---
title: "FVA BW Laubholz-Grünästung Baden-Württemberg; Fäule- und Verfärbungsrisiko durch Ästung"
sdDatePublished: "2026-08-06T12:58:00Z"
source: "https://www.fva-bw.de/fileadmin/publikationen/fva-praxisnah/04_Laubholz_Gruenaestung.pdf"
topics:
  - name: "forestry and timber"
    identifier: "medtop:20000214"
  - name: "agriculture"
    identifier: "medtop:20000210"
locations:
  - "Baden-Württemberg"
  - "France"
---


FVA BW Laubholz-Grünästung Baden-Württemberg; Fäule- und Verfärbungsrisiko durch Ästung

FVA PRAXISNAH: Laubholz-Grünästung - Auswirkungen auf Qualität und Wachstum

Auswirkungen auf Qualität und Wachstum
FVA PRAXISNAH
HEFT 04
Laubholz-Grünästung
Auswirkungen auf Qualität und Wachstum
FVA PRAXISNAH

FVA PRAXISNAH
Laubholz-Grünästung
Auswirkungen auf Qualität und Wachstum

Impressum

Herausgeberin
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt BW (April 2026)
Autoren
Andreas Ehring, Oswald Keller, Joachim Klädtke
Kontakt
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt BW
Abteilung Waldwachstum
Waldwachstum.FVA-BW@forst.bwl.de

Grafik
FVA BW/Eichler
Druck
Hofmann Druck Emmendingen
ISSN
3051-9667

Zitiervorschlag
EHRING, A.; KELLER, O.; KLÄDTKE, J. (2026): Laubholz-
Grünästung: Auswirkungen auf Qualität und Wachstum.
FVA PRAXISNAH, Heft 4, Forstliche Versuchs- und
Forschungsanstalt Baden-Württemberg.

Inhalt
1
Einleitung
01
2
Bisheriges Wissen und offene Fragen
02
3
Material
03
4
Schnittführung
04
5
Blockweise oder dynamische Ästung
08
6
Ergebnisse
12
6.1 Fäule und Stammverfärbungen
12
6.2 Wasserreiser
14
6.3 Radialzuwachs
16
6.4 Überwallungsdauer
19
6.5 Schlussfolgerungen
20

7
Diskussion
24
8
Ausblick
27
9
Literatur
28

FVA BW/Oswald

1 Grünästung gibt
waldbauliche Freiheit
In einphasigen Pflegemodellen ist die Grünästung zwingende
Voraussetzung zur Wertholzproduktion mit Laubbäumen1.
In zweiphasigen Pflegemodellen kann die Grünästung bei
nicht ausreichend natürlich astgereinigten Z-Bäumen zur
Nachqualifizierung eingesetzt werden. Erkenntnisse aus der
Baumpflege, insbesondere zur richtigen Schnittführung (Alex
L. Shigo) und die dynamische Ästung aus der Agroforstwirt­
schaft ermutigen zu einem erweiterten Einsatz der Laubholz-
Grünästung zur gezielten Wertholzproduktion bei deutlich
reduzierten Produktionszeiten.
1

2 Bisheriges Wissen und

offene Fragen
Bei baumzahlarm erwachsenen und stark differenzierten
Laubholzbeständen entspricht die natürliche Astreinigung
häufig nicht den waldbaulichen Erwartungen. Die Grünäs­
tung eröffnet die Möglichkeit, vitale und wipfelschäftige
Laubbäume als Z-Bäume auszuwählen und die gewünsch­
te astfreie Schaftlänge durch Ästung zu erzielen2. Unter
der Zielsetzung der Wertholzproduktion ist es entschei­
dend, dass das Abschneiden der Äste keine negativen Aus­
wirkungen auf die Holzqualität hat. In Ästungsmerkblät­
tern3 wird meist ein Astdurchmesser von max. 3 cm Stärke
genannt. Diese Vorgabe ist im Forstbetrieb kaum einzu­
halten, da Laubbäume mit steilen Astabgangswinkeln
sehr rasch deutlich stärkere Äste entwickeln. Stammparal­
leles Abtrennen der Äste galt lange als optimale Schnitt­
führung, um einen möglichst großen astfreien Mantel und
eine rasche Überwallung zu erzielen4. Aus der Baumpflege
ist jedoch bekannt, dass gerade diese Schnittführung
häufig zu Verletzungen des Stammgewebes führt, die
Stammverfärbungen, Risse oder sogar Stammfäule zur
Folge haben kann5. Darüber hinaus sind die Einschätzun­
gen über den richtigen Ästungszeitpunkt nicht einheitlich.
Aus diesen Gründen wurde an der FVA 2003 der Laubholz-
Grünästungsversuch gestartet.
2

