Taliban fünf Jahre systematische Unterdrückung und Entrechtung von Frauen und Mädchen in Afghanistan; Internationale Unterstützung schrumpft, Gelder gekürzt

Fünf Jahre Taliban: Fünf Jahre systematischer Unterdrückung und Entrechtung von Frauen und Mädchen in Afghanistan

Fünf Jahre Taliban: Fünf Jahre systematischer Unterdrückung und Entrechtung von Frauen und Mädchen in Afghanistan

Am 15.08. jährt sich der Jahrestag der Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan zum fünften Mal. Während die Repression gegen Frauen und Mädchen durch immer neue Gesetze vertieft wird, nehmen internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung kontinuierlich ab. medica mondiale warnt vor einer Normalisierung dieser Situation und fordert konsequentes politisches Handeln der deutschen Bundesregierung und internationalen Gemeinschaft.

Fünf Jahre nach der erneuten Machtübernahme haben die Taliban ein brutales System der Ausgrenzung und Unterdrückung von Frauen und Mädchen geschaffen. Sie sehen sich nahezu vollständig aus allen Bereichen des öffentlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens verdrängt.

Die Maßnahmen sind keine Ansammlung isolierter Verbote, sondern ein ineinandergreifendes Herrschaftssystem, das Frauen aufgrund ihres Geschlechts grundlegende Rechte vorenthält und ihre Unterordnung institutionell absichert. Unabhängige UN-Expert:innen, bewerten das Gesamtsystem aufgrund seines institutionalisierten, ideologisch begründeten und auf dauerhafte Unterordnung ausgerichteten Charakters als “Gender Apartheid”.

„Immer neue Gesetze vertiefen die Entrechtung von Frauen und Mädchen und verschärfen Probleme und Entwicklungen, gegen die medica mondiale seit Jahrzehnten gemeinsam mit afghanischen Partner:innen arbeitet: sexualisierte und andere Formen der Gewalt sowie die zugrunde liegenden patriarchalen Strukturen“, erklärt Sara Fremberg, Bereichsleiterin Politik und Kommunikation der Frauenrechtsorganisation medica mondiale.

„Das Unterdrückungssystem der Taliban gegen Frauen und Mädchen steht im direkten Widerspruch zu internationalen Menschenrechtsverpflichtungen und darf weder stillschweigend hingenommen noch normalisiert werden“, fordert die Expertin. „Die deutsche Bundesregierung steht in der Verantwortung zu handeln und sich konsequent für den Schutz und die Rechte von Frauen und Mädchen in Afghanistan einzusetzen“, so Fremberg.

Während international die Aufmerksamkeit und der politische Druck auf die Taliban abnehmen und Gelder für Entwicklungszusammenarbeit und die humanitäre Hilfe massiv gekürzt werden, leisten die Menschen in Afghanistan weiter Widerstand.

„Seit fünf Jahren leisten die Menschen Widerstand gegen Gewalt und Unterdrückung. Insbesondere Frauen riskieren damit ihr Leben. Afghan:innen, die sich gegen die Repressionen auflehnen und für ihre Rechte einsetzen, werden bedroht, inhaftiert gefoltert oder getötet“, beschreibt Fremberg.

Unterstützt werden sie durch mutige Aktivist:innen – im Land und im Exil, auch durch Partnerorganisationen von medica mondiale. Sie stärken Frauenrechtler:innen und frauengeführte Organisationen in Afghanistan, schaffen einkommensschaffende Maßnahmen, unterstützen und stärken Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt.

medica mondiale fordert von der deutschen Bundesregierung:

Diskriminierende frauenfeindliche Gesetze klar zu verurteilen und den politischen Druck auf die Taliban zu erhöhen – in allen Gesprächen und auf allen Ebenen für Frauen- und Menschenrechte und für die Achtung und Durchsetzung der internationalen Menschenrechtsverpflichtungen Afghanistans einzutreten: Frauenrechte sind Menschenrechte, sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt ist ein Verbrechen und muss als solches geahndet werden.

Die bereits getätigten Aufnahmezusagen einzuhalten, Abschiebungen nach Afghanistan zu stoppen, statt auszuweiten sowie Evakuierungen zu unterstützen und legale Fluchtwege zu garantieren.

Frauen- und Menschenrechtsverteidiger:innen zu schützen, Frauen- und Menschenrechtsorganisationen sowie Aktivist:innen in Afghanistan und im Exil finanziell und politisch zu unterstützen.

Internationale Rechenschaft statt Straflosigkeit. Die Taliban müssen für die systematische Entrechtung, Verfolgung und Gewalt gegen Frauen und Mädchen völkerstrafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Die Bundesregierung muss die Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofs konsequent unterstützen, die Durchsetzung internationaler Haftbefehle stärken und jede politische Normalisierung der Taliban zurückweisen.

Unterstützung internationaler Bemühungen, die auf die völkerstrafrechtliche Kodifizierung von “Gender Apartheid” als Verbrechen gegen die Menschlichkeit abzielen. Die systematische Entrechtung und Unterdrückung von Frauen und Mädchen durch die Taliban muss als institutionalisierte Form geschlechtsbezogener Herrschaft international benannt, rechtlich erfasst und konsequent verfolgt werden.

medica mondiale arbeitet seit fast 25 Jahren gemeinsam mit Partnerorganisationen in Afghanistan. Gemeinsam setzen wir uns auch heute – unter schwierigsten Bedingungen – für die Rechte, den Schutz und die psychosoziale Unterstützung von Frauen und Mädchen ein. Mit der erneuten Machtübernahme der Taliban 2021 war das Leben der Mitarbeiterinnen unserer damaligen Partnerorganisation Medica Afghanistan bedroht – medica mondiale unterstützte ihre Flucht, Evakuierung und das Ankommen in Deutschland. Heute arbeiten wir mit neuen Partnerorganisationen vor Ort und im Exil weiter.

Gerne bieten wir Interviews und Hintergrundgespräche mit Sprecherinnen von medica mondiale oder mit afghanischen Aktivistinnen an. Themen könnten bspw. die immer weiteren Einschränkungen und die Frauenrechtssituation vor Ort, die aktuelle Arbeit in Afghanistan, Forderungen an deutsche Bundesregierung und internationale Gemeinschaft oder die persönliche Situation und Perspektive der Afghaninnen sein.

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