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title: "Jan Egger leitet Bildungsgarten der PH Bern; Kooperation mit Stadtgrün Bern fördert Biodiversität."
sdDatePublished: "2026-08-04T15:31:00Z"
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Jan Egger leitet Bildungsgarten der PH Bern; Kooperation mit Stadtgrün Bern fördert Biodiversität.

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Schweizer Garten N ° 8 / 2026
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BILDUNGSGARTEN DER PÄDAGOGISCHEN HOCHSCHULE
Ein bisschen Punk
muss sein
TEXT Stefanie Stäuble FOTOS Bettina Häfliger
Im Bildungsgarten der PH Bern kann man von
und in der Natur lernen – ein handfestes Angebot in Zeiten
von digitalem Lernen und KI.Ausserdem ist
dieser biodiverse Schaugarten jederzeit einen Besuch wert.

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Schaugarten als Inspirationsquelle
Im Zentrum steht der Gemüsegarten mit
Rahmenbeeten, doch mit der Zeit setzte
Jan sich vertieft mit Stauden, Kräutern,
Duftpflanzen und der Biodiversität aus-
einander. Der Aufwand ist wesentlich ge-
ringer als beim Gemüse und es sind Inhal-
te, die sich hervorragend mit zahlreichen
Unterrichtsthemen verbinden lassen. «Der
Bildungsgarten soll auch eine Art Schau-
garten sein und den Lehrpersonen als In-
spirationsquelle dienen», erklärt Jan. «Hier
gibt es viele verschiedene Elemente wie
unterschiedliche Hügelbeete, diverse In-
sektennisthilfen, ein Teekräuterbeet, eine
Käferburg – Selbstgemachtes, Aufwendiges
und Einfaches ebenso wie komplette Fer-
tiglösungen.» Hilfreich waren und sind bis
heute die Mitarbeitenden von Stadtgrün
Bern. «Sie stehen uns unkompliziert zur
Seite, ob wir nun Totholz benötigen, Stei-
ne oder Wildbienensand.»
Was? Ein Punk-Garten?
Kürzlich war Jan im Centre Pompidou in
Paris und sah dort das Büchlein «Petit
traité du jardin punk – apprendre à désap-
prendre» (Kleine Abhandlung über den
E
iner der Kurse für Lehrpersonen im
Institut für Weiterbildung und Dienst-
leistung der PH Bern heisst «Dufte Schule».
Das passt zum Projektleiter des Gartens. Jan
Egger versucht hier, das Schulgärtnern an
den Mann beziehungsweise an die Frau zu
bringen. Für die PH Bern ist der Bildungs-
garten ein Ort, wo handlungs- und erfah-
rungsorientiertes Lernen mit fachlichen
und überfachlichen Themen zusammen-
fällt und eine nachhaltige Entwicklung in
den Unterricht integriert wird. Die Idee
dazu entstand gemeinsam mit dem Instituts-
leiter Jürg Arpagaus. Den Garten zu über-
nehmen, musste man dem passionierten
Gärtner nicht zweimal sagen. «Ich habe
vieles gemacht im Leben», erzählt der
55-jährige zweifache Vater. «Aber das
Gärtnern, das ist immer geblieben.»
Fantastisches Teamwork
Jan hatte also eine grüne Wiese mit Neophy-
ten und Blacken vor sich, auf der der zu-
künftige Bildungsgarten entstehen sollte.
Als Soziologe weiss er um die Wichtigkeit
von Kooperationen und suchte deshalb Pro-
jektpartnerinnen. Die Ökonomische Ge-
meinnützige Gesellschaft Bern (OGG Bern)
unterstützt das Projekt mit ihrem Netz-
werk, mit Kollaborationen und auch finan-
ziell. «Bern ist Bio» hat die Löhne von
Studierenden und Dozierenden der Hoch-
schule für Agrar-, Forst- und Lebensmit-
telwissenschaften (HAFL) übernommen.
«Ich durfte quasi wählen, welche Kompe-
tenzen ich benötige: Bodenspezialistinnen,
Permakultur-Fachexpertinnen, ein Bewäs­
serungsfachmann … das war schon toll und
die Zusammenarbeit hat immer grossen
Spass gemacht.» Auch Kurse wurden im
Teamteaching mit externen Fachleuten
durchgeführt. Mit seinem Fachwissen ent-
wickelte sich auch Jans heutiges grosses
Netzwerk in der Gartenszene. «Der Bildungs-
garten ist auch für mich ein Bildungspro-
jekt – ich habe viel gelernt im anregenden
Austausch mit all diesen Menschen aus
den unterschiedlichsten Fachgebieten.»
Jan Egger ist Projektleiter des Bildungsgartens.
Der Garten ist biodivers gestaltet.
Punk-Garten – lernen, zu verlernen) von
Eric Lenoir. Im Klappentext heisst es:
«Der Punk-Garten lädt dazu ein, das Po-
tenzial jedes Ortes zu erkennen, um ihn zu
nutzen, zu verbessern, die Artenvielfalt
zurückzugewinnen und der Natur einen
bedeutenderen Stellenwert zu verschaf-
fen – weg von einem lächerlichen oder gar
nicht vorhandenen Status. Befreit von
den Regeln der traditionellen Gartenarbeit
sind die geschaffenen Räume, ob öffentlich
oder privat, ungezwungen, freier, schöner,
wilder – und die Gärtner ebenfalls. Ent-
decken Sie auf den Seiten dieses kleinen
Buches Tipps und Tricks – die man natür-
lich missachten sollte – mit denen Sie Ihren
Garten ‹punkisieren› können.» Jan erin-
nert sich gut an den Moment im Museums­
shop. «Ich musste schmunzeln, denn ich
fühlte mich total angesprochen. Es ist
eigentlich so, wie ich schon immer gegärt-
nert habe.» So verwertet er alle Materialien,
die im Garten vorkommen sind – das kann
auch mal ein Steinhaufen aus Betonschrott
sein. «Wichtig ist, dass man etwas macht
mit dem, was in der Nähe vorhanden ist.
Das soll einfach, günstig, schnell und nicht
zu aufwendig sein,
Ò
Die Lösungen sind einfach,
doch ästhetisch ansprechend.