3 Material
In jeweils typischen Wuchsgebie­
ten Baden-Württembergs wurden
in Stangenhölzern von 8 bis 14 m
Oberhöhe je Baumart zwei, bei
Buche fünf Versuchsparzellen an­
gelegt (Abb. 1). In jeder Parzelle
wurden mindesten zehn Bäume
im Frühjahr (März) und Sommer
(Juni) blockweise auf 3 bis 9 m geästet, wobei zwischen 19
und 56 %, im Mittel 40 % der grünen Krone entfernt wurden.
Der Durchmesser der entnommenen Äste lag zwischen 6 und
80 (im Mittel 31,4) mm ohne Rinde. Die Ästung erfolgte durch
einen erfahrenen Forstwirtschaftsmeister unter Benutzung
des Distel-Leitersystems. Als Kontrollvariante wurden weitere
zehn nicht geästet Bäume ausgewählt und zusammen mit den
geästeten Bäumen stark freigestellt. Neben anderen Para­
metern wurde an den stehenden Bäumen jährlich der Wasser­
reiserbesatz (Anzahl und Länge in Kategorien) erfasst. Der
Einschlag der Bäume erfolgte 2011 bzw. 2012, nachdem alle
Ästungswunden vollständig überwallt waren. An den gefäll­
ten Bäumen wurden asthaltige Stammabschnitte entnommen,
an denen Fäule- und Verfärbungserscheinungen, der Über­
wallungszeitraum und der Radialzuwachs bestimmt wurden.
Insgesamt wurden 1074 Astproben von 295 Eichen, Buchen,
Bergahornen und Eschen untersucht.
Abb. 1: Lage der Ästungsversuche in Baden-
Württemberg
3

4 Schnittführung
Generell ist für eine Grünästung der Einsatz scharf schnei­
dender Handsägen zu empfehlen. Scheren eignen sich wegen
der Gefahr der Quetschung nur bei dünnen Ästen und Zwie­
selschnitten im Kulturstadium. Besonders bewährt haben
sich auf Zug schneidende Sägen mit niederem Rücken. Bei
stärkeren Ästen, die mit einer Hand nicht sicher gehalten
werden können, wird zuerst ein Entlastungsschnitt geführt,
der das unkontrollierte Einreißen der Rinde oder des Holzes
verhindert. Sehr wichtig ist, dass der folgende Ästungsschnitt
den sogenannten Astkragen, häufig auch Astwulst genannt,
nicht verletzen darf (Abb. 2), gleichzeitig soll aber auch kein
Stummel stehen bleiben. Mit dieser Schnittführung wird der
Ast direkt vor dem Stammgewebe abgeschnitten, so dass nur
das Astgewebe verletzt wird und sich eventuell auftretende
Verfärbungen durch Oxidation oder Fäule durch Pilzeintritt
auf das Astholz beschränken. Zudem kann die Überwallung
durch das Stammgewebe sofort beginnen. Wird durch eine
stammparallele Schnittführung, wie beispielsweise mit der
Stangensäge, auch in den Astkragen geschnitten und damit
das Stammgewebe verletzt, kann sich eine Verfärbung, Riss­
bildung oder Fäule im Stamm ausbreiten6.
4

Abb. 2: Bergahorn, die grüne Linie markiert den korrekten Ästungsschnitt vor dem
Astkragen.
5
FVA BW/Ehring

