genug:
„Trotz richtiger Ansätze und er-
kennbarer Fortschritte, etwa bei
der Beschleunigung von Verwal-
tungsverfahren, bleibt die Bilanz
für Handwerksbetriebe jedoch er-
nüchternd und noch weit hinter
den selbst ausgegebenen Zielen
zurück.“ Es mangele an Entlas-
tungen, die für Handwerksbe-
triebe in ihrem Alltag spürbar wä-
ren. Er nannte etwa die überfäl-
lige Abschaffung der Bonpflicht.
Mittlerweile hat die Bundesregie-
rung dazu zumindest Eckpunkte
beschlossen. „Die Pflicht zur Aus-
gabe papierhafter Kassenbelege
wird schrittweise abgeschafft –
zunächst für Bagatellbeträge, an-
schließend vollständig“, teilte
Wildbergers Ministerium mit. Als
weitere Beispiele für den Büro-
kratieabbau nannte der CDU-Po-
litiker das geplante Berichtsent-
lastungsgesetz mit der sogenann-
ten Beweislastumkehr. Heute
müsse ein Unternehmen oder
Bürger begründen, weshalb eine
Vorschrift nicht mehr zeitgemäß
sei. „In Zukunft wollen wir es er-
reichen, dass der Staat im Gegen-
zug erklären muss, weshalb er es
überhaupt braucht“, betonte
Wildberger.
Beschlossen wurden auch meh-
rere Vorhaben aus dem Bereich
von Bundesarbeitsministerin
Bärbel Bas (SPD). So sollen die
Prozesse der Arbeitsverwaltung
digitaler werden. Leistungen sol-
len leichter beantragt werden
können und Vermittlungsgesprä-
che auch digital möglich sein.
Hinzu kommen Beschlüsse aus
dem Verkehrsressort: Wer ein rei-
nes E-Auto fährt, soll künftig
keine grüne Plakette mehr kaufen
müssen. Außerdem soll das Lkw-
Fahrverbot künftig nur noch an
bundesweit einheitlichen Feier-
tagen gelten – und natürlich wei-
terhin an Sonntagen.
Bis zum Jahresende soll auch
der Gebäudetyp E auf den Weg ge-
bracht werden.
Seite 2 bis 5
Wir haben
 geliefert.“
Friedrich Merz
Bundeskanzler
Die Bilanz bleibt
ernüchternd.“
Holger
 Schwannecke
ZDH-General-
sekretär
Interview
Zimmerermeister Laurin Bock
folgen Hunderttausende Men-
schen auf Social Media. Seite 6
Porträt
Coming-out nach jahrzehnte-
langer Identitätskrise: Schlos-
sermeisterin Elisabeth Metzger
schmiedet ihr Glück. Seite 16
 | Ausg. 13-14 | 24. Juli 2026 | 78. Jahrgang
www.DHZ.net
SACHSEN
HANDWERKSKAMMER CHEMNITZ
HANDWERKSKAMMER CHEMNITZ
Die „denkmal“ ist die Europäi-
sche Leitmesse für Denkmal-
pflege, Restaurierung und Alt-
bausanierung. Alle zwei Jahre
trifft sich die nationale und in-
ternationale Fachwelt in Leip-
zig. Ergänzt wird das Angebot
der denkmal durch die Fach-
messe Lehmbau, den Ausstel-
lungsbereich Archäologie sowie
die Mutec (Internationale Fach-
messe für Museums- und Aus-
stellungstechnik). Vom 5. bis
7. November 2026 ist es wieder
soweit. Sie würden die Messe
Gemeinschaftsstand geplant
gern als Aussteller nutzen und
wünschen Unterstützung bei
der Messeplanung, Vorberei-
tung und Durchführung? Dann
präsentieren Sie sich am Ge-
meinschaftsstand der sächsi-
schen Handwerkskammern. Die
Anmeldeunterlagen sowie die
aktuelle Kalkulation sind jetzt
verfügbar. Wir beraten Sie gern
individuell.
DHZ
Ansprechpartnerin: Susanne Blank,
Tel. 0371/5364-208,
s.blank@hwk-chemnitz.de
Ende Juni haben sich trotz der
sehr hohen Temperaturen acht
Schweiß fachmänner in der Hand-
werkskammer Chemnitz der Prü-
fung zum International Welding
Specialist (IWS) gestellt und diese
erfolgreich bestanden. Sie erhiel-
ten stolz und glücklich ihr Dip-
lom, welches europaweite Gültig-
keit besitzt. Der nächste IWS-Kurs
startet am 9. Oktober 2026 in
Teilzeit in Chemnitz.
DHZ
Ansprechpartnerin: Mandy Frohs, Tel.
0371/5364-302, m.frohs@hwk-chemnitz.de
Die Internationalen Schweißfachmänner (IWS) werden im Unternehmen
als Schweißaufsichtsperson nach EN ISO 14731 eingesetzt.

Foto: Handwerkskammer Chemnitz
Internationale Schweißzertifikate ausgestellt

 | Ausg. 13-14 | 24. Juli 2026 | 78. Jahrgang
7
IMPRESSUM
09116 Chemnitz, Limbacher Str. 195,
Tel. 0371/5364-234,
m.winkelstroeter@hwk-chemnitz.de
Verantwortlich: Hauptgeschäftsführer
Markus Winkels tröter
HANDWERKSKAMMER CHEMNITZ
www.hwk-chemnitz.de
Mit Konsequenz und Weitblick
Umweltpreise der Handwerkskammer machen Umweltschutz im Handwerk sichtbar
14 Unternehmen – und mindes­
tens genauso viele individuelle
Lösungen für Nachhaltigkeit, Um­
 weltschutz und Ressourcenscho­
nung. Die am 18. Juni mit dem
Umweltpreis der Handwerkskam­
mer ausgezeichneten Betriebe
stehen stellvertretend für zahlrei­
che Unternehmen, die betriebli­
chen Umweltschutz leben. Die
ersten fünf stellen wir Ihnen in
dieser Ausgabe genauer vor.
