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title: "Verein zur interkulturellen Begegnung Wander- \u0026 Erlebniskino e. V. bringt Kino ins Erzgebirgskreis; Kostenlose Kultur durch Ehrenamt"
sdDatePublished: "2026-08-03T11:19:00Z"
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Verein zur interkulturellen Begegnung Wander- & Erlebniskino e. V. bringt Kino ins Erzgebirgskreis; Kostenlose Kultur durch Ehrenamt

Ehrenamt des Monats: „Großes Kino im ländlichen Raum“ – Erzgebirgskreis

Ehrenamt des Monats: „Großes Kino im ländlichen Raum“

Verein zur interkulturellen Begegnung Wander- & Erlebniskino e. V. ausgezeichnet

© Landratsamt Erzgebirgskreis – Fachstelle Ehrenamt (Foto: Frank Wutzler)

Mit dem Aufkommen des Bewegtbildes waren es Wanderkinobetreiber, die das Medium Film in ländliche Regionen brachten. Mit dem „Moviequidi Festival“ hat ein Verein aus Eibenstock diese Idee neu belebt und führt die Tradition des „fahrenden Kinomannes“ im Ehrenamt fort.

Mittels LED-Wand-Trailer bringt der Verein zur interkulturellen Begegnung Wander- & Erlebniskino e. V. das Kino auch an außergewöhnliche Orte. Zu mindestens acht Veranstaltungen im Jahr werden jeweils zwei Filme gezeigt. Dabei versteht sich „Moviequidi“ nicht nur als Filmfestival, sondern als kulturelles Begegnungsformat. Es geht um das gemeinsame Erlebnis, die besondere Atmosphäre unter freiem Himmel und den einzigartigen Charakter der jeweiligen Spielstätten. Das „Moviequidi Filmfestival“ versteht sich dabei nicht als Konkurrenz zum klassischen Kino, sondern als Ergänzung. Ziel ist es, Menschen für das Medium Film zu begeistern, Gemeinschaft zu schaffen und die Freude am gemeinsamen Filmerlebnis – auch im Kino – wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Ob im Park, bei der Lebenshilfe, auf dem Plateau des Auersbergs oder im Pferdestall – aus der Perspektive der Zuschauer geht es darum, Kino mit allen Sinnen und für alle erlebbar zu machen. Dies ist einer der Gründe, warum die Veranstalter keinen Eintritt erheben.

Die insgesamt dreizehn ehrenamtlich Engagierten des Vereins haben noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Dinge. Sie sehen das Filmerlebnis eher als verbindendes Element, Gemeinschaft zu fördern, um generationsübergreifend in den Austausch zu kommen, interkulturelle Begegnung zu ermöglichen und Räume zu schaffen, die dem Erleben von Kunst und Kultur im ländlichen Raum eine neue Perspektive geben.

Zum Repertoire der Kinovorführungen gehört folgerichtig immer auch ein buntes, themenbezogenes Rahmenprogramm, das mit Unterstützung der Partner vor Ort realisiert wird und zum Mitmachen einlädt. Kreative Workshops, Vorträge, Tanz und Musik sowie Mitmachangebote für Familien verleihen den „Moviequidi-Filmnachmittagen“ den Charakter kleiner aber feiner Kulturfestivals. Im Herbst organisiert der Verein zudem ein Kurzfilmfestival für Kinder und Jugendliche.

Um seinen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, setzen die Engagierten des Wander- & Erlebniskino e. V. konsequent auf die Einbindung lokaler Akteure. Entstanden ist ein starkes Netzwerk aus Vereinen, das mit kreativen Ideen, regionaler Verbundenheit und ehrenamtlichem Engagement einzigartige Kulturerlebnisse schafft. Mit der Unterstützung von Unternehmen und Kommunen entstehen somit auch touristisch relevante Freizeitangebote.

„Sie leisten Großartiges“, lobt Landrat Rico Anton die Arbeit der Engagierten. „Es ist wortwörtlich eine Kunst, Menschen für so ein Vorhaben zu begeistern, mit auf einen gemeinsamen Weg zu nehmen und daraus ein stabile Partnerschaft zu formen. Dies ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, um ein so beliebtes, nicht-kommerzielles Kulturformat in dieser Größenordnung überhaupt etablieren zu können.“

Im Interview verrät uns die Vereinsvorsitzende Anja Baumgärtel, was die ehrenamtlich Engagierten antreibt.

Wie kam es zu der Idee, Kino an außergewöhnliche Orte im ländlichen Raum zu bringen?

Anja Baumgärtel: „Ich bin im Erzgebirge aufgewachsen und war schon immer sehr mit meiner Heimat verbunden. Nach meinem Studium in Mittweida und Leipzig stand für mich schnell fest, dass ich zurückkommen möchte. Gleichzeitig wollte ich mich ehrenamtlich engagieren und dazu beitragen, dass das Erzgebirge ein lebenswerter Ort mit einer vielfältigen Kulturlandschaft bleibt und sogar weiterwächst. Durch meinen Beruf als Mediengestalterin liegt mir das Medium Film besonders am Herzen. Gemeinsam mit unserem engagierten Team entstand daraus die Idee, Filme dorthin zu bringen, wo Menschen zusammenkommen – an außergewöhnliche Orte mitten in unserer Heimat. So verbinden wir Kultur, Gemeinschaft und regionale Identität auf eine ganz besondere Weise.“

Von welchen Größenordnungen sprechen wir, mit Blick auf die Kosten für so einen Filmabend?

