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title: "GDV Fahrerassistenzsysteme Auswirkungen auf Schadenverlauf Kraftfahrtversicherung Berlin; Nur 15% der Bestände enthalten FAS-Daten"
sdDatePublished: "2026-08-05T07:07:00Z"
source: "https://www.gdv.de/resource/blob/202158/49c07e895541dfb66fa6e7526cf5f85f/fahrerassistenzsysteme-auswirkungen-auf-den-schadenverlauf-data.pdf"
topics:
  - name: "insurance"
    identifier: "medtop:20000279"
  - name: "transport"
    identifier: "medtop:20000337"
  - name: "technology and engineering"
    identifier: "medtop:20000756"
locations:
  - "Berlin"
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GDV Fahrerassistenzsysteme Auswirkungen auf Schadenverlauf Kraftfahrtversicherung Berlin; Nur 15% der Bestände enthalten FAS-Daten

Studie Vergleich Elektro Verbrenner

K R A F T FA H R T V E R S I C H E R U N G
Fahrerassistenz-
systeme –
Auswirkungen auf den
Schadenverlauf
Unverbindliche Studie
Autoren:
Dr. Jörg Schult
j.schult@gdv.de
Dr. Ronald Schurath
r.schurath@gdv.de
Berlin, im Mai 2025

INHALTSVERZEICHNIS
1.
Vorwort ................................................................................................................................ 1
2.
Einleitung ............................................................................................................................ 1
3.
Datenmaterial ...................................................................................................................... 1
4.
Auswertungsmethodik ......................................................................................................... 2
5.
Ergebnisse .......................................................................................................................... 3
6.
Ergänzende Hinweise ......................................................................................................... 4

Anlage 1:
KH-Versicherung – Verwendete Daten: Bestand
Anlage 2:
KH-Versicherung – Fahrerassistenzsysteme: Bestand und verwendete
Definitionen
Anlage 3:
KH-Versicherung – Kalkulierte Risikounterschiede

Literaturverzeichnis

Kraftfahrtversicherung – Fahrerassistenzsysteme
Seite 1
1.
Vorwort
Fahrerassistenzsysteme (FAS) sind technologische Hilfsmittel, die entwickelt wurden, um die
Sicherheit und den Komfort beim Fahren zu erhöhen. Sie nutzen Sensoren, Kameras und andere
Technologien, um die Umgebung des Fahrzeugs zu überwachen und den Fahrer in
verschiedenen Fahrsituationen zu unterstützen.
Wachsende Ausstattungsgrade mit FAS werden zukünftig zu einer niedrigeren Schaden-
häufigkeit beitragen. Andererseits steigt durch die höheren Reparaturkosten im Schadenfall der
Schadendurchschnitt.
Die möglichen langfristigen Auswirkungen von FAS auf den Schadenaufwand und die Schaden-
anzahl in der Kraftfahrtversicherung hat eine Projektgruppe des GDV zuletzt im Jahr 2021
untersucht ([1]).
Einige Fahrzeughersteller haben dem GDV Daten zum Ausstattungsgrad ihrer Pkw mit FAS zur
Verfügung gestellt. Die von den Mitglieds-VU gemeldeten Daten zur Gesamtstatistik können mit
diesen Informationen angereichert werden, um die Auswirkungen der FAS auf das
Schadengeschehen zumindest tendenziell zu quantifizieren.
Die vorliegenden Berechnungen sind unverbindlich.
2.
Einleitung
Im Jahr 2017 veröffentlichte der GDV erstmals eine Studie zu den erwarteten Auswirkungen des
zunehmend assistierten und automatisierten Fahrens auf die Entschädigungsleistungen der Kfz-
Versicherer bis 2035, die seitens der zuständigen interdisziplinären PG aus Ingenieuren,
Mathematikern und Versicherungsexperten abgeschätzt wurden.
Die zuständigen Gremien baten den Verband, auf die Fahrzeughersteller zuzugehen, um Daten
zur individuellen Ausstattung von Fahrzeugen mit FAS zu erhalten. Die FAS sollten über die
Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) den jeweiligen Fahrzeugen zugeordnet werden. Mit Hilfe
dieser Daten sollte der Verband eine Marktstatistik erstellen, um Auswirkungen von FAS auf den
Schadenbedarf zu untersuchen.
Nach langjährigen Verhandlungen wurden die erforderlichen Daten 2022 und 2023 von einigen
Herstellern zur Verfügung gestellt.
3.
Datenmaterial
Die Auswertungen basieren auf dem Datenmaterial, mit dem die unverbindliche Netto-
Risikokalkulation des GDV berechnet wird (siehe [2] bzw. [3]). Einbezogen werden die Daten für
Pkw Nicht-Flotte für die Statistikjahre 2021 - 2023. Um eine möglichst gute Datenqualität für das
Risikomerkmal Schadenfreiheit zu gewährleisten, werden nur die Daten von Erstfahrzeugen
genutzt. Bei Zweitfahrzeugen ist dieses Merkmal nur bedingt aussagekräftig.
Diese Daten werden über die (pseudonymisierte) FIN mit den von den Herstellern gelieferten
Informationen zur Ausstattung mit FAS angereichert.

