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title: "Gesa Krause und Frederik Ruppert zielen bei der EM in Birmingham auf Gold im 3.000-Meter-Hindernislauf; Ruppert Europarekordhalter und Goldfavorit."
sdDatePublished: "2026-08-04T11:20:00Z"
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Gesa Krause und Frederik Ruppert zielen bei der EM in Birmingham auf Gold im 3.000-Meter-Hindernislauf; Ruppert Europarekordhalter und Goldfavorit.

Zwei Stars, ein Ziel: Die Boom-Disziplin zum EM-Gold führen

Zwei Stars, ein Ziel: Die Boom-Disziplin zum EM-Gold führen

Der 3.000-Meter-Hindernislauf ist zu einer Domäne der deutschen Leichtathletik geworden. Gesa Krause und Frederik Ruppert wollen bei der EM in Birmingham in der kommenden Woche unterstreichen, warum sie zur europäischen Spitze zählen.

Die deutsche Leichtathletik hat in den vergangenen Monaten so einige Geschichten geschrieben, die es rechtfertigen, mit großer Vorfreude und ebensolcher Titelhoffnung auf die Europameisterschaften zu schauen, die vom 10. bis 16. August in der mittelenglischen Stadt Birmingham ausgetragen werden. Es gibt jedoch keine andere Disziplin, in der die Medaillenträume so gleichmäßig auf die Geschlechter verteilt sind wie im 3.000-Meter-Hindernislauf. Wie passend also, dass sich die beiden Mittelstreckenstars, die die nationalen Rekorde über diese Distanz halten, in der Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt zu ausführlichen Mediengesprächen stellten, um den Boom zu ergründen und ihre Zielstellungen zu untermauern.

Dass es einen Boom gibt, darin sind sich Gesa Felicitas Krause und Frederik Ruppert einig. Auch wenn Frederik, der Ende Mai beim Diamond-League-Meeting in Rabat (Marokko) als erster Europäer die magische Acht-Minuten-Marke knackte und in 7:57,80 Minuten den Europarekord pulverisierte, ihn nicht auf seine Disziplin beschränken würde. „Grundsätzlich sehe ich, dass viele deutsche Leichtathleten in den vergangenen Jahren deutliche Leistungssteigerungen erreichen konnten. Die Trainingsmethodik und das Material haben sich so sehr verbessert, dass körperliche Voraussetzungen nicht mehr die entscheidende Rolle spielen“, sagt der 29-Jährige von der LAV Stadtwerke Tübingen. Und bessere Leistungen sorgten dafür, dass die Konkurrenz mitgezogen würde. „2025 war es zum Beispiel Mo Abdilaahi, der uns mit seinem deutschen Rekord über 5.000 Meter inspiriert hat“, sagt er. Gesa, die für den Verein Silvesterlauf Trier an den Start geht, sieht das ähnlich. „Konkurrenz belebt nun einmal das Geschäft, und je mehr starke Leute wir haben, desto besser. Das ist auf den 3.000 Meter Hindernis aktuell sehr gut zu beobachten“, sagt die 33-Jährige, die 2019 in Doha (Katar) in 9:03,30 Minuten den aktuell geltenden deutschen Rekord aufstellte.

Gesa holt überzeugend den deutschen Meistertitel

Bei den deutschen Meisterschaften am 25.

26. Juli in Bochum-Wattenscheid wurde das vor allem im Frauenrennen deutlich. Gesa Krause siegte in Meeting-Rekordzeit von 9:24,40 Minuten. Hinter ihr reihten sich drei weitere Titelträgerinnen der vergangenen vier Jahre ein: ihre Vereinskollegin Olivia Gürth (24

9:27,08), Lea Meyer (28) vom VfL Löningen in 9:30,96 und Adia Budde (21

LAV Stadtwerke Tübingen) in 9:43,41. Dagegen musste das deutsche Topduell bei den Männern ausfallen. Während Karl Bebendorf (30) vom Dresdner SC über seine Stammstrecke trotz eines Sturzes in 8:21:01 Minuten seinen siebten DM-Erfolg feierte, zog Ruppert den Härtetest über die flachen 5.000 Meter vor und gewann dort dank seiner immensen Spurtstärke nach einem Bummelrennen in 14:08,18 Minuten. „Das war schon gut so“, sagte Bebendorf, den mit Ruppert eine dicke Freundschaft verbindet, „es reicht, wenn wir dann bei der EM aufeinandertreffen.“

