Antonio Gabrielli betreibt Rifugio Torre di Pisa am Latemar, Val di Fiemme; rund 150 Mahlzeiten pro Tag

Auf der Sonnenseite der Dolomiten: Bergsteigen in der Latemargruppe

Glücksmomente über dem Val di Fiemme

Die imposanten Zacken der Latemargruppe sind beliebtes Fotomotiv und schönes Terrain zum Bergsteigen – entsprechende alpine Erfahrung vorausgesetzt.

Der Kontrast zwischen den schroffen Felsgipfeln auf der einen und den weiten, fast schon lieblichen Almen am Fuß der Kalkriffe auf der anderen Seite ist immer wieder aufs Neue faszinierend. Kein Wunder, dass die Dolomiten im Juli 2009 von der UNESCO in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen wurden – und seitdem jedes Jahr noch mehr touristische Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und dennoch ist es gar nicht so schwer, auch im beliebten Val di Fiemme, wo in der größten Gemeinde Predazzo rund 4500 Menschen leben, dem Trubel zu entkommen. Selbst im mächtigen Bergstock des Latemar, wo mit dem Rifugio Torre di Pisa (Latemarhütte, 2671 m) ein beliebtes Ausflugsziel lockt.

Tagsüber kehren hier viele Menschen ein, doch am Nachmittag wird ein Schalter umgelegt. Sobald sich die Tagesgäste an den Abstieg machen, um noch rechtzeitig die letzte Talfahrt der Bergbahnen zu erwischen, endet das lebhafte Treiben auf der sonnigen Terrasse. Während Hüttenwirt Antonio Gabrielli die letzten Gläser aufräumt, weicht das laute Durcheinander langsam der Stille. Ein paar Alpendohlen suchen unter den Tischen nach Essensresten und zeigen ihre Flugkünste, während das Licht immer weicher wird, die Dolomitenkulisse immer fotogener – und man am liebsten die Zeit anhalten möchte. Das Rifugio thront aussichtsreich auf einem Felskamm am Südrand der Latemargruppe. Auf der einen Seite blickt man über das Val di Fiemme auf die einsame Bergkette des Lagorai, ebenfalls ein Paradies zum Bergwandern, auf der anderen Seite begeistert über dem einsamen und tief eingeschnittenen Valsorda eine ausgedehnte Karsthochfläche, die von wilden Felstürmen überragt wird. Eine Landschaft, die auch geologisch interessant ist. Denn inmitten der kargen Gerollwüste lassen sich dunkle Adern von Porphyr und damit Spuren eines Vulkanausbruchs erkennen.

Im Grunde ähnelt das Rifugio Torre di Pisa einem gut besuchten Gasthaus. An Spitzentagen werden in der Küche rund 150 Essen zubereitet, wobei der Ablauf gut zu planen ist. „Die Leute brauchen von der Bahn rund eineinhalb Stunden“, weiß Antonio, „wir schauen dann mit dem Fernglas, um abzuschätzen, wie viele Leute kommen.“ Für das gute Trentiner Essen ist Antonios Frau Teresa verantwortlich. „Wir machen hier oben fast alles frisch“, erzählt Antonio, „besonders beliebt sind die Gerstensuppe oder unsere Polenta mit geschmolzenem Käse, Pilzen und Wurst.“

Postkartenmotive rund um die Latemarhütte

Für rund achtzig Prozent der Gäste ist die Hütte das Ziel – vom mit Liften erreichbaren Passo Feudo ein gemütlicher, eineinhalbstündiger Anstieg. Einige schaffen noch ein paar Meter, um wenigstens einen Blick auf den fotogenen Felsturm des Torre di Pisa zu werfen und für manche ist die Einkehr ein Zwischenstopp auf dem Weg über die Gamsstallscharte oder weiter zu den Latemarspitzen.

