Susanne Blum-Lord CNO See-Spital; 300+ Mitarbeitende betreuen
Portrait Susanne Blum-Lord
Wir stellen vor: Susanne Blum-Lord, CNO
Sie stammt aus Samstagern und hatte vor 30 Jahren die ersten Berührungspunkte mit dem damaligen Spital Zimmerberg. Heute ist Susanne Blum-Lord Chief Nursing Officer am See-Spital, zu ihrem einjährigen Jubiläum in ihrer neuen Rolle haben wir sie zum Interview getroffen.
«2004 bin ich als frisch diplomierte Expertin Anästhesiepflege ans damalige Spital Zimmerberg nach Horgen gekommen.»
Sie sind seit einem Jahr CNO am See-Spital. Ist die Region neu für Sie oder gab es schon vorher Berührungspunkte?
Ich bin in Samstagern aufgewachsen, ich kenne die Region gut. Auch das See-Spital kenne ich schon seit fast 30 Jahren, damals hiess es halt noch nicht so. Als 14-jährige bin ich für ein Schnupperpraktikum ins damalige Sanitas, als frisch diplomierte Pflegefachfrau habe ich 1998 im Spital Wädenswil angefangen – die Grundversorgung war damals noch auf die Spitäler Horgen und Wädenswil aufgeteilt. 2002 habe ich meine Zusatzausbildung zur Anästhesiepflege angefangen und bin 2004 als frisch diplomierte Expertin Anästhesiepflege ans See-Spital – das seinerzeit Spital Zimmerberg hiess – nach Horgen gekommen.
Welche beruflichen Erfahrungen haben Ihre Laufbahn besonders geprägt?
Prägend war sicher meine Zeit als Rettungssanitäterin. Da weisst du nie, was dich erwartet und musst dich spontan auf die Situation am Einsatzort einlassen. Ich erinnere mich an einen Einsatz für eine angeblich bewusstlose Person, vor Ort trafen wir auf einen splitternackten Mann, der mit zwei Messern fuchtelte. Natürlich wäre mir der Bewusstlose in diesem Moment lieber gewesen. Aber die Fähigkeit, mit dem, was du vor dir hast, umgehen zu müssen, habe ich in solchen Situationen gelernt. Diese spontane Bereitschaft zur Improvisation hat mir immer wieder gute Dienste geleistet. Das habe ich vor allem beim Ausbruch der COVID-Pandemie gemerkt.
«Die spontante Fähigkeit zur Improvisation hab mir immer wieder gute Dienste geleistet.»
Wie haben Sie die COVID-Pandemie erlebt?
Das war eine hochspannende Zeit. Ich hatte kurz vor Ausbruch meine Stelle am Unispital angetreten und dachte, ich könnte mich jetzt in aller Ruhe um anstehende Umbauprojekte kümmern – doch dann wurde die Welt komplett auf den Kopf gestellt. Vor allem während der zweiten Welle war jeder Tag geprägt von Extremsituationen. Alle waren am Anschlag, doch die interprofessionelle Zusammenarbeit war nie besser – immer wieder hatten wir es geschafft, das Unmögliche möglich zu machen. Das klingt jetzt ein bisschen traurig, aber einen solchen Zusammenhalt hatte ich danach nicht wieder erlebt.
Würden Sie rückblickend gewisse Karriereentscheidungen anders fällen?
Nein. Durch das praktische Arbeiten an der Front konnte ich meinen Rucksack mit vielen Erfahrungen vollpacken, die mir als Führungsperson weiterhelfen. Ich bin jetzt fünfzig, wenn ich zurückblicke, kann ich sagen: Toll, was ich alles geschafft habe.
Wir würden Sie Ihre Rolle als CNO charakterisieren?
Ich bin verantwortlich für den Bereich Pflege, der am See-Spital über 300 Mitarbeitende umfasst. Bei dieser Menge muss ich schauen, dass ich nicht zu sehr ins Detail gehe, sondern mich ein bisschen zurücknehme und das Gesamtbild im Blick behalte. Neben dem Entwickeln von Strategien und dem Implementieren neuer Prozesse besteht meine Hauptaufgabe darin, Pain Points zu erkennen und zu justieren.
«Ein wichtiger Fokus liegt für mich auf der Wertschätzung der Mitarbeitenden.»
Wo drückt der Schuh am meisten?
Ein wichtiger Fokus liegt für mich auf der Wertschätzung der Mitarbeitenden – vor allem, was die Festangestellten betrifft. Aus der Not heraus hat man in jüngerer Zeit zuerst die Poolmitarbeitenden geplant, danach die Temporären, die Festangestellten waren die Luckenbüser. Doch die Festangestellten sind in meinen Augen die wichtigsten. Ich möchte, dass sie bei der Arbeitseinteilung mindestens über das gleiche Mass an Selbstbestimmtheit verfügen, wie Temporäre. So werten wir die Festanstellung auf und graben der Schein-Attraktivität der Temporär-Vermittler das Wasser ab. Temporär zu arbeiten, rechnet sich sowieso nicht. Ferien sind nicht bezahlt, Krankheitsabsenzen sind nicht vergütet. Die einzigen, die profitieren, sind die Vermittlungsbüros. Der Hauptgrund für temporäres Arbeiten, besteht darin, dass man sich die Arbeitszeiten selbst einteilen kann. Diese Freiheit möchte ich auch unseren Festangestellten ermöglichen.
