Ich habe im Rahmen meines Praxissemesters am St.Paul Gymnas, Bergen, Norwegen gearbeitet; Vorlaufzeit 9-12 Monate empfohlen

Bergen, Norwegen (national) | Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung

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St.Paul Gymnas, Bergen, Norwegen (Chemie

Zeitraum: Februar 2026 - Juni 2026 (SoSe 2026) | Schulinfos: hier Externer Link

Im Rahmen meines Praxissemesters habe ich am St. Paul Gymnas gearbeitet. Die Kontaktaufnahme erfolgte dabei für mich sehr unkompliziert. Ich war im Rahmen eines FSJ bereits an der Schule und kannte deshalb einige Mitarbeiter dieser Schule. Als meine Idee entstand, noch einmal nach Norwegen zu gehen, um dort mein Praxissemester zu verbringen, meldete ich mich also bei meinem damaligen Mentor und fragte, ob das für ein weiteres Semester in Ordnung gehen würde. Das war ca. ein Jahr bevor ich das Praktikum angetreten habe. Anschließend habe ich mich auch nochmal formal per E-Mail bei der Verantwortlichen für die Studenten beworben und konnte dann recht schnell mit einer Zusage aufwarten.Meine Situation ist sicherlich nicht repräsentativ, allerdings würde ich die Bewerbung mit 9-12 Monaten Vorlaufzeit abschicken. Gerade im Falle einer Ablehnung ist man dann noch flexibel und muss nicht direkt um sein Praxissemester bangen.

Als es dann Richtung Abreise ging, stellte ich fest, dass die Vorbereitung dieses Praxissemesters für mich gar nicht so aufwendig war. Die Wohnung hatte ich recht einfach vermittelt bekommen (dazu später mehr) und ich hatte schon eine sogenannte „Fødselsnummer“ zu dt. Geburtennummer, die ich einfach wiederverwenden konnte. Ein polizeiliches Führungszeugnis aus Norwegen musste ich auch abgeben. Ansonsten hatte ich mich vorher nochmal beim Arzt impfen lassen. Das war jetzt nicht wegen spezieller Krankheiten in Norwegen, eher eine Routinesache. Für gesundheitliche Notfälle im Ausland habe ich eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Glücklicherweise musste ich diese nicht in Anspruch nehmen, aber die 42 Euro im Monat waren eine Sicherheit.

Nach Bergen gibt es einige Direktverbindungen. Die für mich günstigste war aus Berlin nach Bergen am Sonntag, den 01.02.2026. Da mein Praxissemester ab dem darauffolgenden Montag bereits beginnen sollte, war das der für mich beste Flug. Insgesamt habe ich für Hin- und Rückreise zusammen ca. 350 Euro bezahlt, wobei der Hinflug etwas teurer war als der Rückflug. Insgesamt würde ich sagen, dass sich die Reisekosten doch sehr im Rahmen gehalten haben. Vor allem, wenn man es mit den sonstigen Kosten in Norwegen vergleicht. Mein Tipp ist, recht früh zu buchen und dann recht flexibel bei der Wahl des Abreisetages zu sein. Da lassen sich erfahrungsgemäß doch noch einige Euros sparen.

Wer es noch nicht wusste, Bergen ist die regenreichste Stadt Europas und dementsprechend musste ich auch packen. Die Regenjacke bzw. der Norweger-Pullover waren wohl die wichtigsten Kleidungsstücke. Ansonsten lege ich jedem wärmstens ans Herz, Wanderklamotten mitzunehmen. Bergen ist zum Wandern eine absolut fantastische Stadt und sollte dafür auch genutzt werden. Ich habe von meinem Zimmer aus gut 15 Minuten gebraucht, bis ich mitten im Wald stand.

Okay, genug der Vorbereitung, jetzt ging es endlich los. Wie bereits angesprochen war die Anreise mit dem Schulbeginn recht knapp gewesen. Ich kam also am Tag vor dem Start meines Praktikums in Bergen an und hatte gerade Zeit, das Nötigste auszupacken, bevor es dann am nächsten Tag das erste Mal in die Schule ging. Frühmorgens habe ich mich direkt mit der Leiterin für die Studenten getroffen und sie hat mir eine kleine Einleitung und Schulführung gegeben. So richtig nötig wäre das jetzt nicht gewesen, ich kannte ja schon alles, aber ein bisschen Zeit zum Unterhalten und zum Nachfragen stellen, hat das dann doch eröffnet. Immerhin war sie die Person, mit der ich alle organisatorischen Sachen geklärt hatte, bevor ich nach Norwegen gekommen bin. Nachdem sie mir meinen Arbeitsplatz gezeigt hatte, habe ich dann ein bisschen für eine Klausur gelernt, die ich am Mittwoch digital mitschreiben musste und habe dann nach dem Mittagessen das erste Mal meine Fachmentorinnen kennengelernt. Diese waren, wie die Zeit zeigen sollte, die eigentlichen Ansprechpersonen in meinem Praxissemester. Ich konnte diesen Beiden immer im Unterricht folgen und habe dann auch in ihren Klassen unterrichtet. Auch abseits der offiziellen Kontexte habe ich mich mit den beiden sehr gut verstanden, sodass die Kommunikation und der Umgang sehr schnell sehr gut lief und ich mich mit jeglichen Problemen an sie wenden konnte. Ansonsten gab es noch meinen ehemaligen Mentor aus dem FSJ, mit dem ich ab und zu, wenn es die Zeit zuließ, unterhalten konnte und welcher auch mit großem Interesse verfolgt hat, was ich in der Schule so machte.