Wird der Ast zu weit vor dem Stammgewebe abgetrennt,
verbleibt ein Aststummel, der erst überwallt werden kann,
wenn durch das sekundäre Dickenwachstum des Stammes
der Bereich der Schnittstelle erreicht ist. Dies erhöht zusätz­
lich die Gefahr für Verfärbung und Pilzbefall. Häufig ist der
Astkragen jedoch nicht ein­
deutig zu sehen. In diesem Fall
ist die in Abb. 3 dargestellte
Schnittführung nach Shigo5
zu empfehlen. Vom oberen
Rand der deutlich sichtbaren
Astrindenleiste legt man eine
gedachte Lotrechte an (blaue
Linie in Abb. 3). Über diese
gedachte Linie wird die Astrin­
denleiste nach außen gespie­
gelt, diese Spiegellinie ergibt
den Ästungsschnitt vor dem
(nicht sichtbaren) Astkragen.
Den Nachweis der richtigen
Schnittführung zeigt die
Bildung des Wundholzringes (Abb. 4). Ein durchgehender
Wundholzring bestätigt die korrekte Schnittführung. Ist der
Wundholzring unterbrochen (Abb. 5) so wurde in dem Be­
reich der Unterbrechung Stammgewebe verletzt.
Abb. 3: Die Spiegelung der Astrindenleiste
(gelb) an einer gedachten Lotrechten (blau) er­
gibt die korrekte Schnittführung (grün).
6
FVA BW/Keller

Um eine korrekte Schnittführung zu gewährleisten, ist eine
Leitertechnik notwendig. Nur so besteht die Möglichkeit den
Astkragen korrekt anzusprechen und den Ästungsschnitt
fachgerecht zu führen.
Abb. 4: Eiche mit korrekter Schnittführung,
der geschlossene Wundholzring zeigt die
gute Qualität der Schnittführung an einem
Steilast, das Stammgewebe blieb unverletzt.
Abb. 5: Walnuss mit falscher Schnittfüh­
rung, der oben und unten unterbrochene
Wundholzring weist auf eine stammparallele
Schnittführung hin, das Stammgewebe wurde
oben und unten verletzt.
7
FVA BW/Ehring
FVA BW/Keller

5 Blockweise oder dynamische

Ästung?
Die blockweise Ästung ist bei Laubbaumarten mit relativ
flachen Astabgangswinkeln wie Birke und Erle, bei der Nach­
qualifizierung zum Zeitpunkt der Z-Baumauswahl (Oberhöhe
14-17 m) oder bei geringen Ästungshöhen empfehlenswert.
Aus der Agroforstwirtschaft ist die Technik der dynamischen
Ästung bekannt. Damit werden bei frei erwachsenen Laub­
bäumen astfreie Schaftlängen bis 6 m erreicht7.
In weitständig erwachsenen Laubholzbeständen entspricht
die astfreie Schaftlänge vitaler und großkroniger Bäume
meist nicht den waldbaulichen Vorstellungen. Deshalb
werden Z-Bäume häufig aus der Kraft’schen Baumklasse 2
oder sogar 3 ausgewählt. Diese Bäume sind jedoch in ihrer
Vitalität eingeschränkt. Mit der dynamischen Ästung (Abb. 6)
besteht die Möglichkeit, auch vitale Laubbäume frühzeitig
(OH 8-10m) als Z-Bäume auszuwählen und mit mehreren
Ästungsdurchgängen astfreie Schaftlängen von 6-8m zu
erreichen.
8

Abb. 6: Forstwirtschaftsmeister Oswald Keller bei der dynamischen Ästung an Walnuss.
9
FVA BW/Ehring

