Jan Egger leitet Bildungsgarten der PH Bern; Kooperation mit Stadtgrün Bern fördert Biodiversität.

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Schweizer Garten N ° 8 / 2026 Schweizer Garten N ° 8 / 2026 76 | Porträt Porträt | 77 BILDUNGSGARTEN DER PÄDAGOGISCHEN HOCHSCHULE Ein bisschen Punk muss sein TEXT Stefanie Stäuble FOTOS Bettina Häfliger Im Bildungsgarten der PH Bern kann man von und in der Natur lernen – ein handfestes Angebot in Zeiten von digitalem Lernen und KI.Ausserdem ist dieser biodiverse Schaugarten jederzeit einen Besuch wert.

Schweizer Garten N ° 8 / 2026 Schweizer Garten N ° 8 / 2026 78 | Porträt Schaugarten als Inspirationsquelle Im Zentrum steht der Gemüsegarten mit Rahmenbeeten, doch mit der Zeit setzte Jan sich vertieft mit Stauden, Kräutern, Duftpflanzen und der Biodiversität aus- einander. Der Aufwand ist wesentlich ge- ringer als beim Gemüse und es sind Inhal- te, die sich hervorragend mit zahlreichen Unterrichtsthemen verbinden lassen. «Der Bildungsgarten soll auch eine Art Schau- garten sein und den Lehrpersonen als In- spirationsquelle dienen», erklärt Jan. «Hier gibt es viele verschiedene Elemente wie unterschiedliche Hügelbeete, diverse In- sektennisthilfen, ein Teekräuterbeet, eine Käferburg – Selbstgemachtes, Aufwendiges und Einfaches ebenso wie komplette Fer- tiglösungen.» Hilfreich waren und sind bis heute die Mitarbeitenden von Stadtgrün Bern. «Sie stehen uns unkompliziert zur Seite, ob wir nun Totholz benötigen, Stei- ne oder Wildbienensand.» Was? Ein Punk-Garten? Kürzlich war Jan im Centre Pompidou in Paris und sah dort das Büchlein «Petit traité du jardin punk – apprendre à désap- prendre» (Kleine Abhandlung über den E iner der Kurse für Lehrpersonen im Institut für Weiterbildung und Dienst- leistung der PH Bern heisst «Dufte Schule». Das passt zum Projektleiter des Gartens. Jan Egger versucht hier, das Schulgärtnern an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen. Für die PH Bern ist der Bildungs- garten ein Ort, wo handlungs- und erfah- rungsorientiertes Lernen mit fachlichen und überfachlichen Themen zusammen- fällt und eine nachhaltige Entwicklung in den Unterricht integriert wird. Die Idee dazu entstand gemeinsam mit dem Instituts- leiter Jürg Arpagaus. Den Garten zu über- nehmen, musste man dem passionierten Gärtner nicht zweimal sagen. «Ich habe vieles gemacht im Leben», erzählt der 55-jährige zweifache Vater. «Aber das Gärtnern, das ist immer geblieben.» Fantastisches Teamwork Jan hatte also eine grüne Wiese mit Neophy- ten und Blacken vor sich, auf der der zu- künftige Bildungsgarten entstehen sollte. Als Soziologe weiss er um die Wichtigkeit von Kooperationen und suchte deshalb Pro- jektpartnerinnen. Die Ökonomische Ge- meinnützige Gesellschaft Bern (OGG Bern) unterstützt das Projekt mit ihrem Netz- werk, mit Kollaborationen und auch finan- ziell. «Bern ist Bio» hat die Löhne von Studierenden und Dozierenden der Hoch- schule für Agrar-, Forst- und Lebensmit- telwissenschaften (HAFL) übernommen. «Ich durfte quasi wählen, welche Kompe- tenzen ich benötige: Bodenspezialistinnen, Permakultur-Fachexpertinnen, ein Bewäs­ serungsfachmann … das war schon toll und die Zusammenarbeit hat immer grossen Spass gemacht.» Auch Kurse wurden im Teamteaching mit externen Fachleuten durchgeführt. Mit seinem Fachwissen ent- wickelte sich auch Jans heutiges grosses Netzwerk in der Gartenszene. «Der Bildungs- garten ist auch für mich ein Bildungspro- jekt – ich habe viel gelernt im anregenden Austausch mit all diesen Menschen aus den unterschiedlichsten Fachgebieten.» Jan Egger ist Projektleiter des Bildungsgartens. Der Garten ist biodivers gestaltet. Punk-Garten – lernen, zu verlernen) von Eric Lenoir. Im Klappentext heisst es: «Der Punk-Garten lädt dazu ein, das Po- tenzial jedes Ortes zu erkennen, um ihn zu nutzen, zu verbessern, die Artenvielfalt zurückzugewinnen und der Natur einen bedeutenderen Stellenwert zu verschaf- fen – weg von einem lächerlichen oder gar nicht vorhandenen Status. Befreit von den Regeln der traditionellen Gartenarbeit sind die geschaffenen Räume, ob öffentlich oder privat, ungezwungen, freier, schöner, wilder – und die Gärtner ebenfalls. Ent- decken Sie auf den Seiten dieses kleinen Buches Tipps und Tricks – die man natür- lich missachten sollte – mit denen Sie Ihren Garten ‹punkisieren› können.» Jan erin- nert sich gut an den Moment im Museums­ shop. «Ich musste schmunzeln, denn ich fühlte mich total angesprochen. Es ist eigentlich so, wie ich schon immer gegärt- nert habe.» So verwertet er alle Materialien, die im Garten vorkommen sind – das kann auch mal ein Steinhaufen aus Betonschrott sein. «Wichtig ist, dass man etwas macht mit dem, was in der Nähe vorhanden ist. Das soll einfach, günstig, schnell und nicht zu aufwendig sein, Ò Die Lösungen sind einfach, doch ästhetisch ansprechend.