Ich bin also Anfang Februar in das Praxissemester gestartet. Da die Schule in Norwegen recht früh zu Ende geht (24.06.2026) und das Praxissemester mindestens 16 Wochen lang gehen muss, war dies mein designierter Praktikumsbeginn. Dummerweise waren nach 2 Wochen schon wieder Winterferien und das neue Schulhalbjahr hat danach begonnen. Ich kam also zwei Wochen vor dem neuen Halbjahr an die Schule und einige Schüler waren dann doch etwas verwirrt, was meine Rolle und die Dauer meines Aufenthaltes angingen. Am Ende hat alles geklappt und das steht für mich jetzt an erster Stelle.

Norwegisch lernen, bzw. können ist auf jeden Fall von Vorteil. Entgegen dem deutschen Beispiel können in Norwegen aber alle Menschen sehr gutes Englisch, da kann man an Kinder als auch an ältere Menschen geraten, alle überzeugen mit sehr guten Kenntnissen in der Sprache. Eine Anekdote möchte ich gerne noch teilen vom ersten Tag meines Praxissemesters: Nachdem ich meine Mentorinnen kennengelernt habe und ich sie auf meinem mehr oder weniger gebrochenen Norwegisch begrüßt hatte, meinte die eine Mentorin zu mir: Ah Jonas, du kannst ja norwegisch sprechen, dann machst du jetzt den Unterricht auf Norwegisch. Ich dachte mir natürlich, dass das nur Spaß war, weil wir in den Emails vorher bereits ausgemacht hatten, dass Englisch die Sprache sein soll, in der unterrichtet wird. Allerdings wurde recht schnell klar, dass das kein Spaß war und ich musste mich mit meinem Schicksal des Norwegisch sprechenden Studenten abgeben. Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass es eine staatliche Schule ist und man an staatlichen Schulen in Norwegen nur dann englisch im Unterricht nutzen darf, wenn man auch eine Ausbildung dazu hat. Dementsprechend hatte sie natürlich das Recht dazu und ich bin ihr auch gar nicht böse. Es war allerdings am Anfang doch ein kleiner Schock für mich. Die Unterrichtsvorbereitung belief sich für mich ab dem Zeitpunkt also nicht mehr nur auf Stundenplanung, sondern war auch gleich Sprachtraining integriert. Anfangs war es für mich schon recht schwierig, damit klarzukommen. Ich hatte vor dem Semester ein Sprachniveau von B1. Dass das zum Unterrichten nicht reicht, sollte allen klar sein. Mit der Zeit wurde es allerdings immer besser und das Unterrichten wurde zumindest sprachlich immer einfacher.

Meine Mentorinnen haben sich den Unterricht aufgeteilt. Zuerst habe ich in Chemie meine 20 Stunden Unterricht gehalten und anschließend bin ich zu Geographie gewechselt. Das hatte eine Reihe von Vorteilen: Ich musste die Sprache nicht an allen Fronten lernen und ich konnte ganze Klassen komplett übernehmen und musste nicht nur einzelne Stunden hinzufügen. Es war auch gut, dass ich in der Chemie angefangen habe. Die zwölfte Klasse, die ich übernommen habe, bestand aus 14 Lernenden aus unterschiedlichen Klassen. Das bedeutete ein ruhiges und störungsfreies Unterrichtsgeschehen, perfekt zum Reinkommen ins Unterrichten. Gegenteilig war es in der Geographie. Die Klasse bestand aus 34 Lernenden aus dem Sportzweig. Diese Klasse unter Kontrolle zu bringen hat mich schon ab und zu einen Nerv gekostet! Wenn ich mir vorstelle, dass ich damit hätte anfangen müssen, wäre sicherlich der Schock um einiges größer gewesen, als es so der Fall war. Das ist jetzt für viele Lehrkräfte sicherlich meckern auf hohem Niveau. Eigentlich muss ich gestehen, dass es mir die Schule, abgesehen davon, schon recht einfach gemacht hat. Ich hatte meinen eigenen Schreibtisch und die Schule war komplett modern und ausgestattet mit Smart Boards und anderen in vielen Schulen Deutschlands wohl unbekannten „Spielkram“. Das Labor in der Chemie war komplett ausgestattet und jedes Experiment, was ich mir ausdachte, war tatsächlich umsetzbar. Selbst ein schuleigenes Gym gab es, dass ich auch prompt nach der Arbeit nutzte. Ansonsten gab es noch den Lehrerfußball, wo sich einige Lehrer immer mittwochs in der Sporthalle trafen und zum „gemütlichen“ Kick nach dem Feierabend geladen haben. Ein Puls jenseits der 200 war dann doch mehr Routine als Ausnahme.