Die dynamische Ästung verbindet die vorgreifende Ästung
und die blockweise Ästung (Abb. 7). Bei der vorgreifenden
Ästung geht der Blick „von oben nach unten“. Schon beim
ersten Ästungseingriff wird festgelegt, wie hoch später der
astfreie Schaftabschnitt sein soll: in Abb. 7 sind es etwa
7,5 m, angezeigt durch den obersten grünen Pfeil im rechten
Bild. Dieser Steilast muss entnommen werden, da er beim
nächsten Ästungsdurchgang sonst zu stark wäre.
Abb. 7: Hybridnuss vor und nach der dynamischen Grünästung. Vorgreifend wurden die
Äste mit grünem Pfeil und blockweise die Äste mit blauem Pfeil entnommen.
10
FVA BW/Keller

Auch aus dem darunter liegenden Kronenbereich werden die
stärksten Äste entnommen, schwächere und besonders flach
abgehende Äste verbleiben. Bei der blockweisen Ästung
werden alle Äste „von unten nach oben“ bis zu einem Schaft­
durchmesser von 10 - 12 cm entnommen. Insgesamt sollte
nicht mehr als 50 % des Grünkronenmaterials entnommen
werden. Die technische Durchführung erfolgt mit einem
Leitersystem, wobei sich das Distelleitersystem mit zwei
Kurzsicherungen zum Übersteigen der verbleibenden Grün­
äste besonders bewährt hat.
Die Laubholz-Grünästung ist eine Tätigkeit für Spezialis­
ten, die körperliche Eignung und Interesse voraussetzt.
Die Übungsschwelle ist relativ hoch und es bedarf einer
ständigen Kontrolle der eigenen Arbeitsqualität. Hier hat es
sich bewährt, wenn dieselben Bäume von derselben Person
immer wieder aufgesucht und weitergeästet werden, denn
an den Überwallungsbildern (Abb. 4, 5) und sonstigen Baum­
reaktionen wie Wasserreiserbildung und Wuchskraft lässt
sich die Qualität und Intensität der vorhergehenden Ästung
einschätzen.
11

6 Ergebnisse
6.1	Fäule und Stammverfärbungen
Bei einer Grünästung besteht grundsätzlich die Gefahr
einer Infektion mit holzzerstörenden Pilzen8. Um dieses
Risiko gering zu halten, wird häufig empfohlen, keine Äste
dicker als 3 cm zu entfernen3, 9, 10 und Ästungen außer­
halb der Saftzeit zu vermeiden4. Hochbichler et al.11 sehen
dagegen die Gefahr einer Fäulebildung oder Verfärbung
zumindest bei Eiche bis zu Astdurchmessern von 4-6 cm als
unbedeutend. In der vorliegenden Untersuchung wur­
de in keinem einzigen Fall Fäule im Stammholzbereich
festgestellt, ein Befund der sich mit Ergebnissen anderer
Abb. 8: Links im Astholz eingeschlossene Weißfäule nach Grünästung (Buche, Astdurch­
messer 60 mm), rechts Stammverfärbung an einer Esche nach Grünästung mit einge­
zeichneten Messlinien (Astdurchmesser 47 u. 30 mm). Bei der oberhalb der Schnittfläche
des linken Astes erkennbaren porösen Struktur handelt es sich um Korkgewebe, das vom
Baum vermutlich zum schnelleren Wundverschluss gebildet wird16. (Foto: FVA BW)
12

Tab. 1: Anteil an Stammverfärbung
NA: Natürliche Astreinigung, GA: Grünästung
Bergahorn
Eiche
Buche
Esche
Äste i.g.
davon
verfärbt
NA
NA
NA
NA
219
150
17
11
8
7
255
127
29
69
11
54
57
50
6
0
11
0
71
46
2
0
3
0
n
n
%
GA
GA
GA
GA
Arbeiten12 deckt. Vereinzelt waren im Inneren der Äste
Faulstellen zu finden, die sich aber immer auf das Astholz
beschränkten und nach außen abgeschottet waren (Abb. 8,
links). Teilweise hatten sich jedoch, ausgehend von den
Ästen, Verfärbungen im Stamm gebildet (Abb. 8, rechts).
Während Stammverfärbungen bei natürlicher Astreini­
gung außer bei Bergahorn nicht bzw. nur in geringem Um­
fang auftraten (Tab. 1), war