Kraftfahrtversicherung – Fahrerassistenzsysteme
Seite 2
Nach Anreicherung liegen für ca. 15 Prozent des Bestandes in der KH-Versicherung Angaben
zur Ausstattung mit FAS vor (Anlage 1). Enthalten sind darin auch die Daten von Pkw, die mit
keinem FAS ausgestattet sind.
Erwartungsgemäß unterscheiden sich die Daten der Hersteller sowohl hinsichtlich der
gemeldeten Assistenzsysteme herstellerübergreifend als auch bei den Ausstattungsvarianten
herstellerintern. Für weitgehend herstellerunabhängige Aussagen zur Wirksamkeit der FAS
müssen diese Varianten soweit wie möglich vereinheitlicht und zusammengefasst werden.
Weiterhin soll sich die Auswertung auf jene Assistenzsysteme konzentrieren, die sowohl eine
hinreichende Verbreitung im aktuellen Fahrzeugbestand als auch eine erkennbare Wirkung auf
die Schadenhäufigkeit haben.
Nach vorab durchgeführten Analysen sind folgende vier FAS Gegenstand der weiterführenden
Betrachtungen (siehe auch Anlage 2):

Notbremsassistent: Front Assist, Automatisches Notbremssystem,

ACC (Adaptive Cruise Control): Automatische Distanzregelung,
Adaptive Geschwindigkeitsregelanlage,

Spurwechselassistent inklusive Spurhalteassistent,

Parklenkassistent mit und ohne Bremseingriff.
Ähnliche Systeme werden aktuell von den meisten Pkw-Herstellern angeboten. Diese können
sich jedoch in ihrer Funktionsweise und Wirksamkeit deutlich unterscheiden. Verallgemei-
nerungen der Ergebnisse auf die FAS aller Hersteller sind daher nur bedingt möglich.
4.
Auswertungsmethodik
Das Risiko in der Kfz-Versicherung hängt von verschiedenen Faktoren ab, die die Wahr-
scheinlichkeit und die Höhe von Schäden beeinflussen können. Bei der unverbindlichen Netto-
Risikokalkulation des GDV wird die Netto-Risikoprämie daher in einem multiplikativen Modell aus
Schadenbedarfsfaktoren berechnet ([2], [3]). Diese Schadenbedarfsfaktoren führen zu Zu- und
Abschlägen auf die durchschnittliche Netto-Risikoprämie – abhängig von der Ausprägung eines
Risikomerkmals (wie z. B. km-Fahrleistung oder Nutzeralter).
Ziel der Untersuchung ist die Quantifizierung des Einflusses der betrachteten FAS auf den
Schadenbedarf. Dafür muss – basierend auf dem GDV-Risikomodell – ein Modellierungsansatz
gefunden werden, der die Auswirkungen der FAS auf den Schadenverlauf von anderen
Einflüssen weitgehend isoliert. Besonders trifft dies auf Risikomerkmale zu, die in ihren
Ausprägungen eine hohe Korrelation zu einer Ausstattung mit FAS haben. Zu nennen wären hier
z. B. das Fahrzeugsegment und das Fahrzeugalter, aber auch sozioökonomische Merkmale.
Fahrzeugspezifische Einflüsse auf das Schadengeschehen werden im GDV-Risikomodell vor
allem über die Typklasse abgebildet. Eine bessere Ausstattung mit FAS führt – eine damit
einhergehende Reduzierung des Schadenbedarfs vorausgesetzt – zu einem niedrigeren
Typklassenindex und damit ggf. zur Einstufung in eine niedrigere Typklasse. Daher wird hier die
Typklasse aus der Betrachtung ausgeschlossen.
Im Gegenzug müssen dafür andere fahrzeugspezifische Merkmale mit erhöhter Korrelation zur
Ausstattung mit FAS in das Risikomodell aufgenommen werden.

