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title: "Schweiz BeCool unterstützt Indien bei passiver Kühlung in Städten und Gebäuden; Kühlenergieverbrauch in Indien um 20% senkbar durch BeCool"
sdDatePublished: "2026-08-03T08:06:00Z"
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Schweiz BeCool unterstützt Indien bei passiver Kühlung in Städten und Gebäuden; Kühlenergieverbrauch in Indien um 20% senkbar durch BeCool

BeCool: Mit klugen Gebäuden gegen die Rekordhitze

Mitteilung Veröffentlicht am 3. August 2026

BeCool: Mit klugen Gebäuden gegen die Rekordhitze

Extreme Hitze entwickelt sich weltweit zu einer der grössten Gesundheits- und Entwicklungsherausforderungen. Während der Bedarf an Klimaanlagen rasant steigt, setzt die Schweiz bei ihrer Zusammenarbeit mit Indien auf einen anderen Ansatz: Belüftung, Beschattung, Begrünung und reflektierende Dächer sollen dafür sorgen, dass sich Gebäude gar nicht erst aufheizen. Das schützt Menschen, spart Energie und trägt dazu bei, den Klimawandel nicht weiter voranzutreiben.

An einem Tag Ende April geschah etwas sehr Ungewöhnliches. Alle 50 heissesten Städte der Erde lagen an diesem Tag in einem einzigen Land: Indien. In Städten wie Barmer, Churu oder Jhansi stiegen die Höchsttemperaturen auf fast 45 Grad Celsius. Bauarbeiter und Bauern, die ihre Felder bestellten, waren der sengenden Sonne besonders ausgeliefert. Menschen starben.

Indien steht beispielhaft für eine Entwicklung, die sich mit dem Klimawandel weltweit rasant verschärft. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation steigt die Zahl der Menschen, die extremer Hitze ausgesetzt sind, in allen Regionen der Erde «exponentiell» an. Die hitzebedingte Sterblichkeit nimmt zu. Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr fast eine halbe Million Menschen an den Folgen extrem hoher Temperaturen. Damit ist Hitze das mit Abstand tödlichste Extremwetterereignis.

Klimaanlagen heizen den Planeten auf

In Indien, wo die Temperaturen auch mal auf über 50 Grad Celsius klettern, ist der Druck, wirksame Lösungen zu finden, besonders hoch. Wer es sich leisten kann, schützt sich mit einer Klimaanlage. Das Land gehört heute zu den weltweit am schnellsten wachsenden Märkten für diese Geräte. Derzeit verfügen etwa 8 Prozent der indischen Haushalte über eine Klimaanlage. Bis 2038 dürfte dieser Anteil auf 40 Prozent steigen. Und im gleichen Zeitraum wird sich der Energiebedarf für Kühlung auf dem Subkontinent auf 584 TWh vervierfachen. Das entspricht etwa der Leistung von 70 Kernkraftwerken.

Gerade hier liegt das Dilemma: Denn Klimaanlagen entlasten zwar kurzfristig die Menschen in Innenräumen, verursachen aber gleichzeitig grosse Treibhausgasemissionen und geben ihrerseits zusätzliche Wärme an die Umgebung ab. «Eine Klimaanlage schützt also zwar den Einzelnen», sagt Frank Bertelsbeck, Programmbeauftragter der Sektion Klima, Katastrophenvorsorge und Umwelt der DEZA und zuständig für das Thema Energieeffizienz. «Aber in der Summe helfen sie kräftig mit, den Planeten aufzuheizen.» Deshalb müsse die Kühlung von Häusern und öffentlicher Infrastruktur fundamental neu gedacht werden.

Gemeinsam mit indischen Behörden, Städten und internationalen Partnern fördert die DEZA deshalb Lösungen, die Gebäude gar nicht erst stark aufheizen lassen. Beschattung, Belüftung, Begrünung und reflektierende Dächer sowie klimaangepasste Baumaterialien sorgen dafür, dass Innenräume auch bei grosser Hitze deutlich kühler bleiben – ganz ohne zusätzlichen Energieverbrauch oder mit deutlich geringerem Kühlbedarf. Fachleute sprechen von passiver Kühlung.