Die Favoritenrolle ist mein Anspruch, ich bereite mich auf Gold vor und glaube, dass ich auf alles, was das Rennen bietet, eine Antwort haben werde. Frederik Ruppert Europarekordhalter über 3.000 Meter Hindernis Team Deutschland und LAV Stadtwerke Tübingen

Die Favoritenrolle ist mein Anspruch, ich bereite mich auf Gold vor und glaube, dass ich auf alles, was das Rennen bietet, eine Antwort haben werde.

Angesichts seiner Fabelleistung von Rabat gilt Frederik Ruppert in Birmingham als Goldfavorit. Eine Rolle, die er ohne Umschweife annimmt. „Die Favoritenrolle ist mein Anspruch, ich bereite mich auf Gold vor und glaube, dass ich auf alles, was das Rennen bietet, eine Antwort haben werde. Aber ich rechne auch damit, dass es auf ein deutsches Duell mit Karl hinausläuft“, sagt er. Nach dem Rekord von Rabat hatte er nur vier Tage später in Turku (Finnland) auch über die 5.000 Meter in 12:57,61 Minuten eine Weltklassezeit auf die Tartanbahn gezaubert. Anschließend jedoch war er, geschwächt von den Reise- und Wettkampfstrapazen, an einem Atemwegsinfekt erkrankt, der ihn über mehrere Wochen im Training behinderte. „Die Lunge ist leider meine einzige körperliche Schwachstelle, solche Infekte begleiten mich immer lange“, sagt er. Im Höhentrainingslager in St. Moritz (Schweiz) konnte er im Juli allerdings den notwendigen Formaufbau leisten.

Dass ihm zwei, drei Hindernisrennen fehlen, tue seinen Ambitionen keinerlei Abbruch. „Das konnte ich mit gezieltem Training kompensieren“, sagt er. „Vielleicht war das sogar positiv, weil der Hunger, zu zeigen, was ich drauf habe, jetzt richtig groß ist.“ In einem Interview mit dem SWR hatte Frederik nach seinem Europarekord gesagt, an seiner Leistungssteigerung sei „nichts Magisches, sondern nur harte, kontinuierliche Arbeit“, sein Training mit rund 160 Wochenkilometern hatte er als „unfassbar langweilig“ bezeichnet. Eine Beschreibung, die der Schützling von Isabelle Baumann nun relativiert. „Ich meinte das mit dem Blick von außen. Ich selbst komme sehr gut mit Wiederholungen klar, wenn ich weiß, dass sie funktionieren. Es fasziniert mich, immer wieder meine Grenzen auszutesten“, sagt er.

Frederik sieht über 3.000 Meter Hindernis größte EM-Chance

Auf das Unterbieten der Acht-Minuten-Grenze habe er den gesamten Winter über hingearbeitet. „Dass es dann so deutlich gelungen ist, hat mich dann aber doch etwas überrascht“, gibt er zu. Die Überlegung, bei der EM eine weitere Strecke in Angriff zu nehmen, habe er schnell verworfen. „Ich will mich auf die 3.000 Meter Hindernis konzentrieren, weil ich dort die größte Chance sehe, Europameister zu werden“, sagt der gebürtige Aachener, der 2019 EM-Gold in der U-23-Kategorie gewinnen konnte. Sein Vorlauf steht am 13. August um 12.30 Uhr an, das Finale wird am 16. August um 21.50 Uhr ausgetragen.

Auch Gesa Krause hätte sich problemlos für andere Distanzen entscheiden können. Zusätzlich zu den 9:07,50 Minuten, die sie Anfang Juli beim Diamond-League-Meeting in Eugene (USA) zum Saisoneinstand lief und damit die zweitbeste Zeit ihrer Karriere auf ihrer Paradestrecke erzielte, schaffte sie in dieser Saison auch schon persönliche Bestleistungen über 1.500 Meter und auf der Halbmarathon-Distanz. Den Ausflug auf die Straße hatte sie im vergangenen Jahr beim Marathon in Valencia (Spanien) begonnen, aber nach Kilometer 34 abbrechen müssen. „Ich war damals sehr enttäuscht, denn ich hatte die Illusion, den Spagat zwischen Marathon und Mittelstrecke schaffen zu können“, sagt sie rückblickend. Sie habe unbedingt herausfinden wollen, ob ihre sportliche Zukunft auf der Straße liegen könne. „Nun würde ich niemals sagen, dass ich keinen Marathon mehr laufen werde, denn mit dem DNF in der Liste kann ich nicht abtreten. Aber mein Herz gehört der Mittelstrecke und besonders dem Hindernislauf.“

