Antonia Gerke betreibt Ponyschule Gut Hobrechtsfelde; 100 Kinder pro Woche

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Pferdemensch Antonia Gerke bringt Kindern in ihrer Ponyschule mehr als Reiten bei

Antonia Gerke war auf der Suche nach einem neuen Projekt. In Hobrechtsfelde schuf die Reiterin eine Ponyschule mit Haltung, Verantwortung und Erlebnisraum für Pferdemenschen von morgen.

Pferdekultur Gut Hobrechtsfelde: Lernen fürs Leben

Wenn am Nachmittag die ersten Kinder auf den Hof der Ponyschule kommen, ist eine besondere Stimmung spürbar: Vorfreude, Aufregung, ein bisschen Mutprobe, ein bisschen Ankommen. Zwischen Ponys, Weiden und der Weite des Naturparks Barnim entsteht etwas, das weit über Reitunterricht hinausgeht. Hier wachsen Kinder in Aufgaben hinein, lernen Rückschläge auszuhalten, Vertrauen aufzubauen und Verantwortung zu übernehmen.

„Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit der passenden Energie – und Tatendrang.“

Antonia Gerke hat die Ponyschule mit dem Betrieb Pferdekultur Gut Hobrechtsfelde 2015 eigenständig aufgebaut. Was heute für viele Kinder, Familien und junge Pferdemenschen in Berlin und Brandenburg ein fester Anlaufpunkt ist, begann eher unerwartet. Durch ein Kunstprojekt im Naturparks Barnim mit den dort wildlebenden Koniks lernte die Malerin und Schauspielerin (u.a. „Der Staatsanwalt“, „Ein starkes Team“) Gut Hobrechtsfelde kennen. Am Anfang standen keine Businesspläne für eine Ponyschule, sondern die eigenen Kinder. „Sie waren damals sieben und neun Jahre alt und wollten nach der Schule vor allem eines: wieder zu den Ponys nach Hobrechtsfelde“, erzählt Pferdemensch Antonia. Die Euphorie in der eigenen Familie zog schnell Kreise. Erst kamen Kinder von Freunden mit zu den Koniks, dann weitere Familien aus Berlin. „Auf der Suche nach einem neuen Projekt fand ich hier Platz für meine Ideen. Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit der passenden Energie – und Tatendrang.“

So begann sie Schritt für Schritt einen außergewöhnlichen Betrieb zu gründen und sich erst einmal selbst zu professionalisieren. „Ich dachte damals: Das, was wirtschaftlich am meisten Sinn macht, ist, den Kindern Reiten beizubringen – und dazu möchte ich bestmöglich ausgebildet sein“. Kurzerhand schrieb sie sich an der Akademie für Tiernaturheilkunde ein und studierte Tierpsychologie und Verhaltenstherapie für Pferde. Dazu erwarb sie die Trainerlizenz C und legte den Trainerschein B ab. Die Shetlandponys, Welsh-B-Ponys und Koniks hat sie selbst ausgebildet, zusammen mit ihren Töchtern, die mittlerweile 20 und 22 Jahre alt sind. „Und zack hatten wir plötzlich hundert Kinder die Woche in der Ponyschule.“

Kinder lernen nicht nur Reiten – sondern Eigenverantwortung

Antonias Credo: „Es geht nicht nur ums Reiten, sondern darum, Kinder und Pferde zusammenzubringen und Wissen weiterzugeben, damit die Pferdewelt von Morgen gute, verantwortungsvolle Menschen bekommt.“ Gerade heute, sagt sie, sei das wichtiger denn je. Viele Kinder, die jetzt in die Ponyschule kommen, sind in einer Zeit groß geworden, in der Bildschirmwelten, Unsicherheit und Bewegungsmangel ihren Alltag stark geprägt haben. „Es gibt einen augenscheinlichen Unterschied zwischen vor und nach der Corona-Pandemie. Bei den Ponys treffen die Kinder auf etwas sehr Reales: auf ein Tier, auf Regeln, auf eigene Verantwortung.“

„Kinder müssen mit Frust umgehen.“

Was früher nebenbei gelernt wurde, braucht heute oft mehr Zeit: Kopf-Körper-Koordination, Bewegungsgefühl, Frustrationstoleranz, Konzentration. Wie halte ich den Oberkörper ruhig? Und was mache ich, wenn etwas nicht sofort klappt? „Manche Dinge, die einem selbstverständlich vorkommen, sind es nicht mehr“, stellt die Mutter fest. Antonia sieht Nachholbedarf und einen klaren Auftrag: „Kinder müssen den Umgang mit Frust erlernen – das bringt die Arbeit mit den Ponys und dem Regelwerk Pferd einfach mit sich“, weiß sie als Pferdemensch.

Die Ponys sind in der Pferdekultur Gut Hobrechtsfelde die Therapeuten

In der Ponyschule in Hobrechtsfelde lernen ihre Schützlinge deshalb, an etwas dranzubleiben. Sie machen die Erfahrung, dass Entwicklung Zeit braucht und dass Stolz nicht aus Perfektion entsteht – sondern aus dem Moment, in dem man sich etwas getraut hat, das gestern noch zu groß schien. „Ein Erfolgserlebnis ist für mich, wenn ein Kind einmal über seinen Schatten gesprungen ist.“ Antonia ist von der klassischen Reitlehre überzeugt. Gleichzeitig ist ihr Ansatz offen, lebensnah und pferdegerecht. „Ich bin beim Reitunterricht nur Moderatorin für Schüler und Pony. Das Tier bringt das Kind in die Konzentration. Die Ponys sind die Therapeuten.“

„Die Arbeit mit Ponys und Kindern ist heute gesellschaftsrelevant.“

Viele Kinder brauchen auch einfach nur Raum. „Von 100 Schülerinnen und Schülern hat etwa jedes fünfte Kind eine Diagnose.“ Dazu kommen Kinder, die auffällig sind, erschöpft, unruhig oder einfach stark gefordert vom Alltag. Antonia weiß: „Nicht jedes Kind braucht dann sofort ein Programm. Manchmal reicht es schon, beim Pony zu stehen, es zu putzen, zu führen, zu beobachten. Die Arbeit mit Ponys und Kindern ist heute gesellschaftsrelevant“, sagt sie aus Überzeugung.

