Ein Team der Waldbiotopkartierung der FVA Baden-Württemberg erfasst neue Vorkommen des Frauenschuhs im Süden Baden-Württembergs; Stark gefährdet; Schutzmaßnahmen geplant

Gefährdet, geschützt und – gefunden! Neue Vorkommen der seltenen Orchidee Frauenschuh erfasst

Gefährdet, geschützt und – gefunden! Neue Vorkommen der seltenen Orchidee Frauenschuh erfasst

Er wächst in lichten Wäldern mit kalkhaltigen Böden, blüht auffällig hellgelb oder dunkelrot, er bildet die größten Blüten unserer heimischen Orchideenarten und kommt in Baden-Württemberg vor allem in Nadelholzwäldern vor – der Frauenschuh! Allerdings sehr, sehr selten. Einem Team der FVA ist es nun gelungen, neue Vorkommen der seltenen Orchidee zu ermitteln.

Ein Team der Waldbiotopkartierung (WBK) der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) war zur Blütezeit des Frauenschuhs ( Cypripedium calceolus ) im Süden Baden-Württembergs unterwegs und konnte mehrere neue sogenannte Waldbiotope mit Frauenschuh-Vorkommen erfassen. Eine Sensation, denn die Art ist sehr, sehr selten!

Frauenschuh auf der Roten Liste

“Der Frauenschuh ist zurecht auf der Roten Liste und gilt als stark gefährdet”, erklärt Miriam Risle-Jung von der FVA. Zusammen mit ihrem Team aus dem Arbeitsbereich Waldbiotope ist sie vom Land beauftragt, das Vorkommen dieser Orchideenart aufzunehmen und Maßnahmen für ihren Schutz vorzuschlagen. “Sowohl durch die Bundesartenschutzverordnung als auch durch die EU (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) unterliegt die Art einem strengen Schutz”, erklärt Risle-Jung weiter.

Aber warum ist der Frauenschuh so selten und was gerät ihm zur Gefahr? “Neben den klimatischen Faktoren wie die zunehmend trockenen und heißen Sommer, sind tatsächlich auch das Ausgraben oder Pflücken der Orchideen durch ‘Pflanzenliebhaber’ in der Bevölkerung verantwortlich für den Rückgang seiner Populationen”, beschreibt die Projektmitarbeiterin.

Alles muss passen – Standort, Bestäubung und stabile Umgebung

“Diese Orchideenart ist sehr anspruchsvoll”, weiß die Expertin zu berichten. “Sie blüht erst nach sechs bis zehn Jahren, benötigt für ihre Bestäubung Sandbienen und reagiert sehr empfindlich auf Veränderung in ihrer Umgebung, wie zum Beispiel andere Pflanzen und zunehmende Beschattung.” Daher ist es auch nicht so einfach, die Vorkommen der Pflanzen zu unterstützen. Oder doch?

Maßnahmen für den Schutz des Frauenschuhs

Nadelholzbaumarten wie Kiefer und Fichte sollten auf Standorten mit Frauenschuh gefördert werden, da die Pflanze auf diese Arten angewiesen ist. Der Frauenschuh wächst am liebsten im Halbschatten. Waldbestände sollten daher nicht zu stark aufgelichtet werden, aber auch nicht komplett zuwachsen. Dichter Unterwuchs sollte zum Beispiel durch Mähen beseitigt werden. Um Sandbienen-Populationen in der Nähe zu halten, müssen besonnte Bodenstellen offengehalten werden. Bei der Holzernte dürfen die Pflanzen beim Befahren oder durch zurückbleibendes Astmaterial nicht beschädigt werden.

Großes Netzwerk ermöglicht die Fortschritte

Wertvolle Unterstützung erfährt das Team der FVA vom Arbeitskreis Heimische Orchideen Baden-Württemberg. Ohne die Zusammenarbeit mit den unteren Forstbehörden, ForstBW und vielen privaten Naturschutzinitiativen, die bei der Umsetzung der Pflegemaßnahmen in den Beständen des Frauenschuhs wirken, wäre das Projekt nicht denkbar. Teamwork macht es möglich: So kann uns der Frauenschuh in Baden-Württemberg erhalten bleiben.