Ich will Rennen bestreiten, ich will Bestleistungen laufen. Wille versetzt Berge, und deshalb freue ich mich sehr darauf, in den kommenden Jahren herauszufinden, wohin es noch gehen kann. Gesa Krause Deutsche Rekordhalterin über 3.000 Meter Hindernis Team Deutschland und Silvesterlauf Trier

Ich will Rennen bestreiten, ich will Bestleistungen laufen. Wille versetzt Berge, und deshalb freue ich mich sehr darauf, in den kommenden Jahren herauszufinden, wohin es noch gehen kann.

Die Erfahrung habe sie zu einer noch stärkeren Athletin werden lassen. „Früher dachte man ja, mit 30 wäre man zu alt für die Bahn und müsse zum Marathon wechseln. Jetzt werden jenseits der 30 weiterhin Topzeiten gelaufen. Die Technologie und die optimierte Ernährung und Regeneration spielen eine riesige Rolle, und deshalb wird mich mein Weg auch künftig über die 3.000 Meter Hindernis führen“, sagt sie. Nach 2016 und 2018 ein drittes Mal den EM-Titel zu holen, klinge zwar traumhaft. „Aber ich weiß, dass es ein sehr hartes Stück Arbeit wird“, sagt sie. Da ist schließlich nicht nur die nationale Konkurrenz. Auch die französische Europarekordlerin Alice Finot (35) und Lokalmatadorin Elise Thorner (25) gelte es zu schlagen. „Ich rechne damit, dass diese EM schneller sein wird als alle, die ich bislang absolviert habe. Aber mein Ziel ist es ja, meine persönliche Bestleistung zu knacken und an die neun Minuten heranzulaufen, insofern ist mir das sehr recht“, sagt sie.

Wie sie all die Belastungen meistere, weiß Gesa Krause manchmal selbst nicht so genau. Nicht nur, dass die Sportsoldatin im Frühling zu einem sechswöchigen Bundeswehrlehrgang nach Warendorf einrücken musste, der ihren Saisonstart verzögerte, hat sie weggesteckt. „Die Förderung durch die Bundeswehr ermöglicht schließlich, dass ich das alles machen kann, deshalb ist das zu akzeptieren.“ Auch die Doppelrolle als Mutter einer dreijährigen Tochter meistert die gebürtige Mittelhessin mit Bravour – und dank der Unterstützung ihres funktionierenden Familiensystems. „Meine Stärke ist, dass ich im Hier und Jetzt lebe und versuche, nur das zu kontrollieren, was in meiner Macht liegt“, sagt sie. Das Muttersein habe dabei durchaus geholfen. „Früher war ich ein ziemlicher Kontrollfreak und konnte wirklich nicht gut abschalten. Mit Lola ist es manchmal zwar Funktionieren im Chaos, aber ich genieße die Familienzeit als Ausgleich total!“

Ihr aktuelles Leben begreift Gesa als „schöne Challenge, die mir mehr Kraft gibt, als sie mir raubt.“ Sie habe verstanden, dass sie niemandem mehr etwas beweisen müsse, sondern es wolle. „Ich will Rennen bestreiten, ich will Bestleistungen laufen. Wille versetzt Berge, und deshalb freue ich mich sehr darauf, in den kommenden Jahren herauszufinden, wohin es noch gehen kann“, sagt sie. Zwar sei ihr wichtig, sich selbst nicht zu viel Druck zu machen. Wenn in Birmingham am 13. August um 21.30 Uhr das Finale über die 3.000 Meter Hindernis ansteht, will sie aber nicht nur dabei sein, sondern zeigen, dass sich Grenzen wieder und wieder verschieben lassen. Und dass der Hype um ihre Disziplin in Deutschland real ist.

Alle Informationen zur EM gibt es auf leichtathletik.de oder unter https: