Handwerkskammer Freiburg reformiert Bildungsinfrastruktur in Schopfheim; neue Lernkooperation im Landkreis Lörrach
Die Reform unserer Bildungshäuser – Berufliche Bildung im Handwerk zukunftsfähig gestalten
Die Reform unserer Bildungshäuser – Berufliche Bildung im Handwerk zukunftsfähig gestalten
Warum die Handwerkskammer Freiburg ihre Bildungsinfrastruktur weiterentwickelt
Die berufliche Bildung ist eine der zentralen Aufgaben der Handwerkskammer Freiburg. Sie schafft die Grundlage für qualifizierte Fachkräfte, sichert die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe und stärkt das Handwerk als wichtigen Wirtschaftsfaktor in Südbaden. Seit Jahrzehnten investiert die Handwerkskammer deshalb in ihre Bildungszentren und bietet jungen Menschen wie erfahrenen Fachkräften hochwertige Aus- und Weiterbildungsangebote. Diese Bildungsinfrastruktur hat sich über viele Jahre bewährt. Doch die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert. So ist der Standort der Gewerbe Akademie in Schopfheim aufgrund stark gesunkener Auszubildendenzahlen nicht mehr tragfähig. Mit einer neuen Lernkooperation im Landkreis Lörrach wurde gemeinsam eine fachlich wie wirtschaftlich sinnvolle Lösung erarbeitet.
- Unser Auftrag: Berufliche Bildung für das gesamte Handwerk
Die Handwerkskammer Freiburg vertritt rund 16.000 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk. Zu ihren wichtigsten gesetzlichen Aufgaben gehört die berufliche Bildung. Dazu zählen insbesondere:
Unsere Bildungszentren sind kein Selbstzweck. Sie sind Werkzeuge, mit denen wir den Betrieben eine leistungsfähige Bildungsinfrastruktur zur Verfügung stellen. Unsere Verantwortung gilt dabei dem gesamten Handwerk im Kammerbezirk – nicht einzelnen Standorten.
- Die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert
Als die Gewerbe Akademien in den 1980er Jahren aufgebaut wurden, war die Situation eine andere. Damals war es richtig und wichtig, mit mehreren Bildungsstandorten möglichst nah an die Betriebe und Auszubildenden heranzurücken.
Heute stehen wir vor völlig neuen Herausforderungen. Die Zahl der Auszubildenden ist im Kammerbezirk von rund 16.000 auf heute etwa 6.500 zurückgegangen.
Ursache hierfür ist vor allem der demografische Wandel. Weniger junge Menschen bedeuten langfristig auch weniger Auszubildende. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, neue Technologien und veränderte Berufsbilder die Anforderungen an die berufliche Bildung. Die Bildungsinfrastruktur muss sich diesen Veränderungen anpassen.
- Gute Bildung braucht leistungsfähige Standorte
Alle Bildungszentren der Handwerkskammer wurden über Jahrzehnte aufgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt. Heute sind viele Gebäude zwischen 30 und 40 Jahre alt. Sie weisen erhebliche Sanierungs- und Modernisierungsbedarfe auf.
Werkstätten müssen technisch auf dem neuesten Stand gehalten werden.
Gebäude müssen energetisch modernisiert werden.
Digitale Lernformen erfordern neue Ausstattung.
Diese Investitionen sind notwendig. Sie müssen jedoch wirtschaftlich sinnvoll und langfristig tragfähig sein.
- Förderfähigkeit ist Voraussetzung für Investitionen
Die Bildungszentren des Handwerks werden gemeinsam von Bund, Land und den Handwerksbetrieben finanziert. Diese Förderung ist an klare Voraussetzungen gebunden. Dazu gehört insbesondere eine ausreichende Auslastung der Bildungsangebote. Werden diese Voraussetzungen dauerhaft nicht erreicht, sinken oder entfallen Fördermittel.
Die Folge wäre, dass die verbleibenden Kosten unmittelbar von den Handwerksbetrieben über die ÜBA-Umlage getragen werden müssten. Dies wäre weder wirtschaftlich sinnvoll noch verantwortbar. Deshalb gehört die Sicherung der Förderfähigkeit zu den wichtigsten Aufgaben einer zukunftsfähigen Bildungsplanung.
- Reformen sind Verantwortung – keine Schwäche
Vor diesem Hintergrund hat die Vollversammlung der Handwerkskammer Freiburg bereits 2023 beschlossen, die Bildungsinfrastruktur neu auszurichten. Grundlage hierfür war eine umfassende Machbarkeitsstudie.
die Qualität der beruflichen Bildung dauerhaft zu sichern,
die Belastung der Handwerksbetriebe zu begrenzen.