Ich weiß jetzt natürlich nicht, inwieweit das an anderen Schulen auch üblich ist. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass sich das schon positiv auf die Atmosphäre im Kollegium ausgewirkt hat. Die Stimmung war nämlich echt gut. Vor allem beim Sommerfest zum Abschluss des Schuljahres habe ich da schon ein bisschen wehleidig daran gedacht, nächstes Schuljahr nicht mehr dabei sein zu können. Besonders positiv ist mir auch die Sekretärin in Erinnerung geblieben, die immer für ein Gespräch da war und mir sehr viele norwegische Sprichwörter beigebracht hat und die 4 FSJ-ler, mit denen ich die ein oder andere Runde Tischtennis in der Schulzeit spielen konnte.

In Bergen hat jeder ausländische Studierende ein Recht darauf, ein Zimmer im Studentenwohnheim zu bekommen. Auf der Website von „sammen“ bekommt man da eine recht gute Übersicht über das Wohnen und insgesamt die Angebote des Studentenwerks. Das hatte sich für mich aber recht schnell erledigt, weil ich von meinem alten Mentor das Angebot bekommen hatte, mit den anderen vier Freiwilligen im FSJ in einer WG zu wohnen. Das war für mich nicht nur kostengünstiger, sondern bot mir auch die Möglichkeit, sozialen Kontakt zu Menschen außerhalb des Schulkontexts zu haben. Insgesamt hat mich die Miete 4000 norwegische Kronen im Monat gekostet (363€). Ein Einzelzimmer im Studentenwohnheim hätte ca. 5200 norwegische Kronen gekostet (472€). Die Miete war also günstiger als im Studentenwohnheim und der Weg zur Schule war mit zehn Minuten Fußweg auch mehr als überschaubar.

Glücklicherweise bekommt man mit einem Praktikum innerhalb Europas oft finanzielle Unterstützung durch Erasmus. In Norwegen waren das dann 750 Euro Grundpauschale und nochmal 250 Euro Erstakademiker Top-Up obendrauf. Leider ist ein Praktikum jeweils nur bis 4 Monate in Erasmus einbegriffen, weswegen allein Erasmus zum Leben in Bergen eher nicht ausgereicht hat. Ich habe noch das Kindergeld von meinen Eltern bekommen und habe insgesamt recht sparsam gelebt. Trotzdem ist es in Norwegen fast unmöglich, wirklich billig zu leben, weswegen ich sagen würde, dass ich im Monat mit Miete, Lebensmitteln und Freizeit sowie Flügen im Durchschnitt 1000 Euro ausgegeben habe. Mit Erasmus wurde das, wie gesagt, nur zum Teil gedeckt, immerhin war ich ja statt 4 Monaten am Ende gute 6 Monate vor Ort. Neben dem Kindergeld hat mich die Schule ab und zu für Nebentätigkeiten bezahlt, die sonst andere bezahlte Arbeitskräfte hätten machen müssen. Ob das nun eine Prüfungsaufsicht in Mathe oder das Aufräumen nach dem Sommerfest war, am Ende habe ich glücklicherweise doch das nötige Geld sammeln können, um ungefähr bei ± 0 rauszukommen.

Ich hatte bei der Vorbereitung auf das Praxissemester schon angesprochen, dass es sinnvoll ist, Wanderklamotten mitzunehmen, weil Norwegen praktisch ein Wanderparadies ist. Es gibt hier wirklich atemberaubende Landschaften und auch der Sonnenuntergang von einer der sieben Hausberge über Bergen ist wahrlich besonders. Bergen an sich ist sicherlich eine der schönsten, wenn nicht die schönste Stadt, die ich je besucht habe. Natürlich muss man hier Glück haben, weil das Regenwetter den ein oder anderen Tag doch eher zu Nichte gemacht hat, allerdings