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Ò also keine Grossprojekte, die einem
dann über den Kopf wachsen. Das Ganze soll
auch noch ästhetisch sein: Das Ziel ist,
dass das Resultat besser aussieht als vorher.»
Dilemma im Gemüsebeet
Auf dem Gartenrundgang merkt man rasch:
Hier ist jemand mit Herz und Fachwissen
am Werk. Auch die Kreativität steht im
Fokus. Eine Studentin hat wunderschöne,
fantasievolle Pflanzenschilder erstellt. Im
Beet mit den Teekräutern wurden kleine
Teekännchen auf Pflanzenstecken ange-
bracht. Es gibt ein Duftpflanzenbeet und
ein Giftpflanzenbeet. À propos Gift: Kom-
men in diesem Garten chemische Dünge-
mittel oder Insektizide zum Einsatz? «Ein
paar Schneckenkörner ab und zu», ge-
steht Jan. «Es ist ein moralisches Dilem-
ma – ein super Lernanlass, um ihn mit
Schülerinnen und Schülern zu diskutieren:
Darf man Schnecken töten?»
Bildung über Bilder
In der Schweiz ist das Gärtnern nicht fester
Bestandteil des Lehrplans und wird meist
von einzelnen engagierten Lehrpersonen
praktiziert. Dabei bietet sich das Schul-
gärtnern für viele Herausforderungen der
heutigen Schule an. «Wenn man will, fin-
det man zahlreiche Möglichkeiten, das Gärt-
Das Kies- und Sandbeet wurde
erst kürzlich angelegt.
Lust auf dreckige Hände und Blüten-
pracht? Der Bildungsgarten der PH
Bern ist Lern-, Erfahrungs- und Ex-
perimentierort. Er verknüpft hand-
lungsorientiertes Lernen mit Bildung
für nachhaltige Entwicklung. Studie-
rende, Lehrpersonen und Mitarbei-
tende der Pädagogischen Hochschule
sammeln dort praktische Erfahrungen:
Über 20 Kurse wurden am Institut
für Weiterbildung und Dienstleis-
tung bereits zu Gartenpraxis, Gar-
tenpädagogik im Unterricht sowie
Themen wie Pilzgarten, Duftgarten,
Bodenkunde oder Land Art durch-
geführt, neben zahlreichen Beratungen.
«Kraut & Kino» im Bildungsgarten:
Do, 20. August, ab 19.45 Uhr,
Weltistrasse 40, 3006 Bern.
www.phbern.ch/bildungsgarten
VON UND IN DER
NATUR LERNEN
... sondern machen den Charme ...
... sind nicht nur informativ ...
... des Bildungsgartens aus.
Die kreativen Pflanzenschilder von Elif Yilmaz ...
nern in seinen Unterricht zu inte­g­rieren»,
ist der erfahrene Pädagoge überzeugt.
«Beim Säen muss man rechnen und im
Kunstunterricht kann man botanische
Pflanzenzeichnungen oder Land-Art-Pro-
jekte machen.» Er sieht den Garten als
multifunktionellen Raum, ähnlich wie
eine Turnhalle. Dieser ermöglicht neben
dem Gärtnern verschiedenste weitere For-
men des Erlebens: Korben, Färben, alte
Kulturtechniken. Jan ist überzeugt, dass
das Lernen über das Handeln und Erfahren
in der heutigen Schule zu kurz kommt.
«Wir lernen zu oft bildlich-symbolisch, am
Smartboard oder mit Arbeitsblättern, und
betrachten abstrakte Bilder einer Schne-
cke, anstatt sie draussen zu entdecken.»
Wir stehen vor einem verwilderten Platz,
an dem in Kürze ein neuer Staudengarten
mit Färberpflanzen entsteht. «Ich liebe
Kurse, bei denen ich selber etwas lerne.
Kürzlich habe ich einen Duftpflanzenkurs
gegeben.» Ganz «Dufte Schule» eben.
Doch am liebsten mag Jan die Kindergärte-
ler, die im Bildungsgarten ein Beet bewirt-
schaften. Sie toben herum, betrachten eine
Blüte oder riechen daran. «Und während
wir Erwachsenen noch unsere Lesebrillen
hervorkramen, hat die ganze Kindergar-
tenklasse, ausnahmslos alle, schon eine
Marienkäferlarve gefunden.» •