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title: "Shamonda-Virus (SHAV) erstmals in Deutschland, Schweiz, Frankreich nachgewiesen; Fetale Missbildungen bei Wiederkäuern möglich"
sdDatePublished: "2026-08-06T09:41:00Z"
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  - "Japan"
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Shamonda-Virus (SHAV) erstmals in Deutschland, Schweiz, Frankreich nachgewiesen; Fetale Missbildungen bei Wiederkäuern möglich

Steckbrief: Shamonda-Virus (SHAV)

Steckbrief | FLI | Stand 03.08.2026
Erreger
Beim Shamonda-Virus (SHAV) handelt es sich um ein
durch Gnitzen übertragenes Orthobunyavirus, das eine
enge Verwandtschaft zu Viren der Simbu-Serogruppe
aufweist, zu der auch das Schmallenberg-Virus (SBV)
und das Akabane-Virus (AKAV) gehören. Das Genom
besitzt drei Segmente (S, M und L), die für mindestens
fünf Proteine kodieren. S- und L-Segment von SBV und
SHAV sind sehr eng verwandt. Das für die Antigenität
und Immunantwort besonders relevante M-Segment
weist allerdings eine deutlich geringere
Übereinstimmung zwischen den Viren auf.

Verbreitungsgebiet
Das Shamonda-Virus wurde erstmals Mitte der 1960er
Jahre in Nigeria nachgewiesen und bis 2026 vereinzelt
im westlichen, östlichen und südlichen Afrika und in
Japan. Im Sommer 2026 trat es erstmals in Mitteleuropa
auf, bisher sind Deutschland, die Schweiz und
Frankreich betroffen.

Betroffene Tierarten
Für das Shamonda-Virus ist die Datenbasis deutlich
kleiner als für das Schmallenberg-Virus. Rinder gelten
als wichtige Wirte. Für Wildwiederkäuer und andere
Säugetiere bestehen bei der Simbu-Serogruppe
grundsätzlich plausible Infektionsmöglichkeiten, für das
Shamonda-Virus selbst ist die Evidenz aber begrenzt.
Übertragung
Die Übertragung erfolgt analog zu anderen Viren der
Simbu-Serogruppe sehr wahrscheinlich überwiegend
durch Culicoides-Gnitzen, denn SHAV wurde in Japan
und Afrika wiederholt aus Culicoides-Pools isoliert. Die
Isolation aus nigerianischen Culicoides und die saisonale
Epidemiologie sprechen für einen Culicoides-
gebundenen Zyklus.

Eine relevante direkte Tier-zu-Tier-Übertragung ist
nicht belegt, mit Ausnahme der vertikalen Übertragung
während der Trächtigkeit vom Muttertier auf die
Nachkommen (s. klinisches Bild).

Gesundheitsrisiko für den Menschen
Für eine klinische Erkrankung des Menschen durch SHAV
gibt es bislang keinen Nachweis.

Klinisches Bild
Rinder mit akuten Infektionen zeigen milde Symptome
wie Fieber, Milchleistungsrückgang und Durchfall.
Die entscheidende Pathogenität betrifft den
ungeborenen Fetus. Infiziert sich ein seronegatives
Muttertier während eines vulnerablen
Gestationsfensters, kann das Virus die Plazenta
passieren und den Fetus infizieren. Die Folge sind
Aborte oder schwere fetale Schädigungen. Bei Kälbern
wurden bisher Missbildungen des muskuloskelettalen
Systems (z.B. Arthrogryposis, Torticollis, Skoliose,
Kyphose) und des zentralen Nervensystems (z.B.