Schweizer Garten N ° 8 / 2026 Schweizer Garten N ° 8 / 2026 Porträt | 81 80 | Porträt Ò also keine Grossprojekte, die einem dann über den Kopf wachsen. Das Ganze soll auch noch ästhetisch sein: Das Ziel ist, dass das Resultat besser aussieht als vorher.» Dilemma im Gemüsebeet Auf dem Gartenrundgang merkt man rasch: Hier ist jemand mit Herz und Fachwissen am Werk. Auch die Kreativität steht im Fokus. Eine Studentin hat wunderschöne, fantasievolle Pflanzenschilder erstellt. Im Beet mit den Teekräutern wurden kleine Teekännchen auf Pflanzenstecken ange- bracht. Es gibt ein Duftpflanzenbeet und ein Giftpflanzenbeet. À propos Gift: Kom- men in diesem Garten chemische Dünge- mittel oder Insektizide zum Einsatz? «Ein paar Schneckenkörner ab und zu», ge- steht Jan. «Es ist ein moralisches Dilem- ma – ein super Lernanlass, um ihn mit Schülerinnen und Schülern zu diskutieren: Darf man Schnecken töten?» Bildung über Bilder In der Schweiz ist das Gärtnern nicht fester Bestandteil des Lehrplans und wird meist von einzelnen engagierten Lehrpersonen praktiziert. Dabei bietet sich das Schul- gärtnern für viele Herausforderungen der heutigen Schule an. «Wenn man will, fin- det man zahlreiche Möglichkeiten, das Gärt- Das Kies- und Sandbeet wurde erst kürzlich angelegt. Lust auf dreckige Hände und Blüten- pracht? Der Bildungsgarten der PH Bern ist Lern-, Erfahrungs- und Ex- perimentierort. Er verknüpft hand- lungsorientiertes Lernen mit Bildung für nachhaltige Entwicklung. Studie- rende, Lehrpersonen und Mitarbei- tende der Pädagogischen Hochschule sammeln dort praktische Erfahrungen: Über 20 Kurse wurden am Institut für Weiterbildung und Dienstleis- tung bereits zu Gartenpraxis, Gar- tenpädagogik im Unterricht sowie Themen wie Pilzgarten, Duftgarten, Bodenkunde oder Land Art durch- geführt, neben zahlreichen Beratungen. «Kraut & Kino» im Bildungsgarten: Do, 20. August, ab 19.45 Uhr, Weltistrasse 40, 3006 Bern. www.phbern.ch/bildungsgarten VON UND IN DER NATUR LERNEN … sondern machen den Charme … … sind nicht nur informativ … … des Bildungsgartens aus. Die kreativen Pflanzenschilder von Elif Yilmaz … nern in seinen Unterricht zu inte­g­rieren», ist der erfahrene Pädagoge überzeugt. «Beim Säen muss man rechnen und im Kunstunterricht kann man botanische Pflanzenzeichnungen oder Land-Art-Pro- jekte machen.» Er sieht den Garten als multifunktionellen Raum, ähnlich wie eine Turnhalle. Dieser ermöglicht neben dem Gärtnern verschiedenste weitere For- men des Erlebens: Korben, Färben, alte Kulturtechniken. Jan ist überzeugt, dass das Lernen über das Handeln und Erfahren in der heutigen Schule zu kurz kommt. «Wir lernen zu oft bildlich-symbolisch, am Smartboard oder mit Arbeitsblättern, und betrachten abstrakte Bilder einer Schne- cke, anstatt sie draussen zu entdecken.» Wir stehen vor einem verwilderten Platz, an dem in Kürze ein neuer Staudengarten mit Färberpflanzen entsteht. «Ich liebe Kurse, bei denen ich selber etwas lerne. Kürzlich habe ich einen Duftpflanzenkurs gegeben.» Ganz «Dufte Schule» eben. Doch am liebsten mag Jan die Kindergärte- ler, die im Bildungsgarten ein Beet bewirt- schaften. Sie toben herum, betrachten eine Blüte oder riechen daran. «Und während wir Erwachsenen noch unsere Lesebrillen hervorkramen, hat die ganze Kindergar- tenklasse, ausnahmslos alle, schon eine Marienkäferlarve gefunden.» •