ARA Belp Anschluss an ara region bern ag entlang Gürbe; Synergien reduzieren Planung, Genehmigungen, Kosten
Umnutzung der ARA Belp - Anschluss an die ara region bern ag – Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute
Umnutzung der ARA Belp – Anschluss an die ara region bern ag
Umnutzung der ARA Belp – Der Anschluss an die ara region bern ag ermöglichte Hochwasserschutz- und Revitalisierungsmassnahmen entlang der Gürbe. Es entsstand eine wirtschaftliche und zukunftsgerichtete Gesamtlösung.
Bildquellen: ara region bern ag (Bild 1), ara region bern ag (Bild 2), ara region bern ag (Bild 3), ara region bern ag (Bild 4)
Ausgangslage Das Vollzugskonzept Siedlungsentwässerung (VOKOS) des Kantons Bern erfasst sämtliche Abwasserreinigungsanlagen des Kantons, dokumentiert deren Defizite und definiert verbindliche Massnahmen sowie deren Umsetzungsfristen. Als behördenverbindliches Planungsinstrument bildet das VOKOS die Grundlage für die langfristige Weiterentwicklung der Siedlungsentwässerung im Kanton Bern. Im Rahmen dieser Beurteilung wurde bei der ARA des Gemeindeverbands Belp ein erheblicher Erneuerungs- und Erweiterungsbedarf festgestellt. Das VOKOS empfahl deshalb, einen Anschluss an die ara region bern ag (arabern) zu prüfen und die bestehende Anlage bei positiver Beurteilung ausser Betrieb zu nehmen. In gleichzeitig durchgeführten Gemeindeabstimmungen der vier Verbandsgemeinden wurde der Anschluss an die arabern gegenüber einer umfassenden Sanierung oder Erweiterung der bestehenden Anlage deutlich bevorzugt.
Projektbeschrieb Das Projekt umfasste den Bau von zwei unterirdischen Regenbecken mit Pumpwerk sowie einer Trafostation auf dem ehemaligen ARA-Areal. Ergänzend wurde entlang der Gürbe eine Druckleitung bis nach Kehrsatz erstellt und an die bestehende Verbindungsleitung zur arabern angeschlossen. Ab diesem Punkt erfolgt der Weitertransport des Abwassers im Freispiegel zur ARA Neubrück. Parallel dazu realisierte der Kanton Bern Hochwasserschutz- und Revitalisierungsmassnahmen entlang der Gürbe. Die zeitliche und räumliche Abstimmung der beiden Projekte führte zu erheblichen Synergien. Dadurch konnten Planung, Bewilligungsverfahren und Bauausführung effizient koordiniert sowie Kosten und Projektlaufzeiten reduziert werden. Die für den Betrieb erforderlichen Anlagen wurden der arabern im Baurecht übertragen. Diese finanzierte die Bauwerke, übernahm das Eigentum und ist für Betrieb und Unterhalt verantwortlich. Gleichzeitig entstand in Kehrsatz ein weiteres unterirdisches Regenrückhaltebecken. Die Gemeinde verfügte bereits über ausreichend dimensionierte Anschlusskapazitäten in der bestehenden Verbindungsleitung zur arabern und war gemäss VOKOS verpflichtet, zusätzliche Rückhaltekapazitäten zu schaffen. Diese Ausgangslage konnte optimal in das Gesamtprojekt integriert werden.
Bewilligungsverfahren Die enge Abstimmung mit dem kantonalen Hochwasserschutzprojekt erwies sich als wesentlicher Erfolgsfaktor. Für die Überbauungsordnung der Druckleitung sowie der Zu- und Ableitungen zum Regenbecken Kehrsatz lag die Federführung beim damaligen Amt für Gewässerschutz und Abfall (GSA), heute Amt für Wasser und Abfall (AWA). Die Bündelung der Verfahren ermöglichte eine deutliche Vereinfachung und Beschleunigung des Bewilligungsprozesses. Gleichzeitig konnten die Anzahl der Einzelverfahren und damit auch die Einsprachemöglichkeiten entlang der Leitungsführung reduziert werden. Für die Hochbauten auf dem ehemaligen ARA-Areal in Belp sowie für das Regenbecken auf Gemeindegebiet Kehrsatz wurden die ordentlichen kommunalen Baubewilligungsverfahren durchgeführt.
Erfahrungen mit dem gewählten Instrument
Finanzierungsmodell Für den Anschluss an die ARA Neubrück wurde keine Einkaufsgebühr erhoben. Dieses Vorgehen entspricht dem Grundsatz der Gleichbehandlung sämtlicher angeschlossener Gemeinden. Die neu angeschlossenen Gemeinden beteiligen sich neben den ordentlichen Abwassergebühren an den Amortisations- und Betriebskosten jener Anlagen, die aufgrund ihres Anschlusses zusätzlich erstellt wurden. Dadurch wird eine verursachergerechte und langfristig tragfähige Finanzierung gewährleistet. Projektkosten Die Investitionen gliederten sich in drei Teilprojekte: • Regenbecken, Pumpwerk und Trafostation in Belp • Druckleitung Belp–Kehrsatz mit Anschluss an die bestehende Verbindungsleitung zur arabern • Regenrückhaltebecken Kehrsatz
Die Gesamtkosten beliefen sich einschliesslich Mehrwertsteuer auf rund CHF 8,1 Mio. Davon wurden CHF 3,2 Mio. durch Beiträge aus dem kantonalen Abwasserfonds finanziert.
Raumplanerische Aspekte Nach der Inbetriebnahme der neuen Anlagen wurde die bestehende ARA vollständig zurückgebaut. Das Areal verblieb im Eigentum der Gemeinde Belp und befindet sich innerhalb des Industriegebiets Hühnerhubel. Bereits kurz nach dem Rückbau errichtete die Energie Belp AG auf einem Teil der Fläche einen Werkhof. Weitere Flächen werden heute gewerblich als Lagerplätze genutzt und generieren entsprechende Mieterträge. Gleichzeitig bleibt das Areal als strategische Reserve für zukünftige kommunale Nutzungen oder für die Ansiedlung neuer Unternehmen verfügbar. Die Umnutzung der ehemaligen ARA schuf damit nicht nur technische, sondern auch raumplanerische und wirtschaftliche Mehrwerte.
Erkenntnisse und Schlussfolgerungen Das Projekt verdeutlicht den Mehrwert einer frühzeitigen und integralen Projektkoordination. Die Kombination der Abwasserinfrastruktur mit den Hochwasserschutz- und Revitalisierungsmassnahmen führte zu erheblichen technischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Synergien. Ebenso zeigt das Vorhaben exemplarisch, dass die Konzentration der Abwasserreinigung auf leistungsfähige regionale Anlagen sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile bietet. Neben der langfristigen Sicherstellung einer leistungsfähigen Abwasserentsorgung konnten Investitions- und Betriebskosten reduziert sowie wertvolle Entwicklungsflächen innerhalb des Siedlungsgebiets freigespielt werden. Das Projekt kann damit als beispielhafte Umsetzung einer regional abgestimmten und nachhaltigen Infrastrukturplanung betrachtet werden.
Planung und Fertigstellung: Juni 2007 – März 2010
Projektkosten der ARA-Umnutzung in CHF: 8.1 Mio
-in: ara region bern ag
Bauherrschaft: ara region bern ag
Externe Projektleitung: Machand + Partner AG, heute Ingenta Ingenieure AG
Beteiligte: BG Ingenieure AG, B + S Ingenieure AG