Choko und Aphe schaffen Großformat-Graffiti an der Seseke in Kamen; Renaturierung sichtbar, dauerhaftes Wahrzeichen der Seseke im Stadtbild.
100 Jahre Lippeverband: Kunst bringt „neues Leben“ an die Seseke - eglv
100 Jahre Lippeverband: Kunst bringt „neues Leben“ an die Seseke
Großformatiges Graffiti setzt Artenvielfalt in Szene
Kamen. Wer derzeit am Sesekepark in Kamen auf Höhe der Maibrücke vorbeikommt, kann einem außergewöhnlichen Kunstprojekt beim Wachsen zusehen. Meter für Meter verwandelt sich eine bislang unscheinbare Betonwand in ein farbenfrohes Kunstwerk, das die Artenvielfalt an der Seseke eindrucksvoll in Szene setzt. Das großformatige Graffiti mit dem Titel „Neues Leben an der Seseke“ ist Teil der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum des Lippeverbandes und verbindet Natur, Stadtentwicklung und Urban Art auf besondere Weise.
Das Motiv zeigt eindrucksvoll, wie sich die Seseke in den vergangenen Jahren zu einem wertvollen Lebensraum entwickelt hat. Zu entdecken sind zahlreiche heimische Tier und Pflanzenarten, darunter Eisvogel, Stockenten, Döbel und der Dreistachlige Stichling ebenso wie Sumpfdotterblumen, Blutweiderich und Igelkolben. Das Kunstwerk macht damit sichtbar, was die Renaturierung der Seseke möglich gemacht hat und erzählt gleichzeitig die Geschichte eines Gewässers, das heute wieder ein artenreicher Lebensraum und Naherholungsgebiet zugleich ist.
Den künstlerischen Entwurf entwickelte der 36-jährige Wittener Künstler „Choko“, der sich im Rahmen eines Wettbewerbs gegen zwei weitere eingereichte Konzepte durchsetzen konnte. Ausschlaggebend war die enge Verbindung seines Motivs zur Seseke und ihrer erfolgreichen Renaturierung. Unterstützung erhält er vor Ort von seinem Künstlerkollegen Oliver „Aphe“ Hollatz.
Die beiden Künstler gehören dem Dortmunder Verein Die Urbanisten e. V. an. Das Künstlerkollektiv entwickelt seit vielen Jahren Projekte an der Schnittstelle von Kunst, Stadtentwicklung und gesellschaftlicher Beteiligung. Gemeinsam mit Kommunen, Institutionen und Bürgerinnen und Bürgern gestalten die Urbanisten öffentliche Räume neu, schaffen Orte der Begegnung und machen Stadtentwicklung durch kreative Prozesse unmittelbar erlebbar. Urban Art bildet dabei ebenso einen Schwerpunkt wie partizipative Projekte, die Menschen aktiv in die Gestaltung ihres Lebensumfeldes einbeziehen.
Der Impuls für die Gestaltung der Wand ging von der Stadt Kamen aus. Das Projekt befindet sich im Programmgebiet der Städtebauförderung und wird über die Kooperationsvereinbarung „Gemeinsam für Emscher und Lippe“ finanziert. Gleichzeitig setzt das Kunstwerk bereits einen sichtbaren Akzent für das Stadtleuchten, das vom 2. bis 4. Oktober anlässlich des Jubiläums des Lippeverbandes erneut den Sesekepark in eine besondere Atmosphäre tauchen wird. Die neu gestaltete Wand wird dann nicht nur ein markanter Blickfang sein, sondern dauerhaft von der Erfolgsgeschichte der Seseke erzählen. Sie macht sichtbar, wie sich Natur, Kunst und Stadtentwicklung gegenseitig bereichern können und wie aus einer ehemaligen Funktionsfläche ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität und neuer Identität entsteht.
Dass die künstlerische Gestaltung ausgerechnet an der Seseke entsteht, ist kein Zufall. Kaum ein Gewässer ist so eng mit der Geschichte des Lippeverbandes verbunden. Bereits die 1913 gegründete Sesekegenossenschaft ging später im 1926 gegründeten Lippeverband auf. Mit dem sogenannten Seseke Programm wurde die ehemals als Abwasserlauf genutzte Seseke über Jahrzehnte hinweg in eine naturnahe Flusslandschaft umgestaltet. Dieses Renaturierungsprojekt gilt bis heute als Meilenstein und diente später sogar als Vorbild für den Umbau der Emscher.
Der Lippeverband feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung am 19. Januar 1926 übernimmt er zentrale Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge. Neben der Abwasserreinigung und dem Hochwasserschutz stehen heute vor allem Klimafolgenanpassung, Gewässerrenaturierung und die nachhaltige Entwicklung von Lebensräumen im Mittelpunkt seiner Arbeit. Unter dem Jubiläumsmotto „Blaugrünes Leben – Ein Jahrhundert im Fluss“ lädt der Verband das gesamte Jahr über zu Veranstaltungen, Ausstellungen und Projekten in der Region ein.
100 Jahre Lippeverband Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde seinerzeit Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum unterhalb Lippborg bis zum Rhein bei Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger auf jubilaeum.eglv.de .