KBV-Chef Dr. Andreas Gassen kündigt Unterstützung für Praxen bei Anpassung ihres Leistungsangebots in Deutschland; 3 Mrd Euro weniger ambulante Versorgung.
KBV - Gassen kündigt Unterstützung für Praxen bei der Anpassung ihres Leistungsangebots an
Gassen kündigt Unterstützung für Praxen bei der Anpassung ihres Leistungsangebots an
Angesichts der milliardenschweren Einsparungen im ambulanten Bereich kündigt KBV-Chef Dr. Andreas Gassen weitere Unterstützung für die Praxen an. Die KBV werde gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen Informationen bereitstellen, die es Praxen ermöglichen sollen, wirtschaftlich zu arbeiten.
Für Ärzte und Psychotherapeuten werde es eine große Herausforderung, die Kürzungen für ihre Praxis zu identifizieren und dann zu gewährleisten, „dass eben nicht Leistungen erbracht werden, die über das vergütete Maß hinausgehen“, erläuterte Gassen in einem Video-Interview. Dies habe auch Konsequenzen für die Patientinnen und Patienten, weil die Terminverfügbarkeit dann eher geringer sein dürfte als vorher. Das Minus über alle Praxen beläuft sich im kommenden Jahr auf drei Milliarden Euro.
Der Handlungsbedarf für Ärzte und Psychotherapeuten besteht laut Gassen vor allem darin, die Praxisorganisation so zu gestalten, „dass die für 2027 zur Verfügung stehende Leistungsmenge optimal dem Praxisgeschehen angepasst werden kann“. Das bedeutet, dass eine Praxis nach Möglichkeit nur so viele Fälle planbar abarbeite, für die auch eine Vergütung vorhanden sei, betonte er.
Der KBV-Chef rechnet je nach Fachgruppe mit sieben bis 13 Prozent weniger Fällen pro Quartal. Exakte Zahlen lägen noch nicht vor, da viele Regelungen erst im Bewertungsausschuss verhandelt werden müssten. Die KBV werde diese Werte in Absprache mit den Kassenärztlichen Vereinigungen, denen die Honorarverteilung obliege, zeitnah zur Verfügung stellen.
Gassen: Linnemann muss „Scherben des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes aufkehren“
Bei der Frage, wie mit dem begrenzten Geld Versorgung organsiert werden kann, sieht Gassen den neuen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann in der Pflicht. „Er muss sozusagen die Scherben dieses Beitragssatzstabilisierungsgesetzes aufkehren und schauen, wie man jetzt mit dieser doch deutlich zurechtgestutzten Vergütung perspektivisch Sicherstellung gestalten will“, sagte er. Dabei sei ein Blick auf die wirtschaftliche Situation der Praxen sinnvoll. Praxen hätten unternehmerische Zwänge und von daher könne „eine reine Spargesetzgebung perspektivisch nicht dazu führen, dass sich die Versorgung stabilisiert oder gar verbessert“.
Den personellen Wechsel an der Spitze des Bundesgesundheitsministeriums sieht Gassen als eine Chance. „Wir müssen sicherlich dem Minister jetzt Zeit geben, sich in das Gebiet einzuarbeiten“, sagte er und fügte hinzu: „Wir stehen jederzeit als Gesprächspartner bereit, und von daher wohnt jedem Anfang auch eine Chance inne.“
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Drei Milliarden Euro weniger für die ambulante Versorgung. Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, erläutert, welche Folgen die Kürzungen für Vergütung, Fallzahlen und Terminverfügbarkeit haben. Von Gesundheitsminister Carsten Linnemann erwartet Gassen, dass er die wirtschaftliche Lage der Praxen berücksichtigt, die Versorgung sichert und anstehende Reformen wie die Notfallversorgung entschlossen angeht.
Interview Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV Die medizinische Versorgung steht wegen des Sparpakets massiv unter Druck. Welche Folgen befürchten Sie? Das wird für die Praxen eine Herausforderung werden, die verringerte Vergütung – 3 Milliarden werden der Versorgung entzogen – natürlich für ihre individuelle Praxissituation zu identifizieren und dann zu gewährleisten, dass eben nicht Leistungen erbracht werden, die über das vergütete Maß hinausgehen. Und das hat natürlich dann auch Konsequenzen für die Patientinnen und Patienten, weil die Terminverfügbarkeit dann eher geringer sein dürfte als vorher. Wo besteht der größte Handlungsbedarf für die Praxen? Der Handlungsbedarf wird darin bestehen, dass man die Praxisorganisation so gestaltet, dass die für 2027 zur Verfügung stehende Leistungsmenge optimal dem Praxisgeschehen angepasst werden kann. Das heißt, dass ich nach Möglichkeit pro Quartal nur so viele Fälle planbar abarbeite, für die auch Vergütung vorhanden ist. Und das werden je nach Fachgruppe zwischen 7 und 12, 13 Prozent weniger Fälle sein. Die exakten Zahlen kann man auch nicht wirklich antizipieren, da viele Regelungen im Bewertungsausschuss noch zur Verhandlung anstehen. Aber wir werden dann in Absprache mit den KVen diese Werte zeitnah zur Verfügung stellen. Wie wird die KBV die Praxen unterstützen? Die KBV wird im Verbund mit den KVen Informationsmaterial für die Praxen zur Verfügung stellen. Erst mal allgemeiner Natur und dann, wenn es an die spezifische Honorarverteilungssystematik geht, natürlich nur mit Unterstützung der KVen – denn die Honorarverteilung ist KV-Sache –, für regionale Fallwerte Zahlen zur Verfügung stellen. Was muss der neue Gesundheitsminister zuerst angehen? Er muss sozusagen die Scherben dieses Beitragssatzstabilisierungsgesetzes aufkehren und schauen, wie man jetzt mit dieser doch deutlich zurechtgestutzten Vergütung perspektivisch Sicherstellung gestalten will, wie man anstehende Gesetzesvorhaben wie Notfallversorgung angehen will. Und hier ist es sicherlich sinnvoll, auch mal einen Blick auf die wirtschaftliche Situation der Praxen zu werfen. Die wird Herr Linnemann sicherlich aufgrund seiner beruflichen Kompetenz besser beurteilen können – möglicherweise – und wird sehen, dass auch Praxen unternehmerische Zwänge haben und von daher reine Spargesetzgebung perspektivisch nicht dazu führen kann, dass sich die Versorgung stabilisiert oder gar verbessert. Sehen Sie die Neubesetzungen als Chance oder Risiko? Zunächst ist es eine Chance. Wir müssen sicherlich dem Minister jetzt Zeit geben, sich in das Gebiet einzuarbeiten. Er hat selber gesagt, er ist natürlich fachfremd. Das war Frau Warken auch. Insofern braucht man da sicherlich eine gewisse Zeit, um ein Gefühl für die anstehenden Reformen zu bekommen. Wir stehen jederzeit als Gesprächspartner bereit und von daher wohnt jedem Anfang auch eine Chance.
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