Ich absolviere Praktikum an einer Schule in Tallinn, Estland; Öffentlicher Nahverkehr gratis nach Anmeldung.

Tallinn, Estland (national/ russischsprachig) | Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung

Lesen Sie hier Erfahrungsberichte aus Tallinn, Estland

Auf die Schule wurde ich bereits vor einigen Jahren durch einen Dokumentarfilm aufmerksam, ohne dem damals eine besondere Bedeutung beizumessen. Als schließlich die Suche nach einer Praktikumsschule anstand, wandte ich mich gezielt an diese Schule.

Im März 2025 reiste ich zunächst zu touristischen Zwecken nach Tallinn und nutzte die Gelegenheit, um vor Ort die Bestätigung für das Praktikum zu unterschreiben. Im September 2025 fuhr ich dann eigens noch einmal nach Tallinn, um alle organisatorischen Fragen zu klären: die Schule selbst, die Modalitäten des Unterrichts und die Besonderheiten des Unterrichtens sowie die Wohnungsfrage und die Legalisierung meines Aufenthalts (den isikukood - persönlichen Identifizierungscode -, den ein deutscher Staatsangehöriger als EU-Bürger für einen längeren Aufenthalt in Estland benötigt).

Im November 2025 besuchte ich die Konsularabteilung der estnischen Botschaft in Berlin, um den isikukood zu beantragen. Dort wurde mir zugesagt, dass mir zusätzlich eine Plastikkarte ( isikutunnistus ) zugeschickt werde. Damit gab es jedoch Probleme: Nach etwa zwei Monaten war die Karte trotz benannten Fristen noch immer nicht da, sodass ich bei Politsei- ja piirivalveamet (Polizei- und Grenzüberwachungsamt) in Tallinn anrufen musste. Dort teilte man mir mit, dass dies vor Ort und erst nach der Anreise erledigt werde. Ansonsten verlief alles reibungslos: Es genügte, mich offiziell anzumelden und drei Wochen zu warten, bis die Karte fertig war. Das einzige daraus entstandene Problem betraf den Nahverkehr: Für den ersten Monat musste ich 30 Euro zusätzlich zahlen, um zur Schule zu fahren (13 Minuten ohne Umstieg pro Strecke), denn diese Karte und die Anmeldung in Tallinn berechtigen zur kostenlosen Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Nach drei Wochen war auch dieser Punkt erledigt. Eine Reisekrankenversicherung hatte ich bereits zuvor; ich musste sie lediglich darüber informieren, dass ich mich im Ausland aufhalte. Zusätzliche Kosten entstanden dadurch nicht. Alle in Deutschland gültigen Versicherungen gelten, je nach Situation ganz oder teilweise, auch in Estland. nicht. Alle in Deutschland gültigen Versicherungen gelten, je nach Situation ganz oder teilweise, auch in Estland.

Vor der Abreise verschickte ich zwei große Pakete mit persönlichen Dingen und buchte einen Flug von Berlin nach Tallinn. Nach der Ankunft zog ich direkt in die Wohnung, die ich bereits vor dem Umzug gefunden hatte. Den Flug buchte ich etwa einen Monat im Voraus über die Website von Ryanair; gerade für meine Reisedaten gab es günstige Tickets, sogar inklusive Gepäck. Auf der Packliste sollten warme Kleidung und Thermounterwäsche nicht fehlen, außerdem reichlich Shampoo, Deodorant und Ähnliches, solche Artikel sind hier teurer als in Deutschland, da es kein Äquivalent zu einer Drogeriekette wie dm gibt. Zu empfehlen sind ferner Bücher, Bettwäsche (in der Wohnung war keine vorhanden) sowie Sportkleidung.

Ich reiste drei Tage vor Praktikumsbeginn an, um noch möglichst viele Vorlesungen zu besuchen, da das Wintersemester 2025

26 noch nicht abgeschlossen war. Da mir das Land so weit wie möglich vertraut ist, gab es keinerlei Probleme. Ein ganzes Wochenende blieb mir, um mich einzuleben. Über die Wohnung und die Beantragung des isikukood hinaus war nichts Weiteres zu bedenken. Eine lokale SIM-Karte ist hier nicht nötig, da Estland zur EU gehört, und nennenswerte bürokratische oder soziale Anpassungsprobleme gab es weitgehend nicht.

Ich wohnte in einer kleinen, gemütlichen Wohnung fast im Stadtzentrum, in einem Altbauviertel: im Stadtteil Kristiine, unweit eines großen Einkaufszentrums und einer Halte stelle mit vielen Verbindungen. Zur Schule sind es 13 Minuten mit dem Bus. Gesucht habe ich über lokale Immobilienportale. Im September 2025 ging ich zusätzlich persönlich in die Büros aller Wohnungsgenossenschaften und hinterließ dort meine Anfragen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis war hervorragend, und ich hatte Glück, dass die Vermieterin einem Aufenthalt von weniger als einem Jahr zustimmte. Nahezu alle anderen verlangten eine Mietdauer von einem Jahr oder länger. Wer kein Estnisch oder Russisch spricht und weder Zeit noch Lust hat, lange auf verschiedenen Websites zu recherchieren, dem ist Larsen House zu empfehlen. Das ist teurer als eine gewöhnliche Wohnung, doch man erhält eine moderne kleine Wohnung oder ein WG-Zimmer, einen vollwertigen Mietvertrag und hat es mit einer offiziellen Firma zu tun.