Was ist Ihnen in der Kommunikation mit Ihren Mitarbeitenden wichtig?
Gute Kommunikation ist transparent. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss ich zwischen direkten und indirekten Kommunikationswegen unterscheiden. Die Abteilungen der Spezialbereiche führe ich direkt, auf den Bettenabteilungen sind die Bereichsverantwortlichen meine Sprachrohre. Diese Leitungsverantwortlichen muss ich so einbeziehen, dass sie meine Entscheidungen nachvollziehen und in die Teams weitertragen können, denn dort werden strategische Veränderungen umgesetzt. Transparent zu sein, ist dabei der Schlüssel zum Erfolg – damit die Abteilungsverantwortlichen meine Entscheidungen weitergeben können, müssen sie sie auch verstehen.
«Führungspersonen sollen an Konflikten lernen und wachsen – nicht zuletzt, weil sie genau dadurch als Autorität wahrgenommen werden.»
Wie gehen Sie damit um, wenn Mitarbeitende in einen Konflikt geraten?
Für die Konfliktbewältigung zwischen Teammitgliedern ist die Abteilungsleitung verantwortlich. Ich stehe gerne beratend zur Verfügung, falls jemand bei der Konfliktlösung Unterstützung benötigt. Ansonsten bin ich zurückhaltend, denn wenn ich mich schon von Anfang an einbrächte, würde ich die Autorität der Abteilungsleitungen untergraben und sie würden von ihren Mitarbeitenden nicht mehr ernst genommen. Führungspersonen sollen an Konflikten lernen und wachsen – nicht zuletzt, weil sie genau dadurch als Führungspersonen wahrgenommen werden.
Sie sind auch Mitglied der Geschäftsleitung und als solches für die strategische Ausrichtung des See-Spitals mitverantwortlich. Wie gehen Sie damit um, wenn Ihre Ideen auf Widerstand stossen? Wie weit würden Sie für Ihre Visionen gehen?
Ein Spitalbetrieb besteht aus unzähligen Abhängigkeiten und Schnittstellen. In so einem System kann ich nicht einfach über andere verfügen und sagen: Dieser Prozess wird jetzt angepasst. Der Übergang vom Alten in etwas Neues ist immer mehrstufig und komplex. Wen muss ich einbeziehen? Wer hat welche Rolle? Wer setzt was um? Wenn man sich dieser Komplexität bewusst ist, realisiert man schnell, dass Veränderung nur in kollektiver Abstimmung gelingen kann. Von daher ist es gar nicht möglich, dass man starr an den eigenen Vorstellungen festhält. Man muss andere miteinbeziehen, um zusammen an ein gemeinsames Ziel zu gelangen. Es geht gar nicht anders.
«Mit meinem VW-Bus fahre ich am Vorabend ans Ziel und übernachte darin, damit ich am nächsten Tag den Aufstieg früh in Angriff nehmen kann. «
Was sollten die Pflegefachkräfte am See-Spital von Ihnen wissen? Welche Werte sind Ihnen wichtig?
Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Pflegenden während der Arbeit ihr Bestes geben wollen. Niemand steht morgens auf und beschliesst: Heute will ich meinen Kolleginnen und den Patientinnen das Leben möglichst schwer machen. Vor diesem Hintergrund erachte ich es als meine Aufgabe, Arbeitsbedingungen zu schaffen, in denen Irritationen und Friktionen unwahrscheinlicher sind. Erschöpfung und Frustration kommt ja meistens gar nicht von der Arbeitslast selbst, sondern von Nebenschauplätzen, die aufreibend und zermürbend sind. Solche Widerstände möchte ich aus dem Weg räumen, damit die Pflegenden das, was sie am besten können auch ungehindert leisten können.
Ihr beruflicher Alltag findet grösstenteils im Büro und in Sitzungsräumen statt. An welchen Orten halten Sie sich am liebsten privat auf?
Privat bin ich ein Outdoor-Typ, Kletter- und Skitouren sind absolut mein Ding. Ich habe einen VW-Bus, damit fahre ich am Vorabend ans Ziel und übernachte darin, damit ich am nächsten Tag den Aufstieg früh in Angriff nehmen kann. Das mache ich viel lieber, als Wellness im Hotel. In einen kühlen Bergsee zu hüpfen entspricht mir mehr, als im Spa zu relaxen. Zuhause kümmere ich mich gerne um unseren Garten. Dort wuchert’s im Moment ziemlich, höchste Zeit, Hacke und Rasenmäher aus dem Keller zu holen.
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