Reformen sind dabei kein Zeichen des Rückzugs. Sie sind Ausdruck verantwortungsvollen Handelns.
- Konzentration und Kooperation statt Stillstand
Die berufliche Bildung entwickelt sich nicht nur im Kammerbezirk Freiburg weiter. Landesweit entstehen neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Handwerkskammern. Bereits heute werden einzelne Ausbildungsangebote gemeinsam organisiert. Nicht jede Spezialisierung muss künftig an jedem Standort vorgehalten werden.
Konzentration dort, wo sie sinnvoll ist
Kooperation dort, wo sie Vorteile schafft
Diese Entwicklung wird das Handwerk in Baden-Württemberg künftig stärker prägen. Fünf von 12 Innungen der Kreishandwerkerschaft Lörrach absolvieren beispielsweise bereits seit vielen Jahren ihre überbetrieblichen Ausbildungslehrgänge an anderen Standorten, etwa die Klempner in Ulm.
Was bedeutet das für den Standort Schopfheim?
Die Diskussion um die Gewerbe Akademie Schopfheim ist Teil des Reformprozesses. Sie ist ausdrücklich keine Einzelentscheidung gegen den Standort Schopfheim. Die Handwerkskammer hat den Standort über Jahrzehnte erhalten und zuletzt zwischen 2016 und 2019 umfangreich modernisiert.
Bereits 2023 – nach einem Grundsatzbeschluss der Vollversammlung der Handwerkskammer Freiburg zur Neuausrichtung der Bildungsinfrastruktur – wurden alle Partnerorganisationen (Kreishandwerkerschaft Lörrach, Landratsamt Lörrach, Agentur für Arbeit, Bauwirtschaft, politische Vertreter) über die Situation der Gewerbe Akademie Schopfheim informiert, mit dem Ziel, Lösungen zu finden. Seitdem werden Gespräche geführt, Modelle geprüft und Nutzungsmöglichkeiten erörtert.
Dabei zeigt es sich, dass langfristige Lösungen nur dann Bestand haben können, wenn sie wirtschaftlich tragfähig und dauerhaft förderfähig sind.
Nicht der Wunsch nach Erhalt allein entscheidet über die Zukunft eines Bildungsstandorts. Entscheidend ist, ob ein nachhaltiges Konzept vorliegt, das den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte gerecht wird.
Tatsache ist: Die Gewerbe Akademie Schopfheim ist in ihrem jetzigen Zustand nicht mehr förderfähig. Die von Bund und Land geforderte Auslastung über alle Werkstätten wird nicht mehr erreicht. Dadurch erhöht sich die finanzielle Belastung für alle Handwerksbetriebe im Kammerbezirk, die ihren Beitrag über die ÜBA-Umlage beisteuern – was langfristig nicht zumutbar ist.
Zahlen, Daten, Fakten zum Standort Schopfheim
ÜBA-Kurse für: Elektrotechnik, Kraftfahrzeugtechnik, Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik, Schreiner, Friseure, Metallbauer und Feinwerkmechaniker.
Baukosten: 11,8 Mio. € (90 % staatl. Zuschuss)
Werkstätten: 11 mit 132 Plätzen
Internatsplätze: 44 (an Landratsamt Lörrach vermietet)
Die Entwicklung der Überbetrieblichen Ausbildung am Standort Schopfheim (ohne Baugewerke)
Vor allem aufgrund des demografischen Wandels gehen im Handwerk seit Jahrzehnten die Auszubildendenzahlen stark zurück – so auch im Kammerbezirk Freiburg. Entsprechend haben sich auch die Zahlen der ÜBA-Teilnehmer*innen und Lehrgangswochen am Standort Schopfheim dezimiert.
Gewerke verbleiben im Landkreis Lörrach – dank Lernortkoorperation
Durch eine Lernortkooperation mit den drei gewerblichen Schulen des Landkreises wurde nun eine kostengünstige, nachhaltige und weiterhin wohnortnahe Lösung gefunden, um die mehrwöchige Überbetriebliche Ausbildung im Landkreis Lörrach zu halten. So werden die Gewerke im Rahmen einer Lernortkooperation an die drei Gewerbeschulen im Landkreis Lörrach verlegt.
Die Gewerke Elektrotechnik, Anlagenmechaniker SHK, Schreiner, Friseure, Metallbauer und Feinwerkmechaniker werden in den drei Beruflichen Schulen des Landkreises Lörrach in bislang nicht genutzten Räumlichkeiten untergebracht. Für die Kraftfahrzeugtechnik wird mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. Ziel ist, dass auch die ÜBA für dieses Gewerk im Landkreis Lörrach verbleibt.