Shamonda-Virus (SHAV)

Shamonda-Virus (SHAV)
Steckbrief | FLI | Stand 03.08.2026 | 2
Hydranenzephalie, Porenzephalie, Hypoplasie von
Großhirn oder Kleinhirn) dokumentiert. Die kausale
Zuordnung stützt sich auf Epidemiologie, Virusnachweis
beziehungsweise Virusisolation und präkolostrale
neutralisierende Antikörper. Insgesamt ist das klinische
Bild dem von Infektionen mit dem Akabane-Virus oder
dem Schmallenberg-Virus sehr ähnlich. Die durch die
Viren der Simbu-Serogruppe induzierten Missbildungen
werden als „Arthrogrypose-Hydranencephalie-Syndrom
(AHS)“ bezeichnet. Basierend auf den Informationen
über andere Simbuviren könnten auch weitere
Wiederkäuerarten betroffen sein.

Labordiagnostischer Nachweis
Erregernachweis:
Der Erregernachweis erfolgt mittels real-time RT-PCR
oder Virusanzucht. Für die PCR-Diagnostik kommen
spezifische real-time RT-PCRs oder Pan-Simbuvirus-PCRs
mit anschließender Sequenzierung in Frage.

Für den Erregernachweis in der akuten Infektion eignen
sich Serum- oder EDTA-Blutproben, die während der
klinischen Phase (Fieber, Milchleistungsrückgang,
Durchfall) entnommen werden müssen.

Der Erregernachweis bei Feten, Aborten, Totgeburten
sowie missgebildeten Lämmern und Kälbern (AHS)
erfolgt vermutlich analog zum Schmallenberg-Virus
vornehmlich aus Gehirnproben (sowohl vom Groß- als
auch Kleinhirn), es sollten, wenn möglich aber auch
Milz- und Blutproben untersucht werden.

Indirekter Nachweis:
Der Antikörpernachweis kann mittels indirekter
Immunfluoreszenz und Neutralisationstest erfolgen.
Probenmaterialien der Wahl sind Serumproben; EDTA-
Blutproben sind für den Neutralisationstest weniger
geeignet. Bei neugeborenen Lämmern oder Kälbern ist
das Serum möglichst präkolostral zu gewinnen.
Viren der Simbu-Serogruppe zeigen erhebliche
serologische Kreuzreaktionen, vor allem bei der
Verwendung von N-Protein-basierten ELISAs. Ein
positiver SBV-ELISA kann daher eine zurückliegende
Shamonda-Virus-Infektion oder eine Infektion mit einem
anderen verwandten Simbuvirus anzeigen. Für eine
belastbare Zuordnung sind vergleichende
Neutralisationtests erforderlich.

Bekämpfung
Klassische Bekämpfungsmaßnahmen bieten keinen
zuverlässigen Schutz vor Infektionen mit dem
Shamonda-Virus. Trotzdem kommt der Schutz
empfänglicher Tiere vor Gnitzen/Mücken in Betracht,
um das Infektionsrisiko insbesondere während der
Vektor-aktiven Zeit zu mindern. Darüber hinaus kann
der Besamungszeitpunkt weiblicher Tiere so gelegt
werden, dass das vulnerable Stadium der Trächtigkeit
(in Analogie zum Schmallenberg-Virus beim Schaf
vermutlich in etwa während der vierten bis achten,
beim Rind etwa während der achten bis vierzehnten
Trächtigkeitswoche) außerhalb der Vektor-aktiven Zeit
liegt.

Impfstoffe sind die beste Schutzoption, stehen vorerst
aber noch nicht zur Verfügung.

Empfehlungen für Tierhalter und Tierärzte
Beim Auftreten der geschilderten akuten Symptome
(Milchrückgang, Fieber und Durchfall) bei Rindern in der
Vektor-aktiven Zeit sollten geeignete Proben zur
Abklärung einer möglichen Infektion mit dem
Shamonda-Virus an die zuständigen Landesunter-
suchungseinrichtungen weitergeleitet werden. Ebenso
sollten klinisch auffällige Neugeborene untersucht
werden.

Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit
Südufer 10, D-17493 Greifswald – Insel Riems, FLI-Webseite