Passive Kühlung beginne bestenfalls lange bevor die erste Klimaanlage installiert werde, erklärt Bertelsbeck; nämlich bei der Planung des Gebäudes. «Wer heute klug baut, schützt Menschen über Generationen – und spart gleichzeitig Energie und Emissionen.» Mit dem Programm BeCool unterstütze die Schweiz das bevölkerungsreichste Land der Welt dabei, diesen Ansatz im grossen Massstab umzusetzen. Gemeinsam mit Ministerien, Bundesstaaten, Städten, Architekturbüros und dem Privatsektor entwickelt BeCool nicht nur konkrete Pilotprojekte, sondern Richtlinien, Bauvorschriften und Finanzierungsmodelle. «Ziel ist nicht nur, einzelne Gebäude zu kühlen, sondern passive Kühlung dauerhaft in der Stadtplanung und im Bausektor zu verankern.»

Die bisher erzielten Resultate zeigen, dass die Zusammenarbeit konkrete Wirkung entfaltet. Fünf Bundesstaaten und 20 Städte passen auf der geschaffenen Basis ihre Politik an und investieren in passive Kühlung. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist Tamil Nadu. Der südlichste Bundesstaat Indiens hat erst im Juni 2026 eine Standardarbeitsanweisung für kühlende Dachbeschichtungen eingeführt. In 12 Schritten beschreibt sie Planung, Materialwahl, Anwendung und Qualitätssicherung für den Bau von Wohnhäusern, Schulen und öffentlichen Gebäuden und schafft damit erstmals einen einheitlichen Standard für diese Technologien.

«Ziel ist es, solche Standards für ganz Indien zu verankern», sagt Frank Bertelsbeck. Das Land biete aufgrund seiner Grösse ein enormes Potenzial, Lösungen im grossen Massstab umzusetzen. Schätzungen zufolge kann der Kühlenergieverbrauch in Indien um bis zu 20 Prozent gesenkt werden. Oder anders ausgedrückt: Jährlich können durch relativ einfache Massnahmen rund 200 Millionen CO2-Äquivalente eingespart werden. Zum Vergleich: Das ist rund fünf Mal so viel wie die Schweiz jährlich emittiert.

Der Zeitpunkt ist entscheidend. «Ein grosser Teil der Gebäude, die Indien im Jahr 2050 nutzen wird, existiert heute noch nicht», erklärt Bertelsbeck. Jede Schule, jedes Wohnhaus und jedes Spital, das heute klimaangepasst gebaut wird, spart in den kommenden Jahrzehnten Energie und verbessert gleichzeitig den Schutz vor extremer Hitze. Tamil Nadu liefert ein praxisnahes Modell, wie Städte im Globalen Süden auf zunehmende Hitze reagieren können – schnell, wirksam und sozial inklusiv.

«Hitze entwickelt sich zu einer der grössten Entwicklungsherausforderungen», so Frank Bertelsbeck. Und sie betreffe längst nicht mehr nur die Gesundheit: «Extreme Hitze belastet Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung, senkt die Produktivität, treibt den Energieverbrauch in die Höhe und verschärft soziale Ungleichheiten.»

Der Klimawandel kennt keine Landesgrenzen. Was in Indien gelingt, wirkt auch über seine Grenzen hinaus. Wenn es gelingt, den Energieverbrauch und die CO₂-Emissionen des Gebäudesektors in einem der bevölkerungsreichsten Länder der Welt deutlich zu senken, profitiert davon das globale Klima – und damit auch die Schweiz. Denn jedes Zehntelgrad weniger Erderwärmung bedeutet weniger Extremwetter, weniger Hitzewellen und mehr Lebensqualität – überall.