Das neue Modell bietet darüber hinaus noch einen Mehrwert. Durch eine Lernortkooperation im Sinne einer sehr engen Zusammenarbeit der beteiligten Parteien in der dualen Ausbildung lassen sich die Vermittlung von Theorie und Praxis in Inhalt, Zeit und Ablauf deutlich sinnvoller verknüpfen. Der Ausbildungsbetrieb vermittelt die praktische Arbeit am Arbeitsplatz, die Berufsschule fachtheoretisches Wissen und Allgemeinbildung. In der Überbetriebliche Ausbildung geht es darum, allen Auszubildenden unabhängig vom Ausbildungsbetrieb praktische Grundlagen beizubringen.
Die Diskussion um einzelne Standorte wird verständlicherweise emotional geführt. Das zeigt die Verbundenheit vieler Menschen mit ihrer regionalen Bildungsstätte.
Als Handwerkskammer tragen wir jedoch Verantwortung für das Gesamthandwerk. Unser Auftrag ist es, die berufliche Bildung so aufzustellen, dass sie auch in zehn, zwanzig und dreißig Jahren leistungsfähig bleibt. Dies verlangt manchmal Entscheidungen, die Veränderungen mit sich bringen. Nicht weil wir Bestehendes aufgeben wollen, sondern weil wir die Zukunft des Handwerks sichern wollen.
Was ist die Gewerbe Akademie der Handwerkskammer Freiburg?
Die Gewerbe Akademie bezeichnet die Bildungshäuser der Handwerkskammer Freiburg. Dort finden unter anderem die Überbetriebliche Ausbildung (ÜBA), Vorbereitungskurse zur Meisterprüfung, Kurse zur berufliche Weiterbildung und Berufsorientierung statt. Weitere Informationen erhalten Sie auf www.gewerbeakademie.de .
Was ist die Überbetriebliche Ausbildung?
Damit alle Auszubildenden dieselben Kompetenzen während der Ausbildung entwickeln, ist es wichtig, dass ihnen einheitliche Inhalte nähergebracht werden. Doch nicht alle Betriebe verfügen über die notwendigen Ressourcen, alle relevanten Inhalte abzudecken . In der Überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) werden daher entsprechende Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, die im Betrieb nicht möglich sind zu erlernen. Die praktische Ausbildung von Unternehmen wird in der ÜBA somit ergänzt und vertieft.
Die ÜBA ist das zentrale Qualitätssicherungsmanagement der praktischen Ausbildung im Handwerk. Weitere Informationen finden Sie unter www.gewerbeakademie.de .
Wie viele Betriebe bilden derzeit im Landkreis Lörrach aus?
Zum 31.12.2025 waren es im Landkreis Lörrach 441 Betriebe, die ausgebildet haben.
Wieso ist der Standort der Gewerbe Akademie in Schopfheim nicht mehr zu halten?
Die Zahl der Lehrverträge ist im Kammerbezirk von rund 16.000 auf heute etwa 6.500 zurückgegangen. Ursache hierfür ist vor allem der demografische Wandel. Weniger junge Menschen bedeuten langfristig auch weniger Auszubildende. Damit ein Standort von Bund und Land gefördert werden kann, muss eine Mindestauslastung der Kurse in der Überbetrieblichen Ausbildung vorliegen. Aufgrund der stark zurückgegangenen Auszubildendenzahlen erfüllt der Standort Schopfheim diese notwendige Mindestauslastung nicht mehr und ist somit nicht mehr förderfähig. Die dadurch entstehenden Mehrkosten müssten von den Handwerksbetrieben im gesamten Kammerbezirk getragen werden, was langfristig weder zumutbar noch wirtschaftlich wäre.
Welche Gewerke verbleiben im Landkreis Lörrach?
Es sind aktuell insgesamt sieben Gewerke, die in Trägerschaft der Handwerkskammer Freiburg in Lörrach unterwiesen werden:
Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik
Auszubildende dieser Gewerke (mit Ausnahme der Kraftfahrzeugtechnik) erhalten dann im Rahmen der neuen Lernortkooperation an den drei Gewerbeschulen im Landkreis Lörrach ihre mehrwöchige überbetriebliche Ausbildung. Für die Kraftfahrzeugtechnik wird mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. Ziel ist, dass auch die ÜBA für dieses Gewerk im Landkreis Lörrach verbleibt.
Die Bauwirtschaft Baden-Württemberg, welche in Schopfheim die Überbetriebliche Ausbildung in den Gewerken Beton- und Stahlbetonbauer
in anbietet, plant ebenfalls, im Landkreis Lörrach Räumlichkeiten anzumieten.
Welche Gewerke „wandern“ nach Freiburg oder andernorts?
Geplant ist, dass die Überbetriebliche Ausbildung aller Gewerke im Landkreis Lörrach verbleibt.