Anja Baumgärtel: „Uns ist eine hohe Qualität besonders wichtig. Mit einer klassischen Leinwand könnten wir Filme oft erst spät nach Sonnenuntergang zeigen. Dank modernster LED-Technik können wir das nun den ganzen Tag über und so auch Familien mit Kindern ein besonderes Filmerlebnis ermöglichen. Gleichzeitig möchten wir die wunderschöne Natur und die außergewöhnlichen Orte im Erzgebirge bewusst einbeziehen. Je nach Veranstaltung liegen die Gesamtkosten – inklusive Filmrechten, Technik, Organisation und Marketing – zwischen 6.000 und 8.000 Euro.“

Und dennoch verlangen Sie keinen Eintritt?

Anja Baumgärtel: „Ganz bewusst nicht. Kultur sollte für alle Menschen zugänglich sein – unabhängig vom Einkommen oder der persönlichen Lebenssituation. Filme erzählen Geschichten, schaffen Perspektivwechsel und bringen Menschen miteinander ins Gespräch. Uns ist wichtig, dass wirklich jeder Teil dieses Erlebnisses sein kann. Dass wir keinen Eintritt verlangen, macht die Organisation zwar nicht einfacher, denn Lizenzkosten, Technik und Infrastruktur müssen trotzdem finanziert werden. Umso dankbarer sind wir unseren Förderern, Sponsoren und Partnern, die dieses Angebot überhaupt erst ermöglichen.“

Für das junge Publikum gibt es auch Kamera- und Filmworkshops?

Anja Baumgärtel: „Im Rahmen verschiedener Projekte haben wir bereits mit Kindern und Jugendlichen eigene Filme entwickelt und produziert. Dabei lernen sie nicht nur den Umgang mit Kamera und Schnitttechnik, sondern erleben auch, wie viel Kreativität, Teamarbeit und Planung hinter einem Film steckt. Es begeistert uns immer wieder zu sehen, wie stolz die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind, wenn ihr eigener Film am Ende auf der großen Leinwand läuft.“

Gibt es schon einen Termin für das Kurzfilmfestival im Herbst?

Anja Baumgärtel: „Ja, das Kurzfilmfestival findet am 13. November 2026 im Kulturzentrum Eibenstock statt. Mitmachen können Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre – allein oder im Team. Ob mit dem Smartphone oder einer professionellen Kamera: Entscheidend ist die Idee hinter dem Film. Die besten Beiträge werden prämiert, der erste Platz erhält ein Preisgeld von 150 Euro. Das Besondere ist die große Premiere auf der Kinoleinwand – für viele junge Filmschaffende ein unvergesslicher Moment.“

Würden Sie die Idee des Open-Air-Kinos als Kulturformat gern noch weiterentwickeln?

Anja Baumgärtel: „Auf jeden Fall. Unser Wunsch ist es, Moviequidi an noch mehr außergewöhnlichen Spielorten im gesamten Erzgebirgskreis zu etablieren und gemeinsam mit Vereinen, Kommunen und regionalen Partnern neue kulturelle Begegnungsorte zu schaffen. Das Erzgebirge wird oft mit Bergbau, Handwerk und seinen traditionsreichen Wurzeln verbunden – und das völlig zu Recht. Gleichzeitig steckt in unserer Region aber auch unglaublich viel Kreativität, Engagement und kulturelle Vielfalt. Genau dieses Bild möchten wir mit Moviequidi stärken. Unser Ziel ist es, das Erzgebirge nicht nur als traditionsreiche, sondern auch als lebendige und moderne Kulturregion sichtbar zu machen – für die Menschen, die hier leben, genauso wie für Gäste von außerhalb. Wenn unsere Veranstaltungen Menschen zusammenbringen, das Gemeinschaftsgefühl stärken und gleichzeitig die positive Außenwirkung unserer Heimat fördern, dann haben wir viel erreicht. Um diese Vision weiter wachsen zu lassen, freuen wir uns über neue Sponsoren und Unterstützer, die diesen Weg gemeinsam mit uns gehen möchten.“

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Vereins?

Anja Baumgärtel: „Ich wünsche mir, dass wir unsere Begeisterung für Film und Kultur noch lange weitergeben können. Besonders freue ich mich immer über die kreativen Ideen unserer Mitglieder – daraus entstehen oft die schönsten Projekte. Wenn wir gemeinsam Menschen zusammenbringen, Kindern unvergessliche Erlebnisse schenken und unsere Heimat kulturell bereichern können, dann haben wir unser Ziel erreicht.“

Für sein innovatives und umfassendes Engagement in der Kulturarbeit wurde der Verein zur interkulturellen Begegnung Wander- & Erlebniskino e. V. mit dem „Ehrenamt des Monats Juli 2026“ ausgezeichnet. Die Engagierten erhielten von der Fachstelle Ehrenamt des Erzgebirgskreises eine Urkunde, die erzgebirgische Holzfigur „HelD“ ( Hel fen und D anken) sowie eine Einladung zum Großen Regionalpreis des Erzgebirgskreises ERZgeBÜRGER.