Was können Kinder in der Ponyschule lernen?

Artgerechter Umgang mit dem Pferd

Pferdesprache und Pflege der Ponys und Pferde

Reiten und Vorbereitung auf das FN Reitabzeichen

Wie wildlebende Koniks die Landschaft pflegen

Der große Andrang auf freie Plätze in der Ponyschule gibt ihr Recht. Um auch die kleineren „Pony-wilden“ aufzufangen, arbeitet sie seit zwei Jahren mit dem gemeinnützigen Reit- und Fahrverein Ponykultur Hobrechtsfelde zusammen. Dort lernen Kinder von vier bis sechs Jahren die Grundlagen: Was ist ein Halfter? Wie begegne ich einem Tier?

Pferdekultur Gut Hobrechtsfelde: ein Betrieb mit Strahlkraft

Ihre Ponyschule ist längst mehr als ein kleiner Reitbetrieb. Mit inzwischen 18 Ponys und Pferden, ehrenamtlich Engagierten, Reitbeteiligungen und FÖJlern ist ein Netzwerk entstanden. Gerade im Raum Brandenburg, wo Pferdehaltung, Zucht, Ausbildung und Naturräume zusammengehören, hat diese Basisarbeit eine besondere Bedeutung. „Die Basis bringt den Kindern das Reiten bei, lehrt Eigenverantwortung und sportliche Leistung.“ Antonia denkt dabei nicht nur an Kinder, sondern an die gesamte Kette: an junge Menschen, die später vielleicht Pferdepfleger werden, Koppeln managen, Zäune reparieren, Tiere versorgen oder Verantwortung in Betrieben übernehmen.

Naturpark, Koniks und gelebte Bildung

Als Botschafterin des Naturparks Barnim führt Antonia Interessierte außerdem in eine andere, oft weniger bekannte Pferdewelt: zu den Koniks, jener robusten Kleinpferderasse, die im Naturraum eine wichtige Rolle spielt. Auf Führungen erklärte sie Lebensweise, Verhalten und Funktion dieser Tiere als Landschaftspfleger – anschaulich, nah und mit echter Begeisterung. Seit letztem Jahr gibt es auf Youtube einen Dokumentarfilm über ihre Führungen zu den Koniks einer Wildweide des Naturparks. Er heißt Natürlich Pferde – Pferde als Landschaftspfleger. Regie führte ihre Freundin und Regisseurin Connie Walther.

In Kooperation mit Partnern vor Ort entstehen Angebote, die Kindern und Erwachsenen Pferde und ökologische Zusammenhänge näherbringen. Dass dies möglich wurde, verdankt sie auch früher Förderung – etwa durch Heinz Bley dem Chef der Agrar GmbH Hobrechtsfelde, die ihr zu Beginn Weideflächen ohne Grundkosten zur Verfügung stellten. Ohne solche Unterstützung an entscheidenden Stellen, das macht Antonias Geschichte deutlich, können viele gute Ideen gar nicht erst wachsen.

„Unsere Gesellschaft braucht Pferde und die Zeit in der Natur. Und dafür arbeite ich 100 Stunden die Woche.“

Wer hört, mit wie viel Kraft, Fachwissen und Herzblut Pferdemensch Antonia ihren Betrieb trägt, versteht auch ihren Wunsch nach mehr Unterstützung. Es geht ihr um Förderung an der Basis: bei der Finanzierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um bessere Bedingungen für Bildungsangebote, um Zugänge für Kinder aus allen Haushalten, um mehr Aufmerksamkeit für das, was Reitbetriebe wie ihrer täglich leisten. Für Kinder, die lernen, an sich zu glauben. Für Ponys, die sinnvoll, artgerecht und mit Respekt in Bildung eingebunden werden. Für Familien, die einen Gegenpol zum durchgetakteten Alltag suchen. „Unsere Gesellschaft braucht Pferde und die Zeit in der Natur. Und dafür arbeite ich 100 Stunden die Woche. Es ist manchmal hart, aber ich mache auf jeden Fall weiter!“

Auch Erwachsene finden bei Angeboten der Pferdekultur Gut Hobrechtsfelde Raum, um …

sich beim Pferdegestützen Coaching mithilfe der Tiere selbst zu entdecken

Schwierigkeiten mit dem eigenen Pferd bei einer Verhaltenstherapie zu ergründen

beim Waldbaden mit Pferd Stress und Alltagssorgen zu reduzieren

bei der Reittherapie eine ganzheitliche Förderung mit, am und auf dem Pferd zu erfahren (Angebot richtet sich an Menschen mit psychischer Beeinträchtigung)

die Vorteile der Wildbeweidung kennenzulernen bei einer Führung zu den Koniks

Interesse an weiteren Angeboten für Gesundheit für den Menschen und Gesundheit für das Pferd ? Gleich weiterlesen!