FVA-Waldbiotopkartierungsteam erfasst neue Frauenschuh-Vorkommen in Baden-Württemberg; Sensation: neue Vorkommen bestätigt

PRESSEMITTEILUNG

Gefährdet, geschützt und – gefunden! Neue Vorkommen der seltenen Orchidee Frauenschuh erfasst 04. August 2026

Er wächst in lichten Wäldern mit kalkhaltigen Böden, blüht auffällig hellgelb oder dunkel- rot, er bildet die größten Blüten unserer hei- mischen Orchideenarten und kommt in Ba- den-Württemberg vor allem in Nadelholzwäl- dern vor – der Frauenschuh! Allerdings sehr, sehr selten. Einem Team der FVA ist es nun gelungen, neue Vorkommen der seltenen Orchidee zu ermitteln. Ein Team der Waldbiotopkartierung (WBK) der Forst- lichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Würt- temberg (FVA) war zur Blütezeit des Frauenschuhs (Cypripedium calceolus) im Süden Baden-Württem- bergs unterwegs und konnte mehrere neue soge- nannte Waldbiotope mit Frauenschuh-Vorkommen er- fassen. Eine Sensation, denn die Art ist sehr, sehr sel- ten! Frauenschuh auf der Roten Liste „Der Frauenschuh ist zurecht auf der Roten Liste und gilt als stark gefährdet“, erklärt Miriam Risle-Jung von der FVA. Zusammen mit ihrem Team aus dem Ar- beitsbereich Waldbiotope ist sie vom Land beauftragt, das Vorkommen dieser Orchideenart aufzunehmen und Maßnahmen für ihren Schutz vorzuschlagen. „So- wohl durch die Bundesartenschutzverordnung als auch durch die EU (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) unterliegt die Art einem strengen Schutz“, erklärt Risle-Jung weiter. Aber warum ist der Frauenschuh so selten und was gerät ihm zur Gefahr? „Neben den klimatischen Fak- toren wie die zunehmend trockenen und heißen Som- mer, sind tatsächlich auch das Ausgraben oder Pflü- cken der Orchideen durch ‚Pflanzenliebhaber‘ in der Bevölkerung verantwortlich für den Rückgang seiner Populationen“, beschreibt die Projektmitarbeiterin. Alles muss passen – Standort, Bestäubung und stabile Umgebung „Diese Orchideenart ist sehr anspruchsvoll“, weiß die Expertin zu berichten. „Sie blüht erst nach sechs bis zehn Jahren, benötigt für ihre Bestäubung Sandbie- nen und reagiert sehr empfindlich auf Veränderung in ihrer Umgebung, wie zum Beispiel andere Pflanzen und zunehmende Beschattung.“ Daher ist es auch nicht so einfach, die Vorkommen der Pflanzen zu unterstützen. Oder doch? Maßnahmen für den Schutz des Frauenschuhs Nadelholzbaumarten wie Kiefer und Fichte sollten auf Standorten mit Frauenschuh gefördert werden, da die Pflanze auf diese Arten angewiesen ist. Der Frau- enschuh wächst am liebsten im Halbschatten. Wald- bestände sollten daher nicht zu stark aufgelichtet werden, aber auch nicht komplett zuwachsen. Dichter Unterwuchs sollte zum Beispiel durch Mähen besei- tigt werden. Um Sandbienen-Populationen in der Nähe zu halten, müssen besonnte Bodenstellen of- fengehalten werden. Bei der Holzernte dürfen die

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) ist als Forschungseinrichtung der Landesforstverwaltung (LFV) dem Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirt- schaft und Heimat Baden-Württemberg (MLR) zugeord- net. Sie forscht über den Wald und die Waldnutzung in Baden-Württemberg und übernimmt eine Vielzahl von Aufgaben: Neben Forschung und Monitoring ist der Wis- senstransfer ein Kern ihrer Arbeit. Die FVA hat ihren Hauptsitz in Freiburg und wird von Prof. Dr. Ulrich Schraml geleitet. Sie wollen über unsere Waldforschung auf dem Laufenden bleiben!? Abonnieren Sie unseren Newsletter! Kontakt Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg Pressestelle / Katja Wetz Wonnhaldestraße 4 · 79100 Freiburg Tel. (07 61) 40 18 – 371 Presse.FVA-BW@forst.bwl.de · www.fva-bw.de Pflanzen beim Befahren oder durch zurückbleibendes Astmaterial nicht beschädigt werden. Großes Netzwerk ermöglicht die Fortschritte Wertvolle Unterstützung erfährt das Team der FVA vom Arbeitskreis Heimische Orchideen Baden-Würt- temberg. Ohne die Zusammenarbeit mit den unteren Forstbehörden, ForstBW und vielen privaten Natur- schutzinitiativen, die bei der Umsetzung der Pflege- maßnahmen in den Beständen des Frauenschuhs wir- ken, wäre das Projekt nicht denkbar. Teamwork macht es möglich: So kann uns der Frauenschuh in Baden-Württemberg erhalten bleiben.

Bildauswahl: • Bild_1: Blühende Frauenschuh-Sprosse in ei- nem lichten Kiefernwald im Landkreis Tutt- lingen, FVA BW/Schoor • Bild_2: Blühende Frauenschuh-Sprosse in ei- nem Fichtenbestand (Landkreis Tuttlingen), FVA BW/Schoor

Weitere Informationen → Zur Waldbiotopkartierung → FVA-Abteilung Waldnaturschutz → Artensteckbrief Frauenschuh