Die beeindruckenden Türme mit ihren fast schon düsteren Felsabbrüchen auf der Nordseite haben schon viele gesehen, denn sie bilden die imposante Kulisse über dem vielfotografierten Karersee – ein klassisches Postkartenmotiv. Von Süden zeigen sich die Türme dagegen weniger strukturiert und abweisend, wenn auch immer noch höchst beeindruckend. Die steilen, von kurzen Felsstufen durchzogenen Schutthänge bilden den fotogenen Kontrast zu der ausgedehnten Latemar-Hochfläche. In der Draufsicht schauen die Flanken enorm steil aus und man kann gar nicht glauben, dass durch dieses Gelände gleich zwei Steige führen. Für Trittsichere problemlos ist der Weg, der die Hänge im unteren Drittel quert, etwas anspruchsvoller ist dagegen die Via ferrata dei Campanili del Latemar weiter oben. Schmale Bänder und Gehgelände wechseln sich ab, dazwischen gibt es aber auch immer wieder kurze, mit einem Drahtseil gesicherte Klettersteigpassagen (bis Schwierigkeitsgrad C). Der Diamantiditurm (auch Westliche Latemarspitze) als höchster Gipfel der Latemargruppe wird vom Klettersteig südseitig gequert, doch der Anstieg über Geröll und leichte Felsen kostet nicht viel Zeit und sollte daher unbedingt mit eingeplant werden.

Genauso wie eine Übernachtung auf der Latemarhütte. Ein Höhepunkt ist der Sonnenuntergang. Wenn abends die Felsen in den schönsten Farben leuchten und sich über den Tälern Nebelfetzen bilden, dann ist der Trubel des Tages ganz schnell vergessen.

Bergerlebnisse im Val di Fiemme

mobil vor Ort: Über Bozen oder Trento zum Bahnhof Auer (Ora) und mit dem Bus ins Val di Fiemme. Vor Ort mehrere Busverbindungen (Trento – Cavalese – Predazzo), trentinotrasporti.it

Karte: Tabacco-Wanderkarte 014 „Val di Fiemme – Lagorai – Latemar“, 1:25.000.

Bei entsprechend guter Kondition und Trittsicherheit bietet sich die Durchquerung der Latemargruppe an. Von der Hütte geht es erst über die Hochfläche, dann die Latemartürme querend in die Große Latemarscharte. Nach einem kurzen Gegenanstieg Abstieg zum Karerpass und mit dem Bus zurück nach Predazzo.

Einmal um die Latemargruppe und dabei das Bergmassiv von allen Seiten bewundern – mit dem Mountainbike ist das kein Problem. Die beliebte Runde ist bei Benutzung der Bergbahnen von Predazzo konditionell gut zu bewältigen.

Die Lagoraigruppe ist eine einsame und äußerst naturbelassene Bergkette. Besonders empfehlenswert ist eine Wanderrunde von der Malga di Valmaggiore zu drei wunderschönen Seen.

Berichte über (Beinahe-)Unfälle im Zusammenhang mit Bremsassistenten haben die DAV-Sicherheitsforschung veranlasst, sich erneut mit diesen relativ neuen Geräten zu befassen.

Eisbaden erfrischt, härtet ab, macht gute Laune – und man lernt Einiges über Körper und Geist. Berge sind der perfekte Ort, denn wenn es unten heiß ist, bleibt es oben oft eisig.

Hand in Hand für die Trails

Hochfrequentierter Naherholungsraum und gleichzeitig Natura-2000-Gebiet. Bea Draese und Uli Mund kümmern sich für den DAV München um das Projekt „Isartrails“ und geben Einblicke.

Viele Kletterfans folgen dem Ruf nach „Draußen“ gar nicht mehr. Der Sport hat sich aus der Natur herausgelöst, Klettern am künstlichen „Fels“ steht heute in erster Linie für sich.

Brüchig und bizarr geformt – so zeigt sich der Latemar, der westlichste Gebirgsstock der Dolomiten, am Rifugio Torre di Pisa.

Auf der Sonnenseite der Dolomiten

Das Rifugio Torre di Pisa ist gut besucht – ruhiger wird es erst nach der letzten Talfahrt der Bergbahn.

Auch an der Gamsstallscharte, auf dem Weg zum Klettersteig, bekommt man einen Eindruck der geologischen Besonderheiten der Gegend.

Beliebtes Kletterziel und Fotomotiv: der Torre di Pisa.

Für den Klettersteig an den Latemartürmen sollte man Erfahrung mitbringen.

Eis- und Kältebaden in den Bergen

Bea Draese und Uli Mund im Interview