Für Lebensmittel gab ich etwa 250 Euro im Monat aus, der öDentliche Nahverkehr war kostenlos. Die Miete betrug 500 Euro monatlich, die Ausgaben für Freizeit variierten je nach Gelegenheit. In den Ferien fuhr ich stets nach Deutschland, wofür ich im Schnitt 50 Euro pro Strecke bezahlte.

Ich bezog Auslands-BAföG, Erasmus+ sowie Kindergeld; von der Schule gab es keine Zahlungen. Ein wichtiger Tipp: Legen Sie sich vorab Geld zurecht. Höchstwahrscheinlich werden die Zahlungen nicht sofort anlaufen, und um nicht ganz ohne Geld dazustehen, sollten vor der Abreise Sie eine Überbrückungsquelle haben (Geld von den Eltern, Kredit oder Ersparnisse). Als „Nebenverdienst“ gab ich Nachhilfe in Deutsch, allerdings eher im Sinne eines Tandems auf Tauschbasis: Ich unterrichtete Deutsch und erhielt im Gegenzug Estnischunterricht.

Ein lokales Konto zu eröffnen ist nicht zwingend erforderlich, kann aber nicht schaden. Mit Karte kann man praktisch überall bezahlen, darin ähnelt Estland Skandinavien. An Geldautomaten lässt sich häu5g Deutsch als Sprache auswählen, was den Umgang mit Geld erleichtern kann.

Meine offizielle Ansprechperson war der Schulleiter, den meisten Kontakt hatte ich jedoch zu den Fachlehrkräften, mit denen ich zusammenarbeitete. Besondere Bedingungen oder Veranstaltungen für Praktikant:innen gab es nicht; es glich eher einer normalen Arbeitsstelle. Informationen erhielt ich von den Kolleg:innen. Ein typischer Tag umfasste im Schnitt fünf Unterrichtsstunden und begann gegen 8:00 bis 8:30 Uhr, wobei ich stets deutlich früher da war. Zwischen den Stunden bereitete ich weitere Stunden vor, erledigte Aufgaben für die Universität oder ruhte mich im Lehrerzimmer aus, wenn Zeit blieb.

Insgesamt werden an der Schule rund 800 Schüler:innen unterrichtet, die Klassen sind im Durchschnitt 27 Personen stark. Daneben gibt es kleine Klassen mit höchstens acht Kindern, diese sind für Kinder mit Entwicklungsbesonderheiten gedacht, dort unterrichtete ich nicht. Die Schule ist russischsprachig: untereinander sprachen alle Russisch, lediglich einige Lehrkräfte unterhielten sich auf Estnisch. Die Atmosphäre war angenehm, und zu allen bestand ein guter Kontakt. Es gab weitere Praktikant:innen von örtlichen Universitäten, die allerdings höchstens zwei Wochen blieben; auch zu ihnen hatte ich einen guten Draht.

Technisch ist die Schule mit Projektoren und interaktiven Tafeln ausgestattet. WLAN steht nur den Lehrkräften zur Verfügung, ich hatte also Zugang. Außerdem gibt es einen Raum mit Laptops. Eigene Technik musste ich nicht mitbringen, das Vorhandene reichte mir aus.

Einbringen konnte ich mich in allen Bereichen mit Ausnahme der Arbeitsgemeinschaften: Über 150 Unterrichtsstunden hielt ich selbst. Angebote der Schule, die ich privat hätte nutzen können, gab es hingegen nicht.

Einmal im Monat gibt es eine Aktion, bei der der Eintritt in Museen frei ist – allerdings nur in bestimmte; entsprechende Listen fanden sich im Internet. Lohnenswert sind außerdem die Strände, besonders Kloogaranna: sauber und nur rund 30 Kilometer von Tallinn entfernt. Die Altstadt, Pirita, die Inseln, Tartu sowie AusTüge nach Helsinki oder Riga sollte man unternehmen, solange man in Estland ist. Nach St. Petersburg fährt man derzeit besser nicht, da die Lage in Russland äußerst instabil ist, obwohl die Stadt nur 350 Kilometer entfernt ist. Man kann Russland jedoch „von außen“ betrachten, indem man in die Stadt Narva reist (drei Fahrstunden von Tallinn entfernt). Dort gibt es eine Promenade, von der aus man die russische Stadt Ivangorod sehen kann. Kulinarisch kann ich vastlakukkel empfehlen, das es allerdings nur im Frühjahr gibt. Dar über hinaus sind kohuke (ein mit Schokolade überzogener Quarkriegel, in jedem Supermarkt erhältlich) und dunkles Roggenbrot ( leib ) typische regionale Spezialitäten, die einen Versuch wert sind.

Ein praktischer Tipp: Laden Sie sich die Apps der Supermärkte herunter (Rimi, Maxima, Coop usw.). So sparen Sie beim Einkauf erheblich. Das Internet ist hier zudem günstig und schnell. Und lernen Sie ein wenig Estnisch, die Einheimischen freuen sich darüber. Der öffentliche Nahverkehr ist für alle, die in Tallinn gemeldet sind, kostenlos. Das Netz besteht aus Bussen, O-Bussen und Straßenbahnen und ist sinnvoll organisiert: Jeden Punkt erreicht man mit höchstens einem Umstieg, und die Verkehrsmittel verkehren regelmäßig und pünktlich. Taxis sind im Vergleich zu Deutschland günstig, für eine 20-minütige Fahrt zahlte ich sieben Euro.

Rückblickend würde ich wohl alles genauso wieder machen. Das Praktikum hat mich nur noch mehr darin bestärkt, dass der Lehrerberuf trotz aller Schwierigkeiten das Richtige für mich ist. Es war meine erste vollwertige Tätigkeit an einer regulären Schule.

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