Kraftfahrtversicherung – Fahrerassistenzsysteme
Seite 3
Bei der Erstellung der Typenstatistik werden zur Stabilisierung technisch ähnliche Fahrzeugtypen
(HSN/TSN) zu Konstruktionsgruppen zusammengefasst. Die unter Anwendung mathematisch-
statistischer
Verfahren
berechneten
zugehörigen
Schadenbedarfs-Indizes
für
diese
Konstruktionsgruppen führen dann zur entsprechenden Typklassen-Zuordnung ([4]). In die
vorliegende Auswertung werden – anstelle der Typklassen – die Konstruktionsgruppen direkt in
das Risikomodell einbezogen. Damit wird sichergestellt, dass der Risikounterschied zwischen
den unterschiedlichen Ausstattungsgraden mit FAS innerhalb einer Konstruktionsgruppe, d. h. für
technisch vergleichbare Fahrzeugtypen, bestimmt wird. Aus Gründen der statistischen Sicherheit
werden in die Berechnungen nur Konstruktionsgruppen einbezogen, die einen Mindestbestand
von 2.000 Jahreseinheiten haben. Diese Beschränkung wirkt sich nur geringfügig auf das zur
Verfügung stehende Datenmaterial aus.
Auch innerhalb einer Konstruktionsgruppe unterscheiden sich die Fahrzeuge teilweise deutlich
im Fahrzeugalter. Andererseits haben neuere Fahrzeuge eine durchschnittlich bessere Aus-
stattung mit FAS. Deshalb wird zusätzlich das Fahrzeugalter im Risikomodell berücksichtigt.
Zusammenfassend enthält die hier verwendete Modellierung neben einem Merkmal zur
Ausstattung mit FAS alle Risikomerkmale aus der unverbindlichen Netto-Risikokalkulation des
GDV ([2], [3]), mit Ausnahme der Typklasse. Dafür finden zusätzlich die Konstruktionsgruppe und
das Fahrzeugalter Verwendung.
Der Risikounterschied für den Schadenbedarf und die Schadenhäufigkeit zwischen den Pkw mit
unterschiedlichen Ausstattungsvarianten mit FAS wird mit mathematisch-statistischen Verfahren
berechnet (Ausgleichsläufen). Der Risikounterschied für den Schadendurchschnitt ergibt sich als
Quotient aus den entsprechenden Unterschieden für Schadenbedarf und Schadenhäufigkeit.
5.
Ergebnisse
Auf eine Berechnung des Risikounterschiedes – FAS verbaut ja / nein – für jeweils ein einzelnes
FAS wird verzichtet. Die in den Daten feststellbare hohe Korrelation bei der Ausstattung mit den
FAS lässt eine Verzerrung der Ergebnisse befürchten. Daher konzentriert sich die Auswertung
auf die Risikounterschiede für die 24 = 16 möglichen Kombinationen der vier betrachteten FAS
(Anlage 3).
Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die FAS in der KH-Versicherung vor allem über die
reduzierte Schadenhäufigkeit wirken. Eine im Schadenfall dämpfende Wirkung auf den
Schadendurchschnitt – ggf. verursacht durch eine geringere Geschwindigkeit beim Unfall – ist
zwar theoretisch denkbar, jedoch mit dem vorliegenden Datenmaterial nicht nachweisbar.
Ein Vergleich der Werte in Anlage 3 lässt tendenzielle Aussagen bezüglich der einzelnen FAS
zu. So ist die dämpfende Wirkung des Notbremsassistenten auf die Schadenhäufigkeit am
größten. ACC, Spurwechselassistent inklusive Spurhalteassistent sowie Parklenkassistent
reduzieren die Schadenhäufigkeit etwas weniger. Um die Entlastungseffekte der einzelnen FAS
approximativ zu ermitteln, werden die Ergebnisse der Kombinationen von Ausstattungsgraden
mit FAS zugrunde gelegt:

Notbremsass. / ACC / Spurwechsel- inkl. Spurhalteass. / Parklenkass. ,

Notbremsass. / ACC / Spurwechsel- inkl. Spurhalteass. /
,

Notbremsass. / ACC /
 /
,

Notbremsass. /
 /
 /
.

Kraftfahrtversicherung – Fahrerassistenzsysteme
Seite 4
Dies sind die Kombinationen aus Anlage 3 mit den größten Beständen. Nicht einbezogen werden
Pkw, die ausschließlich mit dem Parklenkassistenten ausgerüstet sind. Hier handelt es sich in
der Mehrzahl um ältere Modelle.
Daraus resultiert in der KH-Versicherung eine Reduktion der Schadenhäufigkeit von
ca. 10 %, wenn ein Notbremsassistent verbaut ist, und eine Reduktion von jeweils ca. 5 %,
wenn
das
Fahrzeug
über
ein
ACC,
einen
Spurwechselassistenten
inklusive
Spurhalteassistenten oder einen Parklenkassistenten verfügt. Dabei ist beim ACC von
einem etwas größeren Effekt und beim Parklenkassistenten von einem etwas geringeren
Effekt auszugehen. Für den Schadenbedarf liegen die Entlastungseffekte in etwa in der
gleichen Größenordnung, weil eine Wirkung auf den Schadendurchschnitt in der KH-
Versicherung nicht belegt werden kann.
Ähnliche Auswertungen für die VK-Versicherung zeigen eine geringe Auswirkung der FAS auf
den Schadenbedarf. Daher wird auf die Darstellung der Ergebnisse verzichtet. Ursächlich dafür
ist einerseits, dass nur ein Teil der Schadenarten in der VK-Versicherung durch FAS adressiert
wird. Andererseits führt eine bessere Ausstattung mit FAS insbesondere infolge der verbauten
Sensorik im Schadenfall zu höheren Reparaturkosten. Die Ergebnisse in der VK-Ver