Gesamtkonzept als Modell
für die Branche
Der Didssun Karosserie­ & La­
ckiermeisterbetrieb setzt neue
Maßstäbe für nachhaltiges Wirt­
schaften im Kfz­Handwerk. Mit
dem Aufbau eines CO2­neutralen
Unfallreparaturzentrums in
Heinsdorfergrund entsteht ein
ganzheitlich durchdachter Mo­
dellbetrieb, der ökologische, wirt­
schaftliche und soziale Aspekte
vereint. Das Unternehmen kom­
biniert energieeffiziente Bau­
weise im Passivhausstandard mit
innovativer Gebäudetechnik,
Photovoltaik und Wärmepum­
pen. Besonders hervorzuheben
sind die konsequente Kreislauf­
wirtschaft, der Einsatz gebrauch­
ter Ersatzteile sowie lösemittel­
freier Materialien. Auch Biodiver­
sität, Mitarbeiterzufriedenheit
und moderne Arbeitskonzepte
werden aktiv gefördert. Mit ei­
nem eigenen Bildungszentrum
und der Beteiligung an der Ent­
wicklung eines branchenspezifi­
schen Nachhaltigkeitstools geht
das Engagement weit über den ei­
genen Betrieb hinaus und hat
Vorbildcharakter für die gesamte
Branche.
Die Hans­Jürgen Müller GmbH
& Co. KG aus Stützengrün über­
zeugt mit einem nachhaltigen
Firmenneubau in Holzbauweise
und innovativer Gebäudetechnik.
Der Fokus lag auf regionalen Ma­
terialien, kurzen Transportwegen
und einer energieeffizienten Bau­
weise. Eine Kombination aus Erd­
wärme, Photovoltaik und opti­
mierter Lüftungstechnik ermög­
licht eine klimaneutrale Tempe­
rierung der Produktionshalle. Er­
gänzend verfolgt das Unterneh­
men eine Nachhaltigkeitsstrate­
gie, die von CO2­neutralem Strom
über Verpackungsreduktion bis
hin zu regionalen Lieferketten
reicht. Produkte werden langlebig
und reparierbar konzipiert. Das
kontinuierliche Engagement und
die konsequente Weiterentwick­
lung machten das Unternehmen
besonders preiswürdig.
Tradition und Nachhaltigkeit
in perfekter Balance
Die Reichenbacher Wurstfabrik
steht für nachhaltige Unterneh­
mensführung über Generationen
hinweg. Das Familienunterneh­
men verbindet wirtschaftlichen
Erfolg mit sozialer Verantwor­
tung und aktivem Umweltschutz.
Moderne Technik, ressourcen­
schonende Produktion und er­
neuerbare Energien gehen Hand
in Hand mit regionalen Wert­
schöpfungsketten und langfristi­
gen Geschäftsbeziehungen. Be­
sonders hervorzuheben ist die
strategische Weiterentwicklung
im Rahmen des „Nachhaltigkeits­
checks 360 Grad“. Die Verbin­
dung von Tradition und Innova­
tion sowie das ausgeprägte Ver­
antwortungsbewusstsein gegen­
über Mitarbeitenden und der Re­
gion machen den Betrieb zu ei­
Am neuen Firmenstandort von Steven Didssun (rechts) entsteht derzeit ein komplett CO2-neutrales Unfall-
reparaturzentrum.
Foto: Sebastian Paul
„Es muss gespart werden!“
Sommerinterview mit Präsident Frank Wagner –
Was beschäftigt das Handwerk?
Z
ur Jahresmitte hat Kam­
merpräsident Frank Wag­
ner in einem Interview
eine Einschätzung zur aktuellen
Lage gegeben. Auszüge erschei­
nen in dieser und der nächsten
Ausgabe der DHZ.
Auf die Frage, woran es liege,
dass das Handwerk die Auswir­
kungen der Coronapandemie,
des Ukrainekriegs, des Bruchs
der Ampel­Koalition in Berlin,
der US-Zollpolitik oder des Iran­
kriegs spüre, antwortet Frank
Wagner: „Es hängt alles zusam­
men: Wenn die Kunden weniger
Geld haben, sparen sie auch bei
handwerklichen Produkten. An­
deres Beispiel: Wenn die Liefer­
ketten reißen oder die Preise für
Benzin, Diesel, Gas und Heizöl
nach oben schießen, spüren das
die Betriebe direkt, weil die ei­
genen Kosten immer weiter stei­
gen oder Aufträge nicht in ge­
wünschter Art und Weise er­
bracht werden können.“
Wie geht’s dem Handwerk im
Kammerbezirk Chemnitz ganz
konkret? „Das Ergebnis unserer
Konjunkturumfrage mag über­
raschen: Die Betriebe bewerten
die Lage relativ gut. Blicken sie
hingegen in die Zukunft, sieht
es eher düster aus. Man muss er­
gänzen, dass vor allem Betriebe
des Bauhaupt­ und Ausbauge­
werbes die Bilanz retten.“
Doch wie die Wirtschaft unter­
stützen, wenn bei Bund und
Land das Geld fehlt? Hier macht
Wagner deutlich, dass es kein
Einnahmeproblem gebe und da­
her gel