Weisse Farbe senkt die Temperatur im Klassenzimmer um 4 bis 8 Grad Die Temperatur messen: Dank Cool Roofs sinken die Innentemperaturen in den sanierten Schulen um vier bis acht Grad. — © UNEP Wenn die Sonne stundenlang auf ein dunkles Dach scheint, heizt sich das Gebäude darunter auf wie ein Backofen. In Schulen wird das zu einem besonderen Problem. Da fangen Köpfe sinnbildlich an zu rauchen. Hohe Temperaturen erschweren das Lernen, beeinträchtigen die Konzentration und belasten die Gesundheit von Kindern und Lehrpersonen. Im indischen Bundesstaat Tamil Nadu setzt das von der Schweiz unterstützte BeCool-Projekt deshalb auf eine einfache Lösung: sogenannte Cool Roofs. Die Dächer werden in einer hochreflektierenden Farbe gestrichen, welche einen grossen Teil der Sonneneinstrahlung zurückwirft und weniger Sonnenenergie absorbiert. Die Wirkung ist bemerkenswert: In Pilotprojekten sanken die Innentemperaturen um vier bis acht Grad Celsius. Gleichzeitig verbrauchen die Gebäude weniger Energie für Kühlung. Die positiven Erfahrungen führten dazu, dass Tamil Nadu als erster indischer Bundesstaat einen einheitlichen Standard für Cool Roofs eingeführt hat. Künftig sollen bis zu 300 Schulen entsprechend saniert werden, wovon mehr als 150 000 Schülerinnen und Schüler profitieren könnten. «Schon wenige Grad Celsius machen einen grossen Unterschied», sagt Frank Bertelsbeck, Programmbeauftragter der Sektion Klima, Katastrophenvorsorge und Umwelt der DEZA und zuständig für das Thema Energieeffizienz. «Kinder können sich besser konzentrieren, Lehrpersonen arbeiten unter besseren Bedingungen, und Schulen benötigen weniger Energie.» Solche Lösungen verbinden Klimaanpassung mit konkretem Nutzen für die Menschen. Was hier gelingt, kann andernorts Schule machen. Denn aus erfolgreichen, kostengünstigen Pilotprojekten werden dann echte Erfolgsgeschichten, wenn ihre Lösungen über den ursprünglichen Projektort hinaus übernommen und weiterentwickelt werden. «Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Einzelprojekte umzusetzen», erklärt Frank Bertelsbeck. «Wir wollen Rahmenbedingungen schaffen, damit gutes Planen und Bauen zur Regel wird. Erst dann entsteht eine Wirkung, die weit über ein einzelnes Gebäude hinausgeht.»

Weisse Farbe senkt die Temperatur im Klassenzimmer um 4 bis 8 Grad

Wenn die Sonne stundenlang auf ein dunkles Dach scheint, heizt sich das Gebäude darunter auf wie ein Backofen. In Schulen wird das zu einem besonderen Problem. Da fangen Köpfe sinnbildlich an zu rauchen. Hohe Temperaturen erschweren das Lernen, beeinträchtigen die Konzentration und belasten die Gesundheit von Kindern und Lehrpersonen.

Im indischen Bundesstaat Tamil Nadu setzt das von der Schweiz unterstützte BeCool-Projekt deshalb auf eine einfache Lösung: sogenannte Cool Roofs. Die Dächer werden in einer hochreflektierenden Farbe gestrichen, welche einen grossen Teil der Sonneneinstrahlung zurückwirft und weniger Sonnenenergie absorbiert. Die Wirkung ist bemerkenswert: In Pilotprojekten sanken die Innentemperaturen um vier bis acht Grad Celsius. Gleichzeitig verbrauchen die Gebäude weniger Energie für Kühlung.

Die positiven Erfahrungen führten dazu, dass Tamil Nadu als erster indischer Bundesstaat einen einheitlichen Standard für Cool Roofs eingeführt hat. Künftig sollen bis zu 300 Schulen entsprechend saniert werden, wovon mehr als 150 000 Schülerinnen und Schüler profitieren könnten.

«Schon wenige Grad Celsius machen einen grossen Unterschied», sagt Frank Bertelsbeck, Programmbeauftragter der Sektion Klima, Katastrophenvorsorge und Umwelt der DEZA und zuständig für das Thema Energieeffizienz. «Kinder können sich besser konzentrieren, Lehrpersonen arbeiten unter besseren Bedingungen, und Schulen benötigen weniger Energie.» Solche Lösungen verbinden Klimaanpassung mit konkretem Nutzen für die Menschen.

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